Von Borges legendärer Belesenheit angespornt habe ich einen Blick in den Artikel Wahre Geschichten geworfen. Wenn das Satire sein soll, dann ist der Autor entweder sehr extenrisch, indem er fiktive Literatur als "Lügen" anklagt, oder das Werk impliziert, dass viele Menschen der klassisch-römischen Antike kein Verständnis von fiktiver Literatur hatten. Für diese Leute erschienen dann Homers Odyssee wie jede anere Reiseerzählung auch. Was ziemlich lustig ist, bedenkt man, dass schon die alten Philosophen allgegorische Deutungen vorschlugen und es in der Antike sowas wie eine Philologie gab. Science Fiction kann das Werk eigentlich nur in übertragenen Sinne sein, denn so etwas wie "science", Wissenschaft, im modernen Sinne gab es damals noch nicht; nur Mathematik (was damals noch Astronomie und teils Astrologie einschloss) und Naturphilosophie. Wenig Basis für eine "Wissenschaftskritik".
Kepler hat dagegen wahrscheinlich wirklich den ersten Science-Fiction Roman geschrieben, wenngleich die Reise zum Mond durch Zauberei gelingt. Kepler nutzt das Werk meines Wissens auch, um einen Aufgang der Erde auf den Mond zu beschreiben. Eine Illustration seiner astronomischen Theorien!
"Narren sind Alle, die es scheinen, und die Hälfte derer, die es nicht scheinen" ~ Gracian's Handorakel
Lukian von Samosata steht ganz in der Tradition der antiken Satire, wie man sie bei Aristophanes findet; seine Methode, auf den Mond und weiter zu gelangen, ist schlicht Mittel zum Zweck, um zum Schauplatz des Geschehens zu gelangen. Der Witz ist natürlich, daß auch ein Großteil der modernen SF nicht anders operiert: Dimensionstore und Zeitmaschinen fallen auch in diese Kategorie, genau wie das Beamen bei Star Trek. Das sind Konventionen, bei denen die "willing suspension of disbelief," die Coleridge ins Spiel gebracht hat, Voraussetzung ist. "Harte Science Fiction" verwendet fiktionale Beglaubigungsstrategien, die der Physik/Ingeneurstechnik entlehnt sind, um entweder ihre Schauplätze durch logische Extrapolation auszugestalten oder aber, im Fall einer Problemstellung die bewältigt werden muß, ein festes Regelwerk vorzugeben (wie etwa in "The Martian").
Auf der anderen Seite der Medaille steht, daß dieser Strauß an narrativen Konventionen und Standardsituationen erst einmal entwickelt werden und bereitstehen muß, damit sich Autoren wie aus einem Baukasten daraus bedienen, sie abwandeln oder auch parodieren können. Kritiker und Literaturhistoriker verwenden seit gut einem halben Jahrhundert für Texte, die vor dieser Wasserscheide entstanden sind, den Begriff Proto Science Ficton (mit oder mitohne Bindestrich), und setzen die Scheidelinie irgendwo zwischen Edgar Allan Poe und H. G. Wells an. In letzter Konsequenz läuft das darauf hinaus, daß ein Werk über die Grenze springt, wenn es einen bestimmten Tonus, einen Affekt aufweist: "schmeckt wie SF, ist SF."
Kepler ist der erste Autor, der betont, daß für die Mondbewohner die Erde unverrückbar am Himmel steht; die Mondgesellschaft zerfällt in zwei Lager: die Privolvier sehen die über ihnen feststehende Erde sich drehen, die sie deshalb "volva", die Kreisende nennen, die Subvolvaner bekommen sie nie zu sehen. Was Ihnen da mgw. im Hinterkopf spukte, ist die Tatsache, daß Kepler auch der erste ist, der den Effekt der Libration beschreibt. In der Übersetzung von Günther von 1898:
Zitat Die Privolvaner der Mitte (75) sehen die Sonne zu Mittag grösser, die Subvolvaner dagegen kleiner als beim Aufgang. Beiden weicht die Sonne um einige Minuten von der Ekliptik ab und zwar bald zu diesem, bald zu jenem Fixstern (76) und erst in einem Zeitraum von 19 Jahren werden diese Schwankungen, wie schon gesagt, wieder in die alte Bahn gebracht. Indess ist diese Abweichung bei den Subvolvanern etwas geringer, als bei den Privolvanern, für die letzteren bewegt sich die Sonne um Mittag kaum merklich, bei den ersteren dagegen sehr schnell und umgekehrt um Mitternacht. Daher scheint den Levaniern die Sonne gleichsam sprungweise unter den Fixsternen fortzuschreiten (77).
