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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 6.845

08.02.2017 14:40
Geschichte der Zukunft antworten

Aus der Rezension im DLF:

Zitat von 08.02.2017
Kleine Reaktoren im Garten, Individualverkehr für alle und vielleicht auch Sozialismus als Lösung für Ungerechtigkeit - Joachim Radkau beschreibt, wie sich die Zukunftvisionen der Deutschen seit 1945 in Albträume verwandelten: ein ungewöhnlicher Blick auf die Geschichte.

Hinterher ist man immer schlauer. Aber davon allein lernt niemand dazu. Der Historiker Joachim Radkau warnt in seinem Buch "Geschichte der Zukunft" vor Rechthaberei in beide Richtungen: beim Blick zurück und bei gewagten Prognosen.

"Expect the Unexpected": Rechnen Sie mit dem Unerwarteten! Diese Warnung las Joachim Radkau an einer Straße mit engen Haarnadelkurven. Sie gilt seiner Ansicht nach auch für den Blick in die Zukunft. Denn wer einmal genauer beobachtet, welche Hoffnungen und Ängste Menschen in der Vergangenheit bewegten, dem erscheint die Geschichte dieser Zukunftserwartungen als kurvenreiche Strecke voller Wendungen und Widersprüche.



http://www.deutschlandradiokultur.de/joa...ticle_id=378353

- Joachim Radkau, Geschichte der Zukunft. Prognosen, Visionen, Irrungen in Deutschland von 1945 bis heute
Hanser, München, 2017, 544 Seiten, 28 Euro
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Wäre zu erweitern. Die "Erfindung der Zukunft" fällt ins 18. Jahrhundert; im 19. kommt das zur Anwendung, zuerst in den politischen Projektionen, dann, mit einem halben Jahrhundert Verspätung, als literarischer Topos. Das 20. Jahrhundert koppelt das an die Erfahrung des technologischen Wandels; die gegenstrebige Schiene der Dystopie nährt sich zu gleichen Teilen aus der politischen Überwölbung durch totalitäre Ideologien UND die Erfahrung der durchtechnisierten modernen Großstadtwelt. Nach 1945 bleiben nur noch die Alpträume übrig - von Atomkrieg über Überbevölkerung, totaler Kontrolle & finaler Umweltzerstörung. Sämtliche genuin utopischen Entwürfe der letzten 70 Jahre greifen die Visionen der Wandervögel & Naturisten 1880-1920 auf. Butzenscheiben, Almödnis (evt. auch auf dem Mars). Seit den frühen 70ern sind - nicht nur bei uns, sondern im gesamten Westen, die letzten Residuen von "Zukunft" in imaginierbarer Form, als Projektionsfläche, verdampft. Wir stehen wieder genau da, wo das 18. Jhdt. angefangen hat.

Zwei Korollarien:
Es gibt moderne Gesellschaften, die nie den "Chronotop Zukunft" entwickelt haben, und ihn nie brauchten. Japan, Korea, & das China seit Deng zeigen das am deutlichsten.
Die literarische Gattung der Utopie ist unausweichlich eine totalitäre. Es ist ihr eingebaut.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

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