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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 38 Antworten
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Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"  
Zettel

Beiträge: 20.200


06.02.2008 13:14
Meine Bedenken gegen Obama Antworten
Lieber Marian,

jetzt sind wir, glaube ich, ein wenig auf das Gebiet der Philologie geraten. Es ist schwer zu entscheiden, welche Interpretation eines Texts richtig und welche falsch ist.

Obama ist, als er dieses NYT-Interview Anfang November gab, allgemein so verstanden worden, daß er einen Abzug binnen 16 Monaten ankündigte. Sonst hätte ihn ja auch Blitzer nicht unter dieser Voraussetzung gefragt.

Vielleicht haben Sie Recht, und er hat sich auch damals ein Hintertürchen offengehalten, nur hat es keiner gemerkt.

Ich schlage vor, daß wir diesen Punkt nicht weiter vertiefen, weil er nicht entscheidbar ist. Ich bleibe bei meiner Interpretation, respektiere aber Ihre als auch vertretbar.



Heute Nacht, als wir beide die Berichterstattung verfolgten, ist mir noch einmal deutlich geworden,warum ich gegen Obama solche Bedenken habe. (Ich würde ihn aber, just for the record, nie mit solchen Ausdrücken belegen, wie das die Medien in meiner Satire in Bezug auf Brendan O'Bama tun).

Haben Sie gesehen, wie McCain und Obama vor die Kameras gegangen sind? Alle anderen hatten sich schon erklärt, erst Huckabee, dann Romney, dann eine glückliche, fast ausgelassen wirkende Clinton.

Dann wurde gemeldet, daß McCain sprechen wird. Es wurde dorthin geschaltet. McCain machte es, wie es seine Art ist, unpathetisch, ironisch, sachlich. Er müsse sich jetzt wohl an den Gedanken, gewöhnen, der Frontrunner zu sein.

Und während McCain noch sprach, trat Obama auf.

CNN behalf sich zunächst damit, beide auf getrennten Leinwänden zu zeigen, aber den Ton von McCain weiterlaufen zu lassen. Dann entschied sich die Redaktion, die Übertragung der Rede von McCain, die erst ein paar Minuten gelaufen war, abzubrechen und zu Obama zu schalten.

Und der hielt nicht die übliche Dankesrede eines Kandidaten nach der Wahl, sondern er veranstaltete ein regelrechtes Wahlkampf-Spektakel.

Das war grob unfair gegenüber McCain; es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, daß keiner der Kandidaten in solchen Fällen auftritt, solange ein anderer noch spricht. Und es verstieß noch gröber gegen ein zweites ungeschriebenes Gesetz: Daß die Kandidaten diesen ihnen kostenlos gewährten Auftritt nicht mißbrauchen, um Kampagne zu machen.

Genau das tat Obama. Einer der Kommentatoren bei CNN bemerkte dazu, er habe offenbar das Geld für einen bezahlten Spot sparen wollen.

Und inhaltlich war es eine pure Wahlrede. Mit allem, was Obama-Reden für mich so unerträglich macht.

Dieses Erzeugen einer Atmosphäre kollektiver Verzückung.

Diese Art, wie er das Publikum animierte; zum Schluß war es eine Art Wechselgesang, in dem abwechselnd er und das Publikum "Yes, we can" riefen. Wie im Motivations-Seminar, das habe ich schon mal so geschrieben.

Und am Schlimmsten: Diese Heilsversprechen. "I will heal America" hat er tatsächlich gesagt, und die Welt gleich mit dazu. Er hat von einem Movement gesprochen und alle Amerikaner - ob schwarz, ob weiß, ob Latinos, ob arm, ob reich - aufgefordert to join the Movement. Er hat versprochen, daß mit seiner Wahl alles ganz anders werden würde.



Lieber Marian, können Sie nicht verstehen, daß es mich bei solchen Auftritten schaudert?