Dasselbe gilt von Venus, Mercur und Mars, bei Jupiter und Saturn sind die Erscheinungen fast unmerklich (78).
Aber diese tägliche Bewegung ist nicht einmal zu gleichen Stunden des Tages immer gleich, sondern sowohl bei der [11] Sonne, als auch bei den Fixsternen bisweilen langsamer, bisweilen schneller (79), und indem diese Verzögerung durch die Tage des ganzen Jahres läuft, so dass sie bald den Sommer, bald den Winter betrifft, wird abwechselnd bald der Tag, bald die Nacht länger (durch wirkliche Verzögerung, nicht wie bei uns auf der Erde durch ungleiche Eintheilung des natürlichen Tageslaufes) (80).
Erst in einem Zeitraum von fast 9 Jahren gleicht sich die Verzögerung des Sonnenlaufes einmal aus und sind dann Tag und Nacht annähernd gleich lang, was sowohl für die Privolvaner, als auch für die Subvolvaner gilt (81).
Aus Keplers Anmerkungen:
Zitat 55. [88.] Daraus, dass der Mond uns Erdbewohnern immer dieselben Flecken zukehrt, ersehen wir, dass er die Erde umkreist, gleichsam, als wenn [60] er mit einer Stange mit dieser verbunden wäre und erkennen ferner, dass er mit seinem uns abgekehrten Theil die Erde niemals, mit seinem uns zugekehrten dagegen immer sieht.
Und Günther merkt in Fn. 76 an:
Zitat Wenn Kepler von den Beziehungen zwischen Ekliptik, Aequator und Mondbahn, wie wir gesehen haben [C. 55 u. 57], auch keine genaue Kenntniss hatte, so war ihm doch der Winkel, den die Mondbahn mit der Ekliptik macht, ziemlich richtig mit 5° bekannt; trotzdem ist das von ihm oben angegebene Resultat ein ganz falsches. Der Grund hierfür liegt darin, dass Kepler das arithmetische Verhältniss der Entfernungen des Mondes und der Sonne von der Erde bei weitem zu gross annahm: es ist nicht ein 60faches, sondern ein 400faches. Der Irrthum ist zumeist in der Unkenntniss der Sonnenentfernung begründet, denn über die des Mondes war man damals schon ziemlich genau unterrichtet.
Da Kepler in einer nächsten Note noch weitere Schlüsse hieraus zieht, es ausserdem für die gesammten astronomischen Messungen von grösster Wichtigkeit ist, so rechtfertigt es sich, etwas ausführlicher auf dieses Verhältniss einzugehen. [80] Aristarch [UE 61] war der erste, welcher die Entfernung der Sonne zu bestimmen versuchte, er rechnete heraus, dass die Sonne etwa 18–20 mal so weit von der Erde entfernt sei als der Mond. An diesem Facit konnten auch die Berechnungen Hipparchs [UE 62] und Ptolemäus’ wenig ändern und es hat sich viele Jahrhunderte behauptet; ja selbst Kepler legte es, wie wir aus N. [109] erfahren, noch z. Zt. als er den Text seines Traumes schrieb, seinen Berechnungen zu Grunde. Später, als er nach den Beobachtungen Tychos die Berechnung der Rudolphinischen Tafeln begann, kamen ihm indessen Zweifel über die Richtigkeit des überlieferten Werthes, er dehnte seine Rechnungen hierauf aus und fand, dass die Sonne mindestens 60 mal so weit von der Erde entfernt sein müsse, als der Mond, also ungefähr 3500 Erdradien, oder mit anderen Worten, dass die Sonnenparallaxe, d. i. der Winkel, unter welchem von der Sonne aus der Erdradius erscheint, jedenfalls kleiner sei als 1 Bogenminute. Erst mehrere Jahre nach Keplers Tode, um die Mitte des XVII. Jahrhunderts ist von Wendelin[UE 63] eine wesentlich bessere Bestimmung gegeben: er berechnet das Maximum der Parallaxe zu 15 Bogensekunden, wodurch das Verhältniss auf ein 240faches gebracht wurde. Jetzt kennt man die Sonnenparallaxe mit grosser Genauigkeit; sie ist ca. 8,8 Bogensekunden und das Verhältniss danach ein 400faches.
