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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 25 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

27.03.2010 17:31
Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Wieder einmal gibt der türkische Ministerpräsident Anlaß, über ein Thema zu schreiben, das in den kommenden Jahren zu einem zentralen Thema der deutschen Innenpolitik werden dürfte:

Sind die Nachfahren von türkischen Einwanderern Deutsche, so wie das in jedem Einwanderungsland der Welt analog der Fall ist? Oder setzt sich die Türkei mit ihrer Auffassung durch, daß es sich um Türken handelt, die sich in Deutschland angesiedelt haben ("Auslandstürken")?

Uwe Richard Offline



Beiträge: 1.240

27.03.2010 18:43
#2 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Herrn Erdoğan für eine seit vierzig Jahren verfehlte deutsche Politik verantwortlich zu machen, halte ich für verfehlt. Laut unserem Bundeskanzler Dr. Angela Merkel ist keinem Deutschen an einer Assimilation gelegen:

»In türkischen Zeitungen sprach sich die Kanzlerin eindeutig gegen eine Assimilationspolitik aus. „Niemand in Deutschland strebt eine Assimilation an“, sagte sie am Mittwoch der „Hürriyet“. „Ich bin dagegen, das deutsche Volk ist dagegen und auch die türkischstämmigen Menschen lehnen die Assimilation ab“, hob die Kanzlerin am Donnerstag im Gespräch mit der „Sabah“ erneut hervor.«, schrieb am 26. März 2010 das MIGAZIN, und ich habe keinen Grund an der Richtigkeit zu zweifeln.



Lieber Zettel, Sie entsinnen sich sicher des Links auf ein Video, den ich vor einiger Zeit setzte. In dem Video ging es um Vietnamesen (Asiaten allgemein), von denen Sie glauben, jedenfalls glaube ich dies Ihrer damaligen Antwort entnehmen zu können, dass diese sich assimilieren.

Die wenigsten Asiaten assimilieren sich (kulturell), sondern passen sich nur insoweit an, als sie nicht (negativ) sozial auffällig werden oder sind. Auch im klassischen Einwanderungsland USA bilden viele Ethnien Ghettos, in denen sie leben und viele Pennsylvania-Deutsche sprechen bis dato (nach 250 bis 300 Jahren also) von ihrer Wohnstub.


Es liegt ausschließlich an uns, den Deutschen, eine vernünftige Einwanderungspolitik, sowie eine vernünftige Politik überhaupt, zu betreiben. Die Eingewanderten, oder irgendwelche Staatschefs, die hier „null komma nichts“ zu sagen haben, sind für unsere Politik nicht verantwortlich zu machen.

Mit freundlichem Gruß
Uwe Richard

EDIT: Wir müssen lernen zu sagen, wo's lang geht.

--

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

27.03.2010 20:45
#3 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Zitat von Uwe Richard
Herrn Erdoğan für eine seit vierzig Jahren verfehlte deutsche Politik verantwortlich zu machen, halte ich für verfehlt. Laut unserem Bundeskanzler Dr. Angela Merkel ist keinem Deutschen an einer Assimilation gelegen:
»In türkischen Zeitungen sprach sich die Kanzlerin eindeutig gegen eine Assimilationspolitik aus. „Niemand in Deutschland strebt eine Assimilation an“, sagte sie am Mittwoch der „Hürriyet“. „Ich bin dagegen, das deutsche Volk ist dagegen und auch die türkischstämmigen Menschen lehnen die Assimilation ab“, hob die Kanzlerin am Donnerstag im Gespräch mit der „Sabah“ erneut hervor.«, schrieb am 26. März 2010 das MIGAZIN, und ich habe keinen Grund an der Richtigkeit zu zweifeln.


Sie wissen ja, lieber Uwe Richard, daß ich, wenn irgend möglich, versuche, solche Zitate zu verifizieren. Dieses bringt, soweit ich herausfinde, keine einzige Agentur, und keine einzige mir als seriös bekannte Quelle zitiert das.

