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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 12 Antworten
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Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
PeterCoyote

27.02.2009 05:17
RE: "So macht Kommunismus Spaß" Antworten
In Antwort auf:
Die vertikale bestand darin, daß im chronologischen Ablauf aus einer diffus- antiautoritären, oft auch fröhlich- anarchistischen Bewegung Gruppen mit einen fest umrissenen politischen Programm hervorgingen.


.. und wenn das politische Programm auch nur aus der "harmlosen" Sympathie für sozialistische Diktaturen und für die Gewalt militanter westlicher Bewegungen bestand. Mit diesen dürren Worten möchte ich einen dürren Kommentar meinerseits zu einer umfassenden Auseinandersetzung mit Aspekten unserer Jugend einleiten, dessen einziger Zweck ist, dir lieber Zettel aufmunternd auf die Schultern zu klopfen, insbesondere was den Kurs betrifft:

In Antwort auf:
Aber doch - so schien es auch mir, als ich die Serie "Wir Achtundsechziger" geschrieben habe - nicht als deren konsequente Fortsetzung, sondern als ihre Entartung.... Das war ein Irrtum.


Klar, im Alter neigt man dazu die Jugend zu verklären. Schwamm drüber. Damals in der Jugend haben wir das allerdings auch schon so gemacht, denn es durfte ja nicht sein, was nicht sein sollte. Die "Alten" haben uns damals ja immer vor den langhaarigen Revoluzzern gewarnt. Doch wir wussten besser. Bis sich dann der Kerl gegenüber vor meinen Augen vor Schmerzen krümmte. Auf dem Turkey wäre er - antwortete man auf meine Nachfrage. Nichts ahnend fragte ich die Leute um mich herum, was denn ein Turkey wäre. Entzugsymptome, Opiat, antwortete man mir. Da fiel mir die grosse Klappe runter. Könnte es sein, daß die "Alten" doch recht hatten und wir nicht besser, sondern alles viel viel dümmer wussten?

Aus heutiger Sicht entpuppt sich das Erlebnis mit dem Junky als wahrer Glückstreffer, denn es geschah ziemlich am Anfang meiner Rebellion gegen die "Alten". Fortan ging ich auf Distanz und fing an zu beobachten. Zettel, es waren unglaublich viele Jugendliche damals, die auf dem Turkey waren und es waren auch nicht nur Peter Green und Syd Barrett, die sich mit "Acid" um den Verstand brachten. Ebenso waren es auch sehr viel mehr Jugendliche damals, die Sympathien für sozialistische Diktaturen und gewaltsame militante westliche Bewegungen entwickelten, als es uns die verklärende Erinnerung suggerieren möchte.

Veranstaltungen zur Solidarität mit den politischen Gefangenen der RAF wurden nicht nur vom Cohn und dem Joschka besucht, sondern es waren Hunderte, welche anschliessend auf die Strasse gingen und explodierende und nicht explodierende "Pflastersteine" warfen. Es war die Ideologie, welche tatsächliche Mißstände masslos überzeichnete und diesen Leuten derart den Hass auf das Establishment diktierte und ihnen zugleich das Bewusstsein vermittelte den "Durchblick", dh. immer und in jedem Fall Recht zu haben.

Ein Weltbild bestimmt das Handeln, gleich ob es durch offene Gewalt oder durch Sympathie für eine solche geprägt ist. Militante Politikaster und fixende Junkies waren keine "Entartung" einer diffus- antiautoritären, oft auch fröhlich- anarchistischen Bewegung, sondern nur die am weitesten mutig voranschreitenden Vertreter dieser alles Etablierte ablehnenden Jugendkultur. In den Augen vieler junger Menschen waren sie Helden, welche das taten, zu dem sie selbst zu feige waren und umgekehrt schauten die Helden mit Verachtung auf die Feiglinge herab und so entstand ein gewisser Zwang, wenigstens durch die Solidarität mit den Politverbrechern einen Hauch Heldentum abzukriegen. Darin ist auch der rote Faden zu sehen.

Geeint wurden Helden und Feiglinge durch den ideologisch vermittelten Haß auf das Establishment, welcher zugleich als selbsterhöhende tiefe Erkenntnis fungierte und damit den Jugendliche den elitären Anspruch vermittelte, sich über den demokratischen Willensbildungsprozeß stellen zu können.

