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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 572 mal aufgerufen
Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Zettel

Beiträge: 20.200


23.04.2008 14:10
Presse in der Nachkriegszeit Antworten

Zitat von PDF
Künstlich deshalb, weil diese Welle ohne die von den USA installierten Presse nach dem Kriege in Deutschland gar nicht möglich gewesen wäre;sich niemals in einem solchen Ausmaß entwickelt hätte können.

Es mußte ja damals bei null angefangen werden, lieber PDF. Auch in dieser Hinsicht hatte man eben eine "Stunde Null" hinter sich.

Soweit ich das überblicke, haben die Amerikaner und vor allem auch die Briten sich beachtenswert liberal verhalten, was ihre Kontrolle über die Presse anging.

Ein Beispiel ist der "Spiegel", der mit britischer Hilfe aus der Taufe gehoben worden war (es gab da einen gewissen Major Chaloner, fast ein Zwilling von Augstein). Sehr bald wurde die Redaktion aufmüpfig und hat die Besatzungsmächte heftig kritisiert. Aber man ließ sie und war lediglich bemüht, den "Spiegel" möglichst bald aus britischer Obhut zu entlassen, damit nicht die Besatzungsmacht selbst für die Kritik an ihr verantwortlich zeichnen mußte.

Man wollte ja den Deutschen die Demokratie nahebringen; und das konnte man nicht gut, indem man Zensur ausübte. Sogar in der russischen Zone galt das in gewissem Umfang. Die Zeitschrift "Ost und West", herausgegeben von Alfred Kantorowicz, der später in den Westen flüchtete, war durchaus nicht nur ein kommunistisches Blatt.

Überhaupt war das eine aufregende Zeit. Es gab "Der Ruf. Blätter der jungen Generation" mit vielen spannenden Beiträgen junger Autoren, die desillusioniert aus dem Krieg zurückgekommen waren.

Und es gab die von der amerikanischen Besatzungsmacht herausgegebene "Neue Zeitung", eine Tageszeitung, deren Autorenliste im Feuilleton (zeitweise geleitet von Erich Kästner!) Namen enthielt wie Hildegard Hamm-Brücher, Alfred Andersch, Max Frisch, Hermann Hesse, Karl Jaspers, Stefan Heym, Thomas Mann, Anna Seghers. Ich lese gerade einen Sammelband mit einer Auswahl von Beiträgen.

Schade übrigens, daß es nach der Wiedervereinigung nicht eine ähnlich kulturell aufregende Zeit gegeben hat. Warum nicht? Warum hat die Freiheit nicht in der Ex-DDR dieselben kulturellen Impulse freigesetzt wie die Befreiung 1945?

Das ist auch ein Aspekt dessen, was wir, lieber PDF, hier im Forum ja seit längerem diskutieren - was eigentlich bei der Wiedervereinigung schief gelaufen ist, und warum.

Herzlich, Zettel

PS: Willkommen im kleinen Zimmer!


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Wir Achtundsechziger (4): Die siebziger Jahre Zettel21.04.2008 18:59
RE: Wir Achtundsechziger (4): Die siebziger Jahre PDF23.04.2008 11:15
Presse in der Nachkriegszeit Zettel23.04.2008 14:10
RE: Presse in der Nachkriegszeit Dagny23.04.2008 14:34
RE: Presse in der Nachkriegszeit Zettel24.04.2008 10:21
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