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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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 Pro und Contra
Kaa Offline




Beiträge: 657

29.02.2008 21:36
Die Wohlgesinnten ... antworten
... in der Welt - der Titel Jonathan Littell, der Nazi-Synthesizer zeigt schon die Richtung.

Nun habe ich das Interview nicht gesehen. Nun liebe ich dieses Buch soweit ich es bisher gehört habe. Es erscheint mir möglich, also wahr in einem Bereich wo es Fakten geben kann, aber keine Wahrheit.

Auf Theaterbühnen gilt das Rauchverbot nicht. ...Lizenz zum Rauchen .... über sein Buch ein wenig sprach, viel mehr aber schwieg - das ist eine implizite Kritik. Der Typ kann über sein Buch nicht reden. Ich empfinde das als Diskriminierung. Ich kann auch nicht reden über das, was ich tue. Behindertenfeindlich ist das. Man muß erklären können, was man tut, sonst ist man kein vollwertiger Mensch, ein Lügner gar. Dabei sind wir gut in dem was wir tun. Wir können es nur nicht erklären.

monströse Lebensbericht, ... fiktiven . eigentlich ist implizit auch kritisch, daß 800.000 Franzosen das Buch gekauft haben. Man kann sich vorstellen, wieviel es dann dort gelesen haben. Diese Franzosen.

Den folgenden Halbsatz muß man nach dem ersten Mal vor der Kloschüssel sich zweimal vorlesen lassen: bereut nichts und beschönigt ebenso wenig, er rapportiert nüchtern und detailversessen, breitet freimütig seine homoerotischen Fantasien und seine Verdauungsprobleme aus und bedient sich einer überaus geschliffenen Sprache.

Auch gekotzt? Schwul und Probleme mit dem Darm und ein Intellektueller, der nichts bereut, aber alles aufrechnet? *kotz*

In Antwort auf:
Geschichtspornografie, sagen die Kritiker

Das wiegt schwer. Wo ich doch keine ausgewogene Meinung habe - Kritiker haben sie. Nun weiß ich allerdings durch Lesen einschlägiger liberaler Seiten, daß das Muster "sagen andere Leute" oft demagogisch verwendet wird. "Sagen Kritiker" - bin gespannt, welche Kritiker außerhalb der WeltOnline das sagen. Aha. Ein Teil der deutschen Kritiker (immer noch kein wirklicher Beleg, aber eine Einschränkung) sagt, daß es "Geschichtspornographie" ist. Aha. Weil wir keine einhellige Meinung vorfinden, kucken wir auf den Autor. Die machen es wie ich, die wissen nicht, was sie denken sollen und werden persönlich. Das dürfen die aber nicht - die sind keine Privatperson - ich bin das.

Es ist eine Frechheit - was sie aus dem Blick auf den Autor rausziehen: Littell spielt die Rolle des großen Geheimnisvollen. (Nicht: Wir werden nicht aus ihm schlau). Er gibt sich öffentlichkeitsscheu. (Nicht, er ist schüchtern).Nur diesen einen Auftritt absolviert er für die Promotion der deutschen Übersetzung (verweigert sich den Marktgesetzen). spindeldürre ... schlotternden Anzug ... altertümlichen braunen Schnürstiefeln. Naja, ich würde den Autor ... nun, wenn es Hexenverbrennungen gäbe, dann würde ich mir wünschen, daß Eckhard Fuhr, der Autor des Weltartikels ... nein, ich bin Demokrat. So fies, wie andere sind, muß ich nicht sinken.

Wie geht es nun weiter mit der Vorstellung des Herrn Littell im deutschen Fernsehen? Saufen und Rauchen, natürlich, das war zu erwarten. Vorher trägt er noch einen Ohrring. Das kann man gar nicht splitten, das ist so verdichtete Hetze, das muß man sich in einem reinziehen: Am linken Ohr trägt er einen Ring. Er zündete sich sofort einen Zigarillo an. Auf dem Tisch stand ein halb mit Whisky gefülltes Wasserglas. Hin und wieder nippte er daran. Das ist gar nicht das schlimme. Wir haben ein Szenario. Und tatsächlich, Gegen ihn wirkte der in die Jahre gekommene „rote Dany“ wie ein Otto Normalo von der Barmer Ersatzkasse

Es ist nicht klar, wen der beiden der nächste Satz kritisieren soll. Wahrscheinlich wurde er in der Hoffnung geschrieben, daß er vielleicht alle beide erschlägt: Tiefere Erkenntnisse konnte er seinem Gesprächspartner nicht entlocken.