Entsprechend warf Dutschke damals der SPD vor, den Sozialismus nicht offensiv zu propagieren. Dabei fragten er und seine Anhänger und Rivalen sich erst gar nicht, ob sich dafür überhaupt eine Mehrheit bei Wahlen finden würde. Eine Mehrheit bei Wahlen zu erreichen interessierte die Jugendlichen damals überhaupt nicht, weil sie sich im Besitz der absoluten Wahrheit fühlten. Der Wählerwille wurde doch nur als Ausdruck der angeblichen "Tatsache" begriffen, daß die Mehrheit der Bürger nur willenlose Marionetten der Bourgeoisie wären. So kam auch die von Aly geschildeten Berliner Machtergreifungsphantasien zustande, an denen, falls mich meine Erinnerung nicht trügt, auch Rudi Dutschke beteiligt war.

Es war gerade der Marxismus in ausnahmslos allen Schattierungen, inkl. der mittlerweile zu höchsten demokratischen Weihen gelangten kritisch theoretischen, welcher den jungen Menschen den Glauben an die Zugehörigkeit zu einer alles besser wissenden Elite vermittelte. Aly weist diesbezüglich explizit auf den der Frankfurter Schule dazugehörigen kritischen Theoretiker Marcuse hin - was auch höchste Zeit wurde. Im Rahmen des Schwanengesangs der damaligen neuen Linken wurde der Zusammenhang nach ausgiebiger Lektüre der frazösischen Neuen Philosophen auch begriffen und in Studenten- und Linksintellektuellekreisen populär gemacht. Zu spät, denn das Mordkonto der Meisterdenker und Menschenfresser hatte sich schon wieder erhöht, aber immerhin besser zu spät denn nie!

Nichts davon ist geblieben. Mit der deutschen Einheit kam die SED und mit ihr wurden die letzten Erkenntnisse linker Schuld am Massenmord geradezu brutalst möglich zertrampelt. Dem Marxismus wird völlig unkritisch seines totalitären Wesens gehuldigt und es wurden bereits organisatorische Maßnahmen unternommen, um ihn wieder unter Studenten populär zu machen. Schon glühen die Augen der Erleuchteten wieder, die der festen Meinung sind, die Wahrheit einzig für sich gepachtet zu haben.

Die Konfrontation mit der Erinnerung an die Mauer löst längst nicht mehr die Anstrengung des Begriffs aus, den Zusammenhang Marxismus, Sozialismus, Diktatur, Freiheitsberaubung und Mord zu erforschen, sondern die Bemühungen der Volkserzieher aus eigenen Gnaden den willenlosen Marionetten der Bourgeoisie zu erklären, wie aus der Diktatur keine wird und wie man sich ungeniert weigert, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Letzteres artistisches Kunststück macht uns Ramelow gerade vor (http://www.focus.de/politik/deutschland/...aid_375271.html).

Lieber Zettel, ich sage jetzt nicht: Laß unsere Jugend Vergangenheit sein, sondern laß uns bitte den Schritt von der Vergangenheit zur Gegenwart und Zukunft wagen!

Die kritische Reflexion der Vergangenheit ist nur dann von Interesse, wenn sie unsere Schwerter im Kampf um unsere Gegenwart und unsere Zukunft schärft. Wir stehen nicht über den Dingen, sondern wir befinden uns mitten drinnen. Scharfe Schwerter brauchen wir, denn im nächsten Bundestag wird die Partei Die Linke mit tödlicher Sicherheit wieder vertreten sein und der Albtraum Rotrotgrün ist leider auch noch nicht "ausgeträumt". Solange die Partei Die Linke auch nur in einer Regierung sitzt, und sei es nur im letzten Kuhdorf weit im Osten und solange in der SPD auch nur noch ein Ganove sitzt, der von Rotrotgrün träumt, müssen die Hiebe sitzen und zwar perfekt, messerscharf und gegenwartsbezogen.

Themen Überblick
Betreff Absender Datum
"So macht Kommunismus Spaß" Zettel27.02.2009 02:47
RE: "So macht Kommunismus Spaß" PeterCoyote27.02.2009 05:17
Wie die RAF den Staat vorführte Zettel27.02.2009 14:32
Dutschke und die RAF Zettel28.02.2009 04:25
RE: Dutschke und die RAF PeterCoyote28.02.2009 09:24
RE: Dutschke und die RAF Hajo28.02.2009 11:46
RE: Dutschke und die RAF Zettel28.02.2009 15:17
RE: Dutschke und die RAF PeterCoyote01.03.2009 05:05
RE: "So macht Kommunismus Spaß" Chripa28.02.2009 09:20
RE: "So macht Kommunismus Spaß" Zettel01.03.2009 07:13
RE: "So macht Kommunismus Spaß" Libero28.02.2009 10:08
Kriegserlebnisse Zettel28.02.2009 14:56
Rudi-Dutschke-Straße Zettel01.03.2009 06:53
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