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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 949 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

29.03.2010 12:09
Zitat des Tages: Demokratie in Venezuela Antworten

In Venezuela ist der Sozialismus des 21. Jahrhunderts inzwischen so weit fortgeschritten, daß jemand, der das Land als ein Drehkreuz des Drogenhandels bezeichnet, dafür verhaftet werden kann; mit der Aussicht auf bis zu 16 Jahren Gefängnis.

Man sollte sich in Deutschland keine Illusionen darüber machen, daß bei uns dieselben Zustände herrschen würden, wenn wir es jemals zuließen, daß die Partei "Die Linke" ihren Sozialismus des 21. Jahrhunderts in die Tat umsetzt. "DDR 2.0" wäre das vielleicht; "DDR light" wäre eine Verharmlosung.

vivendi Offline



Beiträge: 663

29.03.2010 17:53
#2 RE: Zitat des Tages: Demokratie in Venezuela Antworten

Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt: was erhoffen sich Lothar Bisky, Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und alle anderen Protagonisten von einer solchen Gesellschaftsform? Persönlich können sie doch gegenüber ihrer heutigen Situation nur verlieren. Ich weiss nicht, womit diese Herren ihr Leben verdienen, aber sie scheinen nicht in Armut zu leben. In einem sozialistischen Staat müssten sie eigentlich zurückstecken und ihren Reichtum an die Genossen verteilen - es sei denn, sie rechnen mit einem privilegierten Platz in der "Führungriege", dotiert mit Datschas am Schwarzen Meer und doppelten Lebensmittelrationen.
Dumm scheinen diese Menschen auch nicht zu sein, sie müssten eigentlich erkennen können, dass in der Vergangenheit und in der Gegenwart daran gescheitert sind, das Menschen in erster Linie Individualisten und nicht soziale Herdentiere sind. Sie müssten auch erkennen, dass ohne Gewaltanwendung und/oder Einschränkungen der Freiheit der Mensch nicht gewillt ist, im Gänsemarsch zu marschieren oder nach dem Hammel in den Abgrund zu springen.

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

29.03.2010 18:27
#3 RE: Zitat des Tages: Demokratie in Venezuela Antworten

Zitat von vivendi
Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt: was erhoffen sich Lothar Bisky, Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und alle anderen Protagonisten von einer solchen Gesellschaftsform?


In der Tat haben sie derzeit ein nettes Einkommen. Aber ansonsten nur das Ansehen von Pausenclowns.

Zitat
In einem sozialistischen Staat müssten sie eigentlich zurückstecken und ihren Reichtum an die Genossen verteilen ...


Aber nein. In so einem Staat wären natürlich wieder einige gleicher als andere, und Gysi und Co. würden sich natürlich die besten Anteile sichern.

Zitat
es sei denn, sie rechnen mit einem privilegierten Platz in der "Führungriege", dotiert mit Datschas am Schwarzen Meer und doppelten Lebensmittelrationen.


Genau damit rechnen sie.

Und noch schöner: Sie haben dann in Relation mit anderen Leuten mehr. Lafontaine mag in einer Luxusvilla wohnen - aber das tun eben auch diverse Manager, Unternehmer oder andere Gutverdiener. Im Sozialismus aber wären er und seine Genossen die einzigen an der Spitze der Wohlhabenden.

Und dann darf man nicht vergessen, was die Führungskader in der DDR an Macht und Privilegien hatten (Gysi hat das bestimmt nicht vergessen, er hat jahrelang davon profitiert).

Nur mal als kleines Beispiel: Wenn im Sozialismus ein Führungskader mit seiner Familie in ein Restaurant kommt, und alle Plätze sind besetzt - dann wird sofort der beste Tisch für ihn frei gemacht, ohne Rücksicht auf die dort schon sitzenden Normalbürger. Das kann heute kein Ackermann und keine Merkel durchsetzen, wenn sie vorher nicht normal reserviert haben, müssen sie wieder gehen.