Ich will damit nicht behaupten, daß das Zitat nicht stimmt. Ich wundere mich nur über Formulierungen wie "das deutsche Volk" und "niemand in Deutschland". Das "niemand" ist nachweislich falsch, denn ich zum Beispiel strebe eine Assimilation der Deutschen türkischer Herkunft an.

Also, da würde ich gern sehen, was die Kanzlerin im Original gesagt hat. Wenn etwas ins Türkische und dann wieder zurück ins Deutsche übersetzt wurde, dann kann sich ja manches ändern.

Klassisches Beispiel: Ein Übersetzungspgroramm soll "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach" ins Türkische übersetzen. Es tut das. Dann gibt man die Übersetzung ein, damit das Programm sie ins Deutsche zurückübersetzt. Ergebnis: "Der Schnaps ist genießbar, aber das Steak schmeckt nicht".

Herzlich, Zettel

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

27.03.2010 21:34
#4 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Zitat von Zettel
Sie wissen ja, lieber Uwe Richard, daß ich, wenn irgend möglich, versuche, solche Zitate zu verifizieren. Dieses bringt, soweit ich herausfinde, keine einzige Agentur, und keine einzige mir als seriös bekannte Quelle zitiert das.


Ich habe jetzt auch in der englischsprachigen Ausgabe von Hürryet nachgesehen. Dort gab es gestern einen längeren Artikel zu Merkels Türkei-Besuch. Dort finden sich diverse Zitate von Merkel; aber nicht das von MIGAZIN angegebene.

Kallias Offline




Beiträge: 2.278

27.03.2010 21:37
#5 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Zitat von Zettel
Klassisches Beispiel: Ein Übersetzungspgroramm soll "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach" ins Türkische übersetzen. Es tut das. Dann gibt man die Übersetzung ein, damit das Programm sie ins Deutsche zurückübersetzt. Ergebnis: "Der Schnaps ist genießbar, aber das Steak schmeckt nicht".

Was ein wesentlich sinnvollerer Satz ist. Die Türken sind doch ganz anders bodenständig als diese abstrakten Griechen.

Merkels Spruch ins Türkische und zurück lautet übrigens nach Dr. Google:

"Niemand in Deutschland hat versucht, sich zu assimilieren", sagte er, "Freiheit". "Ich bin dagegen, gegen das deutsche Volk und die Assimilation des türkischen Volkes zu widersetzen"

So was kommt raus, wenn der Schnaps schmeckt und man das Steak dazu nicht ißt.

Zechkumpan Prof. Worldlingo bringt Folgendes zustande:

„Niemand arbeitet in Deutschland, gesagt in einer Aussage, sagen in der „ein asimilasyondan besagter Mittwoch und fügt, „das Hurriyet“ hinzu. „Ich bin gegen es, gegen die deutschen Leute, Leute im dünnen asimilasyondan türkischstämmigen“ auf diesem

Au weia. Gefährliches Zeugs, dieser türkische Schnaps.


Kallias

Uwe Richard Offline



Beiträge: 1.240

27.03.2010 22:15
#6 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Zitat von Zettel
Ich habe jetzt auch in der englischsprachigen Ausgabe von Hürryet nachgesehen. Dort gab es gestern einen längeren Artikel zu Merkels Türkei-Besuch. Dort finden sich diverse Zitate von Merkel; aber nicht das von MIGAZIN angegebene.


Lügt die HÜRRIYET, lügt das MIGAZIN, oder ...
Da steh' ich nun, ich armer Tor, es grüßt ...

Ihr Uwe Richard ... wie zuvor.

