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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 873 mal aufgerufen
Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
RexCramer

01.08.2008 11:08
RE: Die Strategie der Kommunisten Antworten

Lieber F.Alfonzo,

Zitat von F.Alfonzo
Bleibt nur zu hoffen, dass die Wähler irgendwann zur Vernunft kommen; aber dazu bedarf es vermutlich erst, dass die Wähler in den Ländern, vielleicht sogar im Bund diese Regierung "am Hals" haben und am eigenen Leib spüren, welche Folgen diese Politik hat.


Sie sprechen hier m. E. den Kernpunkt des Dilemmas an: am eigenen Leib spüren! Man fragt sich zu sovielen Themen, warum "die Menschen" nicht aus der Vergangenheit lernen und immer und immer wieder die gleichen Fehler mit teils katastrophalen Folgen begangen werden. Nun, in Wirklichkeit sind es nicht "die Menschen" oder gar "die Menschheit", sondern es sind immer andere Menschen, die diese Erfahrungen eben noch nicht gemacht haben, die die Fehler begehen.
Ich weiß nicht, warum, aber es scheint ungeheuer schwierig zu sein, aus den Erfahrungen anderer (!) Menschen die richtigen Schlüsse zu ziehen und deren Irrtümer zu vermeiden. Vermutlich steckt dahinter ein gehöriges Maß Überheblichkeit oder auch Arroganz. Oder man meint, daß man in der Tat dazugelernt hat. Bspw. hört man ja immer noch den Spruch von Befürwortern des Sozialismus, er sei ja nur noch nicht richtig umgesetzt worden. Das impliziert schon, daß sozusagen alle anderen Sozialisten Dilettanten waren, während man selbst den Masterplan in der Tasche zu haben glaubt. Kommen Sie solchen Leuten mal mit sachlichen Argumenten, das können sie total vergessen. Die schweben so über allen anderen, daß sie gar nicht auf die Idee kommen, daß aus den bitteren Lehren der Geschichte die Schlußfolgerung zu ziehen ist, daß es sich um eine menschenverachtende Ideologie handelt, sondern sind davon überzeugt, daß sie selbst soviel besser sind als alle Praktiker vor ihnen und sie es daher schon richten werden.

Welche Wähler sind es genau, die da zur Vernunft kommen sollen? Diejenigen, die ständig vom angeblich massiven Sozialabbau faseln, während in Wirklichkeit laufend neue Sozialleistungen erfunden werden, sich die Sozialquote auf hohem Niveau bewegt und wir bei den Sozialausgaben weltweit auf Rang 2 liegen, Tendenz steigend? Mit einem Sozialstaat, in dessen Kassen mittlerweile über 40 % des Bruttolohns fließen, der längst aus dem Ruder gelaufen ist: "Er kenne niemanden, sagt Seehofer, der die Verteilungswirkung des Sozialstaats durchschaue. Kein Politiker, kein Experte wisse, welche Gruppe wie profitiere." Oder sind es die Leute, die trotz hoffnungsloser Überregulierung, der ständigen Produktion von Kleingedrucktem, immer neuen Verboten und nun noch der zusätzlichen Bürokratie durch die EU allen Ernstes meinen, Deutschland würde immer "marktradikaler", die den "Turbokapitalismus" in jeder Ecke wittern? Sind es die "Experten", die angesichts von € 50 Mrd. p. a. neuer Schulden unter Rot-Grün, deutlicher Ausweitung der Verschuldung insgesamt und stetig steigender Ausgaben davon sprechen, der Staat sei "kaputtgespart" worden?
Ich denke, die meisten Wähler, die so "denken", kommen selbst dann nicht zur Vernunft, wenn sie die Folgen dieser Politik tatsächlich selbst erleben. Dann werden natürlich die Unternehmen schuld sein, die USA und weiß der Geier wer noch, die bei diesem tollen "neuen" Politikentwurf nicht mitziehen, weil deren Ziel angeblich ja nur sei, die Menschen gnadenlos auszubeuten, was hiermit nun aufgedeckt ist usw. usf.
Nein, es ist nicht anzunehmen, daß Leute, die sich der Realität komplett verweigern, plötzlich von heute auf morgen aufwachen und dann vor allem den eigenen Irrtum eingestehen.