Bibliothekar Offline




Beiträge: 109

29.03.2010 20:01
#4 RE: Zitat des Tages: Demokratie in Venezuela Antworten

Ich denke mal unsere heutige, satte und mit Privilegien uberdimensieoniert ausgestattete Politikerriege, will weit mehr als materiellen Segen. Sie möchte gestalten und dies zunehmend sogar nachhaltig.
Gibt es für einen Politiker, so er denn eine gewisse Position ergattert hat, etwas Schlimmeres, als sang- und klanglos seine politische Karriere zu beenden, ohne auch nur die geringste Zeile im "Geschichtsbuch" zu hinterlassen? Also müssen Gestaltungspläne her, die spektakulär genug sind um ins politische Blickfeld zu gelangen. Die Einen tun dies mit Katastrophenmeldungen, um sich im selben Atemzug als die einzigen Retter aus dieser unausweichlichen Situation zu bestimmen und Andere entwickeln halt Gesellschaftsysteme, die sie zwar nicht aufbauen können, aber über die man spricht oder noch besser pausenlos streitet. Somit sind beide Gruppen schon einmal in den Prophetenrang aufgerückt. In der heutigen Zeit allerdings ist der Hang der Politiker in den Prophetenrang aufzurücken besonders stark ausgeprägt, deshalb auch die große Anhäufung der virtuellen Katastrophen und der Gesellschaftssystempläne. Damit viele zum Zuge kommen können, in diesem seltsamen Spiel, hat man als einfache Maßnahme das verbale Wollen quasi zur schon Realität erhoben und dem Selbstfeiern der großen Erfolge die Tür aufgestoßen. Wenn ich dies für mich beachte, muß ich mich auch nicht vor dem neuen(?) Programm der "Linken" fürchten, auch wenn der Gedanke daran einen das Fürchten lehren kann.



Da dies mein erstes schriftliches Erscheinen in diesem wunderbaren Forum ist, das ich schon sehr lange lese, möchte ich wenigstens herzlich "Hallo" sagen und hoffen, daß man mich hier erduldet.

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 1.597

29.03.2010 20:07
#5 RE: Zitat des Tages: Demokratie in Venezuela Antworten

Sehe ich auch so: Nur in Bananenrepubliken wollen Politiker Geld; in der westlichen Welt streben sie nach Macht (welcher Mensch arbeitet sich in einer Partei nach oben, wenn er nicht machtgeil ist)?
Aus welchem Grund die Macht auch immer angestrebt wird: Man will anderen vielleicht seine Ideale aufzwingen, man will vielleicht auch nur in einem Geschichtsbuch stehen. In jedem Fall gefährliche Leute.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

29.03.2010 20:51
#6 RE: Zitat des Tages: Demokratie in Venezuela Antworten

Zitat von vivendi
Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt: was erhoffen sich Lothar Bisky, Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und alle anderen Protagonisten von einer solchen Gesellschaftsform?


Sie sind, glaube ich, Gläubige. Gläubige nach dem Prinzip creo quia absurdum.

Herzlich, Zettel

Korrektur: Da fehlte ein d: Credo quia absurdum, natürlich.

Calimero Offline




Beiträge: 3.280

29.03.2010 21:24
#7 RE: Zitat des Tages: Demokratie in Venezuela Antworten

Zitat von Zettel

Zitat von vivendi
Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt: was erhoffen sich Lothar Bisky, Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und alle anderen Protagonisten von einer solchen Gesellschaftsform?


Sie sind, glaube ich, Gläubige. Gläubige nach dem Prinzip creo quia absurdum.




Der gleiche Gedanke kam mir auch sofort nach Vivendis Kommentar. Diese Leute glauben daran, dass sie (gerade sie) es endlich besser machen werden als alle ihre Vorgänger. Man hört das hier sehr oft: "Also die Idee ist ja gut, aber sie wurde bisher immer schlecht umgesetzt."

