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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 917 mal aufgerufen
 Zeitgeschichte und Politik
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

11.09.2007 19:20
Der "Deutsche Herbst" und die "Nacht von Stammheim" Antworten

Eine persönliche Erinnerung und der Versuch einer Einordnung.

R.A. Offline



Beiträge: 8.084

12.09.2007 12:04
#2 RE: Der "Deutsche Herbst" und die "Nacht von Stammheim" Antworten

> aber ich halte es für plausibel, daß die Generation derer, die damals
> zwischen ungefähr fünfzehn und dreißig Jahre alt waren, durch die
> Erfahrungen dieses Jahres 1977 nachhaltig geprägt wurde.
Einige wohl schon.
Aber SOO wichtig wie manche linke Journalisten das immer darstellen war dieser Herbst nun auch nicht.

Wir waren damals 17 Jahre, Oberstufe Gymnasium, Mehrheitsmeinung klar sozial-liberal bis sehr links (als Jungdemokrat war es damals Ehrensache, die Jusos links zu überholen).

Aber wenn es um Terrorismus ging, war die Meinung seit dem Olympia-Überfall von 1972 völlig klar - das waren Verbrecher, und nicht weiter. Den politische Hintergrund der RAF fanden wir schlicht gequirlten Mist, über den sich nicht einmal eine Diskussion lohnte.

Und zum Entsetzen unseres immer schwer betroffenen Deutschlehrers gab es eine große Party, als die Landshut befreit wurde. Es gab keine Party, als die Stammheim-Häftlinge den Abgang machten, aber doch eine sehr zufriedene Stimmung.

Und dann war das Thema endlich abgeschlossen - ohne weitere "nachhaltige Prägung". Dann konnte man sich wieder realen politischen Themen zuwenden: Umweltschutz, Atomkraft, Wirtschaftspolitik, Kohl-Witze, und durchaus auch der Abwehr von Schnüffelgesetzen - aber ohne Hysterie.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

12.09.2007 12:21
#3 RE: Der "Deutsche Herbst" und die "Nacht von Stammheim" Antworten

Lieber R.A.,

interessant, wie verschieden Ihre Beobachtungen von meinen sind.

Ich will vorerst nicht versuchen, den Unterschied zu interpretieren. Vielleicht schreiben ja noch andere, wie sie das damals erlebt haben.

Herzlich, Zettel

M.Schneider Offline



Beiträge: 672

14.09.2007 14:59
#4 RE: Der "Deutsche Herbst" und die "Nacht von Stammheim" Antworten

Lieber Zettel, lieber R.A.

Dann will ich meine Sicht der Dinge aus der damaligen Zeit als dritte Meinung auch beisteuern.
Ich war zu jener Zeit (1977) 23 Jahre alt.

Aus meiner Schulzeit erinnere ich mich an keinerlei linke Tendenzen. Dies hängt aber wahrscheinlich auch damit zusammen dass ich auf einem naturwissenschaftlichen Gymnasium war, das damals noch von der Landwirtschaftskammer betrieben wurde und dass fast ausschließlich von Landwirtssöhne besucht wurde.
Landwirte sind jedoch die stabilste Wählerschaft der CDU/CSU.

1977 war ich dann schon auf der Technischen Universität aber auch hier waren keine ausgeprägten linken Strukturen zu beobachten, möglicherweise sind diese in den Ingenieur Studienzweigen ohnehin deutlich geringer ausgeprägt.

Für mich persönlich waren alle Generationen von Terroristen angefangen bei Baader Meinhof bis zur RAF immer nur hoch kriminelle Wirrköpfe, die es galt so schnell wie möglich aus dem Verkehr zu ziehen. Als sich damals die Leute in Stammheim selber umbrachten, habe ich mich darüber gefreut, weil man tote Terroristen nicht mehr frei pressen kann und sie damit der Bundesrepublik einen großen Dienst erwiesen haben.

Ich habe nie auch nur im entferntesten daran gedacht, dass diese Terroristen vom Staat ermordet wurden.

Eine Prägung meinerseits durch diese Gruppen ist zu 100% null.

