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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 698 mal aufgerufen
 Geschichte, Philosophie, Religion
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

16.09.2006 03:58
Randbemerkung: Die Meute als Auditorium Antworten

Die Diskussion mit Inger in diesem Thread und auch Informationen, die Inger mir noch dazu gemailt hat, haben mich motiviert, zum Thema "Vorlesung des Papstes" einen Blog zu schreiben.

Ich bin gespannt, ob meine Prophezeiung oder vielmehr Befürchtung am Ende sich bewahrheitet. Schön wäre es, wenn ich Unrecht hätte.

Inger Offline



Beiträge: 296

16.09.2006 11:00
#2 RE: Randbemerkung: Die Meute als Auditorium Antworten

Nur mal kurz gesagt, was die Reklame meint:" Philosophische Texte auf CD". Diese kostenlose Versorgung mit Links wird mir bald unheimlich.

Inger Offline



Beiträge: 296

16.09.2006 12:45
#3 RE: Randbemerkung: Die Meute als Auditorium Antworten

Und nun zu Deinem gelungenen Blog. Die Überschrift Meute ist vielschichtig wie provozierend-,))
Um es gleich zu sagen, Günter hat in seinem Forum eine für meine Begriffe treffende Zusammenfassung gegeben-mit denselben Aussichten wie Du sie anführst: Am Ende ist alles so zerredet, daß nichts draus wird.
"Nicht vernunftgemäß handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider". Der Ausspruch beinhaltet eine Dialogmöglichkeit mit den Muslimen, die ja ebenfalls an Gott glauben. Im Dialog kann dann ohne Streit klargestellt werden, wie sich das Wesen vorzustellen ist und wie - eben mit den Gründen der Vernunft - ein Leben nebeneinander ohne Gewalt möglich sein kann. Damit zitiere ich noch einmal gern Deine Zusammenfassung:"Es geht also im Dialog über die Grenzen der eigenen Überzeugtheit hinweg, und Ratzinger sagt, daß er auf dem gemeinsamen Boden der Vernunft möglich ist".
Im Grunde genommen zeigt sich aber da die eigentliche Kluft: Die Meute ist ja nicht "nur" agnostisch wie Du und philosophisch in den Gedanken der Vernunft geschult. Ein großer Teil der Meute streitet ganz einfach ab, daß es eine Vernunft in der Richtung gibt, ja im Gegenteil, der Gottesglaube ist angesichts der fortgeschrittenen Wissenschaft und Aufklärung geradezu absurd, pathologisch usw. Diejenigen der Meute, die denn wenigstens über Vernunftgründe nachdenken, können in den Dialog mit eintreten, halt unter ihren eigenen Voraussetzungen. Die anderen gesellen sich zu den Schreihälsen, auch wenn sie nun nicht gerade Puppen verbrennen.
Grüßchen
Inger

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

29.11.2006 05:07
#4 Die Meute als Auditorium - aktuelle Ergänzung Antworten

Im "Spiegel" der vergangenen Woche, den ich jetzt erst lese, gibt es einen sehr fundierten Artikel über die Vorgeschichte der Regensburger Vorlesung. ("Der Fehlbare"; Spiegel 47/2006, S. 112).

Der Autor, Alexander Smoltczyk, war Redakteur in der u.a. von Cordt Schnibben geleiteten Redaktion "Gesellschaft" des Spiegel, die eingerichtet wurde, nachdem das anspruchsvolle Magazin "Spiegel-Reporter", das dem "New Yorker" nacheifern sollte, gescheitert war. Die dafür angeheuerten "Edelfedern" wurden damals in dieses neu eingerichtete Ressort übernommen. Alles glänzende Schreiber; eben auf dem Niveau des "New Yorker".

Jetzt ist Smoltcyzk aber Italien-Korrespondent geworden, was der Spiegel-Berichterstattung aus Italien sehr zugutegekommen ist. Er hat den Papst-Artikel so gründlich recherchiert und die Ergebnisse so brillant aufgeschrieben, wie man das eben vom "New Yorker" kennt, oder von der "Washington Post".



