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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 13 Antworten
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Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Zettel

Beiträge: 20.200


26.01.2008 15:00
Haben sich die Ziele der Kommunisten geändert? Antworten

Lieber Nerone,

Sie beschreiben sehr gut, wie sich die Kommunisten darstellen, wie sie gern gesehen werden wollen. Nur sind sie ja nicht so.

Woher weiß man, daß sie anders sind? Weil es ja eine inzwischen fast hundertjährige Geschichte kommunistischer Machtergreifung und Machtausübung gibt.

Es gibt überhaupt keine deutsche Partei, deren Ziele so eindeutig aus ihrer Geschichte hervorgehen wie die Kommunisten - ob sie es nun gerade für taktisch günstig halten, sich KPD, DKP, SED, SEW, SED/PDS, PDS, PDS (LL), Linkspartei oder, das aktuelle Alias, "Die Linke" zu nennen.

Schon dieser ständige Namenswechsel, lieber Nerone, deutet darauf hin, daß es sich hier um eine Partei handelt, deren Auftritt nach außen nicht identisch mit ihren wahren Zielen ist.



Und das läßt sich nun bis zu Lenin zurückverfolgen. Lenin hat erkannt, daß Kommunisten niemals in demokratischen Wahlen eine Mehrheit erlangen werden.

Also muß man mal mit Tricksereien, mal mit brutaler Gewalt an die Macht kommen. (Man kann es auch so ausdrücken, wie die Kommunisten selbst das tun: "Nur eine politisch bewußte Avantgarde hat die Einsichten in den gesetzmäßigen Ablauf der Geschichte, der es ihr ermöglicht, an der Spitze des Fortschritts das historisch Notwendige zu tun").

Kommunisten haben ein machiavellistisches Verhältnis zur Wahrheit. Es gibt eine "Massenlinie" und eine "Kaderlinie". Die Massenlinie beinhaltet das, was man den Massen erzählt. Die Kaderlinie beinhaltet das, was man den Kadern erzählt, also den aktiven Kommunisten. Das ist auch keineswegs "die Wahrheit", aber es enthält doch mehr von den wahren Zielen.



Ich habe das, lieber Nerone - ich schreibe das, weil ich vermute, daß Sie noch nicht von Anfang an hier mitlesen; ich habe es schon früher geschrieben - , also, ich habe das selbst alles mit Staunen kennengelernt, als ich in den 70er Jahren aktiver Juso war und wir mit der DKP zusammenarbeiteten.

Die DkP hatte damals exakt dieselbe Massenlinie wie heute "Die Linke".

Man suchte sich als Anwalt des Kleinen Mannes zu profilieren, trat für höhere Löhne usw. ein, machte Propaganda gegen "die Reichen", gegen "Ausbeutung" usw.

Die Kaderlinie war eine völlig andere.

Ihre Grundlage war die sogenannte Stamokap-"Theorie". Sie besagte, daß man ein "breites antiimperialistisches Bündnis aller gesellschaftlicher Kräfte" unter der Führung der Kommunisten schließen müsse.

Damit sollten die "gesellschaftlichen Gegensätze" soweit zugespitzt werden, daß es zu einer Revolution kommen würde. (Ich habe Seminare erlebt, in denen schon im Detail diskutiert wurde, welche Maßnahmen man nach der Revolution ergreifen würde).

Es ging darum - das war damals und ist heute das einzige Ziel der Kommunisten - "die Machtfrage in unserem Sinn zu entscheiden". Das heißt, die "bürgerliche Demokratie" abzuschaffen und durch eine "sozialistische Demokratie" zu ersetzten, wie es sie damals in der DDR gab, wie sie heute in Cuba besteht und wie die venezolanischen Kommunisten sie gerade in Venezuela zu errichten versuchen.

Ist das erst einmal gelungen, dann braucht man natürlich die "Bündnispartner" nicht mehr. Die kleinen Selbständigen, die Bauern usw., die man gegen das "Monopolkapital" mobilisiert hatte, werden dann natürlich enteignet.



Ja, aber sind denn die heutigen "Linken" noch so? Wollen die das denn wirklich noch?

Ja, wieso denn nicht, lieber Nerone? Gysi entstammt einer alten kommunistischen Funktionärsfamilie; sein Vater war Staatssekretär in der Regierung der DDR. Bisky ist freiwillig in die DDR übergesiedelt, aus kommunistischer Überzeugung. Die gesamte aus der DDR stammende Führungsriege der "Linken" entstammt der Nomenklatura der DDR.

Diese Leute haben alle ihr Leben dem Kommunismus gewidmet. Und das sollen sie alles hingeworfen haben, nur weil ihre DDR eine Niederlage erlitt? Günter Schabowski, der als Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED und Chefredakteur des "Neuen Deutschland" nun wirklich Einblick hatte, hat kürzlich in einem Interview gesagt, selbstverständlich hätten diese Leute ihre Ideologie und ihre Ziele nicht aufgegeben.

Wie sollten sie auch? Sie sind doch keine Wendehälse. Wären sie das, dann hätten sie nach der Wende Karriere gemacht, statt weiter Politik zu machen. Sie machen sie weiter, weil sie ihren Zielen treu geblieben sind.

Herzlich, Zettel



PS: Lieber Nerone, wenn Sie ein wenig Zeit erübrigen können, dann würde ich Sie bitten, die aktuellen Texte von Cockshott und - von mir zusammengefaßt - von Heinz Dieterich zu lesen.

PPS: Gewwiß gibt es auch in der "Linken" Leute, vor allem aus der WASG, die den demokratischen Rechtsstaat nicht abschaffen wollen. So, wie es sie nach der Vereinigung der KPD mit der SPD nach 1946 in der SED gab. Sie wurden ohne Ausnahme nach der Machtergreifung aus der Partei entfernt, ins Gefängnis oder nach Sibieren verfrachtet - oder sie duckten sich und waren fortan Kommunisten.


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