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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 931 mal aufgerufen
 Zeitgeschichte und Politik
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

30.10.2006 23:23
Ein Blick zurück auf Rotgrün Antworten

Schröder wieder auf allen Kanälen. Der Medienkanzler beherrscht wieder die Medien.

Und doch - irgendwie wirkt das gespenstisch. Lang liegt sie zurück, die Zeit des "rotgrünen Projekts". Find ich in meinem kleinen Blick zurück auf Rotgrün.

Nein, kein Blick zurück im Zorn. Eher mit Kopfschütteln.

Wie konnte eine ganze Regierung, als sie 1998 zu regieren anhub, so völlig die Anforderungen der Zeit ignorieren? Wie konnte es zu dieser Epoche der (versuchten) Restauration kommen?

Vielleicht liegt's an der Biographie der Protagonisten. Das jedenfalls behaupte ich in dem Blog.


Turbofee Offline



Beiträge: 329

30.10.2006 23:39
#2 RE: Ein Blick zurück auf Rotgrün Antworten
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Tim Byx Offline



Beiträge: 4

31.10.2006 08:22
#3 RE: Ein Blick zurück auf Rotgrün Antworten

7 Jahre rot-grün haben vor allem zwei Dinge in Deutschland verändert:

1. Deutschland führt wieder Krieg.
2. Der Sozialstaat wurde massiv abgebaut.

7 Jahre rot-grün waren 7 Jahre Ausverkauf sozialdemokratischer und grüner Grundsatzpositionen.

Hätte schwarz-gelb in dieser Zeit regiert, dann hätten sie versucht, genau die gleiche Politik zu machen. Das wäre aber nur unter erheblich schärferem Widerstand der (auch außerparlamentarischen) Opposition möglich gewesen.

Die Neoliberalen sollten Schröder und Fischer dankbar sein, dass diese die gröbste Dreckarbeit für sie erledigt haben.

C. Offline




Beiträge: 2.639

31.10.2006 13:45
#4 RE: Ein Blick zurück auf Rotgrün Antworten

Die Protagonisten waren lediglich für die Optik verantwortlich und die bleibt hängen. Das Positivste, was ich bisher dem Regierungswechsel abgewinnen kann, ist die Beendigung des Herumgefläzes auf der Regierungsbank. Ansonsten bliebe festzuhalten, dass sich zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Riesenkluft befand, rot-grün war mehr eine Sinnestäuschung als real existent, der Ausdruck des Zeitgeistes des letzten Jahrhunderts, die Illusion, dass Politik etwas bewegen könnte.

Es wird immer deutlicher, dass Politik auf Gedeih und Verderb auf die mediale Darstellung angewiesen ist, nicht auf Inhalte, die sowieso keiner mehr versteht, zumindest nicht mehr als Politiker. Und so wird je nach Gusto rauf - und runtergeschrieben/-gesendet, ohne Sinn und Verstand hysterisiert und banalisiert, wenn es der Auflage dient und die eigene Eitelkeit befriedigt wird. Es wurde schon vor rot-grün vieles ignoriert und dadurch, dass es nicht korrigiert wurde, sind weitere sieben Jahre verflossen. die Pobleme mit denen Deutschland sich herumschlägt liegen weitaus früher zu einem die Bürokratisierung während der sozialliberalen Koalition, zum anderen in der Übernahme der Ostzone, die schon völlig überburokatisiert war.

Tim Byx 2. Der Sozialstaat wurde massiv abgebaut.

Yo, das liest man so, gelle. Nöö, leider nicht. Es wurde sogar noch etwas mehr Staat aufgebaut und wenn ich mir das Sozialbudget der letzten Jahre anschaue. hat sich da gar nichts getan, noch nicht einmal pro Kopf. Die soziale Sicherung ist in 40 jahren um mehr als das zwanzigfache angestiegen, der Anteil am BIP von 21 % auf 31% gewachsen. Zumindest die Zahlenunterstreichen nicht den "massiv". Aber warum auch sachlich bleiben, wenn man mit Polemik den größeren Beifall findet, wie linkspartei und NPD beweisen und man dafür neue Wählerschichten erschließen kann.



Tim Byx Offline



Beiträge: 4

31.10.2006 15:46
#5 RE: Ein Blick zurück auf Rotgrün Antworten

In Antwort auf:
Tim Byx 2. Der Sozialstaat wurde massiv abgebaut.

Yo, das liest man so, gelle. Nöö, leider nicht. Es wurde sogar noch etwas mehr Staat aufgebaut und wenn ich mir das Sozialbudget der letzten Jahre anschaue. hat sich da gar nichts getan, noch nicht einmal pro Kopf. Die soziale Sicherung ist in 40 jahren um mehr als das zwanzigfache angestiegen, der Anteil am BIP von 21 % auf 31% gewachsen.


Das liegt aber daran, dass die Anzahl derjenigen, die auf soziale Unterstützung angewiesen sind, gestiegen ist. Egal wer an der Regierung war. Für den Einzelnen hat sich dadurch nichts verbessert. Und derjenige, dessen Arbeitslosenhilfe auf Sozialhilfeniveau gekürzt wurde, erlebt sowas nun mal als massiven Abbau des Sozialstaates.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

01.11.2006 02:06
#6 RE: Ein Blick zurück auf Rotgrün Antworten

Dear C.

willkommen im Forum!

Zitat von C.
Die Protagonisten waren lediglich für die Optik verantwortlich und die bleibt hängen. Das Positivste, was ich bisher dem Regierungswechsel abgewinnen kann, ist die Beendigung des Herumgefläzes auf der Regierungsbank. Ansonsten bliebe festzuhalten, dass sich zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Riesenkluft befand, rot-grün war mehr eine Sinnestäuschung als real existent, der Ausdruck des Zeitgeistes des letzten Jahrhunderts, die Illusion, dass Politik etwas bewegen könnte.