--

Uwe Richard Offline



Beiträge: 1.240

27.03.2010 22:42
#7 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen, Ergänzung Antworten

Soeben habe ich beim MIGAZIN nachgehakt, indem ich folgendes fragte:

<zitat>
„Niemand in Deutschland strebt eine Assimilation an“, sagte sie am Mittwoch der „Hürriyet“. „Ich bin dagegen, das deutsche Volk ist dagegen und auch die türkischstämmigen Menschen lehnen die Assimilation ab“, hob die Kanzlerin am Donnerstag im Gespräch mit der „Sabah“ erneut hervor.

Sehr verehrte Redaktion,
können Sie oben genannte Zitate der Kanzlerin belegen. Zum Beispiel mit einer online verfügbaren Quelle, denn die englischsprachige Hürriyet bringt nichts dergleichen; eine PNG- oder GIF-Grafik täte es aber auch. Meine Email-Adresse haben Sie ja.

Mit freundlichem Gruß
Uwe Richard
</zitat>

Jetzt kann ich nur noch warten, ob eine sinnvolle Antwort eintrifft. Ich bin echt gespannt.


Uwe Richard

--

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Zettel Offline




Beiträge: 20.200

27.03.2010 23:59
#8 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen, Ergänzung Antworten

Zitat von Uwe Richard
Soeben habe ich beim MIGAZIN nachgehakt, indem ich folgendes fragte:
<zitat>
„Niemand in Deutschland strebt eine Assimilation an“, sagte sie am Mittwoch der „Hürriyet“. „Ich bin dagegen, das deutsche Volk ist dagegen und auch die türkischstämmigen Menschen lehnen die Assimilation ab“, hob die Kanzlerin am Donnerstag im Gespräch mit der „Sabah“ erneut hervor.
Sehr verehrte Redaktion,
können Sie oben genannte Zitate der Kanzlerin belegen. Zum Beispiel mit einer online verfügbaren Quelle, denn die englischsprachige Hürriyet bringt nichts dergleichen; eine PNG- oder GIF-Grafik täte es aber auch. Meine Email-Adresse haben Sie ja.
Mit freundlichem Gruß
Uwe Richard
</zitat>
Jetzt kann ich nur noch warten, ob eine sinnvolle Antwort eintrifft. Ich bin echt gespannt.
Uwe Richard


Ausgezeichnet, und danke! Ich bin auch gespannt. Vor allem, weil es hier wirklich auf den Kontext und die genaue Wortwahl ankommt.

Hätte beispielsweise - ich schreibe das jetzt rein hypothetisch - ein Interviewer die Kanzlerin gefragt "Sind Sie für eine Assimilation von Türken auch gegen ihren Willen?", dann bekäme ihre Aussage einen ganz anderen Sinn. Oder dann, wenn die Kanzlerin "zwangsweise Assimilation" oder dergleichen gesagt hätte und das durch die Hin- und Herübersetzung auf "Assimilation" verkürzt worden wäre.

Es ist in diesem Zusammenhang wichtig, daß das Verb "assimilieren" sowohl transitiv als auch reflexiv sein kann: Man kann jemanden assimilieren und man kann sich assimilieren. Wer will, daß die Einwanderer sich assimilieren, will damit nicht sie assimilieren in dem Sinn, daß man sie zur Assimilation drängen oder gar zwingen wollte. Vielmehr muß Deutschland - das jedenfalls ist meine Meinung - wie jedes Einwanderungsland günstige Bedingungen und Anreize für die Assimilation schaffen.

Herzlich, Zettel

Hajo Offline



Beiträge: 440

28.03.2010 12:54
#9 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Und wenn wir bis auf weiteres davon ausgehen, daß dieses Zitat, von in Kreisen der Union unüblichen Formulierungen wie "deutsches Volk" abgesehen, inhaltlich korrekt ist?

Inger Offline



Beiträge: 296

28.03.2010 13:52
#10 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen, Ergänzung Antworten

In der Tat wünsche ich auch keine Assimilation, ob Türke oder nicht.
Aber eine Intergration ist doch nicht zu viel verlangt: Erlernen der deutschen Sprache und Anerkennung der deutschen Verfassung.
Oder wollen wir schon ganz "tolerant" sein und alle hier ´rumhocken lassen?
Gruß,
Inger

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

28.03.2010 14:24
#11 Was ist Assimilation? Antworten

Zitat von Inger
In der Tat wünsche ich auch keine Assimilation, ob Türke oder nicht.