Es ist interessant zu sehen, wie die Sonne im Verlauf der Jahrtausende immer weiter und weiter in den Weltraum zurückgewiesen wird: von 1 Million bis zu 20 Millionen Meilen! –
Wenn man nun dieses Verhältniss an Stelle des keplerschen in seine Rechnung einsetzt, so wird die resultirende Abweichung der Sonne in Wirklichkeit nicht ca. 5 Minuten, sondern nur etwa 45 Sekunden betragen.
Der "Somnium" ist relativ kurz gehalten; in der lat. Fassung sind es knappe 20 Druckseiten; dann folgen gute 100 Seiten an trockenen Fußnoten, die Kepler in Lauf der nächsten 20 Jahre ständig erweitert hat. Seine Biographen wissen nicht genau, wann er die Arbeit daran wieder aufgenommen hat; die meisten vermuten, daß das Anfang der 1620er Jahre war. Die Abfassung des "Somnium" wird meist auf 1609 festgesetzt; der Hexenprozess gegen seine Mutter in Linz, von dem manche vermutet haben, daß er durch die Zirkulation des Manuskripts ausgelöst worden ist (obwohl keinerlei Fingerzeig dafür existiert), ist 1615 eröffnet worden.
"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire
Stichwort "narrative Beglaubigungsstrategien". Mal ein praktisches Beispiel, weil's mir gerade mal wieder in die Finger gekommen ist: ein SF-Autor kann die Effekte beim Umkreisen und beim Sturz in ein schwarzes Loch recht gut beschreiben, er kann hier auf detailierte Vorarbeiten der Kosmologen zurückgreifen, von J.A.Wheeler bis Heino Falckes Licht im Dunkeln von 2020. Greg Egan und Gregory Benford haben das zentrale schwarze Loch der Milchstraße, Cygnus X-1, zum Schauplatz ganzer Romane gemacht. Doch um meine Protagonisten, ob human, posthuman, nicht-human oder als Von-Neumann-Sonde, dorthin zu bringen, muß ich auf Technobabbel aus Scottys Maschinenraum zurückgreifen und den Fluxgenerator mit Dilitiumkristallen bestücken.
Mein Exempel ist Poul Andersons Kurzgeschichte "Kyrie," die mir gestern mal wieder unterkam. Erschienen ist sie in der von Joseph Elder edierten Anthologie The Farthest Reaches, bei dem die Vorgabe des Herausgeber war, den Spielraum der Phantasie entlang den neuesten astronomischen Spekulation möglichst weit zu spannen, aber im Rahmen des Denkbaren und theoretisch Begründbaren zu bleiben. Das Buch ist im Oktober 1968 bei Trident Press erschienen; die Vorlaufzeit für Edierung, Satz, Druck und Fahnenkorrektur liegt typischerweise bei sechs Monaten. Das Buch enthält zwei Kurzgeschichten, in denen ein schwarzes Loch zentral steht: "Kyrie" und Robert Silverbergs "To the Dark Star." Beide verwenden den Ausdruck "black hole" nicht. Geprägt wurde der Begriff Ende 1967 von John Archibald Wheeler, der das Konzept des kollapsars ab 1964 mathematisch entwickelt hatte und auf einer Konferenz erwähnte, daß der Ausdruck "completely gravitationally collapsed object" reichlich unhandlich sei, woraufhin einer der Zuhörer "schwarzes Loch" vorschlug. Wheeler hat den Ausdruck in einem Vortrag in New York am 29.12.1967 zuerst verwendet; abgedruckt worden ist er unter dem Titel "Our Universe: The Known an dthe Unknown" im Journal American Scientist in der Ausgabe vom Frühjahr 1968 (Bd. 56, nr 1, S. 1-20; nicht zu velwechsern mit dem "Scientific American").
