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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 17 Antworten
und wurde 3.373 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Frank2000 Offline




Beiträge: 2.989

10.06.2013 20:47
Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Wenn doch nur andere uns die anstrengende Tätigkeit des Denkens abnehmen würden... geht aber leider nicht.

Quentin Quencher Offline




Beiträge: 120

10.06.2013 22:23
#2 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Die Literaturwissenschaftlerin Eva Horn bezeichnet in einem Vortrag, der natürlich auch an Schätzings berühmten Bestseller »Der Schwarm« nicht vorbei kommt, Schwärme als:

„Geburtsstätten der Intelligenz, sie machen aus ziemlich vielen, ziemlich dummen Akteuren, mit Hilfe von ziemlich wenigen und ziemlich einfachen Regeln enorm komplexe, sehr effiziente und im Normalfall sehr widerstandsfähige Gebilde“
Eva Horn über Schwärme und Schätzings Roman

Sie beschreibt sehr schön die Futtersuche der Ameisen, die im wesentlichen deswegen so erfolgreich ist, weil wenn einmal eine Ameise Futter gefunden hat, legt sie eine Pheromonspur der dann andere folgen und somit die Spur verbreitern.

Säugetiere hätten eine andere Strategie entwickelt, die suchen nicht per Zufall alles mögliche ab, und folgen dann blind einer einmal gelegten Spur, sondern sind in der Lage selbstständig Futter zu orten.

Ich bin auch lieber Liberaler und vertraue auf meine eigene Einschätzungsfähigkeit.

Viele Grüße

Quentin Quencher
Glitzerwasser

Techniknörgler Offline



Beiträge: 2.734

10.06.2013 23:04
#3 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #1
Wenn doch nur andere uns die anstrengende Tätigkeit des Denkens abnehmen würden... geht aber leider nicht.



Der Artikel hat mich ehrlich gesagt etwas verwirrt, denn ich hatte Schwarminteligenz bisher nie mit Sozialismus asoziiert (den assoziiere ich mit Zentralverwaltungswirtschaft), auch nicht mit einfachen Mehrheitsentscheidungen, sondern mit einem Mechanismus, wie er gerade am Markt vorkommt. Entsprechend ja auch die Forderung, den Schwarm zu vergrößern, nicht ihn zu verkleinern. Ein Markt funktioniert um so besser, je mehr Teilnehmer er hat und um so größer er ist.

Natürlich setzt dieser Mechanismus voraus, das einzelne Individuum möge die Arroganz haben seine eigene Meinung zu bilden und dann zu vertreten, sowie über sein Verhalten am Markt einfliesen zu lassen, damit dann in der Gesamtsumme häufig, aber nicht immer, etwas besseres rauskommt, als ein einzelnes Individuum oder eine kleine Gruppe von (eventuell zusammengeschlossenen) Individuen erreicht hätte. Meine Einschätzung nach kann auch kein anderer Mechanismus besser einschätzen, wer Recht hat. Sprich: die Erfolgsquote des Mechanismus Markt ist größer als die Erfolgsquote vieler Analysten, die vorhersehen wollen, ob im Einzelfall "der Markt" oder eine kleine Gruppe von Zentralplanern größeren Erfolg verbucht hätte.

Die Erfolgsquote des Marktes wird dann auch noch dadurch vergrößert, dass er nicht ausschlieslich auf der Weisheit der Masse basiert, sondern im Falle einer überlegenen, kleineren Gruppe diese gewähren lässst - deren Erfolg dann aber in der Regel ebenfalls von der Akzeptanz einer Vielzahl, einer großen Masse an (potentiellen) Kunden abhängt - direkt oder indirekt.

Es gilt also nicht Markt=Schwarminteligenz, aber Schwarminteligenz ist ein Marktmechanismus, sogar eine der wichtigsten.

______________________________________________________________________________

“Being right too soon is socially unacceptable.”
― Robert A. Heinlein

Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 11.971

10.06.2013 23:08
#4 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Es gibt aber immer wieder Denkansätze in den Neurowissenschaften, die das menschliche Denken - im einzelnen Gehirn, nota bene - auf eine Art Schwarmintelligenz der einzelnen Neuronen rückführen möchten. Viel scheint bislang nicht daraus geworden zu sein (d.h. es scheint sich um keine anschlußfähige Hypothese zu handeln; & falsifizierbare Tests dürften beim heutigen Verständnis der neuronalen Mikroebene illusorisch sein.) Bei Gerald Edelmans "neuronalem Darwinismus" handelt es sich um etwas anderes.

