Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  

ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 383 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

27.03.2008 00:54
Marginalie: Die Offensive im Südirak antworten

Was sich im Augenblick im Südirak abspielt - die Offensive der Regierung, das Ultimatum an die Sadr-Milizen dort, sich innerhalb von 72 Stunden zu ergeben - ist in doppelter Hinsicht interessant:

Erstens zeigt es, wie stark die Regierungsstreitkräfte inzwischen sind. Zweitens belegt es, daß das, was sich auf der sunnitischen Seite schon vollzogen hat, jetzt auch bei den Schiiten passiert: Die Gemäßigten, die Anhänger eines demokratischen Irak sind zunehmend stark genug, um die Extremisten und Terroristen besiegen zu können.

califax Offline




Beiträge: 1.499

27.03.2008 01:21
#2 RE: Marginalie: Die Offensive im Südirak antworten

Was mich immer irritiert hat, war, warum man Sadr überhaupt erlaubt hat, eine so starke Miliz (die man eher als Mafia bezeichnen müsste) aufzubauen. Es ist ja nicht die erste militärische Auseinandersetzung mit seinen Banden. Bisher hat man jedesmal abgebrochen, sobald sich zeigte, daß die Sadr-Milizen in die Defensive gerieten.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

27.03.2008 01:35
#3 RE: Marginalie: Die Offensive im Südirak antworten

Zitat von califax
Was mich immer irritiert hat, war, warum man Sadr überhaupt erlaubt hat, eine so starke Miliz (die man eher als Mafia bezeichnen müsste) aufzubauen. Es ist ja nicht die erste militärische Auseinandersetzung mit seinen Banden. Bisher hat man jedesmal abgebrochen, sobald sich zeigte, daß die Sadr-Milizen in die Defensive gerieten.

Berechtigte Frage, lieber Califax.

Soweit ich das beurteilen kann - hauptsächlich aufgrund der regelmäßigen Lektüre von "Iraq the Model", als Omar und Mohammed noch in Bagdad lebten -, hatte diese "Nachsicht" zwei Gründe:

Erstens war nach der Befreiung vom Saddam-Regime die Solidarität innerhalb der schiitischen Konfession ungeheuer stark. Das lag daran, daß man gemeinsam von Saddam verfolgt und unterdrückt worden war (ähnlich war es nach 1945, als dieses gemeinsame Verfolgtwerden Sozialdemokraten und Kommunisten zusammenrücken ließ). Also, man lehnte die Methoden von Sadr zwar ab, aber er war eben doch ein Schiit (mit einem sehr angesehenen Vater, noch dazu, wenn ich mich recht erinnere).

Und zweitens - wie hätten die gemäßigten Iraker gegen seine Milizen vorgehen wollen? Es gab ja keine irakische Armee.

Erst durch den Aufbau der Armee, erst dadurch, daß die Saddam-Zeit allmählich in den Hintergrund tritt, konnte die jetzige Entwicklung entstehen.

So scheint es mir jedenfalls zu sein.

Herzlich, Zettel

califax Offline




Beiträge: 1.499

27.03.2008 02:17
#4 RE: Marginalie: Die Offensive im Südirak antworten

Allerdings hatten Amerikaner und Briten mehrmals die Chance, die Truppe zu zerschlagen oder wenigstens irreparabel zu schwächen. Sadr hatte zwar einen angesehenen Vater - seine Leute waren jedoch gerade am Anfang der verachtete kriminelle Bodensatz des Gebietes: Schutzgelderpressung, Entführungen, Raub und Raubmorde, ...
Das waren keine allseits respektierten Leute mit Rückhalt in der Bevölkerung.

Frankfurter Offline



Beiträge: 233

27.03.2008 18:11
#5 RE: Marginalie: Die Offensive im Südirak antworten

Lieber Califax

was Sadr angeht, ist er mir schon kurz nach dem Einmarsch der USA in den Irak negativ aufgefallen. Es stimmt, es ist der Sohn eines sehr angesehenen, hochrangigen schiitischen Geistlichen, der wenn ich mich recht erinnere, von dem Saddam-Regime ermordet wurde.

Er wurde damals von den Amerikanern in einer für mich nicht nachvollziehbaren Weise geduldet, und man hat zugelassen, dass er ungestört seine Milizen aufbauen durfte. Damals ein Schuss zur rechten Zeit, und das Problem wäre gelöst gewesen. Wenn man aus ethischen Gründen die Tötung eines Feindes auch in Kriegzeiten ablehnt, so hätte zumindest ein Flug nach Guantanamo erfolgen müssen.

----------------------------------------------------------------------------------------------------

"In times of universal deceit, telling the truth will be a revolutionary act." George Orwell, 1984

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

27.03.2008 23:47
#6 RE: Marginalie: Die Offensive im Südirak antworten

Zitat von Frankfurter
Es stimmt, es ist der Sohn eines sehr angesehenen, hochrangigen schiitischen Geistlichen, der wenn ich mich recht erinnere, von dem Saddam-Regime ermordet wurde.