Warum nicht, liebe Inger? In jedem Einwanderungsland findet eine Assimilation der Einwanderer statt; meist auch verbunden mit der Übernahme von Elementen von deren Kultur in die Mehrheitskultur.

Hier ist die Definition aus der internationalen Wikipedia (der Artikel in der deutschen ist wieder einmal kaum brauchbar) mit meiner Übersetzung:

Zitat von Artikel 'cultural assimilation'
Cultural assimilation is a political response to the demographic fact of multi-ethnicity which encourages absorption of the minority into the dominant culture. It is opposed to affirmative philosophy (for example, multiculturalism) which recognizes and seeks to maintain differences.

The term assimilation is often used with regard to immigrants to a new land, such as the various ethnic groups who have settled in the United States. New customs and attitudes are acquired through contact and communication. The transfer of customs is not simply a one-way process. Each group of immigrants contributes some of its own cultural traits to its new society. Assimilation usually involves a gradual change and takes place in varying degrees; full assimilation occurs when new members of a society become indistinguishable from older members.

Kulturelle Assimilation ist eine politische Antwort auf das demographische Faktum der Multi-Ethnizität, welche die Aufnahme der Minderheit in die Leitkultur befürwortet. Sie bildet den Gegensatz zu einer affirmativen Philosophie (zum Beispiel Multikulturalismus), welche die Unterschiede anerkennt und sie aufrecht zu erhalten sucht.

Der Begriff der Assimilation wird oft in Bezug auf Einwanderer in ein neues Land verwendet, beispielsweise die verschiedenen ethnischen Gruppen, die sich in den USA ansiedeln. Neue Sitten und Einstellungen werden durch Kontakt und Kommunikation erworben. Die Übertragung von Sitten ist nicht einfach ein einseitiger Prozeß. Jede Gruppe von Einwanderern trägt etwas von ihren eigenen kulturellen Merkmalen zu ihrer neuen Gesellschaft bei. Die Assimilation stellt im allgemeinen eine allmähliche Änderung dar und findet in unterschiedlichem Ausmaß statt; eine vollständige Assimilation tritt ein, wenn die neuen Mitglieder einer Gesellschaft von den alten nicht mehr unterscheidbar sind.


Gegen Assimilation in diesem Sinn können eigentlich nur unbelehrbare Multikultis sein, die es auf eine Desintegration unserer Gesellschaft und auf die Auflösung unserer Kultur abgesehen haben.

Herzlich, Zettel

Uwe Richard Offline



Beiträge: 1.240

29.03.2010 08:07
#12 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen, Ergänzung Antworten

Zitat von Zettel

Zitat von Uwe Richard
Soeben habe ich beim MIGAZIN nachgehakt ... Jetzt kann ich nur noch warten, ob eine sinnvolle Antwort eintrifft. Ich bin echt gespannt.
Uwe Richard

Ich bin auch gespannt. Vor allem, weil es hier wirklich auf den Kontext und die genaue Wortwahl ankommt.



Das MIGAZIN hat mich gestern (Sonntag, den 28.03.) kontaktiert und um es kurz zu machen, es ist die Quellenangabe schuldig geblieben. Ein Herr Senol hat mir geantwortet, indem er der Email folgende Grafik angehängt hat, die ich Ihnen nicht vorenthalten will (siehe angehängte PNG-Grafik, Achtung: 612,6 KB KB groß).

Der Text rechts unten in der Grafik hat mit dem im MIGAZIN veröffentlichten Zitat genau gar nichts zu tun. Deshalb habe ich mich gestern am frühen Abend mit einem türkischen Freund verabredet, und wir sind zur Sicherheit noch einmal alle Veröffentlichungen der deutschen Hürriyet durchgegangen – Ergebnis: Ebenfalls Fehlanzeige.

