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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 764 mal aufgerufen
 Pro und Contra
Libero Offline



Beiträge: 393

15.01.2009 07:35
Vorbild USA? Die nachindustrielle Gesellschaft antworten

Die USA sind ein Land mit ein paar volkswirtschaftlichen Leuchtürmen, einigen Industrie-, Dienstleistungs- und Finanzunternehmen.

Der Rest sind Tittytainement-Unternehmen, abseits der großartigen Fassaden in einem ähnlichen Erhaltungszustand wie die DDR. Die kreative innovative Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhundert ist in weiten Gebieten der USA erloschen. Das betrifft nicht nur die Unternehmen, sondern auch die gesamte abgewirtschaftete Infrastruktur der USA. Das gilt bis auf einige Ausnahmen auch für die Bildungsinstitutionen. Das ist ein Paretosystem. Bildung für 20 %, Tittytainement für die restlichen 80 % der nachrückenden Generationen von Amerikanern.

Bei vielen groß gehandelten Unternehmen, auch der innovativen Industrien, darf man sich nicht ansehen, wieviel Geld sie bereits verschlungen und welchen Ertrag sie wirklich erwirtschaften.

Das Konzept der nachindustriellen Gesellschaft führte zu einer Deindustrialisierung des Landes.

Die nachindustrielle Gesellschaft hat natürlich einen bezwingenden Vorteil.

Die Investitionskosten sind geringer und so werden finanziellen Mittel frei für den Ponzi-Tanz der Finanzwirtschaft. Das geht natürlich nicht ewig, Anlagen sind nicht unsterblich und verschleissen. Aber dann hat man sich an den sich unmerklich verändernden über Jahre sich hinziehenden Zustand der Verwahrlosung gewöhnt. Von den amerikanischen Einfamilienhäuser kennt man das nicht anders. Ein Jahr, maximal zwei Jahr unbewohnt und die Häuser kann man zusammenschieben

Wie nachhaltig die nachindustriellen Gesellschaft ist, sieht man im Warenaustausch. China liefert Waren, die USA können außer bei den Finanzen keine Dienstleistungen liefern. Wenn das warenliefernden Land China seinen Finanzkreislauf abschottet, geht das nur bedingt. Dann bleiben nur die Tittytainementindustrien als Angebot für die Importe aus China.

Wenn es da nicht Länder wie Indien gäbe, die als noch nichtindustrielles Land mit dem Export von Dienstleistungen angefangen haben, das ist prinzipiell jedem anderen heute noch armen Land ebenfalls möglich, und so der nachindustriellen amerikanischen Wirtschaft die Lebensgrundlagen in den Service-Dienstleistungen erodieren.

Da die von China gelieferten Waren so preiswert sind, daß es sich nicht lohnt, sie zu warten oder zu pflegen und sie daher verbraucht und nicht gebraucht werden, entsteht in dem importierenden Land auch keine Dienstleistungsindustrie, die die importierten Waren wartet und ihren Nutzwert erhält. Das ist die Kehrseite billiger kurzlebiger Konsumgüter. Sie erhöhen den Stoffverbrauch einer Volkswirtschaft und schaffen allenfalls eine starke Recyclingindustrie. Aber was soll ein deindustrialisiertes Land mit Rohstoffe, die es nicht mehr verarbeiten kann.

Das Konzept der deindustrialisierten amerikanischen Dienstleistungsvolkswirtschaft ist gescheitert. Eigentlich konnte das jeder wissen, der den Abstieg der englischen Industrie seit Ende des 19. Jahrhunderts miterlebt hat. Auch damals glaubte man ja, man kann ohne eine starke innovative englische Industrie die militärische Weltmacht erhalten. Empire! Fürst Potemkin Wirken war solider.

Die deutsche Industrie hat in dem Zeitraum einen gewaltigen Aufschwung genommen, aber die englische Industrie hat weder ihr Niveau noch ihre Innovationskraft erhalten können. Deutschland hatte nicht zu England aufgeschlossen, England war schon in der Abwärtsfahrt.

Die USA sind nicht erst seit 2007 auf dem gleichen Wege. Die Deindustrialisierung Amerikas begann ja wesentlich früher. Unter diesen Bedingungen Supermacht sein zu wollen, wird dann schon zu einer anspruchsvollen Aufgabe. Das gelingt nur, wenn man eine der wenigen erstklassigen amerikanischen Industrien, der Wehrtechnik und einer zweitklassigen Währung, dem Dollar, eine Weltgeltung verschafft und vor allem erhält.

Das bedeutet alles wirklich alles zu unternehmen, um den Dollar als Leitwährung des Warenaustausches zu erhalten und alle potentiellen Konkurrenten, die wirtschaftlich innovativer sind oder nur werden wollen, gegeneinander auszuspielen und zu schwächen. Die Ausweitung der Landeswährung auf die ganze Welt bedeutet eine Verschuldung Amerikas bei der ganzen Welt. Ohne jemals die Absicht zu haben, Waren und Dienstleistungen mit etwas anderen wie Schulden zu bezahlen.

Kann ein solche Weltmacht auf solider Grundlage weltweiten Frieden gebrauchen? Dann würde ja der verbliebenen amerikanischen Exportindustrie, der Wehrtechnik und der amerikanischen Armee auch noch die Exportgrundlage entzogen. Nein, eine solche Weltmacht braucht keinen Frieden, der den neben der Währung letzten Garanten ihrer Weltmacht, das amerikanische Militär und die Wehrtechnik erodiert

Das geht eine Weile gut. Das britische Empire hat die Fassade ja auch einige Jahrzehnte aufrechterhalten. Es ist nicht mehr, es war. Die Amerikaner werden lernen müssen, daß das für ihre globalen Ambitionen auch gilt

Der amerikanische Kaiser hat keine Kleider an und der Anblick des freiwillig Entblößten ist nicht unbedingt erfreulich

Libero

Nola ( gelöscht )
Beiträge:

15.01.2009 10:41
#2 RE: Vorbild USA? Die nachindustrielle Gesellschaft antworten
Ein sehr nachdenklich stimmender Beitrag, lieber Libero. Plausibel und schlüssig erklärt.

Befürchten Sie ähnliches auch für Deutschland? Hinsichtlich der Finanzkrise ist eine Exportweltmeisterschaft wohl nicht mehr relevant. Und parallel müßte dann auch mehr die Binnenkonjunktur gestärkt werden. Das sehe ich aber noch nicht. Außerdem wird zur Zeit wegen dem Gasstreit das Europagebäude erheblich ins Wanken gebracht, so daß alle oft hinderlichen vom EU-Parlament erlassenen Gesetze außer Kraft geraten könnten, und vielleicht wieder für alle größeren nationalen Spielraum geben werden.

Man kann nur hoffen, das diese Zeit nicht verschlafen oder ausgesessen wird.

♥lich Nola

Libero Offline



Beiträge: 393

15.01.2009 19:14
#3 RE: Vorbild USA? Die nachindustrielle Gesellschaft antworten

Hallo Nona

fatal an diesem Denken ist, es ist noch wesentlich zu früh für ein nachindustrielles Zeitalter. Wesentliche Aufgaben der Industriegesellschaft sind noch gar nicht gelöst, eine wichtige Naturwissenschaft, die Biologie und ihre angrenzenden Sachgebiet, hat immer noch eine nur schwache industrielle Fortsetzung gefunden, die in keiner Weise ihrem Potential entspricht.

Libero

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