Ansonsten dürfte "Schwarmintelligenz" ein modisches "buzz word" für Tagungen & Drittmittelanträge sein, dessen Applikation den Selektionserfolg für Genehmigung & Mittelausschüttung nicht unwesentlich erhöht - so wie "Chaostheorie" in den 80ern, "Komplexität/Emergenz" in den 90ern, "Cybernetik" zwischen 1955-72 & trans/post/gender/feminist/colonial woanders seit dem Tod des Autors oder des Proletariats.

PS. Meine Nichtschwarmintelligenz untersagt mir gerade streng jeden Hinweis auf Gustave le Bons Psychologie des Foules...

Erling Plaethe Offline




Beiträge: 4.660

11.06.2013 00:01
#5 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Um sich eine eigene Meinung bilden zu können muss mein kein Liberaler sein, man muss noch nicht einmal wissen was das ist: Liberalismus.
Die sogenannte Schwarmintelligenz beweist dort wo sie sich bestätigt, keine einem Kollektiv immanente Überlegenheit sondern ganz im Gegenteil, die Existenz einer großen Anzahl von selbstständig denkenden Menschen. Eigentlich zeigt sie die Überlegenheit der Individualisten.
Schwarmintelligenz habe ich nie als kollektive Intelligenz verstanden, sondern so, wie Sie es, lieber Frank 2000, in Ihrer Zusammenfassung über die Toprezensenten umschreiben.

Meist ist die Mehrheit eben nicht blöd, sondern intelligent genug, dafür zu sorgen, dass im Durchschnitt die optimale oder korrekte Antwort auf ein Problem gefunden wird. Das ist meine Erkenntnis aus der sogenannten Schwarmintelligenz. Sie tritt nur auf, bei einer Anzahl von individuellen Meinungen. Der erfolgreiche Versuch sie zu manipulieren oder des Einzelnen, sich manipulieren zu lassen, erzielt keine intelligente oder korrekte Antwort.
Der Individualismus oder auch die Liberalität ist also die zwingende Vorraussetzung dafür, damit bei der Schwarmintelligenz überhaupt zu Recht von Intelligenz die Rede sein kann.

Und ich möchte behaupten, dass dies auf viele Tiere in Schwärmen ebenfalls zutrifft, da sie diesen lernten zu nutzen um für sich selbst einen Vorteil zu erzielen.
Erst wenn diese Suche nach dem Nutzen in einem Schwarm oder einem Kollektiv die eigene Kreativität erlahmen lässt, ist es vorbei mit der Intelligenz des Schwarms.

Viele Grüße, Erling Plaethe

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

11.06.2013 10:11
#6 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Zitat
Ich befürchte, diesen Leuten fällt nicht mal auf wie unfreiwillig komisch das ist, in einer individuellen Einzelmeinung die Überlegenheit der kollektiven Intelligenz zu beschwören.


Da paßt doch Brians Rede an die Piraten ;-)

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

11.06.2013 10:14
#7 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Zitat von Erling Plaethe im Beitrag #5
Meist ist die Mehrheit eben nicht blöd, sondern intelligent genug, dafür zu sorgen, dass im Durchschnitt die optimale oder korrekte Antwort auf ein Problem gefunden wird.

Völlig richtig.
Und dabei ist m. E. auch wichtig, daß "ein Problem" von den Betroffenen selber definiert wird. Die meisten von oben verordneten Lösungen scheitern daran, daß sie ein Problem lösen wollen, daß die Betroffenen selber gar nicht haben oder für unwichtig halten.

Quentin Quencher Offline




Beiträge: 120

11.06.2013 10:39
#8 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Ich denke, wir sollten das Bild vom Schwarm nicht über alle Gruppierungen stülpen, Menschen gruppieren sich aus den verschiedensten Gründen in Religionsgemeinschaften, Vereinen, Parteien oder Selbsthilfegruppen, sogar in Volksgemeinschaften und Staaten. Dies hat meines Erachtens nach nichts mit einem Schwarm zu tun, oder einer daraus resultierenden Schwarmintelligenz.