Sie hatten also recht; die der Kanzlerin zugeschriebenen Worte sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie von ihr gesagt worden.


Uwe Richard

--

Angefügte Bilder:
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Hajo Offline



Beiträge: 440

29.03.2010 08:51
#13 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen, Ergänzung Antworten

Die FAZ, nicht gerade dafür bekannt wilde Stories aufzumachen, hat Frau Merkel gestern mit folgenden Worten zitiert.

Zitat
„Wir reden auch mit dem Ministerpräsidenten Erdogan sehr häufig über die Integration der bei uns lebenden türkischstämmigen Frauen und Männer, genauso wie der Jugendlichen. Dabei sagen wir ganz deutlich, wir verstehen darunter nicht etwa Assimilation, oder die Aufgabe der eigenen Heimat. Sondern wir wollen, dass Menschen, die über viele Generationen bei uns leben, sich in dieses Land integrieren, das heißt teilhaben an dem gesellschaftlichen Erfolg, teilhaben im Arbeitsleben, teilhaben im Familienleben. Das bedeutet natürlich, dass die deutsche Sprache erlernt wird und die deutschen Gesetze eingehalten werden“

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

29.03.2010 09:12
#14 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen, Ergänzung Antworten

Zitat von Uwe Richard
Das MIGAZIN hat mich gestern (Sonntag, den 28.03.) kontaktiert und um es kurz zu machen, es ist die Quellenangabe schuldig geblieben. Ein Herr Senol hat mir geantwortet, indem er der Email folgende Grafik angehängt hat, die ich Ihnen nicht vorenthalten will (siehe angehängte PNG-Grafik, Achtung: 612,6 KB KB groß).
Der Text rechts unten in der Grafik hat mit dem im MIGAZIN veröffentlichten Zitat genau gar nichts zu tun. Deshalb habe ich mich gestern am frühen Abend mit einem türkischen Freund verabredet, und wir sind zur Sicherheit noch einmal alle Veröffentlichungen der deutschen Hürriyet durchgegangen – Ergebnis: Ebenfalls Fehlanzeige.


Vielen Dank für diese gründliche Recherche!

Herzlich, Zettel

Inger Offline



Beiträge: 296

29.03.2010 10:19
#15 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen, Ergänzung Antworten

Lieber Hajo,
in unserer (ländlichen) Tageszeitung steht das heute ebenso.
Frau Merkel hat also nichts von Assimilation gesprochen, sondern von Integration und wird deshalb angefeindet. Ich finde das unerträglich. Erdogan scheint am Meckerstrang gegen Merkel zu ziehen.
Gruß,
Inger
Lieber Zettel, danke für das Zitat und die Übersetzung, aber ich bleibe bei meiner Ansicht. Es ist ja schon mit dem "leichteren" Begriff Integration schwer genug.
Grüßchen

Ungelt ( gelöscht )
Beiträge:

29.03.2010 10:21
#16 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Danke für diesen Artikel, dem ich nur zustimmen kann.

Daß für den eingetretenen Zustand nicht Erdogan verantwortlich zu machen ist, wie Uwe Richard anmerkt, ist natürlich richtig. Ich sehe aber nicht, daß im Artikel etwas Anderes behauptet würde, Erdogan vertritt ja nur die Interessen seines Landes, so wie er es eben für richtig hält. Damit muß doch gerechnet werden. Die Schuld ist bei Politikern zu suchen, die ohne Not diese Entwicklung entweder zugelassen, oder sogar befördert haben. Die nicht in der Lage oder willens waren und sind, die Interessen des eigenen Landes zu vertreten. In der naiven Vorstellung, sie erlebten gerade das "Ende der Geschichte" und endlich werden "alle Menschen Brüder". Eine art Größenwahn, kombiniert mit der Unfähigkeit, unangenehme Wahrheiten auszusprechen, und sich notfalls auch gegen den Zeitgeist zu stellen. Dem einzigen egoistischen Wunsch verpflichtet, als gute Menschen in die Geschichte einzugehen. Das wird ihnen die Geschichte nicht vorenthalten, sie werden wohl als "Gutmenschen" für immer ihren Platz erhalten. Etwas bitter, das Ganze.

