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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 11 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

12.10.2010 11:35
Marginalie: Blut für Öl? Antworten

Eine kleine Erinnerung daran, was in den Augen Vieler in Deutschland das Motiv für den Irakkrieg gewesen war; und einige Informationen darüber, warum das grundfalsch war.

Abendlaender Offline




Beiträge: 103

12.10.2010 13:39
#2 RE: Marginalie: Blut für Öl? Antworten

Genau. Und nicht nur hat "Blut für Öl" sich als falsche Unterstellung erwiesen, auch seine semantisch-propagandistische Umkehrung als "Öl für Lebensmittel" hat sich als Schönrednerei für einen der größten Bestechungsskandale (FAZ vom 27. Oktober 2005) aller Zeiten entpuppt.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

12.10.2010 15:27
#3 RE: Marginalie: Blut für Öl? Antworten

Zitat von Abendlaender
Genau. Und nicht nur hat "Blut für Öl" sich als falsche Unterstellung erwiesen, auch seine semantisch-propagandistische Umkehrung als "Öl für Lebensmittel" hat sich als Schönrednerei für einen der größten Bestechungsskandale (FAZ vom 27. Oktober 2005) aller Zeiten entpuppt.

Das war mir entgangen (oder ich erinnere mich nicht mehr daran); danke für den Hinweis.

Tja, aber das war ja untere den Auspizien der UN, und die Hauptschuldigen waren Firmen aus Rußland, dem Nahen Osten, Frankreich. Wäre eine Korruption nur annähernd dieses Ausmaßes den USA nachgewiesen worden - wir wüßten es alle und hätten es gewiß nicht vergessen, so ausführlich wäre darüber berichtet worden.

Das Schlimme an solchen Legenden oder böswilligen Unterstellungen wie "Blut für Öl" ist, daß sie aufgenommen und geglaubt werden, wenn das Ereignis aktuell ist. Widerlegt werden sie aber meist erst viel später, wenn kaum noch jemand sich für sie interessiert.

Herzlich, Zettel

Jorad Offline



Beiträge: 45

12.10.2010 18:52
#4 RE: Marginalie: Blut für Öl? Antworten

Was laut vielen das Motiv 'gewesen war'?
Das ist noch immer eine beliebte Erklärung unter großen Teilen der Bevölkerung.

In den Irak ist man für das Öl einmarschiert - oder auch weil sich Bush 'rächen' wollte; und nach Afghanistan wegen der Bodenschätze dort.
Denken wie im 19.Jahrhundert. Wenn es etwas durchdachter wird, dann hat man Krieg angefangen damit sich die Rüstungsunternehmen auf Kosten der Bürger eine goldene Nase verdienen können.
Dazu nimmt man immer die absoluten Obergrenzen von Schätzwerten zu Operzahlen die man finden kann und schon muss man entweder dumm oder böse sein wenn man nicht 100% dagegen ist.

Florian Offline



Beiträge: 3.111

12.10.2010 19:06
#5 RE: Marginalie: Blut für Öl? Antworten

Ich habe ohnehin nie begriffen, wie Bush, Cheney&Co. da persönlich profitieren sollten.

Ok, nehmen wir mal an, es würde stimmen und Bush ist irgendwie mit texanischen Öl-Unternehmen verbandelt.

Im Interesse texanischer Öl-Unternehmen wäre doch eigentlich gewesen, einen möglichst HOHEN Öl-Preis zu haben.
(Sie besitzen Öl-Vorräte. Je höher der Öl-Preis, desto höher der Wert ihrer Aktiva).
Wenn nun zusätzliches irakisches Öl auf den Markt kommt, sinkt aber doch der Ölpreis.
Welches Interesse sollte "die Öl-Lobby" daran haben?

john j Offline




Beiträge: 591

13.10.2010 00:24
#6 RE: Marginalie: Blut für Öl? Antworten

"John" Cheney?

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

13.10.2010 00:29
#7 RE: Marginalie: Blut für Öl? Antworten

Zitat von john j
"John" Cheney?

Ja, aber so dürfen ihn nur seine engsten Freunde nennen.

Danke, hab's korrigiert.

Herzlich, Zettel

john j Offline




Beiträge: 591

13.10.2010 01:05
#8 RE: Marginalie: Blut für Öl? Antworten

@ Florian

Natuerlich liegt es im Interesse der Oelfirmen einen hohen Oelpreis zu haben. Allerdings liegt es nicht in ihrem Interesse einen "zu hohen" Oelpreis zu haben. Denn das bringt unerwuenschte Effekte wie neue, bislang unrentable Konkurrenz (Nordsee oder Oelsande sind ein gutes Beispiel hierfuer), oder ebenfalls bislang unrentable Alternativen wie renewable resources; und Stabilitaet ist den Oelfirmen viel wichtiger als Preisspruenge, selbst wenn sie nach oben gehen. Als der Preis pro barrel auf $150 stieg war das fuer die Oelindustrie eher eine Warnung als ein gutes Zeichen. Oelfirmen (die privaten jedenfalls) bevorzugen idR ein stabiles Preisband zwischen $60 und $90/barrel.

