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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 13 Antworten
und wurde 2.083 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Techniknörgler Offline



Beiträge: 2.610

05.06.2013 23:11
Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks Antworten

Viele Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes in Deutschland nennen als Alternative gerne die britische BBC. Was viele dabei nicht bedenken: Der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk ist schon längst in seinen wesentlichen Punkten nach dem Vorbild der BBC aufgebaut. Der Hauptunterschied: Die BBC ist nicht föderalistisch organisiert. Föderalismus sollte im Zweifel aber eher die Vielfalt fördern, nicht sie einschränken. Wenn der deutsche ÖR weniger pluralistisch und weniger ausgewogen wirkt, dann liegt dies vielleicht an etwas anderem, zum Beispiel der Diskussions- und Medienkultur.

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“Being right too soon is socially unacceptable.”
― Robert A. Heinlein

J.Tiberius Offline




Beiträge: 20

06.06.2013 09:57
#2 RE: Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks Antworten

Zitat
Wenn der deutsche ÖR weniger pluralistisch und weniger ausgewogen wirkt, dann liegt dies vielleicht an etwas anderem, zum Beispiel der Diskussions- und Medienkultur.



Das ist meines Erachtens der entscheidende Punkt. Ich höre regelmäßig die BBC news als podcast (http://www.bbc.co.uk/podcasts/series/globalnews), hier ist diese Unterschied täglich zu erkennen.

Ein sehr informativer Artikel, vielen Dank, ich freue mich schon auf die nächste Folge!

Viele Grüße

J. Tiberius

Am_Rande Offline




Beiträge: 196

06.06.2013 16:46
#3 RE: Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks Antworten

Dieser sehr informative Artikel gibt mir erneut die Gelegenheit, mein Lieblingszitat zur Verfassung des Öffentlich Rechtlichen Rundfunks in Deutschland anzubringen:



Sir Hugh Carleton Greene, der britische Organisator des NWDR, als er sein Amt an seinen deutschen Nachfolger übergab, 1948:

Zitat
In meiner Rede im großen Konzertsaal, wo ich mich vor mehr als zwei Jahren zum ersten Mal an die NWDR-Mitarbeiter gewandt hatte, unterstrich ich - dies übrigens weder zum ersten noch zum letzten mal - dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk staatlichen und parteipolitischen Zwängen soweit wie möglich entzogen sein muss...
Als ich vom Podium herunterkam, knurrte mir Herr Brauer, der Bürgermeister von Hamburg, leise, aber unüberhörbar feindselig ins Ohr:
»Sie werden Ihr Ziel nicht erreichen, Mr. Greene. Sie werden es nicht erreichen.«


(Zitat aus der deutschen Wikipedia)

Für mich zeigt der Vergleich von BBC und ARD/ZDF vor allem, wie wesentlich doch der Geist ist, der eine Gesellschaft prägt.
Die Briten sind liberal, also atmet auch eine zentralisitische Mammutbehörde wie die BBC immer noch den Geist der Liberalität.
Die Deutschen sind staatsgläubig bis ins Mark, da nutzt auch eine noch so gut gemeinte föderalistische und pluralistische Struktur nichts.
Was nützt es tausend Meinungen zuzulassen, wenn es tausendmal dieselbe Meinung ist?

Frank2000 Offline




Beiträge: 2.629

07.06.2013 11:01
#4 RE: Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks Antworten

Ich bedanke mich ausdrücklich für diesen Artikel. Ich habe viel gelernt.

Rayson Offline




Beiträge: 2.367

08.06.2013 19:13
#5 RE: Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks Antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #4
Ich bedanke mich ausdrücklich für diesen Artikel. Ich habe viel gelernt.
Ein Beitrag in bester Zettelscher Tradition, scheint mir.

--
L'État, c'est la grande fiction à travers laquelle tout le monde s'efforce de vivre aux dépens de tout le monde. (Frédéric Bastiat)
Je länger das Dritte Reich tot ist, um so stärker wird der Widerstand gegen Hitler und die Seinen. (Johannes Gross)

Veduta ( gelöscht )
Beiträge:

09.06.2013 14:03
#6 RE: Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks Antworten

Dass das Hörfunk-, Fernseh- und Internet-Angebot der deutschen Öffentlich-Rechtlichen heute so ist, wie es ist, liegt vor allem am Zugriff der Parteien über die Rundfunk- und Verwaltungsräte auf die Rundfunkanstalten und ihre Auswahl des Spitzenpersonals bis 'runter auf Abteilungsleiterebene. Unsere Blockparteien, wie sie im Bundestag vertreten sind! Also versozialdemokratisiert und multikulturell/rotz-grün durchseucht, dass man sich sehr bedeckt halten ! muss, wenn man eine andere politische Einstellung - hier die AfD - hat.