Richard Wagner hat gestern für die Achse des Guten ebenfalls einen sehr lesenswerten Artikel zu diesem Thema geschrieben.

Herzlich, Ungelt

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

29.03.2010 13:37
#17 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Zitat von Ungelt
Die Schuld ist bei Politikern zu suchen, die ohne Not diese Entwicklung entweder zugelassen, oder sogar befördert haben. Die nicht in der Lage oder willens waren und sind, die Interessen des eigenen Landes zu vertreten. In der naiven Vorstellung, sie erlebten gerade das "Ende der Geschichte" und endlich werden "alle Menschen Brüder". Eine art Größenwahn, kombiniert mit der Unfähigkeit, unangenehme Wahrheiten auszusprechen, und sich notfalls auch gegen den Zeitgeist zu stellen. Dem einzigen egoistischen Wunsch verpflichtet, als gute Menschen in die Geschichte einzugehen. Das wird ihnen die Geschichte nicht vorenthalten, sie werden wohl als "Gutmenschen" für immer ihren Platz erhalten.


Ja, so ist es leider. Wozu ich ergänzen möchte, daß es ja nicht nur Politiker sind. Diese naive Vorstellung wird von Journalisten und Geistlichen, von Lehrern Künstlern aller Art verbreitet; nicht zuletzt von den Professoren, von denen es ja viele auf der Uni gelernt haben.

Es ist halt das, was man "linksliberal" nennt. Menschen, denen es materiell gut geht, die persönliche Freiheit genießen, wollen, daß es allen so gut geht. Sie genießen die Rolle des Volkserziehers, und sie profitieren ja auch persönlich davon.

Zu wollen, daß es allen gut geht, ist ja auch schön; ich will das auch. Aber sie glauben, sie könnten das mit denselben Mitteln erreichen, mit denen sie bei ihren Schülern und Kollegen Erfolg haben: Durch Reden; durch gutes Zureden. Dann werden die anderen schon genauso gut und so linksliberal werden wie sie selbst. Nur wollen die anderen das nicht.

Kürzlich hatte Broder im "Spiegel" einen Artikel, in dem er einen Journalistenkollegen zitiert. Sinngemäß: Was wäre unsere Toleranz wert, wenn sie nicht auch für Intolerante gelten würde?

Die Intoleranten bedanken sich freundlich und verbreiten, dadurch gestärkt, weiter ihre Intoleranz. Ich stimme Ihnen ganz zu, lieber Ungelt: Daß Erdogan das Türkentum verbreiten will, kann man ihm nicht verdenken. Er ist halt ein Nationalist. Er will auch allein deshalb in die EU, weil er sich davon eine Stärkung der Macht der Türkei verspricht. Schuldig sind diejenigen, die das nicht wahrhaben wollen und ihm dabei auch noch helfen.

Herzlich, Zettel

Eloman Offline



Beiträge: 215

29.03.2010 13:48
#18 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Obwohl ich für Erdogan und sein Gerede nichts übrig habe sollte man vielleicht am Rande erwähnen, daß es seit über 40 Jahren griechische Gymnasien (z.B. hier in Düsseldorf) in Deutschland gibt, in denen der Unterricht überwiegend auf Griechisch abgehalten wird.

Calimero Offline




Beiträge: 3.280

29.03.2010 14:29
#19 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Zitat von Uwe Richard

EDIT: Wir müssen lernen zu sagen, wo's lang geht.



