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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 15 Antworten
und wurde 2.104 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

26.03.2010 12:26
Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Manchmal regen auch Alltagsbeobachtungen zu politischen Gedanken an.

Ungelt ( gelöscht )
Beiträge:

26.03.2010 13:13
#2 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Zitat von FOCUS online
Der EU-Industriekommissar äußerte die Hoffnung, dass „man eines Tages für seine gesamte IT-Ausrüstung das gleiche Ladegerät nutzen können wird“. Wegen des unterschiedlichen Stromverbrauchs von Mobiltelefonen, Digitalkameras und Laptops sei dies derzeit aber noch nicht machbar.

Da hat Verheugen noch den Ladestecker von den künftigen Elektromobilen vergessen

Auf Ihre Wette bezüglich der "sozialistischen Heftpflasters" würde ich übrigens eingehen, auch wenn ich nicht unbedingt behaupten möchte, daß die 89er Pflaster unbedingt besser, als die 49er wären. Es gab laufend irgendwelche "Verbesserungen", die die Produktion erhöhen, den Rohstoffverbrauch senken, oder "den Werktätigen" das Leben angenehmer machen sollten. Aber auch echte Innovation kam vor, denn es ist einfach doch angenehmer ein gutes Produkt herzustellen, als einen Ladenhüter. Daß tausende solcher Innovationen nicht umgesetzt werden konnten, weil z.B. irgendeine Komponente aus dem "westlichen Ausland" benötigt wurde, ist natürlich auch richtig. (Oder eine Umstellung den Entscheidern einfach zu lästig war.) Techniker streben einfach in der Regel von sich aus nach guten Lösungen, unabhängig von wirtschaftlichen Überlegungen. Deswegen sind sie ja Techniker geworden! Es gibt ja Leute, die Gedichte schreiben.

Schönen Tag noch, Ungelt

Florian Offline



Beiträge: 3.077

26.03.2010 13:13
#3 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

ich bin auch immer wieder beeindruckt, wie viel Innovationskraft in vollkommen banale Dinge fließt, von denen man sich vorstellt, dass die technisch nicht groß weiter zu entwickeln wären.

Als Musterbeispiel für ein vollkommen banales, jahrtausende altes Produkt fällt mir z.B. gerade die Kerze ein.
Mindestens 4 wesentliche Innovationen gab es hier in den letzten Jahrzehnten:
- Qualitäts-Kerzen tropfen nicht mehr (durch eine entsprechende Beschichtung).
- Kerzen sind heutzutage sicherer: sie verlöschen schon kurz, bevor sie ganz abgebrannt sind (weil der Docht nicht mehr ganz bis unten durch geht. Klingt banal, erfordert aber einen völlig anderen Produktionsprozess).
- Kerzen rußen viel weniger, als ich das von früher in Erinnerung habe.
- Kerzendochte müssen nicht mehr beschnitten werden, weil der Docht gleichmäßig abbrennt.

Hajo Offline



Beiträge: 440

26.03.2010 13:17
#4 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Hah! So eine Alltagsbeobachtung hatte ich jüngst ebenfalls, allerdings mit anderem Ausgang.

Im Schlafzimmer steht ein alter Fernseher aus Fürth, also der Marke Grundig. Er hat so geschätzte 20 Jahre auf dem Buckel. Gut, er hat weder HD (was auch immer das sein mag) noch "drei HDMI Eingänge" (was auch immer das sein mag) und digitales Programm empfängt er auch nicht. Aber, und darum geht es mir, er verrichtet seit zwei Jahrzehnten völlig klaglos seinen Dienst.

Im Wohnzimmer steht ein bedeutend moderneres Gerät eines namhaften asiatischen Herstellers, so etwa drei oder vier Jahre alt. Er hat ein Heidengeld gekostet und kann bedeutend mehr, als ich ihm qua Bedienung befehlen kann. Dieser machte jedenfalls vor wenigen Tagen mitten bei der Tagesschau ein zweifelhaftes Geräusch und verweigert seitdem die Arbeit.