Er wurde, lieber Frankfurter, jedenfalls ermordet, und das Baath-Regime wird als Drahtzieher vermutet.

Als ich das in der Wikipedia nachgesehen habe, ist mir erst deutlich geworden, welche angesehene Familie diese Sadrs sind - mit einer Genealogie direkt zurück zu Mohammed, mit vielen Gelehrten und religiösen Führern.

Das mag ein Grund dafür sein, warum die USA und auch die irakische Regierung ihn mit Vorsicht behandeln. Sie wollen Solidarisierung mit diesem Mann vermeiden.
Zitat von Frankfurter
Damals ein Schuss zur rechten Zeit, und das Problem wäre gelöst gewesen. Wenn man aus ethischen Gründen die Tötung eines Feindes auch in Kriegzeiten ablehnt, so hätte zumindest ein Flug nach Guantanamo erfolgen müssen.

Das hätte - wegen dieses hohen Ansehens der Familie - einen Märtyrer geschaffen, der als solcher möglicherweise gefährlicher gewesen wäre als Sadr jetzt.

Ich hoffe, das jetzige militärische Vorgehen gegen die Sadristen ist erfolgreich.

Herzlich, Zettel

califax Offline




Beiträge: 1.499

29.03.2008 21:38
#7 RE: Marginalie: Die Offensive im Südirak antworten
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

30.03.2008 07:28
#8 RE: Marginalie: Die Offensive im Südirak antworten

Zitat von califax
Interessanter Artikel: http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-D...;art705,2503332

Danke für den Hinweis! Birgit Svensson gehört zu den wenigen Journalisten, die wirklich aus dem Irak, und nicht nur über ihn berichten.

CNN hatte gestern eine ausführliche Sendung über den Stand der Dinge. Der Irak-Experte O'Hanlon meinte, die Offensive würde auf jeden Fall eine immense Wirkung haben: Entweder als ein wesentlicher Durchbruch für die Regierung, die damit ihre militärische Handlungsfähigkeit bewiesen hätte. Oder - im Fall einer Niederlage - als ein schwerer Rückschlag.



Das eine wie das andere wird auch massive Auswirkungen auf die amerikanische Innenpolitik haben.

Mitte April wird General Petraeus vor dem US-Kongreß berichten und dem Verteidigungs- sowie dem Auswärtigen Ausschuß Rede und Antwort stehen.

Im Verteidigungsausschuß sitzen John McCain und Hillary Clinton, im Auswärtigen Ausschuß sitzt Barack Obama. Es ist, meinte die Pentagon-Korrespondentin von CNN, zu befürchten, daß die Debatte mehr von Wahlkampftaktik bestimmt sein wird als von den Sachfragen.

Herzlich, Zettel

Feynman ( gelöscht )
Beiträge:

30.03.2008 17:30
#9 RE: Marginalie: Die Offensive im Südirak antworten

Leider geht der Artikel militärisch nicht in die Tiefe:

In Antwort auf:
die US-Armee fliegt seit Freitag Bombenangriffe


Die Army, die Navy, die Air Force oder die Marines?

 Sprung  



Bitte beachten Sie diese Forumsregeln: Beiträge, die persönliche Angriffe gegen andere Poster, Unhöflichkeiten oder vulgäre Ausdrücke enthalten, sind nicht erlaubt; ebensowenig Beiträge mit rassistischem, fremdenfeindlichem oder obszönem Inhalt und Äußerungen gegen den demokratischen Rechtsstaat sowie Beiträge, die gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen. Hierzu gehört auch das Verbot von Vollzitaten, wie es durch die aktuelle Rechtsprechung festgelegt ist. Erlaubt ist lediglich das Zitieren weniger Sätze oder kurzer Absätze aus einem durch Copyright geschützten Dokument; und dies nur dann, wenn diese Zitate in einen argumentativen Kontext eingebunden sind. Bilder und Texte dürfen nur hochgeladen werden, wenn sie copyrightfrei sind oder das Copyright bei dem Mitglied liegt, das sie hochlädt. Bitte geben Sie das bei dem hochgeladenen Bild oder Text an. Links können zu einzelnen Artikeln, Abbildungen oder Beiträgen gesetzt werden, aber nicht zur Homepage von Foren, Zeitschriften usw. Bei einem Verstoß wird der betreffende Beitrag gelöscht oder redigiert. Bei einem massiven oder bei wiederholtem Verstoß endet die Mitgliedschaft. Eigene Beiträge dürfen nachträglich in Bezug auf Tippfehler oder stilistisch überarbeitet, aber nicht in ihrer Substanz verändert oder gelöscht werden. Nachträgliche Zusätze, die über derartige orthographische oder stilistische Korrekturen hinausgehen, müssen durch "Edit", "Nachtrag" o.ä. gekennzeichnet werden.



Xobor Xobor Forum Software
Einfach ein eigenes Forum erstellen