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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 1.323 mal aufgerufen
Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Zettel

Beiträge: 20.200


13.12.2011 12:30
RE: Dreißig Jahre Güstrow Antworten

Zitat von Reisender
Ich hatte einen Bekannten (mittlerweile verstorben), der noch Wilhelm Pieck persönlich kannte. Er erzählte mir, dass er dafür kämpfe, dass es keine Kriege mehr gebe. Arbeiter seien nie auf der Gewinnerseite. Weiter solle es für alle ausreichend zu essen geben, eine Wohnung, Gesundheitsfürsorge, Bildung usw. Das ist erst einmal nichts Schlechtes.

Nein, das ist nichts Schlechtes, lieber Reisender. Es ist das, was ebenso alle demokatischen Parteien in der Bundesrepublik nach 1945 wollten und ja auch erreicht haben.

Sie haben es in einem demokratischen Rechtsstaat erreicht. Pieck aber war kein Demokrat und hielt augenscheinlich nichts vom Rechtsstaat. Er war wesentlich für die Zwangsvereinigung der SPD mit der KPD verantwortlich, in deren Gefolge zahllose demokratisch gesinnte Sozialdemokraten verhaftet, verurteilt, oft nach Sibirien verschleppt wurden. Er hat dann bis zu seinem Tod 1960 über alles das präsidiert, was in der DDR an Verfolgung Andersdenkender, an Willkür gegenüber der Bevölkerung, an Mißachtung der Menschenrechte stattfand.

Pieck war ein beinharter Altkommunist, der noch Lenin gekannt hatte, der in Moskau den Terror Stalins überlebt hatte und der als Mitglied der "Gruppe Ulbricht" mit dem Auftrag nach Deutschland entsandt wurde, dort die Politik Stalins durchzusetzen.

Zitat von Reisender
Die DDR hat nicht lange durchgehalten, weil sie sich an ihren Ansprüchen verhoben hat.

Das kann ich nicht sehen, lieber Reisender. Ansprüche gab es vielleicht anfangs; bald aber glaubte ja (soweit ich das beurteilen kann) kaum noch jemand an das Heilsversprechen des Kommunismus. Die Ansprüche der Nomenklatura waren, gut zu leben und seine Macht zu genießen; die Ánsprüche der Bevölkerung waren, nicht allzusehr schikaniert zu werden, irgendwie an die Konsumgüter zu kommen, die man haben wollte (von daher die "Solidarität", also das Netz von Beziehungen, auf das man angewiesen war) und im übrigen ein ruhiges Nischenleben zu führen.

So jedenfalls stellt es sich mir dar; vielleich korrigieren mich ja Sie und/oder andere, die gelernte DDR-Bürger sind.

Zitat von Reisender
Das nicht alle ehemaligen DDR-Bürger in der BRD zufrieden sein würden, war abzusehen. Ebenso, dass man nicht alle SED-Mitglieder sowie MfS-Mitarbeiter in der sibirischen Tundra zum Streichholzschnitzen verfrachten kann. Dass sie hier leben, mag für manchen ein Ärgernis sein, ein Problem für unser Land sind sie sicher nicht.

Mich hat sehr nachdenklich gemacht, was Gesine Lötzsch geschrieben und gesagt hat (siehe Gesine Lötzsch und die Wege zum Kommunismus; ZR vom 7. 1. 2011). Sie sieht Chancen für einen "zweiten Sozialismusversuch"; und ihre Ziele sind die des orthodoxen Kommunismus: Das Endziel soll die kommunistische Gesellschaft sein; die Zwischenetappe - sie beruft sich ausdrücklich auf Rosa Luxemburg - die Diktatur des Proletariats, "sozialistische Gesellschaft" genannt.

Das ist in dieser Partei virulent; vermutlich ist es die Mehrheitsmeinung. Nur sagen einige laut, einige sagen es leise, und einige sagen es gar nicht.

Herzlich, Zettel


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Dreißig Jahre Güstrow Zettel11.12.2011 05:34
RE: Dreißig Jahre Güstrow danielphoffmann11.12.2011 08:50
RE: Dreißig Jahre Güstrow Konsul11.12.2011 19:16
RE: Dreißig Jahre Güstrow Zettel12.12.2011 00:21
RE: Dreißig Jahre Güstrow Frank Böhmert13.12.2011 09:58
RE: Dreißig Jahre Güstrow Reisender11.12.2011 14:44
RE: Dreißig Jahre Güstrow Zettel11.12.2011 15:38
RE: Dreißig Jahre Güstrow Reisender12.12.2011 17:19
RE: Dreißig Jahre Güstrow Zettel13.12.2011 12:30
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