Ja, gewiß, die Begeisterung, der Zirkus gehören zu solchen Wahlkämpfen in den USA dazu; das hat schon Toqueville beschrieben. Aber das, was Obama abliefert, hat eine andere Qualität. Nochmal: Wäre er ein Rechter, dann würden die Kommentatoren bei uns das sehen und es so verurteilen, wie ich es in der Satire bechrieben habe. Man sieht es nur deshalb nicht, weil er ein Linker ist. Und natürlich, weil er ein "Schwarzer" sein soll (was er ja nicht ist).

Eine der überraschendsten Wahlanalysen gestern beinhaltete, daß es keine bessere Prädiktor-Variable dafür gibt, ob ein Demokrat Obama oder Clinton gewählt hat, als das Einkommen: Bis zu einem mittleren Einkommen wählt man Clinton, ab einem mittleren bis zu den hohen Einkommen wählt man Obama.

Auch in den Universitätsstädten hat Obama seine Strongholds. Daß ausgerechnet dieser Mann, der an ein dumpfes Gefühl der Volksgemeinschaft und an eine quasi-religiöse Heilshoffnung appelliert, die Gebildeteren anspricht, das ist für mich das Bedenklichste.

Er spricht sie nicht mit Argumenten und Analysen an; die fehlen ja bei ihm so gut wie völlig. Er spricht ihr "Bauchgefühl" an.

Wie kann das sein, daß er damit gerade bei denjenigen erfolgreich ist, die gelernt haben sollten, daß "Volksgemeinschaft" eine Lüge von Populisten ist und daß die Politik nicht dazu da ist, das Heil auf Erden zu bescheren, sondern vernünftige Lösungen zu finden?

Ich habe bisher keine Erklärung.

Herzlich, Zettel

Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? Zettel03.02.2008 14:31
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? DDH03.02.2008 16:35
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? DDH03.02.2008 16:37
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? Reader03.02.2008 18:54
Präsidenten und Vizepräsidenten Zettel03.02.2008 20:00
Minderheiten Zettel03.02.2008 19:03
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? Zettel03.02.2008 18:53
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? Marian Wirth04.02.2008 07:49
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? Zettel04.02.2008 08:03
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? DDH04.02.2008 19:23
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? Zettel04.02.2008 19:45
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? DDH04.02.2008 21:47
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? Zettel04.02.2008 22:17
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? Zettel05.02.2008 06:04
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? Marian Wirth05.02.2008 08:53
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? Zettel05.02.2008 23:09
Das CNN-Interview und das NYT-Interview widersprechen sich nicht Marian Wirth06.02.2008 01:31
Meine Bedenken gegen Obama Zettel06.02.2008 13:14
RE: Meine Bedenken gegen Obama Marian Wirth06.02.2008 16:00
Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Zettel07.02.2008 08:58
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Marian Wirth07.02.2008 10:37
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Zettel07.02.2008 12:39
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Wullenwever12.02.2008 14:14
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Feynman12.02.2008 14:50
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Wullenwever12.02.2008 16:13
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Feynman12.02.2008 16:56
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Wullenwever12.02.2008 18:09
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Feynman12.02.2008 19:23
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Wullenwever12.02.2008 20:04
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Wullenwever12.02.2008 20:07
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Feynman13.02.2008 10:06
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Zettel12.02.2008 17:25
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Marian Wirth12.02.2008 19:34
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Marian Wirth12.02.2008 19:42
RE: Obamas Rede am 5. Februar in Chicago Zettel12.02.2008 20:53
RE: Meine Bedenken gegen Obama Kaa06.02.2008 18:47
RE: Meine Bedenken gegen Obama Zettel07.02.2008 00:09
RE: Marginalie: Kennen Sie den Kandidaten Brendan O'Bama? Zettel05.02.2008 23:14
Aktuelle Ergänzung: Obama und McCain jetzt vorn Zettel04.02.2008 15:41
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