Ich empfehle die Lektüre des Artikels. Hier nur zusammengefaßt das Fazit: Der Papst hat als Wissenschaftler agiert, hatte aber in der Tat die Absicht, sehr pointiert Rationalität in der Diskussion mit dem Islam einzufordern. Die Instanzen im Vatikan, die üblicherweise die Reden der Päpste gegenlesen, um ggf. diplomatischen Verwicklungen vorzubeugen, waren aus verschiedenen Gründen nicht hinreichend eingeschaltet.

Ob der Professor Ratzinger sich von ihnen die Vorlesung hätte ändern lassen, ist offen. Unklar ist auch, ob nicht gewisse Leute im Vatikan den Papst bewußt in eine Falle laufen ließen.



Kommentar: Mir scheint, daß Ratzinger es mit der Vereinbarkeit von Religion und Rationalität sehr ernst meint. Ihm ist natürlich klar, daß die Rationalität, die das Christentum dank der Aufklärung inzwischen erfahren hat, noch nicht in den Islam eingedrungen ist, jedenfalls nicht hinreichend.

Also hat er, denke ich, bewußt eine klare Position bezogen. Weil man einen rationalen Diskurs nur führen kann, wenn jeder seine Position ehrlich mitteilt.

Ist der Islam dadurch überfordert? Ich glaube nicht. Er ist halt nur gegenüber dem Christentum und dem Judentum historisch zurückgeblieben; er hat ja noch gar nicht die Aufklärung erreicht.

Also muß man dem Islam helfen, voranzukommen, dem Christentum nachzueifern. Das will, denke ich, Ratzinger. Natürlich löst so etwas heftige Emotionen bei denen aus, die gar nicht vorankommen wollen.

Aber sie werden es, ob sie wollen oder nicht. Auch der Islam wird in der Moderne ankommen, oder er wird untergehen wie der Kommunismus.


Turbofee Offline



Beiträge: 329

29.11.2006 18:43
#5 RE: Der Islam lebt! Antworten
x

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

29.11.2006 23:13
#6 RE: Der Islam lebt! - Ja, aber nicht sehr gut ;-) Antworten

Zitat von Turbofee
In Antwort auf:
Auch der Islam wird in der Moderne ankommen, oder er wird untergehen wie der Kommunismus.
Das schreibst Du immer wieder, aber es stimmt nicht.

Naja, Prophezeiungen sind halt schwer, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.

Und anders als Marx es sich vorstellte, ist der Gang der Geschichte nicht vorgezeichnet. Aber man kann, denke ich, aus Kenntnis der Geschichte doch gewisse Wahrscheinlichkeitsaussagen ableiten.

Dazu gehört, daß bisher immer diejenige Kultur sich als anderen überlegen erwiesen hat, die gesellschaftlich, wirtschaftlich und wissenschaftlich am erfolgreichsten war.

Die Überlegenheit der Griechen in deren "Goldenem Zeitalter" beruhte auf der fortschrittlichen demokratischen Verfassung der Polis, auf der dadurch ermöglichten Blüte der Wissenschaften, was sich wiederum auf Handel und Militär auswirkte. Der Spiegel hat ja gerade eine Titelgeschichte darüber, die vor allem auch die positive Bedeutung der Begegnung zwischen unterschiedlichen Kulturen betont.

Das römische Reich basierte auf Wissenschaft und vor allem einer genialen Technik. Das Reich der spanischen Habsburger auf den Fortschritten, die Wissenschaft und Technologie seit der Renaissance gemacht hatten. Das britische Weltreich basierte auf dem gewaltigen wissenschaftlich-technischen Aufschwung, der im 18. Jahrhundert dem Liberalismus zu verdanken war. Und so fort.



