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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

22.12.2008 16:21
Lösung des Quiz antworten
Nicht wahr, es war einfach, die Lösung für dieses kleine Quiz zu finden?

Nicht Ulbricht, nicht Brecht und nicht Honecker rechtfertigten mit dieser Antwort, daß Bürger der DDR ihr Land nicht verlassen durften, sondern Gregor Gysi. Antwort (D) ist also richtig.

Und zwar in einem "Spiegel"-Gespräch, das im "Spiegel" vom 13.3.1989 erschien. Hier ist die ganze Passage; die Rede ist von einer neuen Reiseverordnung der DDR:
Zitat von Gespräch Gregor Gysis mit Axel Jeschke und Ulrich Schwarz
SPIEGEL: In einer jetzt bekanntgewordenen Handlungsanweisung werden aber die Betriebsleiter aufgefordert, in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Organen Ausreisewillige zur Rücknahme ihrer Anträge zu bewegen - mit Methoden, die mit der Verordnung unvereinbar sind.

GYSI: Eine solche Anweisung kenne ich nicht. Was Sie mir hier vorlegen, scheint mir auch keineswegs authentisch zu sein. Im übrigen spricht es nicht gegen die DDR, um jeden ihrer Bürger zu ringen - natürlich mit gesetzlichen Mitteln und Methoden.

SPIEGEL: Unsere Quelle für dieses Material können wir natürlich nicht preisgeben. Herr Gysi, ist es eigentlich nicht peinlich, daß ein Staat überhaupt pingelig festlegt, wann aus welchem Anlaß seine Bürger wie lange wohin fahren dürfen oder wann sie auswandern dürfen?

GYSI: Es gibt nur zwei andere Varianten. Entweder eine generelle Kann-Bestimmung, die weniger Rechtssicherheit bringt, oder eine generelle Genehmigung, wie sie bei Reisen in sozialistische Länder im Paragraphen 6 der Verordnung enthalten ist. Für eine generelle Genehmigung von Reisen in westliche Länder fehlen offensichtlich noch politische und ökonomische Voraussetzungen. Die Erfahrungen zeigen jedoch, je stärker die Souveränität der DDR respektiert wird, desto günstiger gestaltet sich die internationale Zusammenarbeit und damit auch das Reiserecht. In dieser Beziehung hätte es die Regierung der Bundesrepublik in der Hand, positive Beiträge zu leisten. Denken Sie zum Beispiel an die Problematik der Erfassungsstelle in Salzgitter oder die Staatsbürgerschaftsfrage.

SPIEGEL:
Wäre es nicht das einfachste, die DDR schafft Verhältnisse, unter denen die DDR-Bürger lieber hier bleiben?

GYSI: Die übergroße Mehrheit der Bevölkerung der DDR empfindet ganz offensichtlich die sozialen und sonstigen Bedingungen so, daß sie in diesem Lande verbleiben will. Und was den Teil der Bürger betrifft, die für ständig ausreisen wollen, da muß bei den Entscheidungen auch an die übergroße Mehrheit und deren Interessen mitgedacht werden. Auch die gesamte historische Entwicklung, die Entwicklung der beiden deutschen Staaten muß bei der Beurteilung mit berücksichtigt werden, auch die völlig unterschiedliche ökonomische Situation, etwa bei den Arbeitskräften. Sie argumentieren immer aus der Sicht der Bundesrepublik, die offensichtlich nicht weiß, wohin mit den vielen Arbeitslosen.

Ich empfehle, das ganze Interview zu lesen; ein längeres Zitat ist mir leider rechtlich nicht erlaubt. Ich empfehle es vor allem denjenigen, die in dem Gregor Gysi des Jahres 1989 immer noch so etwas wie einen heimlichen Dissidenten sehen.

Und zur Abrundung des Bilds schlage ich eine weitere kleine Lektüre vor: Die des Vermerks über ein Gespräch, das Gregor Gysi neun Monate später, inzwischen auf wundersame Weise zum Vorsitzenden der SED aufgestiegen, mit Raffael Fjodorow führte, damals stellvertretender Leiter der Internationalen Abteilung des ZK der KPdSU. Ausschnitte aus diesem Vermerk können Sie hier lesen.
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