Lieber Herr Erdogan, wir schließen jetzt die Tür. Eins noch: "Heul doch!"

http://www.welt.de/politik/ausland/artic...uerkei-vor.html

Oh, Herr Özdemir fühlt sich hier auch nicht mehr wohl, ob sie den wohl mitnehmen könnten?

http://www.welt.de/die-welt/politik/arti...sch-lernen.html



Also langsam packt mich die kalte Wut. Was bilden sich diese Leute eigentlich ein? Sind wir der Türkei irgendwie tributpflichtig, oder was?

----------------------------------------------------
Wir sind alle gemacht aus Schwächen und Fehlern; darum sei erstes Naturgesetz, dass wir uns wechselseitig unsere Dummheiten verzeihen. - Voltaire

Inger Offline



Beiträge: 296

29.03.2010 15:02
#20 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Hi Calimero,
"Wir sind keine Exklave der Türkei" habe ich in dem Artikel gelesen. So langsam gibt es auch andere Stimmen, als die von "Gutmenschen", denn: gut gemeint ist noch nicht gutgemacht.
Özdemir kannst Du hier lassen, sonst steht nur Claudia vorn (und die ist Ehrentürkin)
Grüßchen,
Inger

Hajo Offline



Beiträge: 440

29.03.2010 17:04
#21 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Zitat von Zettel
Was wäre unsere Toleranz wert, wenn sie nicht auch für Intolerante gelten würde?



Die Frage stellt sich, jedenfalls wenn man es ernst meint, doch gar nicht. Wenn man davon ausgeht, daß Toleranz ein Prinzip ist, dann steht es überhaupt nicht zur Debatte, ob man gegen Intolerante als Toleranter Toleranz übt. Dann muß man so handeln. Wer als Toleranter nur Toleranz gegenüber gleichartigen, also ebenfalls Toleranten übt, während er gegenüber Intoleranten intolerant ist, ist genau so intolerant, wie ein Intoleranter, der auch nur gegenüber anderen Intoleranten Toleranz üben möchte. Man toleriert hüben wie drüben nur den, der die eigenen Einstellungen teilt, was überhaupt keine Toleranz ist.

Toleranz ist, genau wie übrigens auch Rede- und andere Grundfreiheiten, aber ganz dringend prinzipiell zu betrachten, denn, und das sehen sie ja auch so, um gegenüber Leuten tolerant zu sein, die genau so denken wie, brauche ich nicht tolerant zu sein. Ebenso braucht es keine Redefreiheit, wenn man sie nur solchen zugestehen möchte, die sie nicht brauchen.

Toleranz ist für mich, aus o.g. Überlegungen heraus, ein Synonym für Heuchelei geworden. Die, die sich heute Tolerant nennen, sind es nicht. Sie stehen auch ebenso wenig für die Grundrechte.

Die Folge daraus ist, daß man gewisse Meinungen einfach nicht tolerieren braucht. Man kann auch nicht alles tolerieren. Das ist i.O., wenn man es so handhabt. Man soll dann nur bitte ehrlich sein und sich nicht mit dem zweifelhaften Lob der Toleranz schmücken.

Uwe Richard Offline



Beiträge: 1.240

29.03.2010 17:22
#22 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Zitat von Hajo
... ob man gegen Intolerante als Toleranter Toleranz übt ... als Toleranter nur Toleranz gegenüber ... Toleranten übt, während er gegenüber Intoleranten intolerant ist, ist ... intolerant, wie ein Intoleranter, ... gegenüber anderen Intoleranten Toleranz üben möchte.


Und im liberalen Sinne ist liberal nicht nur liberal!

Uwe Richard



P.S. Für diesen herrlichen Satz haben Sie meine ungeteilte Bewunderung. Das meine ich jetzt gänzlich ohne Ironie. Dass Sie sich dabei nicht verhaspelt haben, alle Achtung!