Herzlich M. Schneider

karaya ( Gast )
Beiträge:

14.09.2007 16:03
#5 RE: Der "Deutsche Herbst" und die "Nacht von Stammheim" Antworten
Ich war 1977 18 Jahre alt, sah dem Abi entgegen und war zudem "Kandidat" beim KBW, einer maoistischen Splittergruppe, wie man heute sagen würde. Wir selbst hätten uns allerdings wohl eher als traditionell marxistisch-leninistisch verortet.

Von daher hat die Partei die RAF und ihre Aktionen natürlich als "anarchistisch" und "indivualistisch" abgelehnt. Studium von Lenins Schrift "Linksradikalismus, eine Kinderkrankheit des Kommunismus" war zu der Zeit Pflicht.

Die sog. "Nacht von Stammheim" war für mich nicht von überragender Bedeutung. Die offizielle Parteilinie ließ offen, ob der Staat die Häftlinge exekutiert oder ihnen Schußwaffen zum Suizid zugespielt hatte. Ich persönlich tendierte zu letzterer Auffassung; daß die Häftlinge sich in Stammheim selbst Waffen verschafft hatten, hielt so ziemlich jeder, den ich kannte, für ausgeschlossen, auch außerhalb der Partei oder linker Kreise. Das war beim damaligen Kenntnisstand über den "Hochsicherheitstrakt" allerdings auch kein Wunder. Wie lax es dort in Wirklichkeit zuging, hat man erst viel später erfahren; auch so ein Beispiel für die Wirksamkeit der RAF-Propaganda und das eklatante Versagen vieler deutscher Medien, die so viel auf sich halten und damals schon hielten.

Ich sah das ganze so: Die Partei hatte vorhergesagt, daß individualistischer Terror im Klassenkampf scheitern muß und die Partei hatte recht behalten. Fertig, aus, Amen.

Die Verkehrskontrollen mit MP im Anschlag und das ganze Programm fand ich schon latent bedrohlich, aufgrund meiner damals bereits vorhandenen, gewissen, nun nennen wir's mal Affinität zu Schußwaffen allerdings vielleicht nicht so sehr, wie manche(r) andere. Die zu dieser Zeit relativ neu bei der Polizei eingeführte MP 5 von H&K habe ich immer eher interessiert beäugt.

Später ist dann das Ganze für mich mit zunehmender politischer Umorientierung recht schnell in Vergessenheit geraten.
Feynman ( gelöscht )
Beiträge:

14.09.2007 17:46
#6 RE: Der "Deutsche Herbst" und die "Nacht von Stammheim" Antworten

Ich war 1977 noch nicht geboren. Wozu schreib ich dann?

Erst vor kurzem meinte jemand zu mir, irgendwie verstünde sie die Motive der RAF, könne die Motive nachvollziehen, was genau damit gemeint war, konnte ich auch durch nachfragen nicht zu bestimmen. Heutige Sympatien für die RAF sind, sollten sie tatsächlich vorhanden sein, eher difus.

Sparrowhawk ( Gast )
Beiträge:

14.09.2007 21:13
#7 RE: Der "Deutsche Herbst" und die "Nacht von Stammheim" Antworten
1977 gab es mich schon, aber da war ich noch zu jung, um mir über Politik und die RAF Gedanken zu machen... als 5-Jähriger hat man halt andere Dinge im Kopf.

Eher mitbekommen habe ich dann spätere Aktionen der RAF... wie die Morde an Beckurts, Herrhausen oder Rohwedder. Und als dann mal ein RAF Terrorist von der Polizei erschossen wurde (Grams ?), nun, ich hab natürlich nicht frohlockt... aber mein Mitlerid war gleich 0.
Also wenn die RAF mit ihren Aktionen etwas bei mir bewirkt hat, dann, daß ich für diese feigen Mörder (wie die Bild-Zeitung nach dem Rohwedder-Mord in großen Lettern auf der Titelseite schrieb; wenigstens dieses eine Mal muss ich der Bild da rechtgeben) absolut nichts übrig habe.
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