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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 39 Antworten
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Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
RexCramer

24.10.2010 02:12
RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Lieber Zettel,

Zitat
Diese Lage ist - natürlich - dadurch gekennzeichnet, daß es keine Krise gibt; oder genauer, daß wir die Krise weitgehend hinter uns haben, von der die Briten und die Franzosen noch immer gebeutelt werden.

...

Die soziale Marktwirtschaft hat sich auch in dieser Krise wieder bewährt. Dank der massiven staatlichen Finanzierung von Kurzarbeit und dank der Zustimmung der Gewerkschaften zur Kurzarbeit konnten Entlassungen in Grenzen gehalten werden; für den jetzt einsetzenden Aufschwung standen dadurch die Arbeitskräfte bereit.



wir haben die Krise hinter uns? Woran machen Sie das fest? Sind die zusätzlichen Schulden, die in gigantischem Ausmaß gemacht wurden, bereits wieder getilgt worden? Wenigstens ein Teil? Hat man es überhaupt versucht? Mir ist dbzgl. nichts bekannt.

Hat eine Auseinandersetzung mit den Ursachen der Krise stattgefunden? Sind entsprechende Maßnahmen eingeleitet worden? Auch dazu wäre es nett, wenn Sie uns kurz Ihre Informationen nennen könnten, denn mir sind keine Meldungen zu Ohren gekommen.


Die Arbeitskräfte hätten auch dann bereitgestanden, falls es (massive) Entlassungen gegeben hätte. Hieran die Überlegenheit unseres Arbeitsmarktes festmachen zu wollen, geht an der Sache vorbei, denn ein flexiblerer tendiert zu durchschnittlich niedrigerer Arbeitslosigkeit, während insbesondere Deutschland an der hohen Sockelarbeitslosigkeit leidet. Diese Probleme, die seit Jahrzehnten bestehen, sind nicht weg, sondern werden nur durch die zahlreichen Fälschungen der Arbeitslosenstatistik kaschiert.


Was unser heutiges Wirtschaftssystem noch mit der Sozialen Marktwirtschaft im ursprünglichen Sinne zu tun haben soll, ist mir auch schleierhaft. Haben Sie sich einmal angeguckt, worum es dabei wirklich ging? Welche Ziele verfolgt wurden? Wie sie erreicht werden sollten? Für das, was heute veranstaltet wird seitens der Politik, würde man fast ausschließlich erheblichen Widerstand und Ablehnung erhalten von den Vätern der echten Sozialen Marktwirtschaft.


Ich stimme Ihnen in Ihrer Beurteilung zu, daß es richtig war, Kurzarbeit staatlich zu finanzieren. Auch mit Ihren Ausführungen zum Zusammenhalt in Deutschland bin ich bei Ihnen. Aber darauf zurückzuführen, wie die wirtschaftliche Lage heute ist, geht doch weit darüberhinaus, wie sehr und worauf sich diese Faktoren auswirken.
Massive staatliche Finanzspritzen können eben nur überbrücken, mehr nicht. Auf Dauer ist aber entscheidend, ob sich die Auftragsbücher der Unternehmen wieder füllen oder nicht. Nicht benötigte Arbeitskräfte können schließlich nicht ewig durchgeschleppt werden. Ein Nachfrageausfall kann nicht auf lange Sicht vom Staat ausgeglichen werden. Aus zwei Gründen geht das in Deutschland besonders schlecht: Erstens aufgrund der starken Exportabhängigkeit, wobei zweitens der Staat einen Einbruch auch dann nicht auffangen könnte, wenn er die Mittel dazu hätte, weil die Export- und Importstruktur ganz anders aussieht - inländischer Verbrauch und Produktion also unterschiedlich sind, salopp gesagt. Konjunkturprogramme treiben also nicht nur die Verschuldung in die Höhe, sondern begünstigen vor allem auch ausländische Produzenten. Man könnte hier die größten Lohnerhöhungen aller Zeiten machen, hohe Mindestlöhne einführen usw., aber man brächte trotzdem keine Friseure auf die Idee, sich eine Tunnelbaumaschine zu kaufen, überspitzt formuliert.
Weshalb kommen die deutschen Unternehmen gut zurecht? Ich habe es neulich schon detaillierter ausgeführt, worauf Sie aber nicht eingegangen sind: Die Weltmärkte ziehen wieder an, damit steigt die Nachfrage aus aller Welt und vor allem aus Asien. Hier nun zu unterstellen, die Lage sei auf das Handeln unserer Regierung und insbesondere Merkel zurückzuführen, wie Sie das so gerne tun, ohne sich dabei um Argumente zu kümmern, ist reichlich abenteuerlich.
Was ist der Unterschied zwischen den Briten und uns, auf den Sie im Artikel eingehen? Sie stellen Klischees dar und die Mentalität, aber was wirklich den Unterschied macht und weitaus entscheidender ist bzgl. dessen, wie die verschiedenen Länder jetzt wieder aus der Krise herauskommen, fehlt: die wirtschaftliche Basis. Die sieht so aus, daß die Briten uns noch vor ein paar Jahren ausgelacht, dabei aber ihre industrielle Basis vernachlässigt und voll auf Dienstleistungen gesetzt haben. Man könnte schon fast sagen, daß die Briten sich selbst deindustrialisiert haben. Nachdem die Luftnummer zusammengebrochen ist, sitzen sie deshalb nun in der Tinte. Doch wie hat man in all den Jahren in Deutschland darauf reagiert? War man klug, hat man Vernunft bewiesen und darauf hingewiesen, daß das ein gefährlicher Weg sei und es ohne solides Fundament nicht geht, weil auf lange Sicht der Wohlstand von der Wertschöpfung abhängt, also von realen Werten? Nein, ganz und gar nicht, sondern unsere Politiker fanden es fast durch die Bank ganz toll, von der "Dienstleistungsgesellschaft" zu faseln und davon zu schwadronieren, unsere "Industrieabhängigkeit" sei "zu hoch" (ganz zu schweigen von der Anmaßung, wieso ein Politiker glaubt, hier die "richtigen" Quoten zu kennen bzw. überhaupt sich einmischen will). Gerade diese industrielle Basis ist es aber nun, welche dafür verantwortlich ist, daß wir vergleichsweise gut zurechtkommen. Diese Basis haben wir, weil die Politiker mit ihren großen Plänen zur Rettung der Welt zum Glück viel weniger Einfluß haben, als sie gerne hätten. Und vor allem haben wir diese Basis, weil unsere Politiker in langen Jahren vor der Krise eben nicht so konnten, wie sie wollten. Sonst stünden wir jetzt auch vor einem viel größeren Trümmerhaufen nicht mehr nachgefragter Dienstleistungen wie die Briten.

