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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 798 mal aufgerufen
Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Zettel

Beiträge: 20.200


03.02.2008 02:34
RE: Die Deutschen und der Holocaust Antworten

Dear C.,

Zitat von C.
In Antwort auf:
Es ist meines Erachtens eines der hartnäckigsten Klischees, daß sich "die Deutschen" nicht mit dem Holocaust auseinandergesetzt hätten, es nicht täten.

Lieber Zettel,
das ist kein Widerspruch. zu dem was ich geschrieben habe.

Nein, das ist es nicht und sollte es auch nicht sein. Aber ein Widerspruch zu vielem, was zu diesem Thema gesagt und geschrieben wird.
Zitat von C.
Die Auseinandersetzung fand und findet statt - auf gewohnt akademisch hohem Niveau.
Da ich ja ein gründlicher Mensch bin habe ich versucht, Zeit und Ort des Zitats herauszufinden, was sich als gar nicht so einfach erwies,

Das hatte ich befürchtet und es deshalb gar nicht erst versucht, denn meine Übersetzung war ja eine Rückübersetzung ins Deutsche. Dank für die Recherche!
Zitat von C.
Es gab auch eine zentrale Gedenkveranstaltung im Deutschen Bundestag:
In Antwort auf:
Lammert kritisierte in seiner Rede die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ARD und ZDF wegen des Verzichts auf die Live-Übertragung der Gedenkstunde. (...)



Die Kritik ist meines Erachtens unberechtigt, denn zunehmend werden ja Bundestagssitzungen, die früher von ARD oder ZDF übertragen wurden, jetzt nur noch von Phoenix übertragen. Was auch vernünftig ist, denn inzwischen dürften die meisten Zuschauer über Satellit, Kabel oder DVB-T den Sender Phoenix empfangen können.
Zitat von C.
Weiter Heiteres trägt Alan Posener dazu bei:
In Antwort auf:
Der Deutsche Bundestag zum Beispiel hat seine Gedenkstunde auf den heutigen Freitag vorverlegt. Holocaust-Gedenken ist ja schön und gut, aber bitte nicht an meinem freien Sonntag.



Naja. Auch andere Gedenkstunden finden nicht immer Sonntags statt. Ich schätze Posener, aber wenn es um den Verdacht des Antisemitismus oder mangelnden Gedenkens des Holocaust geht, dann hört er manchmal das Gras wachsen.
Zitat von C.
Es dürfte sich ja bereits herumgesprochen haben, dass ich immun bin gegen kommunistische Propaganda bin und auch intellektuell in der Lage bin die Instrumentalisierung des Nationalsozialismus aus ideologischen Gründen zu erkennen. Und da sind nicht nur die Kommunisten kräftig am agieren, sondern auch noch ganz andere Gruppierungen springen beherzt auf das Trittbritt.



Es gab ja auch schon Tierschützer, die von "Hühner-KZs" gesprochen haben. Wie will man verhindern, daß ein Thema, das nun mal sehr zu Recht immer wieder diskutiert wird, auch von, wie du sagst, Trittbrettfahrern mißbraucht wird?
Zitat von C.
Trotz aller Bemühungen der Aufklärung ist es in Deutschland nicht möglich, Synagogen ohne Polizeischutz zu lassen,


Aufklärung? Wo hat jemals Aufklärung gegen Politverbrecher geholfen? Nur sehe ich keinen Zusammenhang zwischen solchen Verbrechern und unserem jetzigen Thema, der Aufarbeitung des Holocaust.
Zitat von C.
Es mag Dir entgangen sein, dass sich "Jude" sich zu einem Modeschimpfwort entwickelt hat (nicht neuerdings, das geht schon eine geraume Zeit):
In Antwort auf:
Rechtsextreme Jugendliche und junge Muslime kultivieren einen Hass, der in Deutschland jahrzehntelang für undenkbar gehalten wurde: Sie machen Jagd auf jüdische Mitschüler. Politische Appelle verhallen an vielen Schulen ungehört. "Jude" wird zum Mode-Schimpfwort.



