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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 1.589 mal aufgerufen
Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Zettel

Beiträge: 20.200


25.11.2008 05:27
"Martyrium" als Waffe Antworten

Zitat von Michel
Den Eindruck, den ich von den Zeitgesehen habe, ist der, dass Terroristen keine Change haben, wenn der politische Wille zu ihrer Bekämpfung da ist. Rücksichtnahme ermutigt eher zu noch dreisteren Angriffen.

Das Problem, lieber Michel, ist, wie man vermeidet, durch hartes Vorgehen den Terroristen Sympathisanten zuzuführen.

Nehmen wir einmal an die verhaftete "erste Generation" hätte sich wie normale Untersuchungshäftlinge verhalten. Dann hätte man sie auch so behandelt.

Dann hätte es keine Isolation gegeben, keine Durchsuchung von Anwälten usw. Die Gruppe hätte einen normalen Strafprozeß bekommen. Sie wären heute alle längst frei und würden vermutlich als Schriftsteller, Journalisten usw. arbeiten. Oder als Professoren, wie Toni Negri in Frankreich/Italien und Bill Ayers in den USA.

Aber die Inhaftierten hatten die Taktik, ihre Haft von Anfang an als ein Martyrium zu inszenieren. Und sie hatten ein Umfeld, das mitspielte. Eine Presse - allen voran der "Spiegel" - und TV-Sender, die diese Propaganda transportierten.

Das ging schon mit "Widerstand" nach der Verhaftung los. Dieses Bild, wie man Ulrike Meinhof den Kopf festhält, wie sie mit verzerrtem Gesicht sich gegen das Fotografiertwerden wehrt - das dürfte der RAF mehr Sympathisanten zugeführt haben, als alle flammenden Aufrufe zusammen.

Und das wurde dann systmatisch eskaliert.

Was hätte der Staat zum Beispiel mit "Hungerstreikenden" machen sollen? (Die zB etwas forderten, was keinem U-Häftling zusteht, nämlich die Behandlung als Kriegsgefangene, die "Zusammenlegung in interaktionsfähige Gruppen"). Ließ man jemanden sich umbringen, wie Holger Meins, dann hatte die RAF ihren Märtyrer. Wurde Zwangsernährung angeordnet, dann standen in der Presse seitenlange Artikel über die Grausamkeit, mit der dieser Zwang ausgeführt wird.

Ließ man die Häftlinge kommunizieren, dann planten sie gemeinsam neue Verbrechen. Isolierte man sie voneinander, dann war das "Isolationsfolter".

Lies man die Verteidiger unüberwacht, dann konspirierten viele von ihnen mit den Häftlingen. Überwachte und durchsuchte man sie, dann sah die linksliberale Presse den Rechtsstaat zerstört.

Was hätte Prinzing mit renitenten Angeklagten machen sollen, die ihn beschimpften, die dazwischenschrieen? Hätte er sie gewähren lassen, dann wäre der Prozeß zu einer Farce geworden, zu einer Propagandaveranstaltung der RAF. Ordnete er Ordnungsmaßnahmen an, dann traf ihn die Wut der Medien, dann sah man wiederum den Rechtsstaat am Ende.



Es gibt da, lieber Michel, eine Parallele zu Guantánamo. Auch mit den El-Kaida-Häftlingen können die USA machen, was sie wollen - es wird immer progagandistisch gegen sie verwendet werden. Präsident Obama wird das noch zu spüren bekommen.

Allerdings benehmen sich diese Häftlinge, soweit bekannt, nicht so renitent wie die der RAF. Hätte man - lieber Omni - sie in den USA inhaftiert, sie dort vor ordentliche Gerichte gestellt, dann hätten sie sehr wahrscheinlich dieselbe Strategie verfolgt wie damals die RAF: Mitleid erregen, den Rechtsstaat scheinbar ins Unrecht setzen.

Herzlich, Zettel


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Marginalie: Ziele der RAF Zettel24.11.2008 16:49
RE: Marginalie: Ziele der RAF michael7624.11.2008 19:57
RE: Marginalie: Ziele der RAF Zettel24.11.2008 21:45
RE: Marginalie: Ziele der RAF Omni25.11.2008 04:32
RE: Marginalie: Ziele der RAF Zettel25.11.2008 05:02
RE: Marginalie: Ziele der RAF Michel24.11.2008 23:34
"Martyrium" als Waffe Zettel25.11.2008 05:27
RE: "Martyrium" als Waffe Omni25.11.2008 14:31
RE: "Martyrium" als Waffe Zettel25.11.2008 15:23
RE: Marginalie: Ziele der RAF F.Alfonzo25.11.2008 05:32
RE: Marginalie: Ziele der RAF F. Hoffmann25.11.2008 19:28
RE: Marginalie: Ziele der RAF Zettel25.11.2008 21:17
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