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Zettel
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06.07.2008 00:32 |
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RE: Zettels Meckerecke: Die Verbieter sind überall
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Zitat von Inger Bis 1989 gab es im anderen Deutschland die Gepflogenheit, an Patienten, die "der Gesellschaft nicht nützlich" sind/waren, keine kostspieligen, schweren Operationen durchzuführen. Desweiteren gibt es in Skandinavien gesetzlich eingeschränkte Therapie für ältere Patienten mit schwerer Erkrankung wegen finazieller Engpässe.Und drittens gibt es z.B. in Holland ein sehr liberales Euthanasiegesetz, zu dessen Ausführung unumwunden zugegeben wird, daß bei etwas 40% der Tötungen ungesetzlich "nachgeholfen" wurde.
Liebe Inger, hier sehe, ich wie du, das größte Problem, und zwar auf zwei Ebenen.
Zum einen auf der schon genannten, daß es unethisch ist, jemanden, der den Suizid erwägt, bei der Entscheidung für diesen zu unterstützen. Jeder kann zwar über sein eigenes Leben bestimmten; aber niemand darf es über das Leben eines anderen, auch nicht auf diese indirekte Art.
Diese Rentnerin, der Kusch "geholfen" hat, war offenbar ja noch mobil. Sie hätte sich von einem Haus stürzen, vor einen Zug werfen können, wenn sie wirklich verzweifelt gewesen wäre. Diese "sanfte" Art, die Kusch ihr anbot (noch nicht mal einen schlechten Geschmack sollte sie im Mund haben - perverser geht's nimmer) hat ihr den Freitod leicht gemacht.
Und zweitens würde eine legale Euthanasie mit zwingender Notwendigkeit den zumindest moralischen Druck auf Menschen, die anderen zur Last fallen, erhöhen, diese Helfer und Pfleger doch durch den Freitod von dieser Last zu befreien. Sarkastisch formuliert: Man sagt dann der Oma: Guck mal, es ist doch soo schön, friedlich eingeschläfert zu werden. Das könntest du doch für uns tun, daß du da mitmachst.
Gut, das klingt wie schwarzer Humor. Aber ich fürchte, es ist nicht weit von der Realität in einer Gesellschaft entfernt, in der man ins Web gehen und sich einen Selbstmordhelfer bestellen könnte wie einen Klempner.
Ob daraus ein Verbot der passiven Sterbehilfe folgen sollte, ist eine andere - und für mich offene - Frage. In einer Sendung zu dem jetzt laufenden Gesetzgebungsprozeß hat ein schwer behindenter Patient gesagt: Ich will mir im Augenblick nicht das Leben nehmen. Aber schon der Gedanke, daß ich es jederzeit könnte, hätte etwas Beruhigendes für mich.
Herzlich, Zettel
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