Froh bin ich, wenn ich meine ! Rundfunkanstalt demnächst in Richtung "Ausgang Rente" verlassen kann. "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich ... muss." (Max Liebermann)

xanopos ( gelöscht )
Beiträge:

09.06.2013 18:32
#7 RE: Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks Antworten

Zitat von Am_Rande im Beitrag #3
Die Briten sind liberal, also atmet auch eine zentralisitische Mammutbehörde wie die BBC immer noch den Geist der Liberalität.
Die Deutschen sind staatsgläubig bis ins Mark, da nutzt auch eine noch so gut gemeinte föderalistische und pluralistische Struktur nichts.


Wirklich? In Britannien kann schon das Tragen eines einfachen Taschenmessers zum Problem werden: http://en.wikipedia.org/wiki/Knife_legis...#United_Kingdom
Dagegen ist das $42a geplagte Deutschland fast schon ein Paradies für Messerträger.

Techniknörgler Offline



Beiträge: 2.610

09.06.2013 19:08
#8 RE: Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks Antworten

Zitat von xanopos im Beitrag #7
Zitat von Am_Rande im Beitrag #3
Die Briten sind liberal, also atmet auch eine zentralisitische Mammutbehörde wie die BBC immer noch den Geist der Liberalität.
Die Deutschen sind staatsgläubig bis ins Mark, da nutzt auch eine noch so gut gemeinte föderalistische und pluralistische Struktur nichts.


Wirklich? In Britannien kann schon das Tragen eines einfachen Taschenmessers zum Problem werden: http://en.wikipedia.org/wiki/Knife_legis...#United_Kingdom
Dagegen ist das $42a geplagte Deutschland fast schon ein Paradies für Messerträger.


Vielleicht sollte man Medienkultur und Waffenrecht auseinanderhalten. Sogar Medienrecht und Medienkultur sollte man auseinanderhalten. Die Möglichkeit wegen angeblicher Persönlichkeitsrechtsverletzungen im UK jemanden gerichtlich zur Rechenschaft zu ziehen sind dort viel ausgeprägter, die gag orders weitaus schneller zu erlangen als hier. Aber die Medienkultur ist eine andere.

Formal ist vieles im Vereinigten Königreich eine Katastrophe - und die Briten sind stolz auf ihre Diktatur des Parlamentes, so scheint mir.

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“Being right too soon is socially unacceptable.”
― Robert A. Heinlein

Am_Rande Offline




Beiträge: 196

10.06.2013 13:12
#9 RE: Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks Antworten

Sehr geehrter „xanapos“

Zitat
Wirklich?



Ja, wirklich!



Ich gebe zu, dass meine These, dass die Briten im Ganzen gesehen liberaler sind als die Deutschen, keine These ist, die man irgendwie beweisen könnte, und sicherlich gibt es Bereiche, wie das Waffenrecht, wo dem deutschen Bürger mehr Rechte belassen wurden als dem britischen.

Aber dennoch denke ich, dass ich meine These nicht im luftleeren Raum aufgestellt habe.

Zum einen gibt es (leider) ausreichend historische Abhandlungen, die die dezidierte Antiliberalität der deutschen Gesellschaft und vor allem auch der deutschen Geistes-Elite vor 1945 herausarbeiten mussten. Ich denke da vor allem an Fritz Sterns „Das Scheitern illiberaler Politik. Studien zur politischen Kultur Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert“. Für einen überzeugten Liberalen ist auch Ralph Raicos „Die Partei der Freiheit: Studien zur Geschichte des deutschen Liberalismus“ ein Buch, das er unbedingt gelesen haben sollte. Und interessanterweise ist auch das vielleicht einflussreichste Buch eines überzeugten Liberalen im 20. Jahrhundert, F. A. von Hayeks „Der Weg zur Knechtschaft“, in stärkerem Maße eine Abhandlung über den Niedergang des Liberalismus in Deutschland, als dass es die vernichtende Kritik am Totalitarismus ist, als die dies Buch heute im allgemeinen gesehen wird.

In wieweit nun die deutschen Gesellschaft und vor allem auch die deutschen Geistes-Elite nach 1945 bereit war, sich dem Liberalismus zu öffnen, dazu kann man zum einen die beiden Augenzeugenberichte „Unser Kampf: 1968 - ein irritierter Blick zurück“ von Götz Aly und „Das rote Jahrzehnt: Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967-1977“ von Gerd Koenen über das (west)deutsche Schicksaljahr 1968 und dessen Folgen lesen.

Zum anderen kann man sich einmal mit den Schicksalen der beiden liberalen Intellektuellen Walter Kempowski und Johannes Gross beschäftigen, die beide viel zu eigen- und viel zu freisinnig waren, um vom Juste Milieu des bundesdeutschen Medien- und Kulturbetriebs als die brillanten und gewitzten Geister erkannt und anerkannt zu werden, wie sie es zweifelsfrei verdient hätten.

Soviel zur Antiliberalität der Deutschen.