Für mich ist hier Schluß. Ich überfliege noch bis zum Ende - aber wenn kein Richtungswechsel kommt, oder eine steigernde Scheußlichkeit werde ich nicht weiter zitieren.

Gut, es ist was anderes passiert, etwas, das ich nicht verstehe, darum aber interessant finde:
In Antwort auf:
Mit einem Bonmot pariert er die Frage, warum er, neben der Orestie, die Satzfolge einer Bachschen Suite als formales Gliederungsmuster seiner Erzählung gewählt habe: Johann Sebastian Bach habe ihm erlaubt, Richard Wagner zu vermeiden. Die Musik des Barock sei klar und stringent, die der Romantik aber wuchere nach allen Seiten. Während der gute Meister Bach also das Tragegerüst für die Erzählung der allerletzten Wahrheiten abgeben darf, kommt über die griechische Tragödie Romantik aber doch wieder ins Spiel. Denn die deutschen Romantiker, weiß Littell, seien in diese Welt der Tragödie tief eingetaucht. Und den Nationalsozialismus müsse man als perverse Ableitung aus der deutschen Romantik verstehen.

Da steckt wahrscheinlich was Interessantes drin. Aber für mein kleines Hintergrundwissen ist es zu wenig ausgearbeitet.

In Antwort auf:
Spätestens in diesem Moment bimmelt es: Vorsicht, kalter Kaffee, leeres Stroh und geistesgeschichtliche Binsen. Kann es sein, dass Littell mit „Die Wohlgesinnten“ gar kein literarisches Neuland betritt, sondern nur einsammelt, was je über das größte Menschheitsverbrechen gesagt und geschrieben wurde? Und als Frucht fleißiger Lektüre bastelt er seine Figur Max Aue nach der Maßgabe der Tabuverletzungsoptimierung: Nazi, Intellektueller, Deutscher, Franzose, Homosexueller, inzestuöser Heterosexueller, Magenkranker. Eine Priesterweihe und ein Hang zur Sodomie könnten das durchaus noch ergänzen. Aber es genügt auch so.

Darauf würde ich reinfallen, wenn der Anfang nicht gewesen wäre. Und wenn ich nicht wüßte, daß es Neuland ist. Nicht nur in Deutschland. Verbrechen gegen die Menschheit (oder Menschlichkeit, was gar keinen so großen Unterschied macht) gibt es überall. Aber es wird Verständnis in Erklärungen gesucht. Auch, um sagen zu können: "Ich hätte das nie gemacht". Ihr alle hättet das gemacht. Oder ihr wärt keine zwanzig geworden.

In Antwort auf:
Wie es für ihn als Autor sei, grässliche Gräuel zu beschreiben, will Cohn-Bendit wissen. Es sei ein Grammatikproblem, so wie es für Maler ein Farbproblem sei, antwortet Littell.
*smile*. Eckhard Fuhr würde ich nicht mal nehmen, wenn ich ne Million Euro obendrauf bekäme.

Es wurden auch Lesungen aus dem Roman in die Sendung eingebaut. Der Schauspieler Christian Berkel entledigte sich dieser Pflicht mit Routine. Ich habe keine Ahnung, was Demagogie ist. Irgendwo hier muß aber eine Gebrauchsanleitung ihrer Subtilitäten eingebaut sein.

Insgesamt war es für Eckhard Fuhr ein unerquicklicher Abend. Der Arme würde Gott dem Herrn schier auf Knien danken, wüßte er denn, daß dieser sein Artikel verhinderte, daß er mir je persönlich begegnete.

Kaa

Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus. (Wörtlich nicht von mir)

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