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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 26 Antworten
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Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
R.A.

Beiträge: 8.171

24.01.2013 14:38
RE: Potpourri Antworten

Zitat von Zettel im Beitrag #12
Aber für Frankreich war und ist eben der Rhein seine natürliche Ostgrenze.

Aber nun überhaupt nicht!
Es ist ein historischer Zufall, daß die französische Expansion bei einem kleinen Teil des Grenzverlaufs am Rhein gestoppt wurde. Die Expansionspläne z. B. Ludwigs XIV oder Napoleons gingen auf jeden Fall deutlich darüber hinaus und kümmerten sich überhaupt nicht um eine "natürliche Grenze".
Ganz allgemein ist die ganze Hexagon-Idee und die Idee der "natürlichen Grenzen Frankreichs" erst ex post erfunden worden, um eine weitgehend zufällig gelaufene historische Entwicklung nachträglich mit irgendeinem Sinn zu unterlegen.

Die ursprüngliche Ostgrenze Frankreichs war die Rhone - und zwar viel länger als der Rhein. Es gibt heute noch die Redewendungen "aborder le saint-empire" bzw. "aborder le royaume" für den Wechsel auf das östliche bzw. westliche Ufer der Rhone.

Zitat
Flüsse bilden oft Grenzen; zum Beispiel der Rio Grande zwischen den USA und Mexiko, bei uns Oder und Neiße.


Natürlich bilden sie oft Grenzen - aber das sind nie "natürliche" Grenzen, sondern politisch konstruierte. Ihre beiden Beispiele demonstrieren das sehr gut.

Zitat
Mit Ausnahme Bonapartes, wo das nachgerade wahnhafte Züge annahm, war Frankreich nie expansionistisch ...


Das ist wirklich SEHR falsch!
Im Gegenteil ist Frankreichs Geschichte im wesentlichen die einer beständigen und gezielten Expansion. Die sich nie an irgendwelchen "natürlichen" geographischen oder sprachlich/kulturellen Gegebenheiten orientierte - es wurde schlicht genommen, was gerade zu kriegen war. Wenn einige historische Ereignisse zufällig anders ausgegangen wären, würde Frankreich heute völlig anders aussehen.

Am Ausgangspunkt hatte Frankreich überhaupt nur eine "natürliche" Grenze, nämlich am Kanal. Es bestand aus der Ile-de-France und den umliegenden Fürstentümern, ohne Zugang zum Atlantik. Die Bretagne gehörte überhaupt nicht dazu, Südfrankreich de facto auch nicht. Es gab da zwar einige jahrhundertealte Lehnsansprüche aus der Karolingerzeit, die waren aber eigentlich obsolet (die übliche Darstellung in den Geschichtsatlanten ist da falsch).

In der zeitgenössischen Betrachtung wird Südfrankreich als eigenständige Nation geführt. Siehe z. B. die "Zungen" bei den Ritterorden. Da wurden die Ritter nach ihrer nationalen Herkunft organisiert: Deutschland, England, Frankreich, Italien ...
Und da gab es ganz selbstverständlich eine eigene Nation für die "Auvergner" (also Südwestfrankreich bis zum Languedoc), das waren keine Franzosen!

Die erste wesentliche Expansion Frankreichs war dann die Eroberung des Südens in den Albigenserkreuzzügen. Es folgten die Ausdehnung in die Bretagne und gegen Spanien, und vor allem nach Osten, durch beständiges Expandieren ins Reich. Und dabei war es völlig egal, ob flämische, deutsche oder italienische Gebiete erobert wurden. Oder provencalische, die waren ja auch eine eigenständige Nation. Daß die Eroberungen im Elsaß am Ende erfolgreich waren und die in Italien nicht - reiner Zufall, von einigen Schlachten abhängig. Es hätte auch sein können, daß Frankreich heute zwar bis Genua geht, aber nicht bis Verdun.

Zitat
Frankreich ist mit seiner langen Küstenlinie und seinen natürlichen Grenzen eine fast insuläre Nation.


Noch einmal: Nur die Küstenlinie ist "natürlich", die Ostgrenze dagegen völlig willkürlich. Und Frankreich hat sich auch nie insular gefühlt, sondern war immer "mitten drin", psychologisch und militärstrategisch.

Zitat
Wie bei jeder maritimen Nation ging sein Expansionsdrang nach Übersee.


Die wesentlichen Expansionsziele lagen immer in Europa, die Priorität lag immer auf der Armee. Die Überseeambitionen waren immer deutlich schwächer als bei Spanien, Portugal, England und Holland - also schwächer als bei allen anderen Ländern, die wirklich Überseeambitionen hatten.

Zitat
Die Matignon-Linie war nicht nur eine Antwort auf die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, sondern sie lag in der französischen Tradition des Festungsbaus.


Es gibt keine spezielle französische Tradition des Festungsbaus!
Es gab mit Vauban einen besonders talentierten Festungsarchitekten und eine Zeitland genügend Geld, um sehr viele Festungen zu bauen (oft mehr als Statussymbol als wirklich militärisch sinnvoll). Es war aber genau der gleiche Festungsbau mit der gleichen Militärphilosophie wie in den übrigen Ländern. Die Militärdoktrin Frankreichs ist nie vom Festungsbau dominiert worden, im Gegenteil setzte Frankreich eher noch mehr auf den Angriff der Feldarmee als kriegsentscheidende Taktik als die übrigen Nationen.

Die Maginotlinie war eine völlig unfranzösische Idee und deswegen ist sie auch so kläglich gescheitert.
Die französische Armee galt 1939 bei den Experten als die stärkste der Welt. Sie war der Wehrmacht zahlenmäßig deutlich überlegen, und zwar bei der reinen Feldarmee, zusätzlich zur Maginotlinie und ihren Besatzungen und Geschützen. Die Franzosen hatten sogar deutlich mehr Panzer. Aber diese Armee wurde nicht nach französischer Tradition eingesetzt, die Armeeführung war geistig durch die völlig ungewohnte Festungsstrategie gelähmt.


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Zum Jahrestag des Élysée-Vertrags Zettel23.01.2013 05:50
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RE: Zum Jahrestag des Élysée-Vertrags Rayson25.01.2013 13:22
Potpourri Zettel23.01.2013 16:46
RE: Potpourri R.A.23.01.2013 17:36
RE: Potpourri Zettel23.01.2013 18:12
RE: Potpourri Florian23.01.2013 19:16
RE: Potpourri Reinhard23.01.2013 19:58
RE: Potpourri R.A.24.01.2013 14:38
RE: Potpourri Noricus24.01.2013 21:27
RE: Potpourri Zettel24.01.2013 23:05
RE: Potpourri R.A.25.01.2013 11:09
RE: Potpourri Masu23.01.2013 19:19
RE: Zum Jahrestag des Élysée-Vertrags Florian23.01.2013 19:37
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