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Dieses Thema hat 23 Antworten
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Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
RexCramer

28.10.2010 20:37
RE: Zitat des Tages: "Auf russischen Gehaltslisten" Antworten

Lieber Florian,

Zitat von Florian
Warum ist die Arbeitslosenquote von 2005 bis 2008 so dramatisch gesunken wie nie (!!) zuvor in der bundesdeutschen Geschichte? Warum ist die Arbeitslosenquote auch in den absoluten Rezessionsjahren 2008-2010 immer noch leicht gesunken, während sie in der restlichen Welt dramatisch gestiegen ist?



am besten ist es, die offizielle Arbeitslosenquote einfach zu ignorieren. Das ist nur noch lächerlich, was man da von der Regierung aufgetischt bekommt, gelinde gesagt.

Gucken wir uns die Änderungen 2009 an:

Zitat
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland wird dieses Jahr dank einer statistischen Änderung um mindestens 190.000 geringer ausfallen als nach der bisherigen Berechnung. Das geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die unserer Redaktion vorliegt.


Zitat
Seit Anfang Januar gelten Arbeitslose, die nicht mehr von der örtlichen Arbeitsagentur, sondern von privaten Vermittlern und Trägern betreut werden, nicht mehr als arbeitslos.


http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/...aid_712763.html

2010 beträgt diese Zahl schon weit über 200.000. Dazu kommen noch 80.000 Alte, die nicht mehr mitgezählt werden, wenn ihnen innerhalb von 12 Monaten kein Angebot zugegangen ist, die im Artikel nicht erwähnt werden.

Wie Fachleute diese Änderung sehen:

Zitat
Arbeitsmarktexperten seien dagegen äußerst skeptisch. Dies sei keine saubere Erfassung der Arbeitslosenzahlen, schreibt das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in seiner Stellungnahme für eine Bundestagsanhörung. Auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) sei dagegen. Der Vizedirektor des IAB, Ulrich Walwei, warnte vor der neuen Zählweise. „Das sehen wir mehr als kritisch. Es ist inkonsequent, wenn der Arbeitslose mitgezählt wird, der von der BA vermittelt wird, und der andere nicht“, sagte er der Zeitung.



http://www.focus.de/finanzen/news/arbeit...aid_350967.html

Es wurde also davor gewarnt, aber inzwischen ist die neue Regelung Realität. Wen kümmert schon eine saubere Statistik, wenn es darum geht, die Wähler zu täuschen?
Ob das auch zur "tollen Arbeit" von Merkels Regierung gehört, die Zettel immer so betont?

Was für "schöne" Änderungen gab es 2008? Auch hier war die Regierung nicht untätig:

Zitat
Nach dem Willen der großen Koalition sollen mindestens 58 Jahre alte Erwerbslose künftig nicht mehr als arbeitslos gelten, falls ihnen innerhalb von zwölf Monaten nach Beginn des Leistungsbezugs keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten wurde. Auf diese Weise würde die Arbeitslosigkeit Älterer künstlich reduziert und die Nürnberger Statistik geschönt, warnen die Fachleute, die an diesem Montag vor dem Arbeits- und Sozialausschuss des Bundestages zur geplanten Änderung des Sozialgesetzbuchs (SGB) III Stellung nehmen sollen. Der Bundesagentur für Arbeit (BA) stünde damit ein neuer Statistikskandal ins Haus.



Zitat
Mit der neuen Definition der Arbeitslosigkeit entferne sich Deutschland noch weiter von den international üblichen Kriterien, warnt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in seiner Stellungnahme. Nicht mehr allein die Arbeitssuche und die Verfügbarkeit des Betroffenen wären für dessen Status als Arbeitsloser entscheidend, „sondern zusätzlich das Vorhandensein eines Stellenangebotes, also ein arbeitsnachfrageseitiger Faktor“. Auch die BA rügt, dass letztlich „das Fehlen von Arbeitsplätzen zum Kriterium des Ausschlusses aus der Zählung als Arbeitslose“ werde. Dies setze die Behörde „dem nicht zumutbaren Risiko eines Vorwurfs der Manipulation von Arbeitslosenzahlen aus“.



http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81...n~Scontent.html

Es muß wahrscheinlich nicht erwähnt werden, daß sich auch hier die Regierung nicht aufhalten ließ.