Ein Schwarm braucht eine Richtung, ein Ziel, wenn das nicht mehr vorhanden ist, zerfällt er. Wenn Ameisen sich auf Futtersuche begeben, sind sie als einzelne Individuen unterwegs, in verschiedene Richtungen, und erst wenn die Futterquelle lokalisiert und identifiziert ist, ist der Schwarm wieder als solcher erkennbar. Schon der Ausdruck „ausschwärmen“ bedeutet eine Auflösung des Schwarms, solange bis das Ziel erkannt wird. Dann wird die Spur von allen anderen aufgenommen.

Ich gebe zu, das sind nur ein paar einfache Gedanken, ernsthaft habe ich mich mit dem Thema noch nicht beschäftigt. Aber das könnte sich vielleicht mal lohnen dem nachzugehen, mein ausschwärmen im Internet hat mich beispielsweise auf diesen Beitrag hier aufmerksam gemacht, andere auch, und gemeinsam wird nun daran gearbeitet dieses Thema aufzuarbeiten. Hat doch eigentlich auch was von einem Schwarm. Oder?

Beste Grüße

Quentin Quencher
Glitzerwasser

Frank2000 Offline




Beiträge: 2.989

11.06.2013 19:50
#9 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Zitat von Techniknörgler im Beitrag #3

Der Artikel hat mich ehrlich gesagt etwas verwirrt, denn ich hatte Schwarminteligenz bisher nie mit Sozialismus asoziiert (den assoziiere ich mit Zentralverwaltungswirtschaft), auch nicht mit einfachen Mehrheitsentscheidungen, sondern mit einem Mechanismus, wie er gerade am Markt vorkommt.



Gerade das finde ich bemerkenswert, denn meiner Meinung nach wird die Idee der "Schwarmintelligenz" vor allem in politisch links stehenden Kreisen begrüßt. Und dort, so meine Meinung, wird die Idee ein wenig als Möglichkeit verstanden, dass die Qualität von Einzelmeinungen nicht so wichtig ist, weil in der Masse -dem Schwarm- trotzdem etwas sehr sinnvolles herauskäme. Ich finde, dass der Gebrauch des Begriffs der menschlichen Schwarmintelligenz untrennbar mit der Idee linker Entscheidungsmechanismen verknüpft ist. In konservativen Kreisen habe ich es noch nie gehört, dass man eine Schwarmentscheidung bräuchte.

Ich glaube, dass es menschliche Schwarmintelligenz nicht gibt, aus Gründen, die ich dargelegt habe. In so weit stimme ichz dem Urteil zu, dass es hier um alten Wein in neuen Schläuchen geht. Wer also diesen Begriff verwendet, der will etwas altes mit einem neuen Begriff vermarkten.

xanopos ( gelöscht )
Beiträge:

11.06.2013 20:38
#10 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Zitat von Frank2000
Ähnliches gab es auch bei Technikprodukten, wo sich in Deutschland insbesondere Stiftung Warentest hervortat.

Techniktest gibt es noch immer, Autozeitschriften gibt es noch immer. Das kann durch eine Handvoll Kundenrezensionen auch nicht ersetzt werden. Für einen aussagekräftigen Test braucht es mal bestimmte Testbedigungen, geeignetes Personal und geeignete Messgeräte.

Zitat
Bei einem Experiment sollten Besucher einer Ausstellung das Gewicht eines Ochsen abschätzen und nach 800 Schätzungen war das Ergebnis auf ein Promille an das tatsächliche Gewicht herangekommen.

Eine Schätzung soll genauer sein als eine Waage sein? Genauer als 0.1% wird eine Rindviecherwaage nicht sein. Das glaube ich einfach nicht. Oder man hat sich aus x-Befragungen die Beste herausgepickt, und das ist keine saubere Messtechnik

Fluminist Offline




Beiträge: 2.015

11.06.2013 22:44
#11 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Zitat von xanopos im Beitrag #10

Zitat
Bei einem Experiment sollten Besucher einer Ausstellung das Gewicht eines Ochsen abschätzen und nach 800 Schätzungen war das Ergebnis auf ein Promille an das tatsächliche Gewicht herangekommen.
Eine Schätzung soll genauer sein als eine Waage sein? Genauer als 0.1% wird eine Rindviecherwaage nicht sein. Das glaube ich einfach nicht. Oder man hat sich aus x-Befragungen die Beste herausgepickt, und das ist keine saubere Messtechnik


Ich vermute, es handelt sich hierbei um eine apokryphe Anekdote zur Illustration des (freilich etwas mißverstandenen) Gesetzes der großen Zahlen, um eine goldene Legende, wie sie zum zünftigen Fellow of the Royal Society einfach dazugehört; wie Newtons Apfel etwa. Sollte sie wahr sein, so handelt es sich bei der sagenhaften Genauigkeit (nicht beim ungefähren Wert, der Sachkenntnis voraussetzt) um einen Glückstreffer.