--

Uwe Richard Offline



Beiträge: 1.240

29.03.2010 17:34
#23 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Zitat von Ungelt
Danke für diesen Artikel, dem ich nur zustimmen kann.
Daß für den eingetretenen Zustand nicht Erdogan verantwortlich zu machen ist, wie Uwe Richard anmerkt, ist natürlich richtig. Ich sehe aber nicht, daß im Artikel etwas Anderes behauptet würde

(Hervorhebung von mir)

Sie haben natürlich recht. Das ist mir auch, aber erst einige Zeit nach Absenden meines Beitrags aufgefallen.
In der Regel benötige ich etwas mehr Zeit (als andere), um einen Beitrag abzufassen; doch manchmal tippe ich schneller, als ich zu denken imstande bin.

Uwe Richard

--

Ungelt ( gelöscht )
Beiträge:

29.03.2010 19:17
#24 RE: Zitat des Tages: Erdogans Untertanen Antworten

Zitat von Zettel
Ja, so ist es leider. Wozu ich ergänzen möchte, daß es ja nicht nur Politiker sind. Diese naive Vorstellung wird von Journalisten und Geistlichen, von Lehrern Künstlern aller Art verbreitet; nicht zuletzt von den Professoren, von denen es ja viele auf der Uni gelernt haben.

Ja sie haben natürlich recht, die haben alle für das entsprechende gesellschaftliche Klima gesorgt. Ich habe hier nur die Politik erwähnt, weil diese letztlich die Verantwortung dafür getragen hat und noch trägt. Die Anderen können sich darauf berufen, nur ihre Meinung kundgetan zu haben. Sie sollten aber, wenn sie zu diesen Multiplikatoren gehörten, spätestens jetzt, da die Folgen dieses Denkfehlers offenkundig werden, öffentlich bekennen, daß sie sich geirrt haben. Das wäre doch das Mindeste, was sie der Gesellschaft schuldig wären.

Zitat von Zettel
Kürzlich hatte Broder im "Spiegel" einen Artikel, in dem er einen Journalistenkollegen zitiert. Sinngemäß: Was wäre unsere Toleranz wert, wenn sie nicht auch für Intolerante gelten würde?

Thomas Steinfeld schreibt es in der SZ in seinem Artikel, in dem er Broder und die von mir ebenfalls verehrte Frau Kelek als "Unsere Hassprediger" tituliert.

Zitat von Thomas Steinfeld in der SZ
Wenn man aber mit den "westlichen Werten" ebenso kämpferisch umgeht, wie es der radikale Islam mit seinen heiligen Schriften tut, dann verhält man sich wie der, den man sich zum Feind erkoren hat. Und schlimmer noch: Man zerstört die sozialen und moralischen Einrichtungen, die man zu verteidigen vorgibt. Das liegt an der Dialektik dieser "Werte": Wer auf Toleranz beharrt, für den kann die Toleranz nicht aufhören, wenn ein anderer nicht tolerant sein will.

Die Hervorhebung ist von mir

Herr Steinfeld gehört offenbar zu denen, die es noch immer nicht begriffen haben. Zu denen, die bereit sind, unsere über Jahrhunderte und mit unzähligen Opfern erkämpfte Freiheit zu opfern, nur um die eigene moralische Aura und die eigene Unfehlbarkeit nicht anzukratzen. Ausbaden müssen es natürlich die Anderen. Das nenne ich doch Moral!

Herzlich, Ungelt

PS: Den Hinweis auf dieses Zitat verdanke ich Kewil, der es in seiner eigenen "unflätigen" Art hier zur Sprache bringt. (Vorsicht, nichts für zartbesaitete Seelen! ;-)

Uwe Richard Offline



Beiträge: 1.240

29.03.2010 20:59
#25 Frau Dr. Merkel scheint ... Antworten

Herrn Erdoǧans Charme erlegen zu sein, wie ich einer süddeutschen Journaille entnehmen kann.

Jetzt doch etwas ratlos
Uwe Richard

--

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