Ausdruck des Zeitgeistes, ja. Ich würde sagen, der sechziger und siebziger Jahre.

Bewegen? Sie wollten ja nix bewegen! Sie wollten erhalten, restaurieren. Es ist ja kein Zufall, daß das in dem Blog zitierte Gesetz, eines der wichtigesten der ersten Monate von Rotgrün, zum Inhalt hatte, Gesetze zurückzunehmen, sie auszusetzen.

Es gab nie ein "rot-grünes Projekt". Es gab nur die Nostalgie alternder PolitikerInnen, die versuchten, die Zeit ihrer Jugend neu aufleben zu lassen.
In Antwort auf:
Es wird immer deutlicher, dass Politik auf Gedeih und Verderb auf die mediale Darstellung angewiesen ist, nicht auf Inhalte, die sowieso keiner mehr versteht, zumindest nicht mehr als Politiker. Und so wird je nach Gusto rauf - und runtergeschrieben/-gesendet, ohne Sinn und Verstand hysterisiert und banalisiert, wenn es der Auflage dient und die eigene Eitelkeit befriedigt wird.


Da hast du wohl recht, leider. Nur, seltsam - die Leute wählen doch, wie sie wollen. Beckmann hat gestern seinem ansonsten gehätschelten Gast Schröder nochmal vorgespielt, wie dieser damals, vor einem Jahr, über seine Behandlung durch die Medien gejammert hat. Und trotzdem hat er im Wahlkampf von Woche zu Woche aufgeholt.

Ich glaube, in dem gesamten Kausalgeflecht sind eben auch die Medien, so wirksam sie sind, nicht die prima causa. Sie selbst reflektieren ja wiederum Stimmungen, politische Machtverhältnisse.

Die Achtundsechziger glaubten noch, daß die "Springer-Presse" an so ungefähr allem Übel schuld sei. Aber Springer hat ja nur ausdrücken lassen, was die meisten Deutschen dachten.

In Antwort auf:
Es wurde schon vor rot-grün vieles ignoriert und dadurch, dass es nicht korrigiert wurde, sind weitere sieben Jahre verflossen. die Pobleme mit denen Deutschland sich herumschlägt liegen weitaus früher zu einem die Bürokratisierung während der sozialliberalen Koalition, zum anderen in der Übernahme der Ostzone, die schon völlig überburokatisiert war.


Stimmt. Ich habe die sozialliberale Koalition lange zu positiv gesehen. Es wurde damals nicht nur die Staatsmacht ausgebaut, sondern es wurde - Sinn hat darauf hingewiesen - der Grundstein für die heutige Misere der Sozialsysteme gelegt. Im Grunde hat die FDP viel zu lang gewartet, bis sie endlich die Koalition verließ.

In Antwort auf:
Es wurde sogar noch etwas mehr Staat aufgebaut und wenn ich mir das Sozialbudget der letzten Jahre anschaue. hat sich da gar nichts getan, noch nicht einmal pro Kopf.


Fünf Jahre dauerte die Restauration, bis selbst Schröder merkte, daß es so nicht weitergehen konnte. Dann wurde in bescheidenem Maß das versucht, was Tim Byx zu Recht Abbau des Sozialstaats nennt: Ein ja nun wirklich dringend nötiger Abbau.

Nur war eben Hartz IV, war die "Agenda 2010" so schlampig gemacht, wie diese Regierung überhaupt arbeitete. Die Folge war, daß viele, die ihr Leben lang gearbeitet hatten und arbeitslos geworden waren, tatsächlich extrem unsozial behandelt wurden - während viele Gewitzte, die sich von noch Gewitzteren aus der PDS usw. beraten ließen, das Letzte herausholten und sich viel besser standen als zuvor. Einfach ausziehen, einen eigenen Hausstand gründen - und schon fließte die Staatsknete.

Oder floß; wenn ich es richtig mitbekommen habe, soll da ja etwas geändert werden.

Herzlich, Zettel

Reader Offline



Beiträge: 803

01.11.2006 11:17
#7 Von fließte zu fleece zu Arno Schmidt Antworten

Zitat von Zettel
Einfach ausziehen, einen eigenen Hausstand gründen - und schon fließte die Staatsknete.
Oder floß; wenn ich es richtig mitbekommen habe, soll da ja etwas geändert werden.
Herzlich, Zettel


Fließte ... da muss unsereiner sofort an "to fleece" denken.
Der alte Arno S. hätte seine Freude daran gehabt:

tr.v., fleeced, fleec·ing, fleec·es.
1 To defraud of money or property; swindle.
2 To shear the fleece from.
3 To cover with or as if with fleece.

To exploit (another) by charging too much for something: overcharge. Slang clip1, gouge, nick, rip off, scalp, skin, soak. Idioms: make someone pay through the nose, take someone for a ride, take someone to the cleaners. See honest/dishonest.

Zitiert aus Answers.coms Thesaurus und Dictionary.




Heitere Wortspiele wünscht
R.r

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Reader Offline



Beiträge: 803

01.11.2006 11:20
#8 RE: Von fließte zu fleece zu Arno Schmidt Antworten

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten ...
Unser Forum-Methusabot empfiehlt auf meinen Beitrag hin "Auswandern & Auslandsjobs - Über 100 Länder-Ratgeber für ein besseres Leben im Ausland".

Darauf noch eine Tasse ... Nescafe?


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