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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 11 Antworten
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Gesellschaft und Medien  
M.Schneider

Beiträge: 672

12.07.2007 11:45
RE: Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 Antworten
Lieber Zettel

Ja, die Entwicklung des Computers und darauf aufsetzend des Internets ist eine recht spannende Geschichte gewesen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Faszination, als ich den ersten programmierbaren Taschenrechner, einen HP 25, in den Händen hielt und mein erstes Programm schrieb. Das war 1975, ich hatte kurz vorher mein Studium an der TU Berlin begonnen.
Der Rechner hatte damals 49 Programmschritte, und war zu diesem Zeitpunkt damit Spitzenreiter. Trotz seiner Beschränkung auf 49 Programmschritte, gelang es mir, wenn auch mit einigen Klimmzügen, eine numerische Integration zu programmieren.

Das Problem war nur, wenn man den Rechner ausschaltete war das mühevoll erstellte Programm gelöscht.

Schon ein Jahr später kam dann die Serie HP 67, und HP 97 heraus. Diese Rechner hatten dann schon ein Magnetstreifenleser, der HP 97 einen Thermodrucker, und beide Rechner hatten circa 225 Programmzeilen. Die Rechner kosteten damals zwischen 1400 und 2000 DM. Zu diesen Rechnern gab es schon richtige Literatur mit Tipps und Tricks. Ein ganz hervorragender Trick war der, mehrere Magnetstreifen mit Tesafilm zu verbinden, Damit war man in der Lage, die Beschränkung auf 225 Programmzeilen zu knacken. Es war nämlich möglich den Nachladebefehl jeweils am Ende eines jeweiligen Programmsegments zu programmieren. Das war gigantisch.

Ich machte mich zu dieser Zeit selbstständig und gründete neben meinem Studium meine erste Firma, wie sollte es anders sein, eine Softwarefirma.
Ich erstellte auf Basis dieser beiden Rechner damals Programme für Ingenieurbüros.
Das alles war aber noch sehr mühsam, insbesondere der schmale Ausdruck des Thermodruckers konnte natürlich nicht richtig befriedigen, außerdem verblassten diese Ausdrucke sehr schnell.

1977/78 kam dann der Vorläufer des PCs, der Commodore 8032 auf den Markt. Der Rechner hatte 32 KB interne Speicherkapazität, eine integrierte Tastatur und einen 12 Zoll monochrom Bildschirm. Mit einem selbst auch noch einmal rechnergroßen, beigestellten Metallkasten, Doppelfloppy genannt, hatte der Rechner dann den Zugriff auf zwei 51/4 Zoll Disketten, mit jeweils 1,2 MB Speicherkapazität. Rechner und Doppelfloppy lagen damals etwa bei 9000 DM. Wenn man dazu auch noch einen Drucker haben wollte, so erhöhte sich der Preis noch mal um circa 3000 DM. Dafür bekam man ein Gerät was absolut unüberhörbar war, einen Nadeldrucker mit circa 120 Zeichen pro Sekunde.

Das alles waren geradezu sensationelle Werte zur damaligen Zeit. Ein ganzes Büro stand staunend um diese lärmende Höllenmaschine die mit einem hell singend- kratzendem, ja geradezu nervtötenden Geräusch übers Papier lief und das auch noch vor- wie rückwärts schreibend. Geradezu unglaublich.

Dieser Rechenkombinationen ließ dann in der Tat schon die Erstellung professioneller Programme mit DIN A4 großen Ausdrucken zu und lag in ihrem Preis in einem erschwinglichen Rahmen für Büros. Es gab auch damals schon leistungsfähigere Rechner zum Beispiel von HP, die aber nie so recht den Einzug in normale Büros fanden, weil sie sehr teuer und eher technisch-wissenschaftlich ausgerichtet, mehr auf Großfirmen und Universitäten abzielten.