MfG


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Marginalie: Nationale Klischees Zettel22.10.2010 17:22
RE: Marginalie: Nationale Klischees Diskus22.10.2010 17:57
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RE: Marginalie: Nationale Klischees Zettel23.10.2010 00:04
RE: Marginalie: Nationale Klischees F.Alfonzo23.10.2010 01:01
Staatsverschuldung Zettel23.10.2010 19:43
RE: Staatsverschuldung RexCramer24.10.2010 03:27
RE: Staatsverschuldung Zettel24.10.2010 19:10
RE: Staatsverschuldung C.24.10.2010 23:43
RE: Staatsverschuldung RexCramer02.11.2010 01:36
RE: Staatsverschuldung Nola25.10.2010 13:54
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RE: Ignoranz ist Stärke Nola25.10.2010 18:41
RE: Ignoranz ist Stärke C.26.10.2010 01:45
RE: Marginalie: Nationale Klischees RexCramer24.10.2010 02:12
RE: Marginalie: Nationale Klischees Zettel24.10.2010 12:28
RE: Marginalie: Nationale Klischees RexCramer28.10.2010 16:12
RE: Marginalie: Nationale Klischees Zettel28.10.2010 18:38
RE: Marginalie: Nationale Klischees RexCramer02.11.2010 02:08
RE: Marginalie: Nationale Klischees RexCramer29.10.2010 02:26
RE: Marginalie: Nationale Klischees Gorgasal01.11.2010 09:32
Nibelungentreue Zettel01.11.2010 12:02
RE: Nibelungentreue Gorgasal01.11.2010 12:44
RE: Nibelungentreue Calimero01.11.2010 18:56
RE: Nibelungentreue Zettel01.11.2010 19:13
RE: Nibelungentreue Calimero01.11.2010 19:44
RE: Nibelungentreue RexCramer02.11.2010 02:23
RE: Nibelungentreue RexCramer02.11.2010 02:18
Merkel-Crash? Calimero02.11.2010 19:53
RE: Merkel-Crash? Gorgasal02.11.2010 20:26
RE: Merkel-Crash? RexCramer03.11.2010 21:04
RE: Merkel-Crash? ... aber auch Schröders Erbe Nola04.11.2010 03:43
RE: Nibelungentreue Zettel01.11.2010 19:26
RE: Nibelungentreue Gorgasal01.11.2010 20:21
RE: Nibelungentreue Zettel01.11.2010 21:21
RE: Nibelungentreue RexCramer02.11.2010 02:44
RE: Nibelungentreue Zettel02.11.2010 03:35
RE: Nibelungentreue RexCramer02.11.2010 02:28
RE: Nibelungentreue RexCramer02.11.2010 02:12
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