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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 580 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 8.361

04.06.2020 01:23
Christo Antworten



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Frank2000 Offline




Beiträge: 2.371

04.06.2020 08:50
#2 RE: Christo Antworten

Ich habe mit Kunst so meine Probleme. Beim ersten Mal war das Einpacken ja noch witzig. Aber wo genau war beim zweiten und x-ten Mal die Kunst?

___________________
Jeder, der Merkel stützt, schützt oder wählt, macht sich mitschuldig.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 8.361

04.06.2020 10:44
#3 RE: Christo Antworten

Das ist tatsächlich eine der Aporien - oder wenn man so will: der Widersprüche - der modernen Kunst. Im klassischen Metier macht es ja nichts, wenn die 100.000ste Madonna gemalt wird ("Das Bild kommt mit dem Glockenschlag / um zwölf Uhr am Madonnastag" - Robert Gernhardt). Die moderne - jedenfalls in ihrer klassischen Variante, bezieht ihr Selbstverständnis unter anderem aus dem Anspruch, daß jeder Künstler die Grenzen des Möglichen weiter nach außen zu setzen hat. Und das womöglich im Lauf seiner Bahn fortwährend. Anders sind etwa Karrieren wie die Picassos gar nicht faßbar. Nur ist dieser Anspruch in der Praxis, gar über Jahrzehnte, kaum einlösbar. Ein Oeuvre wie das Christos - ich hätte auch noch Hannsjörg Voth nennen können, dessen Himmelstreppe ja auch in dieser Liga spielt (und an die Christos "Mastaba" ja erinnert) - ist zu 97% Vorbereitung, Antechambrieren, Organisation. Das Kunstwerk selbst ist am Ende so etwas wie eine ästehetische Dreingabe. Wenn das zum Markenzeichen geworden ist, erfindet man sich nicht all paar Jahre neu. Dann kommt die Variation innerhalb dieses Genres hinzu: die wechselnden Locations, die Farben, die Materialität. Ich habe ja betont, daß sich diese Kunst - wie "Kunst" per se aus Tradition - sub specie aeternitate versteht: die Werke entstehen zwar aus einem neuen Kniff, aber dieser erhält Gültigkeit.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Krischan Offline




Beiträge: 376

05.06.2020 10:12
#4 RE: Christo Antworten

Lieber Frank2000,
frei nach Nietzsche ist ja Kunst das, was uns die Realität ertragen lässt (dieser Satz ist es wert, dass man darüber nachdenkt).

Und Kunst, besonders bildende Kunst, liegt im Auge des Betrachters. D.h. es ist notwendig, sich mit diesen Installationen auseinanderzusetzen - bzw. sich davorzusetzen, zu schauen, was macht das mit einem. Was genau wird da verhüllt, was fehlt (nicht nur im physikalischen Sinne - der Reichstag ist ja auch nur eine Ansammlung von Stein, Glas und Stahl), etc. etc.

Einige Installationen waren ja auch benutzbar, die Floating Piers, also Kunst zum Anfassen sozusagen, zum Er-Fahren (bzw. Er-Laufen - oder muss man Er/Sie/Divers-Laufen schreiben?!).

Und das macht das ganze Thema so interessant,

Freundlichst,
Krischan

Deutsche Wurst - alles andere ist Käse.

Simon Offline



Beiträge: 332

26.06.2020 13:43
#5 RE: Christo Antworten

Zitat von Krischan im Beitrag #4
Lieber Frank2000,
frei nach Nietzsche ist ja Kunst das, was uns die Realität ertragen lässt (dieser Satz ist es wert, dass man darüber nachdenkt).


Da bahnt sich eine neue Kunst von Verhüllung und Verschleierung ... an. Wert, darüber nachzudenken:

Zitat
Die Londoner Statue von Churchill — der sich im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis stellte und Europa vor der Barbarei rettete — wurde während der jüngsten Proteste von den Stadtbehörden verhüllt. Ihre visuelle Auslöschung erinnert an die nackten Statuen in Rom, die von den Behörden verdeckt wurden, um dem iranischen Präsidenten Hassan Rouhani zu gefallen, oder an das "Verschwinden" von Porträts in der ehemaligen Sowjetunion von Menschen, die nach Ansicht des Politbüros in Ungnade gefallen waren. Es ist ein Irrtum, seine Geschichte auszulöschen. Man mag keine perfekte Geschichte haben, aber es ist dennoch seine Geschichte. Wie der Historiker Victor Davis Hanson schrieb, muss ein Land "nicht perfekt sein, um gut zu sein". Das Herausschneiden der unangenehmen Teile ändert nichts daran, was geschehen ist; sie können sogar durch noch unangenehmere Teile ersetzt werden.

Einige Londoner Museen haben diese Verschleierung
und Selbstzensur bereits vor einiger Zeit übernommen. Die Tate Gallery in London verbot ein Werk von John Latham, das einen in Glas eingebetteten Koran zeigte. Das Victoria and Albert Museum zeigte ein Andachtsbild Mohammeds, das dann zurückgezogen wurde. Die Saatchi Gallery zeigte zwei Aktbilder, die mit arabischer Schrift überlagert waren, was Beschwerden von muslimischen Besuchern auslöste; das Museum deckte die Werke ab. Die Whitechapel Art Gallery säuberte eine Ausstellung mit nackten Puppen.

Das Merriam-Webster-Wörterbuch hat gerade die Definition von "Rassismus" revidiert und "systemischen Rassismus" aufgenommen, was vermutlich bedeutet, dass die gesamte Gesellschaft schuldig und ungerecht ist.

