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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Pro und Contra
Techniknörgler Offline



Beiträge: 2.475

31.07.2012 23:15
Multiplikatoreffekt antworten

Funktionieren die Vorschläge Keynes? Und wenn nicht, warum nicht?

In der Wikipedia findert sich unter http://de.wikipedia.org/wiki/Multiplikatoreffekt eine mathematische Herleitung des Multiplikatoreffektes. Im ersten Moment denkt man sich dabei: "Sieht doch eigentlich ganz handfest aus." Klingt nach einem nahezu mathematischen Beweis für den Multiplikatorffekte. Nach längerem Nachdenken fragt man sich dann aber, ob diese Formeln, die man als Grundannahmen postuliert, so wirklich die Realität wiederspiegeln. Und da habe ich so meine Zweifel. Ich würde dazu aber gerne die Meinung andere Zimmerleute, die eventuell den notwendigen ökonomischen Hintergrund haben, hören.

Zwei Aspekte, bei denen ich meine Zweifel habe, ob sie die Realität wiederspiegeln:

1.



Die Sparquote wird wohl irgendwie als konstant wahrgenommen.

2. Auch frage ich mich, wo denn der Staat die Mittel für eine höhere Nachfrage hernimmt? Zu lasten der privaten Investitionen (im Modell ebenfalls als konstant angenommen)? Nullsummenspiel. Zu lasten des privaten Konsums? Nullsummenspiel.

Von privaten Spareinlagen? Wenn diese nicht vom Staat in Anspruch genommen werden könnten diese Spareinlagen aber auch eventuell in private Investitionen fliesen. Das wenigste Geld wird heute doch unterm Kopfkissen gelagert, in der Regel bringt man es zur Bank und die zahlt einem nicht aus Spaß Zinsen. Selbst wenn nicht: In dem man mehr Geld in Umlauf bringt schafft man ja gerade nicht mehr Resourcen. Ob man nun folglich dem Geldkreislauf vorher entzogenes, gehortetes Geld wieder in den Krieslauf zurückbringt oder neu gedrucktes Geld ausgibt, das gibt sich wohl mehr oder weniger gleich: Ersteinmal simuliert man mehr Kaufkraft. Steht dem aber keine entsprechende Wirtschaftsleistung entgegen erhält man anstatt einer Konsolidierung mehr Inflation.

Soweit mein Verständnis. Ich würde gerne ein paar Fachleute mit ihrer Meinung dazu hören, die sich mit den Ideen von Keynes sicherlich auch mal auseinandergesetzt haben. Bin ich auf der richtigen Spur? Oder leigt das Problem ganz wo anders?

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“Being right too soon is socially unacceptable.”
― Robert A. Heinlein


"Considering the exclusive right to invention as given not of natural right, but for
the benefit of society, I know well the difficulty of drawing a line between the
things which are worth to the public the embarrassment of an exclusive patent, and
those which are not."

-Thomas Jefferson

Quelle: The Public Domain, p. 21, http://www.thepublicdomain.org/download/

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Danke, ich weiß das Jungenfrauengeburt und Dogma der unbefleckten Empfängnis zwei grundverschiedene Dinge sind. Nur weil jemand einem Dogma nicht folgt, muss er es nicht unbedingt falsch verstanden haben, auch wenn es tatsächlich ein weit verbreitetes Missverständnis gibt.

Emulgator Offline



Beiträge: 1.556

01.08.2012 14:24
#2 RE: Multiplikatoreffekt antworten

Zitat von Techniknörgler im Beitrag #1
Auch frage ich mich, wo denn der Staat die Mittel für eine höhere Nachfrage hernimmt?
Volltreffer. Das ist der Grund, warum es normalerweise nicht funktioniert. Wenn man Glück mit dem VWL-Prof hat, sagt er "exogene Staatsausgabenerhöhung", d.h. die Finanzierung muß nicht mitmodelliert werden, weil sie von Außerhalb kommt, etwa durch benevolente Marsmännlein. Modelliert man die Finanzierung mit, kommt es wie Sie richtig erkannt haben, lediglich zu einer Ausweitung der Staatsquote bei konstantem Y.

Als realistische Version einer exogenen Staatsausgabenerhöhung würde ich Kriegsgewinne betrachten, etwa koloniale Raubkriege oder die Zahlungen nach 1871, die im Reich zur Gründerzeit geführt haben. Dafür wäre m.E. aber ein anderes Modell angebracht, nämlich eines mit Außenhandel. Der Multiplikator wird durch Außenhandel geringer (das ist sogar bekannt). Wird die Staatsausgabenerhöhung durch einen Handelspartner finanziert, dann noch mehr.

Eine weitere Modellvariante wäre, Y auch noch durch den Kapitalstock zu begrenzen und von einer reinen Nachfragedeterminierung abzusehen. Da Staatsausgaben selten rentable Investitionen sind, führt die Verschiebung von I hin zu Staatsausgaben zu einem schrumpfenden Kapitalstock in den Folgeperioden. Der Multiplikator wird damit negativ.

Der von Rudiger Dornbusch und Stanley Fischer propagierte "policy mix" (schuldenfinanzierte Staatsausgabenerhöhung und Geldmengenausweitung) ist eine wissenschaftliche Unredlichkeit.

 Sprung  



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