Was ich damit sagen möchte, ist, daß die Qualität der Produkte im Kapitalismus auch in die andere Richtung laufen kann und zwar unter dem Gesichtspunkt der durch die Shareholder erzwungenen Profitmaximierung. Dann haben Sie, anstatt billig und schlecht, wie es im Sozialismus der Fall ist, teuer und schlecht

Mittlerweile scheint es so zu sein, daß Marken wie AEG, Grundig, Telefunken, Dual oder was man sonst noch so in der Vergangenheit als hochqualitativ und dementsprechend teuer in der Erinnerung hat, heute nur noch irgendeine Handelsware ist, die zu Spottpreisen in Billiglohnländern produziert wird, auf die die teuren Marken aufgedruckt werden.

Im Sozialismus hät's das nicht gegeben, höre ich einen guten Freund von mir mit entsprechender Migrationsgeschichte leise spötteln

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

26.03.2010 13:29
#5 Kerzologisches Antworten

Zitat von Florian
Als Musterbeispiel für ein vollkommen banales, jahrtausende altes Produkt fällt mir z.B. gerade die Kerze ein.
Mindestens 4 wesentliche Innovationen gab es hier in den letzten Jahrzehnten:
- Qualitäts-Kerzen tropfen nicht mehr (durch eine entsprechende Beschichtung).
- Kerzen sind heutzutage sicherer: sie verlöschen schon kurz, bevor sie ganz abgebrannt sind (weil der Docht nicht mehr ganz bis unten durch geht. Klingt banal, erfordert aber einen völlig anderen Produktionsprozess).
- Kerzen rußen viel weniger, als ich das von früher in Erinnerung habe.
- Kerzendochte müssen nicht mehr beschnitten werden, weil der Docht gleichmäßig abbrennt.


Stimmt, lieber Florian! Und trotz aller dieser Verbesserungen bestücken offenbar immer mehr Familien ihren Weihnachtsbaum mit Elektrokerzen.

Nur das mit dem Verlöschen kann ich aus langjähriger Erfahrung nicht bestätigen. Vielleicht kaufen wir ja die falschen Kerzen, aber bei unseren ist es immer so, daß, wie auch sonst im Leben, jede Kerze ihren eigenen Tod stirbt.

Sie verlöschen alle erst, wenn sie ganz abgebrannt sind. Aber manche tun das, indem das Flämmlein immer kleiner wird. Andere brennen hell bis zu einem abrupten Ende. Und einige lassen die Flamme noch einmal kurz, aber gewaltig in die Höhe schießen, einer Supernova gleich.

Auf die muß man aufpassen. Das Beobachten der verlöschenden Kerzen ist deshalb bei uns schon aus Sicherheitsgründen ein Ritual. Außerdem macht es Spaß, zu wetten, welche als nächste dran sein wird.

Denn seltsam: Obwohl die Kerzen aus derselben Packung stammen und (nahezu) gleichzeitig entzündet wurden, währt ihr Leben unterschiedlich lang. Zwischen der ersten, die verlöscht, und der letzten liegen bis zu vielleicht zehn Minuten.

Woran liegt das? Meine Lieblingstheorie ist, daß die oberen Kerzen früher verlöschen als die unteren, weil es oben wärmer ist und sie dadurch schneller abbrennen. Aber diese Theorie wird durch die Empirie immer wieder widerlegt; manchmal hält sich gerade eine der oberen am wackersten.

Meine Frau meint, es läge entweder am unterschiedlichen Luftzug und damit der unterschiedlichen Sauerstoffversorgung, oder es sei einfach Zufall.

Aber Zufall, nicht wahr, heißt ja nur, daß wir nix wissen.

Herzlich, Zettel

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

26.03.2010 13:51
#6 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Zitat von Hajo
Im Schlafzimmer steht ein alter Fernseher aus Fürth, also der Marke Grundig. Er hat so geschätzte 20 Jahre auf dem Buckel. Gut, er hat weder HD (was auch immer das sein mag) noch "drei HDMI Eingänge" (was auch immer das sein mag) und digitales Programm empfängt er auch nicht. Aber, und darum geht es mir, er verrichtet seit zwei Jahrzehnten völlig klaglos seinen Dienst.


