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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 61 Antworten
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Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
PeterCoyote

07.04.2009 23:58
RE: Realität (6): Erkenntnis und Interesse Antworten

In Antwort auf:
Ist Realität also das, was eine Gesellschaft, eine Religion oder eine Weltanschauung zur Realität erklärt?


das der Gedanke nicht gänzlich abwegig ist, erfahren sie ja zur Zeit an der verhaltenen Resonanz zum Thema "Warum gibt es in Köln fünfmal so viele Wohnungseinbrüche wie in München?". Der von ihnen vorgeschlagene Weg schickt sich nicht, denn er spricht da etwas an, über das wir nicht sprechen sollen und sie wissen ja, eine Sprache bestimmt ein Weltbild. Dafür aber gehört der einheimische Fremdenhasser zur besonders von der neumodischen Sozialdemokratie und der ihr nahe stehenden Intellektuellen konstruierten Realität. Damit man nicht in den Maschen hängen bleibt verzichtet man auf den Hinweis auf die ethnischen Zusammenhänge der Täter. Besser schon passt die These von der "Einkommensschere" zur behaupteten Realität der sozialen Ungerechtigkeit. Ganze Parteien werden demnächst damit im Wahlkampf trumpfen wollen. Dabei wird man dann wieder die nächste konstruierte Realität namens Präkariat aus der Schublade ziehen.

In unserer Jugend, lieber Zettel, da gab es eine andere Realität. Eingebrochen wurde damals noch nicht ausschliesslich dort, wo viel Reichtum und Armut an einem Ort zusammenkommen, und man zog beim Präkariat durchaus auch noch Eigenverantwortung und Herkunft heran. Das ein Totalitarismus ein Totalitarismus ist, unabhängig ob ein paar mehr oder weniger gemordet werden, gehörte auch noch zum damaligen Begriff der Realität.

Realität verändert sich im Laufe der Zeit. Sie kann auch nicht sein, was eine "Gesellschaft" zur "Realität" erklärt, denn die "Gesellschaft" befindet sich selbst im Wandel, was immer eine "Gesellschaft" bzw. eine "Kultur" überhaupt sein sollen, denn herum laufen und sich messen lassen tun weder "Kultur" noch "Gesellschaft".

"Kultur" und "Gesellschaft" sind selbst konstruierte "Realitäten". Konstruiert von Leuten, die typischerweise weit ab von "Kultur" und "Gesellschaft" in einem vom Steuerzahler zwangsfinanzierten Elfenbeinturm leben, gelegentlich etwas Opium konsumieren, noch gelegentlicher hoffen "hope i’ll die of an overdose of pleasure of any kind" und in ganz seltenen Fällen an einer derartigen "overdose" versterben, nicht ohne zuvor Unschuldige infiziert zu haben, die dann frohlocken "I die happy, because I was infected by <Name ist Schall und Rauch>”.

Zur von der "Gesellschaft" konstruierten "Realität" gehören auch die vom Steuerzahler zwangsfinanzierten Leerstühle, auf denen sitzend diese Leute den "Antikapitalismus" und -aufgrund unverarbeiteter eigener Devianz- den Kultur- und sonstigen "Relativismus" predigen, gelegentlich Abstecher in Saunen und Darkrooms nicht zu vergessen. Damit es nicht so auffällt veröffentlichen sie alle Schaltjahre einmal ein neues Werk, in dem sie sich gegenseitig inzestiös zitieren, wenn sie nicht gleich ihrem Assistenten das Schreiben gänzlich überlassen, was ja gewisse boshafte Kreise vom Zettel schluckenden kritischen Theoretiker mit HJ Hintergrund munkeln.

Die Realität des Elfenbeinturms ist eine seltsam beständige Realität im sich seltsam unkapitalistisch verhaltenden Kapitalismus. Kaum einer wagt es zu sagen: Dreht denen einfach den Hahn ab. Ich gehöre zu den Wenigen, die den Mut haben es zu tun. Und damit kommen wir zu dem nächsten seltsamen Phänomen, denn nicht allein das sich die von der "Gesellschaft" konstruierte "Realität" im Laufe der Zeit verändert, schlimmer noch existieren zum gleichen Zeitpunkt am gleichen Ort innerhalb der gleichen "Gesellschaft" völlig unterschiedliche Auffassungen davon, was Realität denn sein soll. "Gesellschaft" ist für Gregor Gysi, sie und meine Wenigkeit nicht dasselbe. Und schon gar nicht decken sich ihre und meine Auffassungen von "Gesellschaft" mit denen der abgehobenen Möchtegern-Elite im Bundestag, also dem nächsten vom Steuerzahler zwangsfinanzierten Biotop mit eigenen Normen und Regeln, die bei immer breiter werdenden Wählermassen auf immer mehr Unverständnis stossen.

Puh, jetzt haben wie die "Gesellschaft" mitsamt der "Kultur" als Realitäten bezweifelt und zudem noch ein derart komplexes, Raum und Zeit, Temperament und Launen Einzelner und Gruppen abhängiges Modell der Konstruktion diverser Realitäten skizziert, daß es einem schwindelig werden muss. Da haben es die grossen Vereinfacher doch viel leichter. Insbesondere die Postmodernen Philosophen mit ihrem Hang zur begriffliche Unschärfe, welche nur Ausdruck besonderer Unschärfe des Geistes der Profiteure eines fehlgeleiteten Bildungssystems sein kann.

Insbesondere solche Leute sind gemeint, welche der Auffassung sind, das die ominöse "Macht" "die Körper durchdringt, Dinge produziert, Lust verursacht, Wissen hervorbringt" usw. usf.. Mit welchem Zaubertrank kann diese Elite denn überhaupt aus dem Gefängnis ihrer Kultur ausbrechen und derart Bewusstseinserweitert zur Erkenntnis gelangen, daß die Realität etwas Konstruiertes sei, schliesslich lehrt die "Gesellschaft" sie doch, daß das Gegenteil der Fall sei?

Es war schon immer interessant zu beobachten, mit welchen Tricks und Schlichen das Intellektuellentum das Bewusstsein eigener Überflüssigkeit im Schwall des üblichen Überlegenheitgetues ertränkt und deshalb überlassen wir die Konstruktion der Realität doch lieber denjenigen unter uns, die an einer Insolvenz, einem Konkurs und einer Arbeitslosigkeit durchaus erfahren können, wie real die Realität wirklich ist. Realität erfahren die Bürger gelegentlich durchaus schmerzhaft und somit ist Realität für sie etwas ganz anderes als das Nachdenken einer dem Existenzkampf entzogenen dekadenten sozial- und geisteswissenschaftlichen Elite im Elfenbeinturm über "Kultur" und "Gesellschaft". Der letzte Sinn der Philosophie ist die absolute Negation derselben.

Herzlichst ihr Peter Coyote








Themen Überblick
Betreff Absender Datum
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