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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 11 Antworten
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Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Kaa

Beiträge: 658


09.03.2010 19:52
Überkommene Rollenklischees Antworten

Zitat von Zettel
man verachtete die Familie und die "Zweierbeziehung" (was für ein Wort!), man wollte alle "überkommenen Rollenklischees" kippen. Warum sollte man da vor Kindern haltmachen?



Auch das war gut. Nicht was dabei herausgekommen ist. Das ist ganz furchtbar. Doch wäre es so geblieben, wie es war, was natürlich nicht ging, denn wäre das System stabil gewesen, wäre es ja so geblieben, wie es gewesen war, wäre es auf eine andere Art heute genauso furchtbar.

Der argumentative Ansatz, der vielleicht am erfolgsversprechenden ist, ist, daß das soziale System nicht stabil war (sonst hätte es sich nicht so schnell so radikal verändert). Der interessiert mich aber nicht, vielleicht mag den jemand anderer aufgreifen.

Was mich interessiert, sind die Möglichkeiten der Veränderung. Lieber Zettel, es war schlimm. Ich war Kind in der Zeit und ich habe meine Eltern heute lieb, und sie waren nicht böse, und nicht gewalttätig. Es ist also, so glaube ich wenigstens, nichts in erster Linie persönliches. Ich war so ungefär 15 Jahre nach Deiner Kindheit Kind. Das ist etwas vollkommen anderes. Ihr habt Eltern erlebt, die Euch aus dem Nichts etwas aufgebaut haben, die Euch gerettet haben. Wir haben Eltern erlebt, die, genauso sozialisiert wie Eure, eine sichere, geregelte Welt bewahren wollten. Doch wenn die Welt warm und sicher ist, sieht das ein Kind nicht. Das ist selbstverständlich. Wenn die Welt gut ist, ist Essen und Kleidung und Heizung das mindeste was man erwarten kann. Unsere Eltern hatten den Fokus auf Dingen, die uns nicht interessierten, weil sie unser selbstverständliches Grundrecht waren (und das fanden unsere Eltern natürlich, wie alle Eltern auch) - wir hatten die Fokus auf dem, was man besser machen konnte. Wir sind die zentrale Generation. Und wir sind, krass ausgedrückt, im Allgemeinen gescheitert. Wir haben unsere Aufgabe nicht erfüllt. Einen Menschen zu entwickeln (und ein Gesellschaftskonzept), der (und das) dem Wohlstand angemessen ist.

Ein Fehler war, daß "einen Menschen entwickeln" natürlich für die meisten bedeutete, daß sich die anderen entwickeln sollten. Iiih, bah. Das ist aber so angelegt, daran kann man nichts ändern. Die meisten Menschen zweifeln nicht an sich, und das ist gut so. Sowohl daß die meisten nicht zweifeln, als auch, daß es einige tun. Das ist eine Gegebenheit, die muß man nutzen.

Ein weiterer Fehler war, daß die Ziele vom Verstand entworfen wurden. Das ist kein persönlicher Fehler von niemandem, Verschulder dieses fehlerhaften Verhaltens sind natürlich die Eltern in genau dem, was wir so zutiefst kritisiert haben und was ich immer noch ablehne - Vernunft über Empfindung, Pflicht vor Vergnügen. Ausführer dieses Fehlers waren wir.

Aber so läuft es natürlich nicht. Denn es hat sich ja was verändert. Hohe Herren der katholischen Kirche bedauern (meiner Meinung nach glaubwürdig) öffentlich, Frauen können Bischöfe werden, Bahnbeamte sind freundlich und die meisten Kinder haben keine Angst. Genau das sind die Dinge, die sich ändern mußten: Angleichung der Stellung der Frau in der Gesellschaft (kannst Du Dich noch an die alten Filme erinnern, wo er voll liebevoll zu ihr sagt: "Kindchen, was ...." - so einer war ein guter Mann, so einen ergatterte sie in ihren Träumen), die Fähigkeit zwischen öffentlichem Zugeben von Versagen und dem eigenen Wert (der Organisation) zu unterscheiden, Freundlichkeit und daß die kleinen Leute ihre Würde nicht mehr aus dem Drangsalieren anderer kleinen Leute gewinnen und selbstbewußte Kinder, die nein sagen können.

Das also haben wir erreicht. In manchen Bereichen haben wir davon schon zu viel erreicht (Angleichung der Stellung der Frau), in manchen Punkten könnten wir noch ein bißchen (Kinder, die ruhig nein sagen können). Ich will aber jetzt konstatieren, daß wir das was im Vergleich zu dem 60er verändert werden mußte, verändert haben. Das ist gut. Leider blieb dabei einiges andere, was gut war, auf der Strecke und wurden Lücken, die entstanden durch Schauerliches gefüllt.

Das verändern wir in den nächsten 20 Jahren, mit unserer in der Vergangenheit gewonnenen Weisheit.

Liebe Grüße
Kaa


Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus Autor im Netz bekannt


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Marginalie: Sexuelle Übergriffe gegen Schüler Zettel08.03.2010 10:31
RE: Marginalie: Sexuelle Übergriffe gegen Schüler Zettel08.03.2010 17:54
RE: Marginalie: Sexuelle Übergriffe gegen Schüler Calimero08.03.2010 19:32
RE: Marginalie: Sexuelle Übergriffe gegen Schüler Hajo08.03.2010 20:45
Nulltoleranz Zettel09.03.2010 14:39
RE: Nulltoleranz Hajo09.03.2010 15:52
Gewalt in der Erziehung .. Kaa09.03.2010 19:02
RE: Gewalt in der Erziehung .. Ungelt10.03.2010 10:04
Stadtindianer Kaa09.03.2010 18:46
RE: Stadtindianer Zettel09.03.2010 19:12
Überkommene Rollenklischees Kaa09.03.2010 19:52
RE: Marginalie: Sexuelle Übergriffe gegen Schüler R.A.09.03.2010 10:35
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