Ja, so einem unverwüstlichen Grundig-Gerät habe ich einen der ersten Artikel in ZR gewidmet.

Allerdings war das auch damals nicht Standard. Ich erinnere mich an ein ebenfalls von Grundig gebautes "Kofferradio"; mein erstes, noch in den fünfziger Jahren, grün und mit den tollen elfenbeinfarbenen Drucktasten. Das war bald kaputt und wurde mehrfach "eingeschickt", aber richtig reparieren konnte man es offenbar nie.

Sind solche Geräte heute weniger zuverlässig als damals? Ich bezweifle das, lieber Hajo, kann aber jetzt auf die Schnelle keine Statistik zitieren. Meine Erfahrung jedenfalls ist, daß die Zuverlässigkeit eher zugenommen hat. (Und sind Sie sicher, daß Ihr TV wirklich kaputt ist und nicht nur jemand an der Fernbedienung einen falschen Knopf gedrückt hat? )

Zitat von Hajo
Was ich damit sagen möchte, ist, daß die Qualität der Produkte im Kapitalismus auch in die andere Richtung laufen kann und zwar unter dem Gesichtspunkt der durch die Shareholder erzwungenen Profitmaximierung. Dann haben Sie, anstatt billig und schlecht, wie es im Sozialismus der Fall ist, teuer und schlecht

.
Auch der alte Max Grundig hatte natürlich das Ziel der Profitmaximierung.

Wie gut ein Produkt ist, bestimmt der Markt. Daß Produkte absichtlich schlecht hergestellt werden, damit sie schnell verschleißen und man ein neues kaufen muß, ist eine antikapitalistische Legende. Jedenfalls kenne ich keinen einzigen dokumentierten Fall.

Wohl aber kann es sich für einen Hersteller rechnen, weniger zuverlässige und dann eben billigere Produkte auf den Markt zu bringen. Ob es sich rechnet, hängt davon ab, ob genug Konsumenten das haben wollen. Autos zum Beispiel sind immer zuverlässiger geworden, weil die Leute gern ein paar mehr Euro für Qualität zahlen.

Bei Elektrogeräten dürfte - das wissen die Fachleute vermutlich besser als ich - hinzu, daß ihre Komponenten einfach technisch immer zuverlässiger werden. Transistoren waren zuverlässiger als Röhren, die eh nur eine begrenzte Lebenszeit hatten. Die heutigen Chips sind zuverlässiger als Transistoren. Wo es keine Kontakte mehr gibt, kann es auch keine Wackelkontakte mehr geben usw.

Herzlich, Zettel

Kallias Offline




Beiträge: 2.279

26.03.2010 14:08
#7 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Leider fand ich im Web nur wenig Material über die Geschichte des Heftpflasters in der Deutschn'kratschn'plik, zur Erbauung seien aber die ephemeren Lesefrüchte hier aufgestapelt.



Erstens: Was im Westen "Hansaplast", das ist im Osten "Gothaplast". Die Marke existiert noch und wirbt mit ihrer Tradition. Elke Ziegler aus Thüringen spottet:

Zitat von Elke Ziegler, 24.9.2009
Gothaplast, die Verbandpflasterfabrik schaltete heute in TA eine komplette Seite als Dankeschön an ihre Kunden für 65 Jahre Treue. Und da ist zu lesen: Es gibt ein Rezept voranzukommen: Ihre Treue! Was habe ich denn auch für eine Wahl, wenn ich mich verletze oder in den letzten 65 Jahren verletzte. Für mich als DDR-Bürger gab es ja nur Gothaplast. Aber davon abgesehen, fühle ich mich nun verpflichtet weiterhin meine Finger dem Küchenmesser darzubieten, damit Gothaplast überlebt. Denn wer eine Seite für 4267 Euro schaltet, den müssen wir als TA-lastige Tagebuchschreiber doch belohnen !!

http://www.zgtintern.de/ta/tagebuch/?p=8536



Zweitens: Gothaplast war besser als Hansaplast! Meint jedenfalls Postkugel im Trabantforum.

