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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 39 Antworten
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Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Geozentriker

Beiträge: 68

28.07.2009 01:18
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Antworten

Zitat von Zettel

Übrigens geht die Idee interessanterweise auf die sowjetische Raumfahrt zurück und war dort eher aus der Not geboren. Als man versuchte, die USA beim Wettlauf zum Mond doch noch auf den letzten Metern zu schlagen, waren sowohl die Proton- als auch die N1-Rakete, die allein den für den Flug zum Mond erforderlichen Schub entwickeln konnten, in der Erprobungsphase und hochgradig unzuverlässig. Deshalb kam man auf die Idee, das Mondfahrzeug unbemannt mit ihnen in den Erdorbit zu schießen und dort ein Rendezvous mit einer Soyuz-Kapsel zu machen, die mit der zuverlässigen Soyuz-Rakete gestartet worden war. Ich habe das hier beschrieben.



Nun - Not macht ebend erfinderisch .

Zitat von Zettel

Constellation umfaßt drei Teilprojekte: Erstens soll die Orion-Kapsel das Shuttle als Gerät für den Flug zur ISS ersetzen. Dafür genügt eine Ares I als Trägerrakete. Zweitens soll die Orion-Kapsel zusammen mit einem LEM-ähnlichen Mondlandegerät für den Mondflug eingesetzt werden. Das ist das exakte Remake des Projekts Apollo. Und drittens wird vage davon gesprochen, daß aus Constellation irgendwie auch ein Marsprojekt hevorgehen könne.



Die Nasa plant (bzw. wünscht) sich eine Mondbasis, die einen längeren Aufenthalt auf dem Mond ermöglicht. Schon damit gehen die Planungen deutlich über das Apollo-Programm hinaus. Durch seinen modularen Aufbau bietet das Constellation-Programm auch gute Möglichkeiten und ist von der Konzeption her bestimmt nicht "mager" - jedenfalls nicht, wenn man sich die zu lösenden technischen Probleme vorstellt.

Zitat von Zettel

Und nun kommt der Hammer: Auch dieses magere Projekt Constellation ist dem Präsidenten und dem Kongreß noch zu teuer. Im Augenblick gilt es als wahrscheinlich, daß man eine nochmal abgespeckte Variante wählen wird, für die weder die Ares I noch die Ares V gebaut werden muß. Ich habe das hier beschrieben.



Ich fürchte leider auch, dass die hervorragenden Planungen jetzt nicht vernünftig realisiert werden. Wenn etwas schlecht realisiert wird, dann heißt das aber noch lange nicht, dass die Sache an sich schlecht ist. Nach der Finanzkrise wurde in großen deutschen Blättern ernsthaft die Frage gestellt, ob der Kapitalismus noch zu retten ist. Ähnlich ist hier Ihre Argumentation. Nur weil man es jetzt nicht hinbekommt etwas vernünftig zu realisieren, wird aus der (wahrscheinlich) schlechten Realisierung der Schluß zu einer schlechten Realisierbarkeit gezogen.

Zitat von Zettel

Die Kosten würden nach allem, was man gegenwärtig berechnen kann, so immens bleiben, daß es sich nicht einmal rechnen würde, Gold vom Mond zu holen, wenn es dort denn welches gäbe. Selbst der phantastischen Ideen sehr zugeneigtet Artikel Colonization of the Moon in der Wikipedia muß das anerkennen; dort heißt des dazu, daß es sich vielleicht lohnen könne Helium-3 vom Mond zu holen, weil das 120 mal so teuer ist wie Gold. Aber selbst das ist allerfernste Zukunftsmusik. Helium-3 (vom Sonnenwind stammend) kommt im Mondgestein in so geringer Konzentration vor (im Verhältnis 1 : 100.000 bis 1 : 10.000), daß es völlig ausgeschlossen ist, das unverarbeitete Gestein zur Erde zu transportieren.

Man müßte auf dem Mond eine gewaltige Fabrik zur Gewinnung des Helium-3 aus dem Gestein bauen. Angesichts der immensen Transportkosten ist auch das vollkommen utopisch.

Es geht, lieber Geozentriker, bei alledem nicht um das technisch Machbare. Machbar ist fast alles, wenn man unbegrenzt Geld zur Verfügung hat. Die Russen haben ihre Bevölkerung ausgepreßt und Unmengen Geld für die Raumfahrt verpulvert. In einem freien Land geht das nicht. Und im Kapitalismus muß sich jedes Unternehmen schließlich rechnen.



