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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 1.602 mal aufgerufen
Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Zettel

Beiträge: 20.200


25.11.2008 05:02
RE: Marginalie: Ziele der RAF Antworten

Zitat von Omni
In Antwort auf:

Den Bürgerkrieg hätte sie nicht erreichen können, weil es den Menschen einfach zu gut ging. Man kann Menschen, die in Freiheit leben, die gut verdienen, die allen Grund haben, mit den Verhältnissen zufrieden zu sein, nicht in einen Bürgerkrieg treiben.


Sicher? Ein Bürgerkrieg hat etwas von einem Perpetuum Mobile. Er braucht einen Auslöser und Feindbilder, dann schafft er sich seine Gründe selber. Menschen töten sich gegenseitig, eine Spirale der Eskalation kommt in Gang und schafft Gräben in der Gesellschaft. Und der Hass, der durch das gegenseitig zugefügte Leid entsteht, hält das ganze am Gang, treibt den Parteien ständig neue Rekruten zu.

Ja, das stimmt. Nordirland war ein Beispiel; dort scheint das Schlimmst ja vorüber zu sein. Auch Ex-Jugoslawien.

Das setzt aber voraus, daß es zwei Bevölkerungsgruppen gibt, die einander bereits ablehnend, mißtrauisch usw. gegenüberstanden. Wie die Schiiten und die Sunniten im Irak. Wenn dann die allgemeine Situation angespannt, die Versorgungslage schlecht, die Staatsgewalt schwach ist - dann können Anstifter wie in diesem Fall die Kaida das von Ihnen geschilderte Perpetuum Mobile in Gang bringen.

Das freilich in Wahrheit keins ist; weil es erstens wie das angebliche physikalische in Wahrheit der Zufuhr von Energie bedarf, und weil es zweitens zum Stillstand gebracht werden kann.

Man sieht das jetzt im Irak. Im Sender Al Jazeera läuft wöchentlich eine ausgezeichnete Sendung "Inside Iraq". Da diskutierten vergangenes Mal eine Schiitin der Sadr-Gruppe, ein sunnitischer Führer und ein Regierungsvertreter (der Außenminister) miteinander. So, wie Demokraten überall auf der Welt diskutieren, mit Argumenten.



Die RAF wollte eine andere Art von Bürgerkrieg. Einen wie nach der Oktoberrevolution. Einen Massenaufstand gegen den "Kapitalismus". Das damals ja noch frische Vorbild war Fidel Castros Eroberung Cubas, war der Guerrillakrieg in Indochina.

Nur wollte man das an die Verhältnisse in hochentwickelten Industriestaaten anpassen. Das Zauberwort war "Stadtguerrilla". Der Kampf sollte in den Großstädten geführt werden, wo die Rote Armee im linken Milieu würde untertauchen können, darin schwimmen wie ein Fisch im Wasser, so wie das Mao für die Unterstützung der Guerrilleros durch die Landbevölkerung gelehrt und wie es der Viet Cong ja in der Tat erfolgreich praktziert hatte.

Nur war dieses linke Milieu nicht das, wovon die RAF-Leute träumten. Es gab anfangs Unterstützung (man beherbergte "Kämpfer", gab ihnen seinen Paß, dergleichen). Aber diese schwand rapide, als man merkte, auf welchen Wahnwitz man sich da einließ.

Ein Schlüsselereignis war die Verhaftung Ulrike Meinhofs. Sie hatte einem "linken Lehrer" vertraut, und dieser war in sich gegangen und hatte sich entschieden, die Polizei zu rufen. Von da an hat sich die RAF immer weniger auf solche legalen Unterstützer verlassen und stattdessen versucht, aus diesem linken Milieu Kämpfer zu gewinnen, die bereit waren, in den Untergrund zu gehen. In dem sie auf sich gestellt agierte. Damit war das Konzept Stadtguerrilla im Grunde gescheitert.

Herzlich, Zettel


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Marginalie: Ziele der RAF Zettel24.11.2008 16:49
RE: Marginalie: Ziele der RAF michael7624.11.2008 19:57
RE: Marginalie: Ziele der RAF Zettel24.11.2008 21:45
RE: Marginalie: Ziele der RAF Omni25.11.2008 04:32
RE: Marginalie: Ziele der RAF Zettel25.11.2008 05:02
RE: Marginalie: Ziele der RAF Michel24.11.2008 23:34
"Martyrium" als Waffe Zettel25.11.2008 05:27
RE: "Martyrium" als Waffe Omni25.11.2008 14:31
RE: "Martyrium" als Waffe Zettel25.11.2008 15:23
RE: Marginalie: Ziele der RAF F.Alfonzo25.11.2008 05:32
RE: Marginalie: Ziele der RAF F. Hoffmann25.11.2008 19:28
RE: Marginalie: Ziele der RAF Zettel25.11.2008 21:17
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