Frank2000 Offline




Beiträge: 2.989

12.06.2013 00:13
#12 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Zitat von xanopos im Beitrag #10
Techniktest gibt es noch immer, Autozeitschriften gibt es noch immer. Das kann durch eine Handvoll Kundenrezensionen auch nicht ersetzt werden. Für einen aussagekräftigen Test braucht es mal bestimmte Testbedigungen, geeignetes Personal und geeignete Messgeräte.

...Eine Schätzung soll genauer sein als eine Waage sein?


Nun, ich war bei diesem legendären Ochsentest nicht dabei, kann also auch nur die Geschichte weitergeben. Allerdings habe ich auch von vielen weiteren Fällen gehört, in denen ein durchschnittlicher Schätzwert durch die eine große Anzahl von Schätzwerten sehr gut wurde. Welche Mechanismen dabei genau stattfinden, interessiert mich eigentlich nur am Rande, da es sich auf keinen Fall um Schwarmintelligenz handelt.

Stiftung Warentest hat enorm zu kämpfen. 2012 gab es sogar ein Minus - an sich wäre der Laden schon längst insolvent, wenn das Verbraucherschutzministerium nicht kräftig zubuttern würde (siehe zB hier). Die Bedeutung von Stiftung Warentest hat enorm nachgelassen. Ob zu Recht oder nicht spielt doch keine Rolle. Hand auf´s Herz: wann hast du das letzte mal ein Heft von Stiftung Warentest gekauft oder wenigstens einen Artikel bezahlt? Bei mir muss es mindestens 5 Jahre her sein. Die heutigen Kids wachsen mit Amazon-Bewertungen und Likes auf. Für die ist Stiftung Warentest sowas von 80tis...

Zu Autozeitschriften kann ich nichts sagen, mit denen habe ich mich nicht beschäftigt.

Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 11.971

12.06.2013 00:31
#13 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Zitat von xanopos im Beitrag #10

Zitat
Bei einem Experiment sollten Besucher einer Ausstellung das Gewicht eines Ochsen abschätzen und nach 800 Schätzungen war das Ergebnis auf ein Promille an das tatsächliche Gewicht herangekommen.
Eine Schätzung soll genauer sein als eine Waage sein? Genauer als 0.1% wird eine Rindviecherwaage nicht sein. Das glaube ich einfach nicht. Oder man hat sich aus x-Befragungen die Beste herausgepickt, und das ist keine saubere Messtechnik



Francis Galton ist heute eher aus anderem Grund in Erinnerung (& nicht, weil er Charles Darwins Schwager war):

Zitat http://en.wikipedia.org/wiki/Francis_Galton
__________
"Galton invented the term eugenics in 1883 and set down many of his observations and conclusions in a book, Inquiries into Human Faculty and Its Development.[18] He believed that a scheme of 'marks' for family merit should be defined, and early marriage between families of high rank be encouraged by provision of monetary incentives. He pointed out some of the tendencies in British society, such as the late marriages of eminent people, and the paucity of their children, which he thought were dysgenic. He advocated encouraging eugenic marriages by supplying able couples with incentives to have children."
__________

- aber diese Art von Erbsenzählerei & Statistikgetue bis in Bereiche, wo es schon leicht schräg wird, ist ganz typisch für ihn (& für eine Reihe viktorianischer Koryphäen, z.B. Charles Babbage). Für den Aufsatz "The Wisdom of Crowds" (Nature (1907), No. 1949, Vol. 75, 450-451) ist diese Art von Versuchsanordnung (in diesem Fall das Rindviecherwaagenpräzisionseinschätzungpotential) zentral.

Zitat BBC News, 16 June 2011 (Bloomsday!)
____________
"He made statistical inquiries into the efficacy of prayer - he got into trouble for that for he found that those people frequently prayed for, like monarchs, lived no longer than anyone else.

He even made a beauty map of Britain, based on a secret grading of the local women on a scale from attractive to repulsive (the low point was in Aberdeen).