Man beachte auch folgende Kommentare zu diesem Artikel:

Zitat
Korrekte Statistik?
Auf beiden Seiten der Bilanz werden sehr fragwürdige Bewertungsregeln genutzt, sowohl bei der Zahl der Arbeitnehmer als auch bei der Zahl der Erwerbslosen: Teilzeitkräfte werden voll als Arbeitnehmer gewertet – warum werden sie nicht nur zu 50, 60, 70 % gewertet, wenn sie nur zu 50, 60, 70 % arbeiten? 400-Euro-Kräfte werden voll gezählt, obwohl sie weniger als ein Drittel des Netto-Durchschnittslohnes von 1400 Euro erhalten und mit ca. 15 Stunden/Woche nur etwa 40 % der normalen Arbeitszeit haben. Die Zahl der Teilzeitkräfte hat sich bei annähernd gleicher Gesamtbeschäftigung in den letzten 10 Jahren von etwa 6 auf über 11 Millionen fast verdoppelt. Bei korrekterer Bewertung würden einigen Menschen die Augen übergehen. Voll gezählt werden auch die 1 Million Arbeitnehmer, deren Gehalt mit ALGII aufgestockt wird. (Etwa 340000 in Vollzeit). Als ob es sich dabei um einen vollwertigen statt einem minderwertigen und damit minderwertbaren Arbeitslatz handeln würde, wenn das Gehalt nicht zum Leben reicht. Etliche Berufseinsteiger müssen mit 30 % weniger Lohn zufrieden sein, als sie vor 5 Jahren noch bekommen hätten. Warum werden diese qualitativen Änderungen nicht in der Statistik dargestellt?



Zitat
Korrekte Statistik? II
Kranke Arbeitslose werden nicht als arbeitslos gezählt, weil Sie nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden. Kranke Arbeitnehmer werden aber weiterhin voll als Arbeitnehmer gezählt...
1-Euro-Jobs werden mittlerweile auf bis zu drei Arbeitslose verteilt – alle drei verschwinden dann aus der Arbeitslosenstatistik. Im Gegenteil, sie werden sogar als Arbeitnehmer gezählt! Arbeitnehmer mit 50 Euro Gehalt pro Woche?
Der Stichtag zu dem die Arbeitslosigkeit gemessen wird, wurde auf den 15. des Monats vorverlegt. Da Kündigungen nur zum 15. oder zum Monatsende erfolgen können, sind immer jeden Monat weniger Menschen erfasst, als tatsächlich im jeweiligen Monat (ab dem 16.) arbeitslos sind.
Die Abwanderung von Arbeitslosen ins Ausland wird nicht herausgerechnet und statt sich dafür zu schämen sogar als Erfolg verkauft.
Zwangsverrentung mit 58 – ab sofort für alle, die keine Arbeit haben?



Zitat
Korrekte Statistik? III
Seit 1993 ist die Zahl der 19-64-jährigen um 1,7 Millionen zurückgegangen. Diese Ursache des Rückgangs der Arbeitslosigkeit wird in der Statistik verschwiegen.
Hunderttausende Menschen die vom Arbeitsamt in Fortbildungskurse gesteckt werden, werden nicht als Arbeitslose erfasst, obwohl sie keine Arbeit haben.
Hunderttausende Menschen wurden im Zuge einer „Statistikbereinigung“ in Zusammenarbeit mit den Gemeinden einfach als arbeitsunfähig umetikettiert – ohne dass dieser Effekt offen in der Statistik ausgewiesen würde. Warum erhalten diese Personen weit überwiegend weiterhin Hilfen vom Gesamtstaat, anstatt von den Gemeinden, wie es eigentlich regelkonform wäre?
52% der Bürger befürchten, dass sich ihr Einkommen 2008 verringern könnte. Sind diese wirklich bloß zu blöd um den Aufschwung zu erkennen?
Korrekte Bilanzen sehen anders aus. Wenn Unternehmen so ihre Bilanzen erstellen würden, wäre dies meiner Ansicht nach längst Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen.



Und wie sah es nun vor diesen Fälschungen aus? Da gab es "natürlich" andere Lügen. Ein Überblick:

Zitat
Rund 3,2 Millionen Personen, die derzeit Arbeitslosengeld beziehen, tauchen in der Arbeitslosenstatistik nicht auf. Dies hat der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Klaus Brandner, jetzt auf eine kleine Anfrage der FDP mitgeteilt.