Dem Islamismus fehlen alle solche Voraussetzungen, um uns gefährlich werden zu können. Im Gegenteil - Arabien als der Kernbereich des Islam ist im Niedergang; ich habe das ja in der Serie "Arabiens Misere" zu beleuchten versucht. Wo ist denn die islamische HighTech, wo sind die islamischen Nobelspreisträger? Was hat den der Islam zur Moderne beigetragen?

Niemals in der Geschichte hat eine rückständige Kultur sich gegen eine fortschrittliche durchgesetzt. Es sei denn, diese brach aus inneren Gründen auseinander, wie Ägypten in der Spätzeit, wie das spätrömische Reich.

Diese Gefahr sehe ich nicht. Unsere westliche Kultur ist intakt; vor allem dank der Vitalität der USA. Mir ist also nicht bange, was den Islam angeht. Mir tun die Leute eher leid, die so rückschrittlich und teilweise verzweifelt sind, daß sie ihr Heil in der Religion oder gar im Terrorismus suchen.

Eine Islamisierung Europas - das wäre ungefähr so, als hätte sich nach der Entdeckung Amerikas und der Einwanderung dorthin die Kultur der Indianer durchgesetzt.

Aber, uff!, sie hat das nicht. Howgh!

Herzlich, Zettel


Turbofee Offline



Beiträge: 329

29.11.2006 23:46
#7 RE: Der Islam lebt! - Ja, aber nicht sehr gut ;-) Antworten
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Zettel Offline




Beiträge: 20.200

30.11.2006 01:42
#8 RE: Der Islam lebt! - Ja, aber nicht sehr gut ;-) Antworten

Liebe Turbofee,

Zitat von Turbofee
Der Islam ist nicht nur eine Kultur; er ist auch eine Religion. Eine Religion (auch wenn es nicht der Islam war) hat zum Beispiel die oben von Dir genannten Kulturen überlebt, und so wird auch die Religion des Islam viele, viele Kulturen überleben.

Ja, das ist sehr gut möglich. Der Buddhismus ist ja schon sehr alt, der Konfuzianismus, der Hinduismus, der Shintoismus, das Judentum. Auch das Christentum als eine etwas jüngere Religion hat sich ganz gut behauptet.

Nur haben sie eben alle das gemacht, was ich auch dem Islam vorhersage - sie haben sich angepaßt. Keine von ihnen behindert den modernen, säkularen, demokratischen Rechtsstaat. Und so erwarte ich es auch vom Islam. (Fundamentalisten gibt es freilich an den Rändern einiger dieser Religionen - orthodoxe Juden, die in Israel einen gewissen Einfluß haben, christliche Fundamentalisten usw. Randgruppen, Minoritäten).
In Antwort auf:
Dabei mag sich durchaus die islamische Kultur ändern, aber die Religion wird bleiben.

Als eine Religion, die mit der Moderne vereinbar ist, ja. Das hatte ich ja geschrieben.

In Antwort auf:
In Antwort auf:
Mir ist also nicht bange, was den Islam angeht. Mir tun die Leute eher leid, die so rückschrittlich und teilweise verzweifelt sind, daß sie ihr Heil in der Religion oder gar im Terrorismus suchen.

Dieser Satz ist eine Überheblichkeit und Verachtung von religiösen Menschen. Als wären Menschen, die religiös sind, nur aus Verzweiflung religiös.

Nein, das hast du falsch verstanden. Lies bitte, was ich geschrieben habe: Mir tun Leute leid, die so rückschrittlich und teilweise verzweifelt sind, daß sie ihr Heil in der Religion suchen.

Damit sage ich doch überhaupt nicht - und mir liegt das ganz fern - , daß man nicht auch aus ganz anderen Gründen religiös sein kann.

Aber die jetzige Welle des Islamismus ist doch ganz offensichtlich aus Rückschrittlichkeit und Verzweiflung entstanden; jedenfalls sind das wesentliche Faktoren.

Ehrlich gesagt, ich wundere mich a bisserl, daß man das bezweifeln kann.

Herzlich, Zettel


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