In a letter to Nature in 1879 entitled The Average Flush of Excitement, Galton recounts a visit to the Derby. He noted that while he was there he was able to assess what he called "the average tint of the complexion of the British upper classes" by observing the distant crowd through his opera glass.

He observed that after the race started, the crowd became "suffused with a strong pink tint, just as though a sun-set glow had fallen upon it". Galton found that he could work out the mood of a mass of people even without being able to distinguish one person from the next."
____________

Er hat übrigens nicht das Vorbild für Professor Bienlein abgegeben.

emjot Offline



Beiträge: 73

13.06.2013 14:35
#14 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Zitat

Nun, ich war bei diesem legendären Ochsentest nicht dabei, kann also auch nur die Geschichte weitergeben. Allerdings habe ich auch von vielen weiteren Fällen gehört, in denen ein durchschnittlicher Schätzwert durch die eine große Anzahl von Schätzwerten sehr gut wurde. Welche Mechanismen dabei genau stattfinden, interessiert mich eigentlich nur am Rande, da es sich auf keinen Fall um Schwarmintelligenz handelt.



Aber gerade die Mechanismen sind doch die interessanten, will man verstehen, ob es sich um Schwarmintelligenz oder bloße Statistik handelt. So ist die Genauigkeit der Schätzung nur gegeben, wenn die Individuen sich nicht gegenseitig beeinflussen. Dieser Test wurde nämlich mit geänderten Bedingungen wiederholt. Dabei wurde in einer ersten Runde geschätz, dann konnten alle Teilnehmer die Ergebnisse der ersten Runde einsehen und in einer zweiten Runde ihre eigene Schätzung korrigieren. Unter diesen Bedingungen sank die genauigkeit wieder. Das zeigt meiner Ansicht nach schon, dass Individuen, welche sich gegenseitig nicht beeinflussen tatsächlich in der gesamtheit brauchbare Entscheidungen treffen können. Ob es sich dabei um eine Inteligenz handelt steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich sehe auch beim futtersuchenden Armeisenschwarm keine Intelligenz im Sinne von Intelligenz. So erfreut sich dieser Algorhyithmus in der Informatik großer Beliebtheit um bestimmte Wegfindungsaufgaben inhalb von Graphen zu lösen - und hierbei handelt es sich definitiv NICHT um Intelligenz sonder lediglich um einen Algorithmus!

Zitat

Stiftung Warentest hat enorm zu kämpfen. 2012 gab es sogar ein Minus - an sich wäre der Laden schon längst insolvent, wenn das Verbraucherschutzministerium nicht kräftig zubuttern würde (siehe zB hier). Die Bedeutung von Stiftung Warentest hat enorm nachgelassen. Ob zu Recht oder nicht spielt doch keine Rolle. Hand auf´s Herz: wann hast du das letzte mal ein Heft von Stiftung Warentest gekauft oder wenigstens einen Artikel bezahlt? Bei mir muss es mindestens 5 Jahre her sein. Die heutigen Kids wachsen mit Amazon-Bewertungen und Likes auf. Für die ist Stiftung Warentest sowas von 80tis...



Da ist die Stiftung Warentest doch selbst dran schuld. Sie geht einfach nicht mit der Zeit. Und ich würde gern auch mal einen Artikel kaufen, seh aber aus Prinzip schon nicht ein, dafür 3 Euro zu bezahlen, wo es früher noch ein ganzes Heft für gab! Vlt. würde es ja schon schon reichen, den Preis zu halbieren und dann 3 mal so viele Artikel zu verkaufen. Aber das ist jetzt nur so ein Einwurf von mir...

emjot Offline



Beiträge: 73

13.06.2013 14:37
#15 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #9
Zitat von Techniknörgler im Beitrag #3

Der Artikel hat mich ehrlich gesagt etwas verwirrt, denn ich hatte Schwarminteligenz bisher nie mit Sozialismus asoziiert (den assoziiere ich mit Zentralverwaltungswirtschaft), auch nicht mit einfachen Mehrheitsentscheidungen, sondern mit einem Mechanismus, wie er gerade am Markt vorkommt.