Zitat
„Wer aber nur die statistische Arbeitslosigkeit betrachtet, schönt die Bilanz und betrügt sich selbst. 2007 gab es offiziell 3,77 Millionen Arbeitslose, aber 6,34 Millionen Leistungsbezieher.“



Zitat
Brandner schreibt in seiner Antwort, 2007 seien durchschnittlich 5,329 Millionen Personen als "erwerbsfähige Hilfesuchende" registriert gewesen. Davon seien aber 54 Prozent, gut 2,85 Millionen, nicht als arbeitslos geführt worden.



http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A38...n~Scontent.html

Und wie sieht es nun aus? Erfolge über Erfolge:

Zitat
Die Zahl der registrierten Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober wieder unter die Marke von drei Millionen gefallen.



Zitat
Das ist der niedrigste Wert seit fast 20 Jahren.



http://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt354.html

"Selbstverständlich" fehlt der Hinweis, daß die Ermittlung vor 20 Jahren noch ganz anders aussah. Aber was sind schon dreiste Lügen bei solchen "Erfolgen"?

Eine letzte Zahl, um die Geschichte abzurunden:

Zitat
Der Deutsche Landkreistag hat heute die Daten zur Entwicklung der Hartz IV-Empfängerzahlen für den Monat Oktober veröffentlicht. Danach erhielten rd. 6,6 Mio. Menschen Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II (Hartz IV).



Zitat
Allerdings sind in Anbetracht von 6,6 Mio. Menschen im Leistungssystem des SGB II keine Anzeichen für eine Trendwende erkennbar.



Wie jetzt? Keine Trendwende, obwohl die Arbeitslosigkeit sinkt und sinkt? Tja, das ist nicht überraschend bei dieser "Ehrlichkeit" der Arbeitslosenzahlen ...


Es fällt hier aber etwas auf: 2007, wie in dem Artikel oben steht, waren es 6,34 Millionen Leistungsempfänger bei offiziell 3,77 Millionen Arbeitslosen, also eine Differenz von 2,57 Millionen Menschen. Heute sind es aber rund 6,6 und knapp unter 3 Millionen, also eine Differenz von 3,6 Millionen Menschen. Wir sehen also, daß sich die Lücke zwischen Leistungsbeziehern und offiziell Arbeitslosen um über 1 Million vergrößert hat in nur gut 3 Jahren. Das bedeutet im Klartext, daß es keinen Erfolg am Arbeitsmarkt gibt, denn da die Zahl der Leistungsbezieher gestiegen ist, wissen wir, daß die vielen Menschen, die in der Arbeitslosenstatistik nicht mehr auftauchen, entweder Billigjobs haben oder einfach nur nicht mehr gezählt werden (siehe die Hunderttausende, die in den letzten Jahren herausgerechnet wurden), ohne daß sich etwas für sie geändert hätte.

Das ist ebenfalls nachvollziehbar, wenn man in die Haushalte guckt, denn obwohl die Regierung diese "Erfolge" feiert, verbleiben die Ausgaben für Sozialleistungen auf sehr hohem Niveau.

Wenn man also wissen will, wie die Lage ist, dann guckt man sich besser die Zahl der Leistungsempfänger an. Doch haben wir eben festgestellt, wie es aussieht: "Allerdings sind ... keine Anzeichen für eine Trendwende erkennbar."

Aber wozu sich mit strukturellen Problemen befassen oder Reformen durchführen, auch wenn der Unfug noch so groß und offensichtlich ist, da wir doch bald offiziell Vollbeschäftigung haben? Und wenn ich mir die Hände vor die Augen halte, bin ich unsichtbar ...

MfG


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Zitat des Tages: "Auf russischen Gehaltslisten" Zettel27.10.2010 15:57
RE: Zitat des Tages: "Auf russischen Gehaltslisten" Florian27.10.2010 17:13
RE: Zitat des Tages: "Auf russischen Gehaltslisten" Zazaz27.10.2010 17:41
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RE: Arbeitssuchend RexCramer04.11.2010 01:42
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RE: Zitat des Tages: "Auf russischen Gehaltslisten" RexCramer04.11.2010 02:08
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