Was die – von mir behauptete – Liberalität der Briten angeht, so habe ich gerade in letzter Zeit je zwei Bücher der britischen Autoren Nick Cohen und Tony Judt gelesen, die sich beide im großen und ganzen mit dem derzeitigen Zeitgeist in der angelsächsischen Welt beschäftigt haben. Das wirklich interessante daran ist nun, dass sich beide Autoren (selbst) am linken(!) Rand(!) des demokratischen Spektrums verordnen (lassen) würden. Und dennoch hatte ich als Anhänger des Klassischen Liberalismus während der ganzen Zeit meiner Lektüre den Eindruck, dass diese beiden Autoren absolut den Wert einer freien und offenen Gesellschaft verstanden haben und dass beide Autoren gerade in der Verteidigung der offenen Gesellschaft die Aufgabe ihrer journalistischen bzw. historischen Arbeit gesehen haben.

Da es vor allem das Recht auf freie Rede, auf freien Ausdruck der eigenen Überzeugungen, ist, die für den genannten Nick Cohen den Wesenskern einer freien und offenen Gesellschaft ausmacht; und da es der Zustand der öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland war, der Anlass für diesen Thread gewesen ist, hier einmal zwei Beispiele, wie die ARD bzw. die BBC mit der Meinung Andersdenkender umgeht:

Thilo Sarrazin bei Beckmann

und

Nigel Farage und Daniel Hannan in der BBC

Zwei absolut untypische Extrembeispiele und alles nur reiner Zufall?

Vielleicht. Vielleicht nicht...

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

10.06.2013 14:10
#10 RE: Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks Antworten

Zitat von Techniknörgler im Beitrag #1
Wer am gleichgeschalteten Rundfunk der Nazis beteiligt war, sollte nicht direkt wieder die Medien unterwandern dürfen.

Wie ist das eigentlich 1990 gelaufen?
Ich habe das irgendwie so in Erinnerung, daß nur einige sehr belastete Spitzenjournalisten ausgetauscht wurden. Ansonsten durften sehr wohl die die neuen demokratischen Medien machen, die vorher am gleichgeschalteten Rundfunk der SED beteiligt waren.

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

10.06.2013 14:15
#11 RE: Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks Antworten

Zitat von Techniknörgler im Beitrag #1
Viele Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes in Deutschland nennen als Alternative gerne die britische BBC.

Wobei es gut sein kann, daß diese Kritiker ein idealisiertes Bild der BBC von früher im Hinterkopf haben.
In manchen Punkten sind wohl die journalistischen Traditionen in GB besser erhalten als in Deutschland, insbesondere zeigt man mehr Toleranz für abweichende Meinungen. Aber ansonsten hat die BBC wohl einen ähnlichen Schwenk in Richtung rot/grüner Medienmainstream mitgemacht wie die deutschen Staatssender. Zu Zeiten des Irakkriegs war ja gerne von "Bagdad Broadcasting Corporation" die Rede, weil die BBC durchweg Agitprop auf Linie der Linkspartei gebracht hat.

Johanes Offline



Beiträge: 755

16.09.2021 09:58
#12 Rundfunkrecht Antworten

Helmut Markwort: Wieder einmal wollen die Grünen verbieten, erschweren, bürokratisieren.

Der private Rundfunk ist in Deutschland meines Wissens schon stark reguliert.

Man könnte mutmaßen, warum die Politiker das gerne so hätten. Teilweise sogar verständliche Gedanken, nehme ich an.

Stand 23.06.: Dem BMWi fällt auf, dass der Strombedarf nicht bis 2030 konstant bleibt.
26.07.2021 DIW PLANT starken Nachfragerückgang bei Energie. to be continued

Frank2000 Offline




Beiträge: 2.629

17.09.2021 10:01
#13 RE: Rundfunkrecht Antworten

Eine sachliche, gut begründete Argumentation. Nützt nur in Deutschland nichts mehr, weil wir über rationale Politik schon lange hinaus sind. Der Zug geht Richtung autoritärer Staat, Meinungskontrolle, Zensur-Outsourcing und Stastspropaganda.

___________________
Jeder, der Merkel stützt, schützt oder wählt, macht sich mitschuldig.
“Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten mäßig entstellt”, Georg Cristof Lichtenberg
"Warum halten sie Begriffe wie 'Zigeunersoße' für rassistisch, aber 'Schei** Juden' für harmlos?", Hamed Abdel-Samad

Frank2000 Offline




Beiträge: 2.629

17.09.2021 10:06
#14 RE: Rundfunkrecht Antworten

Ich kenne solche Methoden aus der Wirtschaftspolitik: wie verbietet man ein Konkurrenzprodukt ohne es zu verbieten? Man führt "Kontrollen zum Wohle des Verbrauchers" ein, die so kostspielig sind, dass das unerwünschte Produkt nicht mehr Konkurrenzfähig ist.

Die Grünen sind und bleiben freiheitsfeindliche, sektirische Stalinisten.

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