Gerade das finde ich bemerkenswert, denn meiner Meinung nach wird die Idee der "Schwarmintelligenz" vor allem in politisch links stehenden Kreisen begrüßt. Und dort, so meine Meinung, wird die Idee ein wenig als Möglichkeit verstanden, dass die Qualität von Einzelmeinungen nicht so wichtig ist, weil in der Masse -dem Schwarm- trotzdem etwas sehr sinnvolles herauskäme. Ich finde, dass der Gebrauch des Begriffs der menschlichen Schwarmintelligenz untrennbar mit der Idee linker Entscheidungsmechanismen verknüpft ist. In konservativen Kreisen habe ich es noch nie gehört, dass man eine Schwarmentscheidung bräuchte.

Ich glaube, dass es menschliche Schwarmintelligenz nicht gibt, aus Gründen, die ich dargelegt habe. In so weit stimme ichz dem Urteil zu, dass es hier um alten Wein in neuen Schläuchen geht. Wer also diesen Begriff verwendet, der will etwas altes mit einem neuen Begriff vermarkten.


Ist eine geheime, demokratische Wahl nicht auch eine Art von Schwarmintelligenz? Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das wirklich als Schwarmintelligenz oder Intelligenz überhautp zu bezeichnen ist... (siehe den Kommentar zu Ihrem anderen Beitrag)

Fluminist Offline




Beiträge: 2.015

13.06.2013 16:36
#16 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Zitat von emjot im Beitrag #14
So ist die Genauigkeit der Schätzung nur gegeben, wenn die Individuen sich nicht gegenseitig beeinflussen. Dieser Test wurde nämlich mit geänderten Bedingungen wiederholt. Dabei wurde in einer ersten Runde geschätz, dann konnten alle Teilnehmer die Ergebnisse der ersten Runde einsehen und in einer zweiten Runde ihre eigene Schätzung korrigieren. Unter diesen Bedingungen sank die genauigkeit wieder. Das zeigt meiner Ansicht nach schon, dass Individuen, welche sich gegenseitig nicht beeinflussen tatsächlich in der gesamtheit brauchbare Entscheidungen treffen können.

Meines Erachtens zeigt es nur, daß die Genauigkeit des ersten Ergebnisses schon reine Glückssache war. Wollte man wirklich nachprüfen, ob die Genauigkeit der Schätzung nach Mitteilung der ersten Schätzung abnimmt, dann müßte man ein Experiment mit einer größeren Zahl (statistisch unabhängiger) Gruppen machen, bei dem man die Verteilung der gemittelten 1. Schätzwerte der Gruppen mit der Verteilung der gemittelten 2. Schätzwerte der Gruppen vergleicht. Da für ein brauchbares Signifikanzniveau wohl eine ziemlich große Zahl von (nicht zu kleinen) Gruppen notwendig ist und kein nicht-mystischer Grund dafür, daß sich die Schätzungen verschlechtern* sollten, in Sicht ist, hat dieses Experiment vermutlich noch niemand durchgeführt, oder?
Wäre vielleicht eine Idee für einen DFG-Antrag...
_____________________________

* Die Varianz (Streubreite) wird vermutlich eher kleiner werden; aber es ist nicht zu erkennen, warum deshalb der Mittelwert sich vom wahren Wert entfernen sollte.

[EDIT: klärende Adjektive "gemittelten" hinzugefügt]

Kritiker Offline



Beiträge: 274

13.06.2013 17:08
#17 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Mich hat der Beitrag auch verwirrt. Ich hatte den Eindruck, dass das daran lag, dass Frank in den Begriff Schwarmintelligenz zu viel hineininterpretiert hat.

Nehmen wir das Beispiel von dem Fisch-Schwarm, den Frank als Schwarmverhalten bezeichnet hat. Aber Verhalten ist eine Reaktion auf intelligentes Wahrnehmen, wie z.B. "Feind in Sicht = ausweichen". Insofern ist das Verhalten also gerade genau dass, was der Begriff Schwarmintelligenz ausdrücken will. Ein anderes Beispiel aus dem Tierreich ist das Auffinden besonders lukrativer Sammelstellen für Nektar bei Bienen. Auch hier sorgt ein statistisches Verhalten des Schwarms dafür, dass die Bienen Nahrungsquellen besser ausbeuten, etwas, was eine einzelne Biene niemals von sich aus schaffen würde.