So düster ist die Lage aber nicht. Persönlich halte ich die nächsten Bundestagswahlen für völlig offen, von heute aus betrachtet. Ich glaube, wir können noch gar nicht abschätzen, welche Themen die dominierende Rolle spielen werden. Davon wird viel abhängen.
Realistisch ist nur Schwarz-Gelb, die Volksfront oder die Fortsetzung der Großen Koalition. Jamaika oder die Ampel können wir wohl getrost ausschließen. Ebenso die Spanienkoalition.
1. Wenn Schwarz-Gelb kommt, sie sich direkt an die Arbeit machen und echte Verbesserungen herbeiführen sollten, die in der Legislaturperiode noch spürbar werden, besteht die Hoffung auf Wiederwahl 2013 und daß wir mit Rot-Grün linke Experimente erstmal für längere Zeit vom Hals haben. Bis dahin sind Gysi und Lafontaine weg und die SPD hat dann genügend Zeit, in der Opposition die wunden zu lecken. Sie wird sich dann damit auseinandersetzen müssen, daß man einen Flügel nicht mal eben so absägen kann, ohne daß das drastische Konsequenzen hat.
2. Die schlechte Bildungspolitik haben das Volk derartig verblöden lassen, daß eine Mehrheit den Heilsversprechen glaubt und den Demagogen folgt. Das Motto: Wir stehen am Abgrund und gehen einen Schritt weiter. Sie könnten nun so schnell scheitern, daß 2013 der Spuk wieder vorbei ist, wobei dann die Frage lautet, wie groß der Schaden sein wird, den sie bis dahin angerichtet haben werden: nicht zuviel, damit man nicht zulange mit den Folgen zu kämpfen hat, aber auch nicht zuwenig, damit das Elend nicht womöglich noch weitergeht. Immerhin bestünde dann Grund zu der Annahme, daß ein größerer Lerneffekt als nach Rot-Grün eintritt und Zettels Optimismus sich als berechtigt herausstellt, daß das Pendel zurückschlägt in Richtung Liberalismus und die dann folgende Regierung komfortabel ihren Job machen kann.
3. Das Land bleibt gespalten, die GK macht weiter. Damit wäre dann die Richtungsentscheidung vertagt, weitere 4 Jahre Lethargie folgen, das Land dümpelt dahin. Das wäre dann der berühmte Schrecken ohne Ende statt des Endes mit Schrecken.

Es gibt noch einen anderen Grund für Hoffnung: Wir schieben hier in den Debatten immer Wählerstimmen hin und her, unterschlagen aber die größte Gruppe, die Nichtwähler! Ein riesiges Reservoir, auf das man nur zugreifen muß. Mein Eindruck ist, daß es aus ganz verschiedenen Menschen besteht, die sich aus unterschiedlichen Gründen abwenden.
Unter ihnen gibt es die Gruppe, die das Postengeschacher satt hat, von den ständigen Lügen angewidert ist und die auf nichts sehnlicher wartet, daß endlich mal konkrete Probleme der Bürger gelöst werden, statt daß die Politik mehr mit sich selbst beschäftigt ist. Kurz: Bürger, die die Faxen dicke von typischen Berufspolitikern haben und sich mehr Leute wie z. B. Paul Kirchhof wünschen, damit endlich mal was bewegt, statt nur gehetzt wird. Und diese Gruppe dürfte durch ein wirklich gutes Programm (mit entsprechenden Fachleuten dahinter) am leichtesten anzuzapfen sein. Hier liegt m. E. die größte Chance von Schwarz-Gelb, denn programmatisch haben die linken Parteien nichts zu bieten. Sie müssen es aber diesmal wesentlich besser verkaufen als beim letzten Mal.

Sicherlich kann man die Wähler auch nicht so eindeutig zuordnen, will sagen, daß natürlich auch einige/viele zur Vernunft kommen werden. Übrigens auch dann, wenn gute Politik gemacht wird und die Folgen daraus spürbar werden.

Es bleibt spannend.

MfG


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Zitat des Tages: Nicht verlesen Zettel29.07.2008 04:15
AKTUELLE ERGÄNZUNG: Und die SPD? Zettel29.07.2008 23:50
RE: AKTUELLE ERGÄNZUNG: Und die SPD? F.Alfonzo30.07.2008 04:54
RE: AKTUELLE ERGÄNZUNG: Und die SPD? RexCramer30.07.2008 10:26
RE: AKTUELLE ERGÄNZUNG: Und die SPD? Nola30.07.2008 10:43
Die Strategie der Kommunisten Zettel30.07.2008 15:00
RE: Die Strategie der Kommunisten F.Alfonzo01.08.2008 03:06
RE: Die Strategie der Kommunisten RexCramer01.08.2008 11:08
RE: Die Strategie der Kommunisten Zettel01.08.2008 15:35
RE: Die Strategie der Kommunisten F.Alfonzo02.08.2008 02:14
RE: Die Strategie der Kommunisten Thomas Pauli01.08.2008 12:51
AKTUELLE ERGÄNZUNG: Die Preise steigen wieder Zettel16.08.2008 10:50
Sprung



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