Viel wichtiger ist allerdings die market capitalization der individuellen Oelfirma. Und die haengt im Grunde nur von einem Faktor ab: proven reserves - und daraus abgeleitet natuerlich daily production und/oder flow rate. Wer sich gesicherte und leicht (billig) zu erschliessende Vorkommen sichern kann dessen Marktwert an der Boerse steigt. Egal ob der Oelpreis kurz- oder mittelfristig steigt oder faellt - denn die globale Nachfrage nach Oel und Gas wird in der Zukunft aller Voraussicht nach steigen. Das heisst nicht der momentane Oelpreis bestimmt den Wert der Firma sondern die langfristige Faehigkeit zur gesicherten und billigen (was die lifting cost/barrel betrifft) Produktion. Natuerlich treibt ein hoher Oelpreis kurzfristig den Wert der Firma ebenfalls nach oben weil ihre in der Foerderung befindlichen Reserven hoeher bewertet werden; allerdings handelt es sich hier idR um kurzfristige Effekte.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

14.10.2010 01:52
#9 RE: Marginalie: Blut für Öl? Antworten

Zitat von john j
Natuerlich liegt es im Interesse der Oelfirmen einen hohen Oelpreis zu haben. Allerdings liegt es nicht in ihrem Interesse einen "zu hohen" Oelpreis zu haben. Denn das bringt unerwuenschte Effekte wie neue, bislang unrentable Konkurrenz (Nordsee oder Oelsande sind ein gutes Beispiel hierfuer), oder ebenfalls bislang unrentable Alternativen wie renewable resources; und Stabilitaet ist den Oelfirmen viel wichtiger als Preisspruenge, selbst wenn sie nach oben gehen.


Danke für diese und die weiteren interessanten Informationen!

Aber kann man von dort einen Zusammenhang zu der Behauptung herstellen, Bush und John ... er ... Dick Cheney hätten persönlich von einer Invasion des Irak und der Kontrolle über die dortige Ölindustrie profitieren können? Ich sehe das nicht.

Eine etwas intelligentere Version dieses Arguments lautet, die USA hätten ihre Ölversorgung sicherstellen wollen, indem sie sich die Kontrolle über die irakischen Ölfelder verschafften. Dann hätten sie doch aber sofort nach dem Sieg alle Anstrengungen machen müssen, diese auch tatsächlich unter ihre Kontrolle zu bekommen. Das wurde aber zu keinem Zeitpunkt versucht.

Selten wurde so viel gelogen, lieber John, wie im Zusammenhang mit dem Irakkrieg. Und zwar nicht von George W.Bush, dem man das agitatorisch unterstellt hat, sondern von den Gegnern dieses Kriegs.

Beginnend schon in dessen Vorfeld, als sich französische und deutsche Diplomaten angeblich verzweifelt bemühten, den Krieg doch noch zu verhindern, obwohl es ihnen nur darum ging, die USA in eine Lage zu bringen, in der man ihnen vorwerfen konnte, ohne ein eindeutiges Mandat der UNO in den Irak einzumarschieren. Denn die Entscheidung für den Krieg war ja längst mit dem Beginn des Truppenaufmarschs in Kuweit usw. gefallen.

Herzlich, Zettel

Gorgasal Offline




Beiträge: 4.021

14.10.2010 12:48
#10 RE: Marginalie: Blut für Öl? Antworten

Zitat von Zettel
Eine etwas intelligentere Version dieses Arguments lautet, die USA hätten ihre Ölversorgung sicherstellen wollen, indem sie sich die Kontrolle über die irakischen Ölfelder verschafften. Dann hätten sie doch aber sofort nach dem Sieg alle Anstrengungen machen müssen, diese auch tatsächlich unter ihre Kontrolle zu bekommen.


Das folgt nicht notwendigerweise. Öl ist Öl. Es genügt, die Gesamtfördermenge zu erhöhen - wenn das zusätzlich geförderte Öl etwa von Frankreich konsumiert wird, dann wird anderes Öl frei, das vielleicht zuvor Venezuela an Frankreich geliefert hat. Dieses freigewordene Öl wird dann vielleicht von China konsumiert, das dafür seinen Konsum von saudischem Öl reduziert. Und dieses saudische Öl geht dann vielleicht in die USA. Öl ist Öl (leider funktioniert der dortige Link nicht mehr).