Die Zensoren scheinen unser geistiges Universum kontrollieren zu wollen, wie in George Orwells Roman 1984:

"Jede Aufzeichnung wurde zerstört oder gefälscht, jedes Buch neu geschrieben, jedes Bild neu gemalt, jede Statue und jedes Gebäude umbenannt, jedes Datum geändert. Und der Prozess geht Tag für Tag und Minute für Minute weiter. Die Geschichte hat aufgehört. Nichts existiert außer einer endlosen Gegenwart, in der die Partei immer Recht hat."

(de.gatestoneinstitute.org/16158/westliche-geschichte-kultur, 24.06.2020)

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 8.361

26.06.2020 15:42
#6 RE: Christo Antworten

Zitat von Simon im Beitrag #5

Da bahnt sich eine neue Kunst von Verhüllung und Verschleierung ... an. Wert, darüber nachzudenken:

Zitat
Die Londoner Statue von Churchill — der sich im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis stellte und Europa vor der Barbarei rettete — wurde während der jüngsten Proteste von den Stadtbehörden verhüllt. Ihre visuelle Auslöschung erinnert an die nackten Statuen in Rom, die von den Behörden verdeckt wurden, um dem iranischen Präsidenten Hassan Rouhani zu gefallen, oder an das "Verschwinden" von Porträts in der ehemaligen Sowjetunion von Menschen, die nach Ansicht des Politbüros in Ungnade gefallen waren. Es ist ein Irrtum, seine Geschichte auszulöschen.




Da wachsen gerade zwei Schienen altbekannter Barbarei und Auslöschung der Geschichte zusammen. Zum einen dieses sattsam bekannte Muster, ausgelebt unter dem Banner der BLM:

Zitat
Graffiti on the walls of a synagogue read “Free Palestine” and “f*** Israel.” A statue of Raoul Wallenberg, the Swedish diplomat who saved thousands of Hungarian Jews from the Nazis, was smeared with anti-Semitic slogans.

Along with the synagogues, Jewish-owned buildings and stores were defaced, in several cases also with anti-Semitic graffiti. The businesses were looted, too.

This city’s Fairfax district, a heavily Jewish area that has been continuously represented by a Jewish city councilman since 1953, was hit particularly hard by the kind of vandalism that has struck major cities following the killing of George Floyd in police custody.

“The attack on our community last night was vicious and criminal,” Paul Koretz, the district’s current city councilman, said in a statement Sunday. “As we watched the fires and looting, what we didn’t get covered were the anti-Semitic hate crimes and incidents. Under the guise of protests, some advanced their anti-Semitic agenda,” he said.



https://www.jweekly.com/2020/06/02/los-a...l-institutions/

In San Francisco ist eine Statue des hl. Junipero Serra gestürtzt worden, Missionar und Schutzheiliger der Iindianer aus den Zeiten, als Südkalifornien noch spanisch/mexikanisch war; eine Statue von Miguel de Cervantes ist beschädigt und beschmiert worden. Ich gehe davon aus, daß den Tätern nicht ansatzweise bewußt war, daß Cervantets fünf Jahre lang in nordafrikanischer Sklaverei verbracht hat. (Schon die Erwähnung, daß historisch mehr Europäer durch Afrikaner und Moslems versklavt worden sind als umgekehrt und daß die afrikanische Sklaverei durch und durch afrikanischen Ursprungs ist, kommt in der politisch-korrekten Optik des sagen wir "spätkapitalistischen Ideologems" nicht vor, daß auf absoluter Schwarz/Weiß-Zeichung beruht, wie es einer Ideologie ziemt.)

Zum anderen haben wir die religiöse Setzung des im Kern absoluten Bilderverbots des Islams, der den Umständen nach gezwungen ist, mit den Bildwerken des Westens und aus der Zeit der Dschahilijah leben zu müssen (etwa mit den Tempeln und Pyramiden Ägyptens). Mit diesem Grundkonflikt - der nicht gelöst werden KANN - muß der Westen leben, solange ein zunehmender und zunehmend großer Anteil seiner Bevölkerung sich als rechtgeleitet versteht. (Und nein: ich weiß auch nicht, ob und wie sich hier ein Modus vivendi herausbilden könnte und sehe da ausgesprochen pessimistisch in die Zukunft.)

Zwei kleine Schnörkel-Anmerkungen (mehr sind sie nicht): einer meiner Punkte im Beitrag zu Christo war ja die Nicht-Bildhaftigkeit, die völlige Nicht-Ikonizität der Land Art, die eher wie ein Teil der Landschaft selbst daherkommt. An solchen Werken, ob beständig oder vergänglich, prallt jeder ikonoklastische Impuls ab (es ließe sich höchstens "das haben Weiße - Männer - Europäer geschaffen" fahren. Und da ergibt sich stante pede eine nette Dichotomie: entweder hat man dem nichts entgegenzusetzen, dann wirkt es wie Neid, und auf die Verständigeren als Ansporn: Ja wenn es noch keinen großen Roman auf Swahili gibt, dann ist er sofort zu schreiben. Und wenn es Leistungen gibt, stehen sie parallel nebeneinander, und es bleibt nur die Frage, ob das Saxophonspiel von Coleman Hawkins oder jan Garbarek einem mehr zusagt.). Zum anderen: es hat ja etwas zutiefst Ironisches (oder angesichts des historischen Blutzolls: zutiefst Zynisches), daß die Denkmals-Neuerrichtungen hierzulande der jüngsten Zeit genau denen galten, die nach dem Kollaps des Sozialismus vor 30 Jahren als die Urheber von Armut und Massenmord Ziel des Bildersturzes geworden sind: die Karl-Marx-Statue in Trier vor 2 Jahren und die Lenins in Gelsenkirchen vor zwei Wochen.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

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