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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 3.677 mal aufgerufen
Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Zettel

Beiträge: 20.200


28.02.2010 10:03
RE: Zitat des Tages: antworten

Lieber Abendlaender,

vielen Dank für diesen Beitrag, der mir aus dem Herzen spricht.

Soweit ich Gray bisher verstehe, enthält sein Ansatz zwei Grundschwächen:

-- Erstens den inneren Widerspruch jedes Relativismus, hier ins Gesellschaftliche gewendet. Gray leugnet gemeinsame Werte und propagiert zugleich Modus Vivendi als gemeinsamen Wert. Er will auf gesellschaftlichen Konsensus verzichten und an seine Stelle das Nebeneinander von Communities setzen - aber just dieses Nebeneinander von Communities ist doch nur aufgrund eines gesellschaftlichen Konsensus möglich.

Konkret gesprochen: Wer Islamisten die Rechte einer Community zugesteht, so wie wir mit unseren westlichen Werten eine Community mit denselben Rechten bilden, der muß den Islamisten auch zugestehen, ihre eigenen Werte realisieren zu dürfen. Diese beinhalten nun aber just die Beseitigung der pluralistischen Gesellschaft, die Gray vorschwebt. Gray will eine suizidäre Gesellschaft; eine Gesellschaft, die sich, indem sie sich definiert, selbst aufgibt.

-- Als Angelsachse, aber zugleich als Europäer spielt Gray mit der schillernden Bedeutung des Begriffs "liberal". Die Amerikaner bezeichnen damit bekanntlich das, was wir Europäer links nennen; mit dem Liberalismus, wie ihn Smith, Hume und Kant repräsentieren, hat das wenig zu tun.

Gray wendet sich zu Recht gegen eine im amerikanischen Sinn liberale Gesellschaft; also eine, die auf dem Gedanken eines vorgezeichneten Fortschritts hin zu einer immer perfekteren Kontrolle des Einzelnen durch gesellschaftliche Institutionen basiert, natürlich zu dessen eigenem Besten. Das ist die linke Tradition der Aufklärung, die Rousseaus, die jakobinische, wie sie heute noch im französischen Konzept des républicanisme lebendig ist.

Er will damit aber zugleich die liberalkonservative, die skeptische Tradition der Aufklärung aushebeln. Er setzt den Glauben an einen vorgezeichneten, unvermeidlichen Fortschritt gleich mit der vernünftigen Überzeugung, daß ethischer Fortschritt zwar weder durch Gott noch durch die Bewegungsgesetze der Materie garantiert ist, daß er aber auch nicht ausgeschlossen ist.

Wenn aber ethischer Fortschritt im Sinn der Verwirklichung der Werte der Aufklärung möglich ist, dann kann man - sofern man diese Werte teilt -, nicht eine Gesellschaft wollen, in der die Feinde der Aufklärung mit ihren antihumanen Werten gleiche Rechte und gleiche Anerkennung genießen wie diejenigen, die der Aufklärung verpflichtet sind.

Falls Sie sie nicht schon kennen, lieber Abendlaender - darf ich Ihnen dazu die Serie Realität in acht Päckchen in ZR empfehlen, insbesondere die fünfte Folge?

Herzlich, Zettel


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Zitat des Tages: "Wissen macht nicht frei" Zettel28.02.2010 03:02
RE: Zitat des Tages: "Wissen macht nicht frei" Abendlaender28.02.2010 06:22
RE: Zitat des Tages: Zettel28.02.2010 10:03
RE: Zitat des Tages: Abendlaender28.02.2010 19:07
RE: Zitat des Tages: Zettel01.03.2010 12:43
RE: Zitat des Tages: prometheus14103.03.2010 18:11
RE: Zitat des Tages: "Wissen macht nicht frei" dirk28.02.2010 16:17
RE: Zitat des Tages: Zettel01.03.2010 10:46
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