--
Civilización es la suma de represiones internas y externas impuestas a la expansión informe de un individuo o de una sociedad. - Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un Texto Implícito

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

14.10.2010 15:03
#11 RE: Marginalie: Blut für Öl? Antworten

Zitat von Gorgasal

Zitat von Zettel
Eine etwas intelligentere Version dieses Arguments lautet, die USA hätten ihre Ölversorgung sicherstellen wollen, indem sie sich die Kontrolle über die irakischen Ölfelder verschafften. Dann hätten sie doch aber sofort nach dem Sieg alle Anstrengungen machen müssen, diese auch tatsächlich unter ihre Kontrolle zu bekommen.


Das folgt nicht notwendigerweise. Öl ist Öl. Es genügt, die Gesamtfördermenge zu erhöhen - wenn das zusätzlich geförderte Öl etwa von Frankreich konsumiert wird, dann wird anderes Öl frei, das vielleicht zuvor Venezuela an Frankreich geliefert hat. Dieses freigewordene Öl wird dann vielleicht von China konsumiert, das dafür seinen Konsum von saudischem Öl reduziert. Und dieses saudische Öl geht dann vielleicht in die USA.



Stimmt schon, lieber Gorgasal. Aber es ging ja nicht - auch nicht in den Augen der Anti-Bush-Agitprop - um die Fördermenge. Saddam hätte ja liebend gern mehr gefördert und verkauft, nur ließ man ihn nicht.

Es ging - immer laut dieser Propaganda - darum, daß die USA angeblich ihre Versorgung sichern wollten, indem sie eben selbst bestimmen würden, wieviel Öl im Irak gefördert und wohin es verkauft werden würde.

Ich kann mich noch ziemlich gut erinnern, daß ich damals im Schrippe-Forum ziemlich genau das gschrieben habe, was Sie jetzt schreiben - daß es heutzutage doch nur um die Versorgung des Markts geht und nicht um "Kontrolle" à la Hitlers Kontrolle über die Ölfelder von Baku.

Aber reden Sie mal einem Agitator seine Argumente aus.

Herzlich, Zettel

Martin Offline



Beiträge: 4.129

15.10.2010 08:39
#12 RE: Marginalie: Blut für Öl? Antworten

Lieber Zettel,

ich kann Ihnen aus zeitlichen Gründen keine umfangreiche Hintergrundrechereche erarbeiten, verweise aber auf die Publikationen von Antonia Juhasz, die das politische Gerangel um die Ölrechte, und Förderrechte im Irak journalistisch begleitet hat. Als Schnappschuss hier ein Artikel aus den Tagen der Versteigerung der Förderrechte im Dezember 2009:
http://www.huffingtonpost.com/antonia-ju...y_b_388516.html

Den heutigen Stand der Förderlizenzen kann man schlecht seriös dafür heranziehen, dass die ursprünglichen Absichten von Cheney / Bush so uneigennützig gewesen sein sollen. Lässt man die Geschichte Revue passieren, dann drängt sich eher der Gedanke auf, dass die Dinge nicht ganz so gelaufen sind, wie sich das wohl vor allem Cheney mal vorgestellt hatte. Da hat möglicherweise auch der Regierungswechsel in den USA sein Teil beigetragen.

Tatsache ist jedenfalls, dass Großbritannien und die USA vor dem Sturz Saddam Husseins von irgendwelchen Förderrechten völlig ausgeschlossen waren. Im Laufe des 2. Golfkriegs haben sich für die US-Industrie neben der Ölförderfrage vielleicht nicht vorhersehbare Gewinnmöglichkeiten ergeben, die man bei einer Bilanzierung nach heutigem Stand nicht außer Acht lassen sollte. Ohne auf Korrektheit pochen zu wollen, hier ein Versuch einer solchen Bilanz: http://www.countercurrents.org/ross170809.htm

Dass auch im Umfeld der Ölförderung viel zu verdienen ist, zeigt eine Beispielmeldung der letzten Tage:

Zitat
Oct 14 (Reuters) – Oilfield services company Halliburton Co (HAL.N) said Thursday it received a contract to refurbish wells in southern Iraq by Exxon Mobil Corp (XOM.N).

Under the contract, Halliburton will provide on-site logistics and technical support for both rigless and rig-assisted workovers, a procedure used to increase production from existing wells in Iraq’s West Qurna Phase One field.

A spokeswoman for Halliburton declined to provide additional details.



Ebenfalls erinnere ich mich an eine Meldung in den letzten zwei Wochen, dass tatsächlich deutlich größere Ölreserven bestätigt wurden (wie in dem Artikel der Huffingtonpost angedeutet).

Aus der Sicht des Westens kann man den Effekt des Irakkrieges auch so sehen, dass einem Saddam Hussein die Verfügungsgewalt über hohe Öleinnahmen entzogen worden sind, die wohl nicht im Sinne des Westens eingesetzt worden wären. Und seine Waffen hätte er wahrscheinlich im Devisen-hungrigen Russland eingekauft.

Gruß, Martin

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