Protagonistin in "Kyrie" ist eine Nonne in einem Kloster, das sich, zum Zweck maximaler Weltabgeschiedenheit, auf der Rückseite des Erdmonds befindet. Sie war vor ihrem Eintritt in den Orden Mitglied der ersten Expedition, die sich einen solchen Dunkelstern von nahem angesehen hat. Ein weiteres Expeditionsmitglied ist ein extraterrestrisches Wesen, das aus reiner Energie besteht, "erschaffen, als die Magnethydrodynamik das Werk vollführte, das auf der Erde die Biochemie zustande gebracht hatte, ein Wesen aus Ionen, Atomkernen und Kraftfeldern," genannt Luzifer, mit dem sie telephisch in Verbindung steht - "durch sie konnte sie ihn an all dem teilnehmen lassen, was er sonst nie erfahren hätte: der Duft und der Anblick von Blumen, der Klang klassischer Musik," während sie so in der Lage ist, kosmische Strahlung und nukleare Reaktionen als unmittelbare Sinneseindrücke zu erleben. Bei einem nahen Vorbeiflug in einer Raumkapsel kommt es zur Havarie. Luzifer stürzt in das Schwarze Loch. Die Zeitdilation gemäß der Relativitätstheorie (in diesem Fall nicht durch relativistische Geschwindigkeiten der Betrachter zueinander, sondern infolge unterschiedlicher Gravitationspotentiale) führt dazu, daß für einen Außenstehenden dieser Sturz ewig währt. Eloise wird bis zu ihrem letzten Atemzug diesen Todesschrei hören.
Der christlich-religiöse Subtext ist natürlich eindeutig: der Höllensturz Luzifers ("Luzifer ist nicht der wahre Name des Teufels. Es gibt sogar ein lateinisches Gebet, das Christus als Luzifer anspricht" heißt es bei Anderson) in eine Schwärze, die alle menschliche Vorstellung übersteigt, die Umdeutung des rebellischen Engels in eine tragische Gestalt, die mit Miltons "Paradise Lost" begonnen hat und dann in der Romantik zentral wird. Aber die konzeptionelle Umsetzung in den Erzählstoff wird durch die Konzepte der Kosmologie ermöglicht.
Bei Milton ist es der Kern der Hölle, daß sie für immer von der göttlichen Präsenz und seiner Gnade - das fällt in eins - ausgeschlossen ist. Deshalb herrscht dort ewige Finsternis, weil das Licht ein Ausfluß dieser Gnade ist. Erst als Gott die Welt erschafft und den Menschen (m/w/̶d̶), und eine Möglichkeit lassen muß, wie er dort wirkend eingreifen kann, erschafft er damit auch ein Einfallstor für Satan. (Das ist schon ausgeklügelt; bei Borges finden Sie das nicht, weil der sich in der Umsetzung dieser Konzepte auf Dante Alighieri beschränkt hat, sh. Nueve ensayos dantescos, 1982).
PS. Der Geburtstag von Poul Anderson jährt sich übrigens am 26. November 2026 zum 100. Mal. Vielleicht sollte ich mich mal daransetzen, um den Text aus dem Anlaß neu zu übersetzen.
"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire
Cornel Robu weist daraufhin, daß Anderson die Personenkonstellation aus Sophokles' Antigone übernommen hat: Eloise Waggoner entspricht Antigone, Kapitän Szili König Kreon und Luzifer Polynikes.
Die Sagitarii-Supernova-Expedition umfaßte fünfzig Menschen und eine Flamme. Sie nahm nach dem Verlassen der Erdumlaufbahn einen Umweg und legte bei Epsilon Lyrae einen Zwischenhalt ein, um das letzte Besatzungsmitglied an Bord zu nehmen. Dann näherte es sich seinem Ziel in Sprüngen.
Das ist das Paradox: Raum und Zeit sind verschiedene Aspekte voneinander. Als die Explosion zuerst auf Lasthope registriert wurde, lag sie schon ein Jahrhundert zurück. Die Beobachter waren Teil eines auf Jahrhunderte angelegten Programms, das die Kulturen von Wesen erforschen sollte, die sich in jeder Hinsicht von uns unterschieden; aber eines Nacht sahen sie am Himmel über sich einen neuen Stern, so hell, daß er Schatten warf.
Die Wellenfront würde die Erde erst in Jahrhunderten erreichen. Zu diesem Zeitpunkt würde sie sich so weit ausgedehnt haben, daß sie nur noch als ein weiterer heller Punkt am Himmel erscheinen würde. In der Zwischenzeit konnte ein Schiff, den den Raum, durch den das Licht kriechen mußte, den Todeskampf des Sterns über die Zeit hinweg verfolgen.