Allerdings zeigten professionell programmierte Programme auf diesem Commodore 8032 sehr schnell die Geschwindigkeitsgrenzen dieser damaligen Rechner auf, die noch im so genannten Interpretermodus arbeiteten.

Es wurde dann sehr schnell dazu übergegangen sich einen Compiler zu besorgen, beziehungsweise wurden zeitkritische Routinen in Assembler programmiert.
Zwar liefen dann die kompilierten Programme circa um Faktor 10 schneller, wenn man allerdings einen solchen Compiler- Job für ein Wahnsinns- Monster- Programm (maximal 32 KB) startete, konnte man getrost einen längeren Spaziergang machen. Ich erledigte dann immer meine Einkäufe.

Meine Firma florierte, und eines der damals maßgeblichen, großen Softwarehäuser wendete sich an mich, um bestimmte Programme von mir vertreiben zu wollen, die sie selber aufgrund mangelnder ingenieurbürospezifischer Fachkenntnisse nicht selber schreiben konnten.
Bei dieser Firma sah ich dann auch damals die erste Festplatte, für einen solchen Commodore 8032 Rechner, sagenhafte 10 MB Speicherkapazität und von der Größe eines mittleren Koffers.

Anfang der Achtzigerjahre kam dann der sehr große Wechsel, die ersten PCs kamen auf den Markt. Wir setzten damals jedoch auf eine Mikro-Vax II, also einen ersten zentral vernetzten Rechner mit einzelnen Terminals, einem richtig guten Betriebssystem VMS und vernünftigen Compilern.
Wir setzten damals sowohl zwei PCs wie diese Mikro-Vax II ein, wobei jedoch die maßgeblichen Programme auf der Mikro-Vax II liefen.

Meine Sonntagvormittags Beschäftigung war dann auch grundsätzliche die Datensicherung. Ich saß vor einer waschmaschinengroßen und auch genauso schweren Bandmaschine, aus einem massiven Stahl- und Grauguss- Gehäuse, und sicherte zwei Festplatten von je 350 MB auf große Tonbandspulen. Diese Festplatten hatten jeweils eine Größe, die gut und gern einem heutigen großen HiFi Receiver entsprachen.
Mit dieser Arbeit war man dann auch gut und gerne 3 bis 4 Stunden beschäftigt.
Da die 350 MB auch nicht mal auf einen Band passten, musste man auch noch so genannte Multi- Volume- Sets (Folgebänder) erstellen.

Beim PC hatten wir damals noch das Problem, dass er die 90 MB Festplatte in drei Untereinheiten aufteilen musste, da der normale PC nur circa 30 MB Festplattenkapazität verwalten konnte.

Zu dieser Zeit konnte sich noch niemand vorstellen, wie schnell der anfangs lächerliche PC- XT, kurz danach PC- AT seinen Kinderschuhen entwachsen - und an Leistung und Möglichkeiten geradezu explosionsartig zunehmen würde.

Er verdrängte die gesamten größeren Systeme, auch unsere heiß geliebte Mikro-Vax II.
Damit endete dann aus Zeitgründen auch leider meine eigene Programmiertätigkeit Mitte der neunziger Jahre.

Und noch einmal ein Wort zur Entstehung des Internets.


Dem Kalten Krieg ist die eigentliche Entwicklung des Internets zu verdanken. Denn der Vorläufer des Internets war das ARPANET, das die USA während des Kalten Krieges entwickelten. Das US-Verteidigungsministerium gründete 1958 die Forschungsbehörde ARPA (Advanced Research Projects Agency), die mit vielen Forschungseinrichtungen Amerikas zusammen arbeitete.

