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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

21.04.2008 18:59
Wir Achtundsechziger (4): Die siebziger Jahre antworten

Die Diskussion bei Maybritt Illner letzte Woche hat mich veranlaßt, die Serie über die Achtundsechziger noch einmal aufzunehmen und, anders als ich es damals vorhatte, sie doch noch in die siebziger Jahre hinein fortzuschreiben.

Ich folge damit auch, wenngleich etwas spät, einer Anregung von Herr Ober hier im Forum.

PDF Offline



Beiträge: 2

23.04.2008 11:15
#2 RE: Wir Achtundsechziger (4): Die siebziger Jahre antworten

Der Inhalt des Redakteurs über die 68/70er Anhänger stimmt genau.
Hinzufügen möchte ich aber noch:
Es wurde künstlich eine Wende eingeleitet, die zu einschneidenden Veränderungen in Deutschland führten.
Künstlich deshalb, weil diese Welle ohne die von den USA installierten Presse nach dem Kriege in Deutschland gar nicht möglich gewesen wäre;sich niemals in einem solchen Ausmaß entwickelt hätte können.
Noch in der Gegenwart diktiert uns diese öffentlich rechtliche Presse das Bild wie Deutschland zu funktionieren hat, damit es nicht funktioniert. javascript:returnTag('')

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

23.04.2008 14:10
#3 Presse in der Nachkriegszeit antworten

Zitat von PDF
Künstlich deshalb, weil diese Welle ohne die von den USA installierten Presse nach dem Kriege in Deutschland gar nicht möglich gewesen wäre;sich niemals in einem solchen Ausmaß entwickelt hätte können.

Es mußte ja damals bei null angefangen werden, lieber PDF. Auch in dieser Hinsicht hatte man eben eine "Stunde Null" hinter sich.

Soweit ich das überblicke, haben die Amerikaner und vor allem auch die Briten sich beachtenswert liberal verhalten, was ihre Kontrolle über die Presse anging.

Ein Beispiel ist der "Spiegel", der mit britischer Hilfe aus der Taufe gehoben worden war (es gab da einen gewissen Major Chaloner, fast ein Zwilling von Augstein). Sehr bald wurde die Redaktion aufmüpfig und hat die Besatzungsmächte heftig kritisiert. Aber man ließ sie und war lediglich bemüht, den "Spiegel" möglichst bald aus britischer Obhut zu entlassen, damit nicht die Besatzungsmacht selbst für die Kritik an ihr verantwortlich zeichnen mußte.

Man wollte ja den Deutschen die Demokratie nahebringen; und das konnte man nicht gut, indem man Zensur ausübte. Sogar in der russischen Zone galt das in gewissem Umfang. Die Zeitschrift "Ost und West", herausgegeben von Alfred Kantorowicz, der später in den Westen flüchtete, war durchaus nicht nur ein kommunistisches Blatt.

Überhaupt war das eine aufregende Zeit. Es gab "Der Ruf. Blätter der jungen Generation" mit vielen spannenden Beiträgen junger Autoren, die desillusioniert aus dem Krieg zurückgekommen waren.

Und es gab die von der amerikanischen Besatzungsmacht herausgegebene "Neue Zeitung", eine Tageszeitung, deren Autorenliste im Feuilleton (zeitweise geleitet von Erich Kästner!) Namen enthielt wie Hildegard Hamm-Brücher, Alfred Andersch, Max Frisch, Hermann Hesse, Karl Jaspers, Stefan Heym, Thomas Mann, Anna Seghers. Ich lese gerade einen Sammelband mit einer Auswahl von Beiträgen.

Schade übrigens, daß es nach der Wiedervereinigung nicht eine ähnlich kulturell aufregende Zeit gegeben hat. Warum nicht? Warum hat die Freiheit nicht in der Ex-DDR dieselben kulturellen Impulse freigesetzt wie die Befreiung 1945?

Das ist auch ein Aspekt dessen, was wir, lieber PDF, hier im Forum ja seit längerem diskutieren - was eigentlich bei der Wiedervereinigung schief gelaufen ist, und warum.

Herzlich, Zettel

PS: Willkommen im kleinen Zimmer!

Dagny Offline



Beiträge: 1.096

23.04.2008 14:34
#4 RE: Presse in der Nachkriegszeit antworten

Zitat von Zettel

Das ist auch ein Aspekt dessen, was wir, lieber PDF, hier im Forum ja seit längerem diskutieren - was eigentlich bei der Wiedervereinigung schief gelaufen ist, und warum.



Als Nachgeborener, bei der Wiedervereinigung gerade mal 8 oder 9 fehlt mir an die Zeit die unmittelbare bewusste Erinnerung der Details. Was ist da warum schief gelaufen?

Schaetze das ist si aehnlich wie bei allen Grossfusionen der spaeten 90er Jahre. Daimler und Chrysler sind ja auch wieder getrennt. Zu unterschiedlich die politischen Kulturen, 40 Jahre DDR-Erziehung, die Skepsis im Ausland angesichts des groesser werdenden Deutschlandes, Die Illusion den 'Aufbau Ost' politisch planen zu koennen.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

24.04.2008 10:21
#5 RE: Presse in der Nachkriegszeit antworten

Zitat von Dagny
Zitat von Zettel

Das ist auch ein Aspekt dessen, was wir, lieber PDF, hier im Forum ja seit längerem diskutieren - was eigentlich bei der Wiedervereinigung schief gelaufen ist, und warum.


Als Nachgeborener, bei der Wiedervereinigung gerade mal 8 oder 9 fehlt mir an die Zeit die unmittelbare bewusste Erinnerung der Details. Was ist da warum schief gelaufen?
Schaetze das ist si aehnlich wie bei allen Grossfusionen der spaeten 90er Jahre. Daimler und Chrysler sind ja auch wieder getrennt. Zu unterschiedlich die politischen Kulturen, 40 Jahre DDR-Erziehung, die Skepsis im Ausland angesichts des groesser werdenden Deutschlandes, Die Illusion den 'Aufbau Ost' politisch planen zu koennen.

Ich hatte mir, liebe Dagny, damals vorgenommen, diesen Thread mit vielen sehr lesenswerten Beiträgen, aus denen ich viel gelernt habe, in einem Artikel in ZR zu verarbeiten oder zu beantworten.

Vielleicht mache ich das doch noch. Es ist ein sehr komplexes Thema, und je mehr ich darüber gelesen habe, umso vielschichtiger erscheint es mir.

Ins Zentrum ist für mich im Lauf dieser Diskussion immer mehr der Gesichtspunkt gerückt, daß gerade durch die vielen Transferleistungen verhindert wurde, daß es in der Ex-DDR ähnlich voran ging wie in Polen, Ungarn usw.

Wobei dort zwar der Lebensstandard niedriger ist als in der DDR, aber die Zufriedenheit mit der Entwicklung trotzdem größer sein dürfte. Denn dort merkt man - ähnlich wie wir im Westen in der Zeit des Wirtschaftswunders - wie es sich auszahlt, sich selbst anzustrengen; wie es ständig besser wird. ("Es geht besser besser besser, immer besser besser besser" war damals ein beliebter Schlager).

Herzlich, Zettel

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