Zitat von Postkugel, 22.6.2005
Nochmal zurueck zum Warndreieck: Ich kann nur jeden empfehlen, es an manchen Stellen mit der Originalitaet nicht zu uebertreiben, wenn man denn das Fahrzeug im normalen Strassenverkehr bewegen will. Und dazu gehoert fuer mich nunmal ein modernes Warndreieck (das DDR-Ding kann man ja noch zusaetzlich mitnehmen, es taugt aber wirklich nicht's!). Bei den Verbandskaesten ist die Sache eher umgedreht: Da waren die DDR-Teile echt besser! Zwar sind die mittlerweile abgelaufen, aber da war wenigstens eine brauchbare Schere und ordentliches Gothaplast drin. Mit den heutigen Dingern ist man auch wieder verraten und verkauft...

http://www.trabantforum.de/ubb/Forum1/HTML/004937_2.html

Sollen wir das als empirisches Datum gegen Ihre Hypothese werten, verehrter Zettel, oder diagnostizieren wir lieber verbohrte Ostalgie?



Drittens: Vom Pflaster braucht man bekanntlich nicht nur das Pflaster, sondern auch die Rolle. Zum Beispiel, wenn man Spulen für Hifi-Systeme selber wickeln will. Auf diesem Gebiet schneidet das alte Gothaplast aus der DDR nicht so gut ab, meint HCW aus Darmstadt:

Zitat von HCW, 15.6.2008
Ich nehme an, Hatschi meinte richtige Wickelkerne mit Seitenscheiben; da fallen mir spontan die Wickelkerne für EI- und M-Schnitt-Trafos ein, die manche Hersteller auch verwenden. Die sind aus (z.T. noch kurzfaserverstärktem) PA und damit wirklich stabil, findet man öfters bei Restposten, und bekommt man vielleicht sogar bei Trafowickeleien.
Der Werkstoff ist wichtiger als die nach Aussehen scheinbare Stabiität; in der DDR wurden gerne die Gothaplast-Pflasterrollen verwendet, die aber aus normalem Polystyrol waren und entsprechend oft platzten.

http://www.visaton-lautsprecher.de/vb/sh...98&postcount=20



Viertens: Heftpflaster und Kerzen mögen sich bedeutend weiterentwickelt haben. K. Pok aus Sachsen weist hingegen auf ein Produkt hin, dessen Qualität nach wie vor beklagenswert niedrig ist:

Zitat von K.Pok, 11.2.2008
Ich habe bisher -weder in der DDR noch jetzt - je einen vernünftigen Dosenöffner gefunden.
Die funktionieren alle nicht, oder nur bei einigen Büchsenarten und wenn man nicht aufpasst, braucht man anschließend Hansa- oder Gothaplast.

http://forum.politik.de/forum/offenes-fo...tml#post7583898

Auf diesem Gebiet hat der Markt bislang ebenso versagt wie der Sozialismus.

Herzliche Grüße,
Kallias

Calimero Offline




Beiträge: 3.280

26.03.2010 15:14
#8 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

@Kallias: Lol

----------------------------------------------------
Wir sind alle gemacht aus Schwächen und Fehlern; darum sei erstes Naturgesetz, dass wir uns wechselseitig unsere Dummheiten verzeihen. - Voltaire

Hias Offline



Beiträge: 138

26.03.2010 15:59
#9 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Zitat
Die EU in ihrer Weisheit hat beispielsweise solange auf die Industrie Druck ausgeübt, bis diese sich entschlossen hat, ein einheitliches Ladegerät für alle Handys zu definieren. Damit dürfte die technische Weiterentwicklung solcher Ladegeräte vorläufig gestoppt sein.

Hätte die EU das vor einigen Jahrzehnten für die Schnittstellen von PCs durchgesetzt, dann hätten wir vermutlich auch heute noch nur die Wahl zwischen RS-232-Schnittstellen und Centronics-Schnittstellen.