Das, dear C., ist nicht nur in Deutschland so. Auch in Frankreich gibt es an den Schulen eine Welle des Antisemitismus, an der islamistisch indoktrinierte Jugendliche einen größeren Anteil haben als die klassischen rechtsextremen Antisemiten.

Überhaupt ist ja der Antisemtismus kein "rechtes" Phänomen; er ist es nie gewesen. Der Antisemitismus speist sich wesentlich aus Neid, aus einem Gefühl der Unterlegenheit, aus dem Ressentiment der Zukurzgekommenen. Das gibt es links wie bei den Rechtsextremen. Bei Rechten, also Konservativen, gibt es diesen Antisemtismus viel seltener. (Es gab allerdings einen anderen, den christlichen, der im 19. Jahrhundert eine große Rolle spielte, heute kaum noch).

Und, dear C.: Das alles, so traurig und bedenklich es ist und so sehr ich der Meinung bin, daß man mit aller Härte dagegen vorgehen muß - das alles hat ja auch wieder nichts mit unserem Thema zu tun, der Aufarbeitung des Holocaust.

Diese wäre gescheitert, wenn die Mehrheit oder eine große Minderheit der Deutschen so antisemtisch wäre wie zum Beispiel viele Russen unter dem Kommunismus (die Folgen sind noch jetzt in Rußland zu besichtigen, wo Putin ungehemmt und erfolgreich auf der Klaviatur des Antisemitismus spielen kann).

In Deutschland ist das, glücklicherweise, nicht so. Deutschland dürfte eines der Länder Europas mit dem geringsten Antisemitismus sein.
Zitat von C.
In Antwort auf:
Es ist etwas, worauf wir stolz sein können und stolz sein sollten. Weder wir noch unsere Eltern und Großeltern waren in ihrer überwältigenden Mehrheit schuld an diesen Verbrechen; so wenig, wie die große Mehrheit der Russen schuld an den Verbrechen der Kommunisten waren und die Chinesen an den Verbrechen der Maoisten.


Der Gedanke, dass die Machtergreifung wie ein schwerer Schicksalsschlag über das deutsche Volk gekommen ist hat etwas versöhnliches, aber entspricht nicht den Fakten,


Nein, das tut er nicht. Und weil ich die Fakten achte, dear C., habe ich ihn auch nicht geäußert.
Zitat von C.
die Nationalsozialisten hatten niemals versucht ihre Vorhaben zu verheimlichen,

Welches "Vorhaben"? Den Holocaust haben sie nicht nur als Vorhaben verheimlicht, sondern auch in seiner Ausführung. Sie haben ihn verheimlicht, weil ihnen klar war, wie die Deutschen reagieren würden, wenn sie von diesen Massenmorden erfahren hätten.

Sie haben nicht verheimlicht, daß sie Antisemiten sind. Es ist eine Schande, daß sie trotzdem gewählt wurden. Aber sie wurden trotz ihres Antisemitismus gewählt, nicht seinetwegen.

Es ist den Nazis niemals gelungen, über die Schandtaten ihrer eigenen SA-Leute hinaus Pogrome zu entfesseln, wie es sie in Osteuropa immer wieder gegeben hat. Die Boykottaktion "Deutsche, kauft nicht bei Juden" fand geringen Widerhall in der Bevölkerung; die Verbrechen der "Reichskristallnacht" lösten bei den meisten Deutschen Entsetzen aus, statt sie zum Mittun und Nachahmen zu veranlassen.
Zitat von C.
und ich bin davon überzeugt solange Deutschland eingebunden in Europa in enger Freundschaft mit den USA ist ein Wiederholung ausgeschlossen,


Das glaube ich auch. Und zwar nicht wegen dieser Freundschaft und dieser Einbindung.
Zitat von C.
allerdings verläuft die derzeitige Form des lernenden Gedenkens im Sande, das Alarmsystem wird von Generation zu Generation schwächer

Zum Teil liegt das in der Natur der Sache. Etwas, das zur Zeit der Urgroßeltern oder Ur-Urgroßeltern geschah, kann nun einmal nicht so viel Interesse und Betroffenheit auslösen wie etwas, das zur Zeit der Eltern oder Großeltern geschah.