Aus ausreichender Entfernung zeichneten die Instrumente auf, was vor dem Ausbruch geschehen war: Glut, die in sich zusammenfiel, nachdem der letzte Kernbrennstoff erschöpft war. ein Sprung, und sie registrierten, was ein Jahrhundert zuvor passiert war: Konvulsionen, ein Sturm aus Quanten und Neutrinos, ein Strahlungsausbruch, der den Strahlung aller hundert Milliarden Sonnen in dieser Galaxie gleichkam.
Er ließ nach und ließ eine Leere am Himmel zurück, und die Raven näherte sich weiter. Fünfzig Lichtjahre - fünfzig Jahre - weiter beobachtete sie eine schrumpfende Feuersglut in der Mitte eines Nebels, dessen Inneres wie von Blitzen erhellt wurde.
Fünfundzwanzig Jahre später war die zentrale Kugel weiter geschrumpft, der Nebel hatte sich ausgedehnt und war schwächer geworden. Aber weil die Entfernung jetzt so viel kleiner war, erschien alles größer und heller. das unbewaffnete Auge sah eine blendende Helle, die zu stark war, um sie direkt anzusehen; sie ließ die umgebenden Sternbilder schwach erscheinen. Die Teleskope zeigten einen blauweißen Funken im Herzen einer schillernden Wolke, die an ihren Rändern in filigrane Ausläufer zerfaserte.
...
"Was muß ich tun?" antwortete sie, weniger zurückhaltend als üblich. "Ich gehöre doch nicht zur Besatzung. Und ich bin kein Wissenschaftler."
"Sie gehören zur Besatzung. Kommunikationstechnikerin mit Spezialauftrag."
"Mit Luzifer. Und ihm gefällt die Musik. Er meint, daß wir damit ihm in unserem Einsseins näher kommen als in allem anderen, das er sonst über uns in Erfahrung gebracht hat." Szili zog die Augenbraue hoch. "Einssein?"
Über Elioses Wagen zog sich eine leichte Röte. Sie blickte zu Boden und rang krampfhaft die Hände. "Vielleicht ist das nicht das passende Wort. Frieden, Harmonie, Einheit ... Gott? ... Ich spüre, was er damit ausdrücken will, aber uns fehlen die angemessenen Worte."
"Nun --- Schließlich sollen Sie ihn bei Laune halten." Der Skipper fühlte, wie die Abneigung, die er zu unterdrücken versucht hatte, wieder in ihm aufstieg. Auf ihre abweisende und verklemmte Art war sie ganz in Ordnung, schätzte er, aber ihr Aussehen ---! Dürr, mit riesigen Füßen und einer riesigen Nase, Glubschaugen, und rissigen staubfarbenen Haarsträhnen - und Telepathen machten ihn sowieso immer nervös. Sie hatte zwar gesagt, daß sie nur Luzifers Gedanken lesen konnte - aber stimmte das auch?
Nein. Besser nicht daran denken. Die Einsamkeit und die Andersartigkeit hier draußen kann einen fertigmachen. Besser nicht noch seine Mitreisenden verdächtigen.
Falls Eliose Waggoner denn wirklich menschlich war. Sie mußte zumindest eine Art Mutation darstellen. Jeder, der mit einem lebenden Energiestrudel in Verbindung treten konnte, konnte gar nichts anderes sein.
"Was spielen Sie überhaupt?" fragte Szili.
"Bach. Das dritte Brandenburgische Konzert. Luzifer hält nichts von dem modernen Zeug. Ich auch nicht."
ε Lyr ist eine interessante Wahl für ein bewohnbares Sonnensystem. Vierfachstern, zwei Doppelsterne, die sich gegenseitig umkreisen (deswegen ein beliebtes Objekt für Feldstecher und kleine Teleskope), Entfernung 160 Lichtjahre, aber die Komponenten stehen hunderte bis tausende von astronomischen Einheiten voneinander entfernt; sie weisen Massen von 1,61 bis 2,15 Sonnenmassen auf. Insofern wäre einmal zu kalkulieren, ob die gegenseitigen Bahnstörungen gering genug ausfallen, um Planeten in der habitablen Zone nicht herauszukegeln. Der hellste Stern, ε¹ Lyr, trägt seit dem 18. Juni 2026 ganz offiziell den Namen Pongaponga. Epsilon Lyrae ist einer der Augenprüfer: bei normalem Sehvermögen als ein schwacher Lichtpunkt gerade an der Sichtbarkeitsgrenze; bei sehr scharfen Augen unter optimalen Bediungen als Doppelstern, dreieinhalb Bogenminuten getrennt, auszumachen.