Hm, vielleicht fällt es ja nur mir auf, aber der Vergleich hinkt schon stark. Denn es handelt sich hier ja um Ladegeräte, nicht um die Schnittstellen zur Datenübertragung. Und vielleicht bin ich mit meinen ca. 15 Jahren PC-Erfahrung ja einfach zu jung, aber wenn ich mich richtig entsinne, so war und ist der Anschluß für das Stromkabel bei PCs und auch bei Laptops einheitlich. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich jemals ein Problem mit einem nichtpassenden Stromkabel hatte. Und trotzdem haben sich die Datenübertragungsschnittstellen munter weiterentwickelt.

Und mir bleibt weiterhin verborgen, warum ein einheitlicher Standard der Teufel sein soll.

dirk Offline



Beiträge: 1.538

26.03.2010 16:09
#10 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Manches hatte aber auch seinen Sinn:

Warum war das Klopapier in der DDR so rauh?
Damit auch der letzte Arsch noch rot wird

Florian Offline



Beiträge: 3.077

26.03.2010 16:47
#11 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Zitat
Und mir bleibt weiterhin verborgen, warum ein einheitlicher Standard der Teufel sein soll.



Schon richtig, einheitliche Standards sind gut.
Es macht aber einen Unterschied, ob es sich um einen Industrie-Standard handelt (z.B. DIN) oder um eine gesetzliche Vorschrift.
Letztere ist starr und führt zu Verkrustungen.
Erstere kann leichter weiterentwickelt werden. Oder - und das ist das entscheidende! - auch ignoriert werden, wenn sich ein Produzent davon Vorteile verspricht.

Zitat
Und vielleicht bin ich mit meinen ca. 15 Jahren PC-Erfahrung ja einfach zu jung, aber wenn ich mich richtig entsinne, so war und ist der Anschluß für das Stromkabel bei PCs und auch bei Laptops einheitlich



Nur weil es in der Vergangenheit keine Änderungen gab bedeutet das aber nicht, dass es da nicht in Zukunft sinnvolle Entwicklungen geben kann.

z.B. wird das Iphone (anders als andere Handys und Computer) über das Datenkabel mit Strom versorgt. Ein starrer Standard hätte das ggf. verhindert.

Vielleicht gibt es in Zukunft noch ganz andere Innovationen.
Vielleicht kabelloses Aufladen per Resonanzspulen oder per Mikrowelle? Oder komplexe Docking-Stations, bei denen das Handy während dem Ladevorgang als Festnetz-Telefon fungiert? Vielleicht findet ja auch jemand einen Kniff, wie man durch besonders niedrige Spannungen die Handys energieeffizienter aufladen kann? Oder jemand erfindet super-leistungsfähige Akkus, die allerdings mit 220V geladen werden müssen? Wer weiß schon, welche Innovationen hier noch möglich sind? Die EU-Kommission sicher nicht. Die kann nur den technischen Status-Quo festschreiben.

Martin Offline



Beiträge: 4.129

26.03.2010 17:08
#12 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Zitat von Hias
Hm, vielleicht fällt es ja nur mir auf, aber der Vergleich hinkt schon stark. Denn es handelt sich hier ja um Ladegeräte, nicht um die Schnittstellen zur Datenübertragung. Und vielleicht bin ich mit meinen ca. 15 Jahren PC-Erfahrung ja einfach zu jung, aber wenn ich mich richtig entsinne, so war und ist der Anschluß für das Stromkabel bei PCs und auch bei Laptops einheitlich. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich jemals ein Problem mit einem nichtpassenden Stromkabel hatte. Und trotzdem haben sich die Datenübertragungsschnittstellen munter weiterentwickelt.
Und mir bleibt weiterhin verborgen, warum ein einheitlicher Standard der Teufel sein soll.



Lieber Hias,

PCs haben in der Regel einheitliche 220V-Kaltgerätestecker. Laptops haben ihr Netzteil in der Regel ausgelagert: 220V-Seite, Netzteil, Niederspannungsseite. Meine Laptops liegen so etwa bei 19V Gleichspannung und 3 Ampere, der Gleichspannungsanschluss (Sekundärseite) ist zwar innerhalb der Herstellerfamilien oft standardisiert, aber bei weitem nicht von Hersteller zu Hersteller.

