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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 7 Antworten
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Pro und Contra  
Meister Petz

Beiträge: 3.923


08.05.2008 17:30
Willensfreiheit: Der Umgang mit dem Undenkbaren Antworten

Liebes Forum,

ich habe gestern - auch angespornt durch den Willensfreiheit-Thread - ein wenig im SPON-Forum zum Thema Inzestfall in Amstetten geschmökert. Die Ausgangsfrage lautete nämlich: "Verbrechen - handeln Straftäter wie J. Fritzl aus freiem Willen?": http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=3887

Die Kommentare der Foristen zeigen eine ganz typische menschliche Eigenschaft im Umgang mit Extremen: Man versucht, eine Untat weniger böse zu machen, indem man es sozusagen einhegt. Da gibt es mehrere Strategien:

1. Die Schuld vergesellschaften. Beispiel: "Die Religion ist schuld."

"Unsere Kultur ist geprägt durch das Bild eines angeblich allmächtigen, männlichen Gottes, der auch noch dafür gepriesen wird, seinen eigenen Sohn geopfert zu haben. Der nicht eingegriffen hat, als man diesem die Nägel durch Hände und Füße getrieben hat.
Wer jetzt noch Fragen stellt, wie es denn zu solchen Verbrechen wie dem in Amstetten kommen kann, der hat die Sache noch nicht bis zum Grunde durchdacht." (#44)

2. Die Tat als Extremfall des Gängigen darstellen, im Sinne von: "Die meisten Menschen missbrauchen andere, aber gehen nicht so weit"

"Es gibt auch andere Despoten. Innerhalb und außerhalb von Familien. Männlich wie weiblich.
So unbekannt ist dieses Charakterbild ja nicht. "Führungspersönlichkeiten" versuchen in der Regel nichts anderes. Beherrschen und kujonieren von Anderen. Nur eben nicht zur Befriedigung ihres Gesschechtstriebes. Oder doch? Der Täter ist immer auch in uns." (#36)

3. Die Verantwortung im Vergleich mit vermeintlich Schlimmerem vom Täter wegnehmen. Beispiel: "Schon schlimm, aber ein Klacks im Vergleich zu Bush":

"Irrelavant ob ein "böser" Mensch wie J.F.weniger freien Willen hat oder ein "guter" wie G.W.Bush, hauptverantwortlich für 600.000 Tote..."

Alternative: "Bush macht das auch, und da regt sich keiner auf"

"Unmenschliche Haftbedingungen, Dunkelhaft oft über Monate, totale soziale Isolation über Jahre, gibt es sogar in staatlich sanktionierter Form. Ich empfehle mal einen Blick in die 350 Todeszellen in Huntsville/Texas oder Militärgefängnisse in Afgahnistan oder im Irak. Russische Rekruten bringen sich um, weil sie die Quälereien nicht aushalten. Kinder werden vergewaltigt, umgebracht, in Kriegen überall auf der Welt. Aber wenn´s vor der Haustür passiert, ist man betroffen." (#26)


Diese Beiträge musste ich nicht mühsam suchen, sie stammen alle aus den ersten 5 Seiten des Threads.

Nun meine Frage: Warum tut sich unsere Gesellschaft so schwer, eine schwere Straftat als das zu sehen was sie ist? Nämlich die Verfehlung eines einzelnen, dafür in vollem Umfang verantwortlichen Individuums! Warum müssen immer Zusammenhänge gesucht werden, die die Verantwortlichkeit reduzieren? Und die berühmte "schwere Kindheit" ist da noch eine der weniger abstrusen Thesen...


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Willensfreiheit: Der Umgang mit dem Undenkbaren Meister Petz08.05.2008 17:30
RE: Willensfreiheit: Der Umgang mit dem Undenkbaren Zettel08.05.2008 21:28
RE: Willensfreiheit: Der Umgang mit dem Undenkbaren Meister Petz08.05.2008 22:15
Aufklärung, Freiheit und gesellschaftliche Kontrolle Zettel09.05.2008 15:07
Ergänzung Meister Petz08.05.2008 22:36
Ist der Mensch gut? Zettel09.05.2008 17:57
RE: Ist der Mensch gut? Feynman09.05.2008 19:58
Vater Staat, Mutter Staat Zettel09.05.2008 18:19
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