Eine davon war die kalifornische Rand Corporation. Dort entwickelte Paul Baran 1962 ein Konzept über eine Netzwerk-Technologie, die sicherstellen sollte, dass das Kommunikationssystem des U.S. Militärs vor ernsten Zerstörungen durch atomare Angriffe geschützt ist. In seinem Konzept wurden Daten nicht mehr auf einem zentralen Rechner gesammelt, sondern in ein Computernetzwerk eingespeist. Die Daten gelangten über die unterschiedlichsten Verknüpfungen vom Startrechner zum Zielrechner. Dadurch war ein Totalausfall des Netzes kaum mehr zu befürchten.

Barans Konzept wurde schließlich umgesetzt und der erste Verbindungsrechner des so genannten ARPANETs wurde am 1.9.1969 an der University of California, Los Angeles (UCLA), in Betrieb genommen. Er bestand aus einem für damalige Verhältnisse leistungs-fähigen Minicomputer (Honeywell 516 mit 12 KB Speicher). Robert Kahn und Vinton Cerf entwickelten 1977 ein einheitliches Datenprotokoll und eine Methode der Verbindungsher-stellung: TCP/IP (Transmission Control Protocol / Internet Protocol). Dieses Übertra-gungsprotokoll wurde 1983 zum Standard für das ARPANET.

Immer mehr Netze entstanden. 1986 betrieb die NSF (National Science Foundation, US-Nationale Wissenschaftsstiftung) NSFNET als Backbone für die Verbindung von neuen, regional entstehenden Netzen. 1990 ersetzte das NSFNET schließlich das ARPANET. Darauf folgte die schrittweise Öffnung des Netzes: Immer mehr Personen und Länder, aber auch privat betriebene Netze erhielten einen Zugang zum NSFNET.

Die Benutzerzahl stieg stark an. 1991 führte Tim Berners-Lee vom europäischen Kernfor-schungszentrum CERN im Internet ein Hypertextsystem ein. Auf dieser Entwicklung auf-setzend wurde der erste grafische Browser namens Mosaic entwickelt, der eine äußerst einfach zu bedienende Benutzeroberfläche hatte. Damit wurden die digitalen Netzwerk-Dokumente nun unkompliziert zugänglich. Mosaic ist deshalb - einfach ausgedrückt - der Vater der Browser. Mit der Einführung des HTTP (Hypertext Transfer Protocol) waren die grundlegenden Entwicklungen abgeschlossen und das World Wide Web war geboren. Dank der Einführung von leicht bedienbaren Browsern wurde das Internet ab 1993 mas-sentauglich.

Zum Schluss noch die vergangenen zwölf Jahre im Schnelldurchlauf:
1992 war die Internetgemeinschaft bereits auf 700.000 Server herangewachsen. Ein Jahr später hatte sich die Anzahl der am Internet angeschlossenen Computer mit 1,8 Millionen mehr als verdoppelt. Hatten bis Mitte der 90er Jahre vorwiegend universitäre Einrichtungen das Netz genutzt, begannen ab 1994 auch andere Bereiche das Internet zu entdecken. Das Internet wurde erstmals auch kommerziell genutzt. Zeitungen stellten einen Teil der Printausgabe online zur Verfügung, die ersten Online-Shops wurden "geboren", zum Beispiel der Online-Buchhändler Amazon.com 1995. Heute gibt es weltweit mehr als eine Milliarde Internetnutzer.


Soweit ein kleiner Rückblick.

Herzlich M. Schneider

Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 Zettel12.07.2007 07:03
RE: Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 M.Schneider12.07.2007 11:45
RE: Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 Thomas Pauli12.07.2007 13:18
RE: Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 Thomas Pauli12.07.2007 13:38
RE: Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 M.Schneider12.07.2007 14:19
RE: Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 Zettel12.07.2007 16:28
RE: Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 M.Schneider12.07.2007 16:46
Kant Zettel12.07.2007 20:51
RE: Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 Thomas Pauli12.07.2007 20:57
RE: Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 Ungelt12.07.2007 20:39
RE: Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 Thomas Pauli12.07.2007 21:22
RE: Web 0.0, Web 1.0, Web 2.0 Sparrowhawk12.07.2007 23:15
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