Natürlich kann die jetzige Raumfahrt nur Grundlagenforschung sein. Grundlagenforschung rechnet sich auch im Kapitalismus (in der Regel) nicht - sie hat sich übrigens noch nie gerechnet. Auch früher gab es dafür Geldgeber - oder es haben Leute, die irgendwie materiell abgesichert waren, aus Idealismus geforscht. So wird auch mit Constellation keine Infrastruktur geschaffen, die sich rechnet - ganz klar. Bemannte Raumfahrt ist eher eine langfristige Geschichte. Für kurzfristige Erfolge sind die technischen Probleme einfach zu groß. Trotzdem halte ich die bemannte Raumfahrt nicht für eine Sackgasse. Bei gewollter technischer Weiterentwicklung (auf allen Gebieten) werden sich die Reproduktionsmöglichkeiten weiter erweitern und intensivieren. Bisher hat dieser Prozess stets die Vorstellungskraft übertroffen (ein Beispiel: vor etwa 100 Jahren war Hochseesegeln ein Sport, den sich nur einzelne leisten konnten - damals konnte sich sicher niemand vorstellen, dass auch Normalverdiener diesen Sport einmal betreiben können). Eine Sackgasse ist eher der ganze derzeitige Ökoblödsinn, da sich durch diesen die Effektivität der Reproduktion verringert.
Fakt ist, dass die Rohstoffe auf der Erde nicht ewig reichen werden - auch bei äußerster Sparsamkeit und Nutzung aller Recyclingmöglichkeiten. Auch ist unsere natürliche Umgebung alles andere als lebensfreundlich (wir haben bis jetzt nur unheimlich viel Schwein gehabt). Wenn die Zukunft der Menschheit nicht darin bestehen soll, dass unsere Nachfahren dereinst in bescheidenen Lebensverhältnissen darauf warten, dass sie durch irgend ein kosmisches Ereignis ausgelöscht werden (wohlgemerkt: ich rede hier über sehr lange Zeiträume), dann führt an bemannter Raumfahrt kein Weg vorbei. Ich halte es daher für vernünftig, dass die Menschheit bereits jetzt Erfahrungen sammelt, wo noch Resourcen dazu zur Verfügung stehen. Natürlich ist das ein schwer zu vermittelndes Argument - wenn die Alditüte noch voller als voll ist und die Glotze physisch immer größer wird.


Zitat von Zettel

Die Russen haben ihre Bevölkerung ausgepreßt und Unmengen Geld für die Raumfahrt verpulvert.



Nein!!! Die Vorstellung, dass im Sozialismus Geld verpulvert wurde halte ich (obwohl ich kein ausgebildeter Volkswirt bin auch im Gegensatz zu Volkswirten) für falsch. Geld hatte im Sozialismus keine Kapitalfunktion - es war noch nicht einmal universelles Tauschäquivalent. Im Privaten war für Geld nur das unbedingt Überlebensnotwendige erhältlich - darüber hinaus gab es einen ausgeprägten, auf Waren (oder Westgeld) basierenden Tauschhandel. Tauschhandel dieser Art gab es übrigens auch zwischen Betrieben innerhalb der Volkswirtschaften. Verpulvert wurden höchstens Resourcen - dies muß aber auch relativiert werden. Resourcen entstanden - und wurden nur dort genutzt - wo engagierte und fähige Leute etwas schaffen durften. Sonst wurden Resourcen einfach durch Misswirtschaft verschlampert und Möglichkeiten nicht genutzt. Deshalb dürften die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der russischen Raumfahrt recht gering gewesen sein.


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Europäische bemannte Raumfahrt? Zettel19.07.2009 08:57
Pony-Express Zettel19.07.2009 13:07
Danke Daddeldu19.07.2009 17:26
Notwendige und unnötige bemannte Raumfahrt Zettel19.07.2009 18:33
RE: Notwendige und unnötige bemannte Raumfahrt vivendi19.07.2009 19:04
RE: Notwendige und unnötige bemannte Raumfahrt Llarian19.07.2009 21:09
Wie viel zahlen Sie? Daddeldu20.07.2009 12:29
RE: Wie viel zahlen Sie? Pentas20.07.2009 15:28
RE: Wie viel zahlen Sie? Gorgasal20.07.2009 15:46
RE: Wie viel zahlen Sie? Llarian20.07.2009 18:54
GPS und Galileo Zettel20.07.2009 12:33
Das Streben nach neuen Grenzen Zettel20.07.2009 13:00
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Llarian20.07.2009 19:08
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Zettel20.07.2009 21:24
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Geozentriker20.07.2009 22:02
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Zettel20.07.2009 23:17
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Geozentriker21.07.2009 23:07
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Zettel22.07.2009 00:03
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Geozentriker25.07.2009 11:10
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Zettel25.07.2009 12:26
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Kallias25.07.2009 12:47
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Geozentriker28.07.2009 01:18
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Zettel29.07.2009 04:15
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Ungelt29.07.2009 08:38
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Ungelt29.07.2009 11:01
Constellation ade? Zettel29.07.2009 11:05
RE: Constellation ade? Ungelt29.07.2009 11:45
RE: Constellation ade? Geozentriker07.08.2009 19:13
RE: Constellation ade? Zettel08.08.2009 02:18
RE: Constellation ade? Geozentriker09.08.2009 22:49
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RE: Künstliche Intelligenz, Robotik, bemannte Raumfahrt hubersn10.08.2009 19:50
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Ungelt29.07.2009 09:03
RE: Das Streben nach neuen Grenzen Geozentriker29.07.2009 23:01
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RE: Notwendige und unnötige bemannte Raumfahrt Calimero19.07.2009 21:21
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Der Klettverschluss, patentiert 1951 Daddeldu20.07.2009 14:52
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