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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 3.737 mal aufgerufen
Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Zettel

Beiträge: 20.200


01.03.2010 10:46
RE: Zitat des Tages: Antworten

Lieber Dirk,

Sie schreiben "ich lese das Interview ganz anders als Sie". Aber so sehr sind wir, glaube ich, gar nicht auseinander.

Zitat von dirk
Das Argument für die Freiheit ist nicht, dass sie "gut" ist oder zu Guten führt, sondern - fast im Gegenteil - das Argument für die Freiheit ist fehlende Gewissheit über die das richtige und das Gute: Wüssten wir, welche Religion die richtige sei, gäbe es kein Argument für Toleranz.

Linke können so aber nicht argumentieren. Denn sie glauben ja gerade an absolute Gewissheiten, an Vernunft, wie sie es gerne nennen. Deshalb haben sie eine ganz andere Vorstellung vom Begriff "Freiheit". Für Linke ist Freiheit das "vernünftige" Leben. Wer anders lebt als sie es für richtig halten - Hausfrauen, Raucher, Massenkonsumenten - den halten Linke für unfrei. Solche Leute wollen sie "emanzipieren".


Dem stimme ich völlig zu. Es ist deshalb falsch, das Denken der Linken in die Tradition der Aufklärung zu stellen. Oder genau: Es repräsentiert nur einen geringen Teil, sozusagen eine Nebenströmung der Aufklärung, die von Rousseau und den Jakobinern über Hegel zu Marx führt.

Zitat von dirk
Legt man diesen Freiheitsbegriff zu Grunde, dann hat Gray völlig recht. Es gibt keine absolute Vernunft und damit keine Aussicht auf Freiheit im obigen Sinne. Enstprechend argumentiert er gegen die "Hybris" und Anmaßung aller Vernunftsgläubigen. Das aber ist genau das liberale Argument für Menschenrechte.


Hier muß man meines Erachtens eben differenzieren. Gegen die genannte linke Tradition argumentiert Gray in der Tat zu Recht. Aber das sind eben nicht "alle Vernunftgläubigen". Auch Kant war ein Vernunftgläubiger (was die praktische Vernunft angeht). Montesquieu und Hume waren es. Aber sie waren von Hybris gerade weit entfernt. Sie waren Skeptiker, weil sie an die Vernunft glaubten; sie glaubten an die Vernunft wie jeder Skeptiker.

Diese Differenzierung nimmt Gray nicht vor.

Er argumentiert gegen den Mißbrauch der Vernunft durch die Linke, die sie in der Tradition Hegels gerade nicht kritisch einsetzt (Hegel hat "die Vernunft" ja von einem Instrument des menschlichen Geistes nachgerade zu einer metaphysischen Instanz gemacht; im Grunde einer Chiffre für Gott).

Aber Gray argumentiert damit zugleich gegen die Aufklärung und den Glauben an die Macht der Vernunft als solche. Darin liegt aus meiner Sicht sein Irrtum.

Herzlich, Zettel


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Zitat des Tages: "Wissen macht nicht frei" Zettel28.02.2010 03:02
RE: Zitat des Tages: "Wissen macht nicht frei" Abendlaender28.02.2010 06:22
RE: Zitat des Tages: Zettel28.02.2010 10:03
RE: Zitat des Tages: Abendlaender28.02.2010 19:07
RE: Zitat des Tages: Zettel01.03.2010 12:43
RE: Zitat des Tages: prometheus14103.03.2010 18:11
RE: Zitat des Tages: "Wissen macht nicht frei" dirk28.02.2010 16:17
RE: Zitat des Tages: Zettel01.03.2010 10:46
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