Ich kenne den EU-Standardisierungsversuch nicht im Detail, sehe aber auch auf den ersten Blick schon eine eine Standardisierungsmöglichkeit. Vernünftig gemacht würde sie grundlegende Neuerungen auch nicht behindern. Die Vorteile sehe ich aber auch nur bedingt: Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass ich mal ein 'Fremdnetzteil' leihen kann, wenn ich meines vergessen habe.

Formal kann es aber durchaus Probleme geben: Das Netzteil ist für die Hochfrequenzabstrahlung (Funkstörungen) eine essentielle Komponente, die auf die Elektronik des Laptop abgestimmt ist. Ist die übernächste Generation integrierter Schaltungen deutlich schneller, ist auch das zu kompensierende Frequenzspektrum ganz anders. Und das lässt sich nicht so einfach standardisieren. Den Herstellern würde dann u.U. ein Kompatibilitästsnachweis für sämtliche passenden Netzteile auf das Auge gedrückt. Oder, was soll geschehen, wenn ältere Netzteile mit neuen Laptops plötzlich 'strahlen'? Bisher hat man durch andere Steckermechanik verhindert, dass nicht zugelassene Netzteile gesteckt werden konnten.

Netzteile schützen auch den Laptop vor Netzstörungen, eine Funktion, die immer zusammen mit der Kombination geprüft wird. Erhöht sich aber die Anzahl der möglichen Kombinationen, dürfte sich das deutlich um Testaufwand niederschlagen. Mit welchem Nutzen?

Usw.

Gruß, Martin

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

26.03.2010 17:28
#13 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Zitat von Hias

Zitat von Zettel
Hätte die EU das vor einigen Jahrzehnten für die Schnittstellen von PCs durchgesetzt, dann hätten wir vermutlich auch heute noch nur die Wahl zwischen RS-232-Schnittstellen und Centronics-Schnittstellen.


Hm, vielleicht fällt es ja nur mir auf, aber der Vergleich hinkt schon stark. Denn es handelt sich hier ja um Ladegeräte, nicht um die Schnittstellen zur Datenübertragung.



Deshalb ist es ja, lieber Hias, ein Vergleich.

Zitat von Hias
Und mir bleibt weiterhin verborgen, warum ein einheitlicher Standard der Teufel sein soll.


Na, weil er einen bestehenden Stand der Technik fixiert und damit den Fortschritt hemmt. Andere haben dazu ja inzwischen schon Treffendes geschrieben.

Natürlich ist ein Standard nicht immer schlecht.

Gut ist er erstens dort, wo er nicht zu übertreffen ist, zum Beispiel beim DIN-Papierformat. Besser, als daß sich bei jeder Halbierung wieder dieselbe Proportion ergibt, geht es nicht.

Zweitens dort, wo es nun einmal nicht anders möglich ist, wie bei Steckdosen. Ohne Normierung wäre es Glückssache, ob ein gekauftes Gerät in die heimische Steckdose paßt. Derlei Beispiele gibt es zuhauf; Schrauben und Gewinde, Glühbirnen und Fassungen usw. Der Nippel muß zur Lasche passen.

Aber fast immer sonst ist die Standardisierung von Übel. Nehmen wir den Scart-Stecker, den ich auch, glaube ich, schon einmal erwähnt habe, dieses Wackelding. Zum Glück war er nicht verpflichtend, obwohl er, wenn ich mich recht erinnere, zunächst als "Eurostecker" eingeführt wurde.

Und darauf scheint es mir hinauszulaufen: Wenn sich Hersteller zusammentun und auf einen gemeinsamen Standard einigen, den sie auch jederzeit bei technischem Fortschritt wieder revidieren oder ganz fallenlassen können, dann ist das ja OK. Ärgerlich wird es nur, wenn der Staat sich einschaltet und alles dann die bürokratietypische Unbeweglichkeit bekommt.