Zum Teil liegt es an dem generell schlechten Geschichtsunterricht. Ich bin immer wieder entsetzt darüber, wie wenige Geschichtskenntnisse die heutige junge Generation hat.

Und dann liegt es eben an dem, was wir schon diskutiert haben: Der Allianz zwischen deutschen Rechtsextremen und türkischstämmigen Islamisten.
Zitat von C.
Ich streite nicht ab, dass die Auseinandersetzung mit den Verbrechen im dritten Reich stattfindet, allerdings wird der aus meiner Sicht entscheidendere Aspekt vernachlässigt: wie konnte es dazu kommen.


Dear C., mit dieser Frage schlage ich mich mein Leben lang herum, und ich glaube zunehmend, daß es keine einfache Antwort gibt. Für historische Katastrophen gibt es nie eine einfache Erklärung; vielleicht manchmal gar keine.
Zitat von C.
Und hier sind wir mitten im ideologischen Minenfeld, zu der ernsthaften Aufarbeitung hat sich ein Alarmismus gesellt, der den Terror des Naziherrschaft beliebig macht, weil ihm alles Holocaust ist und ist zum Selbstbedienungsladen zum Erreichen von politischen Zielen und Fördergeldern geworden.


Das ist es ja, was Walser in seiner Paulskirchen-Rede gesagt hatte. Was er zu sagen versucht hatte. Ich fand den Briefwechsel mit Doerry sehr erhellend, weil er deutlich machte, daß Walser - jeder, der seine Werke kennt, weiß das - ein zutiefst subjektiver Denker ist, der weder verallgemeinern noch gar belehren oder Vorbild sein will. Er wurde aber so verstanden, als wolle er genau das. Seine Nachdenklichkeit, seine Selbstbeobachtung wurden als der Versuch mißdeutet, gegen die Aufarbeitung des Holocaust zu agitieren.
Zitat von C.
Für mich war es ein Schlüsselereignis, wie all die Sonntagsreden verstummten und ein Aufatmen durch Politik und Medien ging, als es sich herausstellte, dass die Anschlagsurheber auf die Synagoge von Düsseldorf "nichtdeutscher" Herkunft waren.


Hat es dieses Aufatmen gegeben? Ich habe es nicht so in Erinnerung; sondern eher Kommentare des Sinns, daß es deutsche Antisemiten in keiner Weise entschuldige, wenn auch andere solche Schandtaten begehen.

Wahrscheinlich stimmt deine und meine Erinnerung; es dürfte eben unterschiedliche Kommentare gegeben haben.

Herzlich, Zettel


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Zitat des Tages: "Mut und Demut der Deutschen" Zettel31.01.2008 17:57
RE: Zitat des Tages: "Mut und Demut der Deutschen" C.31.01.2008 18:57
RE: Zitat des Tages: "Mut und Demut der Deutschen" str197731.01.2008 23:18
Aufarbeitung der SED-Diktatur Zettel01.02.2008 01:48
RE: Aufarbeitung der SED-Diktatur Sparrowhawk01.02.2008 08:19
RE: Aufarbeitung der SED-Diktatur M.Schneider01.02.2008 10:20
Die Deutschen und der Holocaust Zettel31.01.2008 23:46
RE: Die Deutschen und der Holocaust C.01.02.2008 12:28
RE: Die Deutschen und der Holocaust Zettel03.02.2008 02:34
RE: Die Deutschen und der Holocaust M.Schneider03.02.2008 12:22
RE: Die Deutschen und der Holocaust str197726.02.2008 11:02
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