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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 12 Antworten
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Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Zettel

Beiträge: 20.200


04.07.2008 18:59
AKTUELLE ERGÄNZUNG: Ingrid Betancourts Auftritte heute in Frankreich Antworten

France 24 überträgt seit dem frühen Nachmittag die Auftritte von Ingrid Betancourt in Frankreich. Es gab zunächst eine Art kleine Feier mit dem Präsidenten Sarkozy. Jetzt läuft eine Pressekonferenz.

Sehr erstaunlich. Auf der Feier eine emotionale, ungemein herzliche, gelegentlich von ihren Emotionen so mitgerissene Frau, daß ich nicht ganz sicher war, was echt und was ein perfekter Auftritt war.

Am Anfang eine Schilderung der Lebensbedingungen im Dschungel; ergreifend und humorvoll zugleich. Man lebe im Dunkeln, überall nur grün - sie sei zwar eine Grüne, aber das sei selbst ihr zu viel gewesen. Sie hätte im Monat ungefähr 300 Kilometer marschieren müssen; auf den Märschen immer umgeben von Getier; ohne Hut hätte man keinen Schritt tun wollen.

Dann ein ergreifender Dank an die Solidaritätskomitees, an Sarkozy usw.

Und dann merkte man auf einmal, wieviel Politikerin in dieser Frau steckt, die da scheinbar nur ihren Emotionen Luft machte: Sie versuchte Sarkozy, sehr pathetisch, darauf festzunageln, mehr für die noch Festgehaltenen zu tun. Charmant, fast flehend; so, daß er eigentlich nicht nein sagen konnte. Auch ein Programm für Freigelassene, in Frankreich mit Stipendien zu studieren, wollte sie gleich etabliert wissen.

Sarkozy reagierte in einem kurzen Statement, sichtlich verschnupft. (Vielleicht auch, weil sie dessen Konkurrenten Delanoe sehr warum gepriesen hatte).



Im Augenblick läuft die Pressekonferenz. Die Frau ist wie verwandelt. Nichts mehr von Emotionen, außer einem gelegentlichen Lachen, das an das von Liselotte Pulver erinnert. Kühle, überlegte Antworten.

Am Anfang zu Fragen zu den Gerüchten, die Befreiung sei inszeniert gewesen und es sei ein hohes Lösegeld gezahlt worden. (Siehe in diesem Thread den Beitrag von Vivendi dazu).

Sie war offenbar auf dem Laufenden über dieses Gerücht, das vom Sender "Radio de la Suisse Romande" in die Welt gesetzt worden war. Sie sagte, sie halte das für ausgeschlossen.

Der Commandante Enrique, unter dessen Verantwortung sie bewacht worden war, sei, als er überwältigt worden war, verzweifelt gewesen. So benehme sich nicht jemand, der einen Deal gemacht habe.

Sie sprach auch über ihr gespanntes Verhältnis zu Uribe, zur columbianischen Armee. Der sie aber für die Befreiung großen Dank schulde.

Eben hat sie erklärt, wie das berühmte Video von ihr zustandegekommen ist.

Man wollte sie zwingen, eine Nachricht an ihre Familie zu sprechen, als Lebenszeichen. Sie wollte aber diese Inszenierung nicht mitmachen und hätte abgelehnt mitzuspielen. Man hätte sie aber gezwungen, und so hätte sie sich schweigend fotografieren lassen - als Zeichen, daß sie sich weigerte, mit den Entführern zu kooperieren.

Immer wieder kommt sie, bei Antworten auf die verschiedensten Fragen, auf die noch Gefangenen zurück. Eben sprach sie von einer "zweiten Etappe" der Befreiung, die jetzt beginne.

Immer wieder wird sie nach ihren Plänen gefragt, Sie antwortet diplomatisch - ihre Familie lebe in verschiedenen Ländern, also werde sie mal hier, mal dort sein. Sie wolle Bücher schreiben. Ob sie in Frankreich oder in Columbien Politik machen will - das war nicht aus ihr herauszulocken.



Auf die Frage, wie sie so brillante Reden halten und so überlegt antworten könne, sagte sie: Ich habe mehr als sechs Jahre Zeit gehabt, mir diese heutigen Auftritte zu überlegen.

Und als immer wieder nach ihren Zielen gefragt wurde, sagte sie: "Mon projet de vie est simple: De changer le monde. (...) En changeant les coeurs on peut changer le monde." Mein Lebensplan ist einfach: Die Welt verändern. (...) Wenn man die Herzen verändert, kann man die Welt verändern.



Über die Hintergründe ihrer Befreiung: Uribe hätte eigentlich versuchen wollen, sie und die anderen Geiseln mit Gewalt zu befreien. Das sei aber wegen der Öffentlichen Meinung in Frankeich nicht möglich gewesen. Die jetzige Lösung, es mit List zu versuchen, sei "genial" gewesen (was im Französischen ungefähr "prima" heißt).

"Parce qu'elle était tellement absurde, cette opération, qu'elle a réussi". Gerade weil sie so absurd war, sei diese Befreiungsaktion gelungen.


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom Zettel03.07.2008 02:09
RE: Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom vivendi03.07.2008 09:26
RE: Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom Zettel03.07.2008 12:30
RE: Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom HStafo03.07.2008 16:48
RE: Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom Zettel03.07.2008 17:10
RE: Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom vivendi03.07.2008 22:23
RE: Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom Zettel03.07.2008 23:11
RE: Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom califax03.07.2008 23:18
RE: Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom Kaa03.07.2008 20:47
RE: Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom califax03.07.2008 21:14
RE: Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom Zettel04.07.2008 16:31
RE: Marginalie: Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom vivendi04.07.2008 15:00
AKTUELLE ERGÄNZUNG: Ingrid Betancourts Auftritte heute in Frankreich Zettel04.07.2008 18:59
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