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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 54 Antworten
und wurde 4.155 mal aufgerufen
Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Gomez

Beiträge: 13

22.11.2008 21:52
RE: Hegel und die Naturwissenschaften: Das Beispiel Irritabilität Antworten

Lieber Zettel,

ich hoffe, ich verstoße mit meinen Zeitknappheit geschuldeten späten Antworten nicht gegen irgendwelche Blog-Konventionen, da ein Artikel ja i.d.R. "zeitnah", wie man heute zu sagen pflegt, kommentiert wird. Aber da unser Thema ja nichts von Tagesaktualität hat, geht das wohl i.O., was Sie hoffentlich auch so sehen.

In Antwort auf:
Von einer Destruktion finde ich da nichts; sondern ich lese:


Da die Vorrede in das System einleiten soll, nicht nur in die Phänomenologie, ist der Destruktionsgedanke dort nicht so stark betont wie in der "Einleitung". Aber der Gebrauch der Wendung "Werden der Wissenschaft", welche dann nämlich "eigentliches Wissen" geworden ist, impliziert ja, daß es die Phänomenologie mit Wissensformen zu tun hat, die sich nicht eigentlich als Wissen geltend machen können.

Das führt mich dann zu ihrem Textkommentar, dessen Beurteilung mich einer gesonderten Beantwortung eines Ihrer vorherigen Kommentare enthebt, in dem Sie meinten, man könne, nein müsse, Hegel "dehydrieren", d.i. all den Wortbombast entfernen, unter dem sich dann nurmehr Trivialitäten entdecken ließen. Sie hatten als Essenz des Zitats ausgemacht:

In Antwort auf:
Dehydriert: Wenn einem etwas bekannt vorkommt, wenn man damit hantieren kann, hat man es damit noch nicht verstanden.


Sicher, auch, aber das wäre allein wirklich trivial. Was Hegel vielmehr im Blick hat, ist die zu seiner Zeit viel diskutierte Voraussetzungsproblematik. Wie läßt sich ein System des Wissens begründen, wenn seine Grundsätze unbegründet bleiben müssen? Er attackiert in diesem Abschnitt alle Formen der Philosophie, die diesen Anfang, diese Grundsätze, außerhalb der Rationalität setzen, also als unmittelbar einleuchtend. Ist es denn tatsächlich so sonnenklar, daß sich unsere Welt in uns als Subjekte und etwas uns Entgegenstehendes als Objekte scheidet? Daß Gott, Natur oder unsere Sinnlichkeit als absolut gewisse Fundamente unserer Erkenntnis gelten können, die uns unmittelbar dazu zur Verfügung stehen, aus ihnen dann durch sie beglaubigte Folgerungen zu ziehen? Daraus hat Hegel dann den Schluß gezogen, daß der Anfang eines philosophischen Systems selber noch begründet werden muß. Das verbirgt sich hinter der berühmten Hegelschen Kreis-Metapher.

Aber das bedeutet, daß die Denkformen selbst nichts ungetrenntes mehr sind, also nicht eine neben der anderen steht wie die Platonischen Ideen oder die Hühner auf der Stange. Sondern sie stehen vielmehr in einem Verhältnis zueinander, oder besser: Sie sind nur dieses Verhältnis. Für sich betrachtet scheinen sie tatsächlich feste Größen, wie das "Maass", die "Größe" oder die "Identität", um Kategorien aus der Logik zu nehmen, oder das "Ding" und die "Kraft" aus der Phänomenologie. Aber in der Analyse offenbaren sie, nur im Verhältnis zueinander, und nur als Glieder eines Prozesses, nämlich des Denkens, zu bestehen. Das ist die "negative" Struktur des Denkens, des "reinen Ich", das "Verflüssigen". Jedoch ist in diesem Flusse alles streng geregelt, es ist ja ein System, von Beliebigkeit keine Spur. Im Gegenteil scheint mir der argumentative Aufwand, den Hegel betreibt, oft grotesk, assoziatives "Denken" hingegen wäre ihm ein Gräuel gewesen.

Warum Hegel dann nicht schlicht vom Denken als Prozess spricht und vielmehr diese unselige Fluß-Metapher benutzt? Nun, er wollte ja bekanntlich der Philosophie "Deutsch beibringen". Ich zähle mich nicht zu denen, welche behaupten, dies sei ihm geglückt.

In Antwort auf:
Hegel hätte während seiner Vorlesungen (auf die seine Werke ja überwiegend zurückgehen) ständig geraucht, und zwar einen mit Cannabis vermischten Tabak. Der Betreffende fand das klasse, weil erst dadurch sich bei Hegel die Gedanken "verflüssigt" hätten.


Der war gut, muß ich mir merken. Aber ich habe hoffentlich deutlich gemacht, daß Hegel mit "Verflüssigen" so ziemlich das Gegenteil meinte.

Grüße,

Gomez


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
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RE: Zitat des Tages: Schopenhauer lesen! Zettel20.10.2008 15:06
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RE: Zitat des Tages: Schopenhauer lesen! Nola20.10.2008 16:40
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RE: Zitat des Tages: Schopenhauer lesen! Zettel20.10.2008 20:53
RE: Zitat des Tages: Schopenhauer lesen! Nola21.10.2008 13:25
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RE: Analytische Philosophie und die Sprache Hegels Gomez26.10.2008 19:02
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RE: Subjekt, Objekt Gomez27.10.2008 10:52
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RE: Nochmal Ding an sich. Beschreibung oder Erklärung? Gomez28.10.2008 10:49
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RE: Der absolute Geist: Theologie, Erkenntnistheorie, Ontologie Gomez14.11.2008 20:18
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RE: Hegel und die Naturwissenschaften: Das Beispiel Irritabilität Gomez08.11.2008 22:44
RE: Hegel und die Naturwissenschaften: Das Beispiel Irritabilität Zettel13.11.2008 23:02
RE: Hegel und die Naturwissenschaften: Das Beispiel Irritabilität Gomez22.11.2008 21:52
RE: Hegel und die Naturwissenschaften: Das Beispiel Irritabilität Zettel27.11.2008 08:47
Lieber Gomez ... Zettel25.01.2009 05:46
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RE: Hegel verstehen Gomez27.10.2008 11:46
Hegel, dehydriert. Und etwas zum Ende der Philosophie Zettel06.11.2008 07:02
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RE: Sehr gute Philosophiediskussionen hier ! Zettel07.11.2008 18:50
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RE: Philosophie und Wissenschaft Zettel12.11.2008 00:39
RE: Philosophie und Wissenschaft Bernd31413.11.2008 13:12
RE: Zitat des Tages: Schopenhauer lesen! Libero22.10.2008 10:55
RE: Zitat des Tages: Schopenhauer lesen! Zettel22.10.2008 14:13
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RE: Egon Friedell Libero11.01.2009 18:33
RE: Egon Friedell Gorgasal11.01.2009 18:38
RE: Egon Friedell Zettel11.01.2009 19:06
RE: Egon Friedell Zettel11.01.2009 19:40
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RE: Zitat des Tages: Schopenhauer lesen! Bernd31427.10.2008 23:13
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RE: Die Kunst, einfach zu schreiben Bernd31428.10.2008 11:24
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