Herzlich, Zettel

Pentas ( gelöscht )
Beiträge:

26.03.2010 17:51
#14 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Zitat
Die EU in ihrer Weisheit hat beispielsweise solange auf die Industrie Druck ausgeübt, bis diese sich entschlossen hat, ein einheitliches Ladegerät für alle Handys zu definieren. Damit dürfte die technische Weiterentwicklung solcher Ladegeräte vorläufig gestoppt sein.



Nein. Sollte die EU eine Norm für Handygeräte einführen, wären elektrische und mechanische Größen definiert, also Stecker und Ausgangsspannung. Wie das Ladegerät intern funktioniert, muss nicht betroffen sein.


Hias Offline



Beiträge: 138

26.03.2010 17:54
#15 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Zitat
Na, weil er einen bestehenden Stand der Technik fixiert und damit den Fortschritt hemmt. Andere haben dazu ja inzwischen schon Treffendes geschrieben.



Nur weil ein bestehender Standard fixiert wird bedeutet das ja noch lange nicht, dass daraufhin sofort jegliche Forschung in diese Richtung beendet wird. Entscheidend ist dabei, wie dieser Standard aussieht und was er genau vorschreibt, sprich ob er genügend Luft läßt für Verbesserungen. Aber da wir ja noch nicht wissen wie er aussieht, halte ich es für müßig, darüber zu spekulieren, wie gut oder schlecht er sein wird.

Zitat
Und darauf scheint es mir hinauszulaufen: Wenn sich Hersteller zusammentun und auf einen gemeinsamen Standard einigen, den sie auch jederzeit bei technischem Fortschritt wieder revidieren oder ganz fallenlassen können, dann ist das ja OK. Ärgerlich wird es nur, wenn der Staat sich einschaltet und alles dann die bürokratietypische Unbeweglichkeit bekommt.



Hm, nunja, die Frage ist, wo die bürokratietypische Unbeweglichkeit genau anfängt. Bei diesem Verfahren, dass laut Ihrem Focus-Link hier zur Anwendung kommt, entscheidet ja nicht die EU, wie der Standard aussieht, sondern der Branchenverband holt die Hersteller zusammen und die legen einen Standard fest. Die EU übernimmt dieses Ergebnis und verabschiedet das dann als Verordnung. Die Bürokratie ist da weitestgehend aussen vor.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

26.03.2010 18:23
#16 RE: Marginalie: Hansaplast und Sozialismus Antworten

Zitat von Hias
Bei diesem Verfahren, dass laut Ihrem Focus-Link hier zur Anwendung kommt, entscheidet ja nicht die EU, wie der Standard aussieht, sondern der Branchenverband holt die Hersteller zusammen und die legen einen Standard fest. Die EU übernimmt dieses Ergebnis und verabschiedet das dann als Verordnung. Die Bürokratie ist da weitestgehend aussen vor.

Ich fürchte nein. Denn, lieber Hias, die Unbeweglichkeit entsteht ja nicht durch das, was festgelegt wird, sondern durch den Umstand, daß etwas staatlich festgelegt wird. Gibt es erst einmal eine Verordnung, dann ist das so und bleibt das so. Jedenfalls bis zur nächsten Verordnung. Die gibt es natürlich, denn mit Verordnungen mästet sich die Bürokratie.

Nehmen Sie die Hundeverordnungen. Als Ergebnis einer öffentlichen Hysterie wurden vor ein paar Jahren überall alle nur denkbaren Verordnungen erlassen, was Wesensprüfung, Leinenpflicht, Maulkorbpflicht usw. angeht. Die Folge war, daß in der Stadt, in die wir eingemeindet sind, eine eigene Behörde entstand, die über jeden Hund im Stadtgebiet eine Akte angelegt hat. Der erhöhte Finanzbedarf der Gemeinde wurde seinerzeit u.a. damit begründet, daß dafür neue Mitarbeiter eingestellt werden mußten.

So wird es auch bei den Ladegeräten für Handys sein. Bürokratie hemmt nicht nur den technischen Fortschritt, was schlimm genug ist, sondern sie läßt uns Steuerzahler auch noch dafür bezahlen.

Herzlich, Zettel

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