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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 31 Antworten
und wurde 3.007 mal aufgerufen
Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
jchorst

Beiträge: 11

25.07.2012 22:07
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Antworten

Zitat
Das ist, lieber jchorst, das Lustigste, was ich zu diesem Thema bisher gelesen habe.



Na ja, so ähnlich habe ich auch reagiert, als ich das zum ersten Mal gehört habe. Aber die Erfinder der Demokratie (ja, ja, die Griechen, genauer gesagt: die Athener) haben das Jahrhunderte lang genau so gehandhabt und sind ziemlich gut damit gefahren. Auch die venezianische Republik hatte sehr starke Loselemente. Das hat mich dann dazu veranlasst, dem lustigen Gedanken mal ein bisschen nachzuhängen, und letztlich hat er mich überzeugt. Hier ist nicht der Platz, alles im Einzelnen auszubreiten, deshalb nur ein paar Denkanstöße:

In dem Parlament säßen nicht nur Rentner, Gemüsehändler und Küchenhilfen. Sondern auch erstklassige Fachkräfte, Akademiker, Höchstbegabungen aller Art und vor allem das, was unserem Parlament fast ganz abgeht: Naturwissenschaftler und Techniker, zum Beispiel aus dem Energiebereich. (Und ich rede jetzt nicht von ehemaligen Physikerinnen.) Wirtschaftsakteure aus dem privaten Sektor, die wirklich etwas von Wirtschaft verstehen. Dieses Parlament wäre ein echtes Spiegelbild des Volkes.

Da es sich nicht um Berufspolitiker handeln würde, hätten die Parlamentarier natürlich nicht so viel Zeit, sich mit politischen Themen zu befassen. Das wäre aber kein Nachteil, im Gegenteil. Die besten Gesetzgeber sind in meinen Augen die, die keine Gesetze machen. Oder nur dann, wenn's wirklich nötig ist. Die uns einfach mal in Ruhe lassen. Wir haben schon genug Gesetze. Ich bin kein "Anarcholiberaler", aber der Laden würde auch ganz gut ohne Beamte und Lehrer laufen, die sich mit Euroschaffung, Eurorettung, Klimarettung, Minderheitenschutz, Wirtschaftsstrukturierung, Betreuungsgeld und sonstigen überflüssigen Dingen befassen, von denen sie obendrein nicht selten keine Ahnung haben. Ich glaube auch nicht, dass die Berufspolitiker "50 oder 60 Stunden die Woche nichts anderes machen, als sich mit politischen Themen zu befassen." Ich kenne aus meiner Verwandtschaft einen (ehemaligen) MdB - die meiste Zeit war der damit beschäftigt, seine Position in der Partei, im Wahlkreis zu sichern und auszubauen. Wie der es geschafft hat, als Direktkandidat aufgestellt zu werden, wollen Sie gar nicht wissen. (Und das war nur ein Hinterbänkler.) Damit müsste sich ein Losparlament schon mal nicht befassen. Da niemand im voraus wüsste, wer ausgelost wird, müssten sich auch die Lobbyisten einen anderen Job suchen - ebenfalls kein Verlust.

Nicht wenige der Ausgelosten kämen aus dem Berufsleben. Hier drohen natürlich berufliche Nachteile, besonders für Selbständige bzw. Unternehmer. Die könnte man aber mit ein bisschen gutem Willen vermeiden, zum Beispiel eben dadurch, dass es keinen Grund dafür gäbe, sich jeden Tag zu treffen und "politische Arbeit" zu machen.

Und noch etwas: Für die alten Athener war die Wahl von Volksvertretern kein Element der Demokratie. Da sich durch ein Wahlsystem immer eine elitäre Klasse herausbildet, sahen sie darin die Herrschaft der (wirklichen oder eingebildeten) Besten: Aristokratie im wörtlichen Sinn. Das kannten sie auch; Perikles zum Beispiel war ein sehr erfolgreicher Berufspolitiker. Überhaupt schließt ja ein Losparlament nicht aus, dass die höchsten politischen Exekutivämter (etwa das des Bundeskanzlers) gewählt werden. Auch die übrige ausübende Gewalt könnte praktisch unverändert weiterbestehen. Gesetzesvorschläge könnten immer noch aus Ministerien kommen. Nur müsste eben alles von einer Volksvertretung abgesegnet werden, die diesen Namen auch verdiente.

Das Ganze wäre natürlich keine Garantie dafür, dass alles besser würde. Ich glaube aber, einen Versuch wäre es wert.

Zu meiner Ehrenrettung: Weyhs Vorschlag - übrigens nur einer von vielen in seinem Buch - ist, soweit ich das sehen kann, durchgängig auf positives Echo gestoßen: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_letzte_Wahl


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Zettel25.07.2012 16:10
RE: Marginalie: Das IUrteil zum Wahlrecht Techniknörgler25.07.2012 16:20
RE: Marginalie: Das IUrteil zum Wahlrecht Fluminist25.07.2012 18:52
RE: Marginalie: Das IUrteil zum Wahlrecht Zettel25.07.2012 19:05
RE: Marginalie: Das IUrteil zum Wahlrecht Blub25.07.2012 21:49
RE: Marginalie: Das IUrteil zum Wahlrecht Dagny25.07.2012 17:08
RE: Marginalie: Das IUrteil zum Wahlrecht AldiOn25.07.2012 17:51
RE: Marginalie: Das IUrteil zum Wahlrecht Dagny25.07.2012 19:33
RE: Marginalie: Das IUrteil zum Wahlrecht Loki26.07.2012 04:48
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht jchorst25.07.2012 19:31
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Zettel25.07.2012 19:42
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Ulrich Elkmann25.07.2012 20:34
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Blub25.07.2012 21:58
Ende der Diskussion Zettel25.07.2012 22:31
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht jchorst25.07.2012 22:32
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Rayson25.07.2012 23:46
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht jchorst25.07.2012 22:07
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Kallias25.07.2012 23:01
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Zettel25.07.2012 23:43
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Ulrich Elkmann26.07.2012 00:19
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht jchorst26.07.2012 02:15
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Zettel26.07.2012 04:15
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Solus26.07.2012 06:47
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Fluminist26.07.2012 09:07
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht jchorst26.07.2012 10:15
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Noricus25.07.2012 20:01
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Emulgator26.07.2012 10:58
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Erling Plaethe26.07.2012 16:09
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Zettel25.07.2012 20:37
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Politur25.07.2012 21:35
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Zettel26.07.2012 00:08
RE: Marginalie: Das Urteil zum Wahlrecht Nobster26.07.2012 00:34
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