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Gewisse Schwierigkeiten ergeben sich natürlich bei der Übertragung aus der zeitlichen Distanz. Direkt vor dem oben zitierten Gespräch heißt es im Text:
He found Eloise Waggoner at her post, a cubbyhole with intercoms directly to the command bridge. Music drew him, a triumphant serenity he did not recognize. Stopping in the doorway, he saw her seated with a small tape machine on the desk.
Bei diesem Bandgerät handelt es sich eindeutig um ein Tonbandgerät, noch nicht einmal um einen Kassettenrekorder, und auf seine Art ist das ein Anachronismus wie die Rechenschieber, mit denen Raumfahrer bis in die fünfziger Jahre in alten Geschichten ihren Kurs errechnen. So etwas löst immer einen leicht irritierenden Störeffekt aus, der sich zwischen Leser und Erzählstoff schiebt - und das wird auch wohl so bleiben, bis sich sämtliche Technik auf das Prinzip der Black Box reduziert hat. Immerhin stört es nicht so eklatant wie ein Text aus dem Jahr 1985, in dem 2015 der Meeresspiegel um 20 m gestiegen ist.
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Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #5Insofern wäre einmal zu kalkulieren, ob die gegenseitigen Bahnstörungen gering genug ausfallen, um Planeten in der habitablen Zone nicht herauszukegeln.
Erübrigt sich. James B. Kaler, The Hundred Greatest Stars (New York: Copernicus Books, 2002), S. 72, Eintrag 35:
Zitat The stars within each pair are so close together that their properties have been rather difficult to determine. Apparent magnitudes average 5.5, classes A5, while temperatures hover near 8000 K and luminosities about 12 solar. A closer look reveals subtle differences, especialy between the two components of Epsilon-I, as one is noticeably fainter than the other. The four are ordinary white hydrogen-fusing main sequence dwarfs with masses and radii about double those of the Sun. All spin with at least 100 the solar rotation speed. All at the same distance of about 160 light years, the stars of the close pairs each orbit the other, while at the same time each of the pairs are in mutual orbit. The members of each of the close pairs are separated by about 140 AU (3.5 times Pluto's distance from the Sun), and it takes them about 1000 years to make the journey. The orbital period of each double about the other is vastly longer. The pairs are separated by at least 10,000 AU (0.16 light years), implying a period of at least half a million years (making orbital observations rather obviously impossible).
While many class A stars (like Beta Pictoris) reveal dusty disks in which planets might have formed, there is no evidence that Epsilon Lyrae's stars have either; duplicty may rule against planetary formation (we have no idea). But try to visualize the sight if there were one. An "Earth" would have to orbit one of the stars at about Jupiter's distance for us to survive. The other of the pair would shine as a second "Sun" with a radiance of 500 full moons. Off in the distance, we would see two brilliant points under 1 degree apart, each of which glows with the light of a quarter Moon. Imagine too the mythologies that our planet's inhabitants might have invented, not to mention the songs they might sing.
Kleiner Überschlag: der Hauptanteil des Wassereintrags auf den Planeten des inneren Sonnensystems - Erde und Mars - sowie auf den größeren Monden der Gasriesen dürfte auf den Einschlag von Komaten aus der Oortschen Wolke in der frühen Entstehungsphase zurückgehen (schon rein statistisch, weil die Anzahl die der kurzperiodischen um Größenordnungen übersteigt). Durch heftige Störeffekte von Sternen mit doppelter Sonnenmasse in dreifacher Plutodistanz könnten sich dort niemals vergleichbare Eisreservoire gebildet haben. "Die größte Tragödie in der Wissenschaft ist das Abschlachten einer schönen Theorie durch eine häßliche Tatsache." - Thomas Henry Huxley
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Zitat von Zettels RaumMir war klar, daß mein Mars den neuen Horizont darstellen würde, den Steinbecks Billy Buck ins Auge gefaßt hat, als er am Ufer des Pazifik stand und ihm klar wurde, daß der „Aufbruch nach Westen“ sein Ende gefunden hatte und jedem, dem der Sinn nach Abenteuern stand, nur noch die Wahl blieb, darauf zu verzichten.
