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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 711 mal aufgerufen
Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Zettel

Beiträge: 20.200


02.09.2008 13:38
RE: OSZE und Georgien: "Spiegel-Online" hat mal wieder manipuliert Antworten

Zitat von Martin
Ich kann schon lange nicht verstehen, wie ein Leser hierzulande Formulierungen und Begriffe, wie 'durchsickern von Informationen', 'es häufen sich', 'zunehmend', 'Experten' ohne den geringsten Versuch der Qualifizierung derselben zu machen. Der Leser wird es schon so lesen, wie es beabsichtigt war, nicht unbedingt, wie es richtig ist.

Das ist ein interessantes Thema, lieber Martin, gerade beim "Spiegel".

Ich lese gerade die Augstein-Biografie von Dieter Schröder (nicht die beste, aber die einzige, die ich noch nicht kenne). Dabei ist mir wieder das widersprüchliche Konzept des "Spiegel" aufgefallen:

Einerseits war er anfangs (vom Major Chaloner, aber auch von Augstein selbst und seinen Mitstreitern) als Nachrichtenmagazin à la Time Magazine konzipiert. (Das unmittelbare Vorbild war ein britischer Time-Clone, der bald einging; von ihm stammen die roten Streifen auf der Titelseite). So wurde es auch im "Spiegel-Statut" festgehalten - die Fakten der Woche, in Form von interessanten, gut geschriebenen, auf Personen orientierten Stories zu bringen. Für den, der keine Zeit hat, gründlich die Tageszeitung zu lesen. Plus Hintergrund-Informationen.

Aus diesem Konzept heraus ist das Ressort Dokumentation aufgebaut worden, das jede Tatsachenbehauptung penibel prüft. (Früher per Hand: Die Fakten im Manuskript wurden markiert und dann jeder einzelne geprüft und nach Prüfung durch eine weitere Markierung zur Publikation freigegeben).

Andererseits stand und steht der "Spiegel" aber in der Tradition der europäischen Meinungspresse. Insofern ist er gar kein Nachrichtenmagazin, sondern er nimmt Partei. Viele Stories haben eine Tendenz.

Und das, lieber Martin, führt zu dem eigenartigen Stil, den Sie zu Recht kritisieren.

Gut möglich, daß die Autoren des Artikels (aus Deutschland Ralf Beste, aus Moskau Uwe Klussmann, aus Washtington Gabor Steingart) weniger schwammige Formulierungen in ihrem Ms stehen hatten. Aber die Dokumentation hat ihnen das nicht durchgehen lassen.

Wenn man im "Spiegel" solche Formulierungen liest wie "womöglich", "offenbar" "haben ... erzählt" (alle aus der in meinem Artikel zitierten Passage) oder auch "XYZ erinnert sich:", "ist zu hören" usw., dann bedeutet das immer: Die betreffende Faktenbehauptung konnte von der Dokumentation nicht verifiziert werden. (Oder der Justiziar hat sie nicht durchgehen lassen).

Geübte "Spiegel"-Autoren kennen das natürlich und formulieren ihre Mss von vornherein so, daß die Dokumentation möglichst wenige nicht verifizierbare Faktenbehauptungen aufspüren kann.

Dann verwenden sie solche relativierenden, schwammigen Formulieren. Der Leser achtet darauf aber meist nicht. Und die Kollegen von "Spiegel-Online", die kein Ressort Dokumentation im Nacken sitzen haben, betreiben ungehemmt Agitation.

Herzlich, Zettel


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
OSZE und Georgien: "Spiegel-Online" hat mal wieder manipuliert Zettel02.09.2008 06:21
AKTUELLE ERGÄNZUNG: Die "Komsomolskaya Prawda" berichtet Zettel02.09.2008 12:01
ÖR Berichterstattung - Zensur ? Nola02.09.2008 12:19
RE: OSZE und Georgien: "Spiegel-Online" hat mal wieder manipuliert Martin02.09.2008 13:16
RE: OSZE und Georgien: "Spiegel-Online" hat mal wieder manipuliert Zettel02.09.2008 13:38
RE: OSZE und Georgien: "Spiegel-Online" hat mal wieder manipuliert M.Schneider02.09.2008 13:38
RE: OSZE und Georgien: "Spiegel-Online" hat mal wieder manipuliert Kane02.09.2008 18:45
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