Ich denke, dass das alle Gutmenschen und Linksgrünen antreibt ... gute Absichten haben sie, an das bisherige Versagen ebendieser glauben sie nicht. Man muss es doch auch besser hinkriegen können (und wir haben das Rezept).

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Wir sind alle gemacht aus Schwächen und Fehlern; darum sei erstes Naturgesetz, dass wir uns wechselseitig unsere Dummheiten verzeihen. - Voltaire

Lemmy Caution ( gelöscht )
Beiträge:

29.03.2010 22:03
#8 RE: Zitat des Tages: Demokratie in Venezuela Antworten

Nach der Verhaftung von Paz wurde dann noch der Globovision Manager Guillermo Zuluoga und den Abgeordneten Wilmer Azuaje verhaftet... Grund? Sie haben verschiedene Wahrheiten ausgesprochen.
Dafür haben die Venezuelaner diese Woche 3 Bonus-Feiertage spendiert bekommen. Man muß Strom sparen. Das BIP sinkt weiter. Die Inflation bleibt hoch.
In der Zwischenzeit wächst die Bevölkerung jährlich um 500.000 Einwohner. Netto.
In dem Land fehlen ja nur lächerliche 2.5 Mio Wohneinheiten.
Könnte ewig so weitermachen...
Wofür? Um der Welt nun in einer XXL Version zum 5. oder 6. mal zu zeigen, dass Latino Populismus einfach nur idiotisch ist?
Die guten Jahre sind eh vorbei. Die z.T. großartige, aber eben außenpolitisch oft unsägliche Lula da Silva Regierung wird dieses Jahr durch eine mitte-rechts Koalition abgelöst. Nächstes Jahr sind die Kirchners endgültig abgewählt. Der interne und externe Protest gegen die Castro-Diktatur wächst. Die 5 "schönen" Jahre 1995-99 des 70ties Retro-Revivals sind eh vorbei. Latinobarometro Umfragen zeigen, dass Herr Chávez in der Region selbst deutlich unbeliebter ist als bei unseren eigenen autochtonen aficionados.
Für die guten und nicht so guten Entwicklungen der Region wird Chávez immer mehr zu einer obskuren Randfigur.
Wie unsere "LINKE"

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

29.03.2010 23:13
#9 RE: Zitat des Tages: Demokratie in Venezuela Antworten

Zitat von Lemmy Caution
Die guten Jahre sind eh vorbei. Die z.T. großartige, aber eben außenpolitisch oft unsägliche Lula da Silva Regierung wird dieses Jahr durch eine mitte-rechts Koalition abgelöst. Nächstes Jahr sind die Kirchners endgültig abgewählt. Der interne und externe Protest gegen die Castro-Diktatur wächst. Die 5 "schönen" Jahre 1995-99 des 70ties Retro-Revivals sind eh vorbei. Latinobarometro Umfragen zeigen, dass Herr Chávez in der Region selbst deutlich unbeliebter ist als bei unseren eigenen autochtonen aficionados.


Mögen Ihre Prognosen sich bewahrheiten, lieber Lemmy Caution. Sie können das ja besser beurteilen als jemand wie ich aus der Ferne.

Was für mich bei Venezuela im Vordergrund steht, das ist die Parallele mit dem Aufbau des Sozialismus in Osteuropa nach 1945 einerseits und die Parallele mit dem Programmentwurf der Partei "Die Linke" andererseits.

Die Ziele sind dieselben wie nach 1945, aber die Methoden der Machtergreifung haben sich geändert. Ob Chávez bald scheitert, darüber scheinen wir beide ja a bisserl unterschiedliche Erwartungen zu haben. Soweit ich das beurteilen kann, sitzt er so fest im Sattel, daß jeder Versuch einer Konterrevolution scheitern würde. Und notfalls kann er ja immer noch die cubanischen Brüder zur Hilfe rufen.

Herzlich, Zettel

 Sprung  



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