Das kommt davon, wenn man nie John Steinbeck gelesen hat (ich kenne Doc Ricketts aus "Cannery Row" auch nur aus der Verfilmung von 1982, wo ihn Nick Nolte gespielt hat) und sich auf seine Gewährsmänner - in diesem Fall Ray Bradbury - verläßt. In Steinbecks kurzem Roman "The Red Pony" (das Buch hat gute 120 Seiten Umfang) von 1937 ist es nicht Billy, dem da sein höheres Ziel abhanden kommt, sondern sein Großvater.
Zitat "I tell those stories, but they're not what I want to tell. I only know how I want people to feel when I tell them. It wasn't Indians that were important, nor adventures, nor even getting out here. It was a whole bunch of people made into one big crawling beast. And I was the head. It was westering and westering. Every man wanted something for himself, but the big beast that was all of them wanted only westering. I was the leader, but if I hadn't been there, someone else would have been the head. The thing had to have a head. Under the little bushes the shadows were black at white noonday. When we saw the mountains at last, we cried – all of us. But it wasn't getting here that mattered, it was movement and westering. We carried life out here and set it down the way those ants carry eggs. And I was the leader. The westering was as big as God, and the slow steps that made the movement piled up and piled up until the continent was crossed. Then we came down to the sea, and it was done."
When Jody spoke, Grandfather started and looked down at him. "Maybe I could lead the people some day,” Jody said.
The old man smiled. "There’s no place to go. There’s the ocean to stop you. There’s a line of old men along the shore hating the ocean because it stopped them.”
“In boats I might, sir.”
"No place to go, Jody. Every place is taken. But that’s not the worst — no, not the worst. Westering has died out of the people.* Westering isn’t a hunger any more. It’s all done. Your father is right. It is finished.” He laced his fingers on his knee and looked at them.
Worauf Steinbeck sich hier bezieht, ist natürlich die "Frontier Thesis" von Frederick Jackson Turner von 1893. Ungeachtet der Einwände, die von Historikern von Anfang an dagegen angeführt worden sind, hat die Vorstellung der Grenze als als entscheidendem Faktor für "Innovation und Aufbruch", als eine selbstgesetzte "Challenge" in Sinn Toynbees, einen Nerv getroffen, und die Ausrufung neuer Grenzen ("The electronic frontier") und vor allem des Weltraums als "new frontier" seit der Zeit von JFK hat sich immer darauf bezogen.
Und deswegen noch einmal Brivael Le Pogam, den ich heute schon einmal im anderen Strang eingestellt habe, weil er sich exakt darauf bezieht:
Zitat Brivael Le Pogam@brivael Often, people look at Elon Musk's project and see either a billionaire's delusion or just an ultra-ambitious company.
That's missing the point.
For years, he's been repeating the same thing: humanity needs a project. A vision big enough to give meaning back to the future. Not a slogan. A horizon.
Understanding the unity of the cosmos, becoming multiplanetary, developing robotics and energy on a scale never seen before... that's not marketing. It's real philanthropy. The only kind that truly matters: the one that expands the possibilities for the entire species.
Tesla isn't first and foremost an electric car company. SpaceX isn't first and foremost a rocket launcher company. They are machines for creating technologies that make the future bigger than the present. Technologies that, along the way, radically improve the human condition on Earth.
Meanwhile, part of the West has started to run out of optimism. And when you no longer have a vision, you end up doing just anything. You fight over symbols, you manage scarcity instead of eliminating it, you prefer to denounce rather than build.
Decline isn't a fatality. It's first and foremost a lack of project.
Today, Elon is carrying this project almost single-handedly. And that's precisely why many more people should evangelize it. Not out of fanaticism. Out of clarity.
Because these companies are one of the few living proofs that we can still believe in an extremely positive future. And that we can build it.
The 21st century doesn't need more cynicism. It needs people who choose to expand the possible. 8:29 AM · Aug 17, 2026
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