Auch bei Rezensionen (Tests) ist das Schwarmverhalten sinnvoll, nicht zur Beurteilung des Buches (technischen Geräts, Hotel, Fluggesellschaft, ...) generell, sondern für mich. Denn ich will als potenzieller Käufer einen Eindruck von dem Buch (oder dem Gebrauchsgegenstand) haben, BEVOR ich Geld ausgebe. Sich selbst eine Meinung bilden heisst aber Kaufen. Ich will aber mein Verlustrisiko minimieren, daher sind Rezensionen (Buch, technische Geräte, Hotel, Fluggesellschaften, ...)sinnvoll für mich. Allerdings muss ich auch wissen, dass wenn etwas sehr wenige Beurteilungen hat, die Gefahr besteht, dass manipulierte Beiträge viel stärker ins Gewicht fallen.

Ob in dem Hervorbringen politischer Entscheidungen ein Schwarmvorgehen sinnvoll ist, halte ich persönlich für zweifelhaft.

Das Argument ist ja: Demokratie ist ein System, in dem die Mehrheit bestimmt. Also ist es doch sinnvoll, bei der Hervorbringung einer Entscheidung von vorne herein die Mehrheit zu beteiligen. So denken viele links orientierte Menschen.

Oberflächlich ist dagegen auch nichts zu sagen, es soll ja die Mehrheit entscheiden. Meines Erachtens wird das aber in der Regel nicht funktionieren, weil es nicht um eine Entscheidung selbst geht, sondern um den Prozess zur Entscheidungsbildung. Und hier zeigt die Praxis (die Piraten erfahren das immer wieder), dass sich der Schwearm in dem Prozess selbst blockiert, es wird nie der Punkt erreicht, an dem eine Entscheidung gefällt wird. Der Prozess der Bildung einer politischen Entscheidung erfordert in der Regel eine starke (Macht, Wissen, Erfahrung) Person, die die zu entscheidende Lösung formuliert. Dabei kann es aber durchaus sinnvoll sein, dass sich diese Person Vorschläge holt, die über Schwarmprozesse erzeugt werden.

Demokratie ist also eher ein System, das eine mehrheitliche Auswahl von Alternativlösungen beinhaltet, die von starken Personen formuliert wurden.

Es ist meines Erachtens also so, das auch Schwarmintelligenz keine Antwort auf alle Fragen ist, aber durchaus seinen berechtigten Platz hat, auch im politischen Geschehen. Das ist aber keinerlei Gegensatz zur Bildung einer eigenen Meinung. Auch Liberale können Schwarmintelligenz gut einsetzzen und auch bei den Piraten ist das Bilden einer eigenen Meinung wesentlich in der politischen Arbeit.

Der Kritiker

Techniknörgler Offline



Beiträge: 2.734

13.06.2013 22:16
#18 RE: Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht Antworten

Lieber Frank2000,

es liegt vielleicht daran, dass meine Vorstellungen von und Assiziationen mit Schwarinteligenz von der Idee der "Weisheit der Vielen" geprägt ist, über die ich mich wiederum hauptsächlich im englischsprachigen Internet informiert habe. Interessant dazu auch der englische Wikipediaartikel: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Wisdom_...rm_a_wise_crowd

Zwar wird als Negativbeispiel im verlinkten Abschnitt eine Börsenblase genannt, aber grundsätzlich hat man im amerikanischen Raum kein Problem die Weisheit der Vielen mit Märkten zu verbinden, seien es Ideenmärkte oder andere Märkte. Es werden Negativbeispiele mit Zentralisierung und mangelnder Unabhängigkeit der Meinungsbildung genannt, das erscheint mir nicht marktfeindlich eingestellt zu sein, im Gegenteil führt es zu eine Aversion gegen Manipulationen des Marktes. Auch die Idee einen Markt durch einen Zentralplaner zu ersetzen wird dadurch nicht gedeckt, auch wenn der Zentralplaner ein großes Gremium oder gar das ganze Volk darstellen sollte, in dem per einfacher Mehrheitsentscheidung Vorgehensweisen bestimmt werden. Weiheit der Masse bedeutet eben nicht einfache Mehrheitsentscheidung, sondern eher das bestimmen eines Durchschnitts/Ausgleichs der Einzelentscheidungen. Der kritisierte Herdentrieb (der die Weisheit der Vielen zerstören kann) scheint mir im übrigen eher im politischen Bereich aufzutreten, als an Märkten, auch wenn es da nicht ausgeschlossen ist.

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“Being right too soon is socially unacceptable.”
― Robert A. Heinlein

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