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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 447 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Kallias Offline




Beiträge: 2.170

19.05.2018 17:53
Der Zufall – eine schöpferische Ursache? antworten

Ein Beitrag von Ludwig Weimer zum morgigen Pfingstfest.

https://zettelsraum.blogspot.com/2018/05...he-ursache.html

Simon Offline



Beiträge: 263

19.05.2018 22:49
#2 RE: Der Zufall – eine schöpferische Ursache? antworten

Zitat
Denkt doch einmal die Kirchgänger am Ort nicht nur zum Gottesdienst, sondern zu Versammlungen versammelt, wie sich die Synagogen, die Apostel und ihre Gemeinden zum Gespräch zusammentaten. Das würde ein Chaos? Gewiss, schlimmer als die erwünschte Streitkultur.

Dann wären Reformen unmöglich? Nein, wenn eine Versammlung sich daran erinnerte, dass es in ihrem Glauben auch ein Verbindendes zwischen Gottes Wollen und den Wünschen von Menschen gibt.


Zum Wollen und Wünschen gehört nichts sehnlicher, als dass das Antlitz der Erde erneuert werde. - Ist das nur eine Worthülse, was morgen festgefügt wieder in der katholischen Liturgie als antiphonische Bitte erklingen wird? Sollte man stattdessen anfangen, reformerisch zu streiten, bewusst das Chaos herbeireden, damit der HEILIGE GEIST etwas zu tun bekäme?
Ich weiß keine Antwort.

Dennoch herzlichen Dank an Prof Weimer für die höchst anregende Lektion und frohe Pfingstfeiertage, auch ein wenig im Warmen und Grünen!
Simon

Simon Offline



Beiträge: 263

27.05.2018 16:14
#3 RE: Der Zufall – eine schöpferische Ursache? antworten

Am heutigen Dreifaltigkeis-Sonntag, wo es um ein weiteres Dogma der einen katholischen Kirche geht, die aber als die eine wahre so zerrissen dasteht, finde ich es angemessen, noch einmal an das anzuknüpfen, was Herr Weimer an anderer Stelle über das Dogma der Menschwerdung m.E. so treffend gesagt hat.
Der Logos aus dem Anfang des Johannes-Evangeliums ist natürlich der Sohn, wie er im heutigen Tages-Dogma genannt wird. Beide Ausdrücke bezeichnen das Gleiche. Dazu kommt noch der Heilige Geist, der als göttliche Realität in bereits fortgeschrittener Zeit des Christentums seinen wissenschaftlichen Ordnungs-Platz erhält. - Ein überflüssiges Dogma? Folgt man der Übersetzungs-Sprache im Folgenden ist der Mensch des Geistes fähig. Eine nur spielerische Aussage, oder eine größenwahnsinnige, wenn man einen Menschen "Gottes-Geist" nennt, der den Aussagen der Evangelien nach noch Größeres als der vorangegangene Sohn vermögen soll?



Zitat

Die Distanzierung von der Wahrheitsfrage ist ein Kennzeichen unserer Zeit, unserer Enttäuschung. Dieser Geisteszustand ist aber kein Gewinn, sondern eine Verarmung.
Gut daran ist allerdings die Hinterfragung des zu einfach interpretierten Dogmas von der ‚Mensch-werdung‘ Gottes. Gott kann nichts werden, er muss Gott bleiben. Nicht Gott selber wurde also Mensch, sondern ein logos war sein logos. Ein logos war von seinem Geist voll erfüllt an einem bestimmten Zeitpunkt der jüdischen Suche.
Wie die Evolution zum Menschen kam, so die Staats- und Religionsgeschichte zum logos der religionskritischen Wahrheit. Das war der judenchristliche Glaube der Jünger Jesu. Homo capax Dei ist das von unten formulierte ‚Gott stieg herab‘. Wie sollte man den göttlichen Luxus für uns armselige Menschen ausdrücken? Ich weiß, dass das heute kaum einer für wahr hält, aber viele es für einen religiösen Größenwahn ansehen. Aber der jüdische und der christliche Glaube sind nicht bloß Ethik oder Religion, sondern die angedeutete Kühnheit sondergleichen.
Die Heilung körperlicher Krankheiten ist bei diesem Erlösungsdenken eingeschlossen und nicht abgewertet. Das Reich Gottes soll auf der Erde und in der Zeit stattfinden.

Ludwig Weimer



Mit vielen Grüßen!
Simon

Ludwig Weimer Offline



Beiträge: 282

28.05.2018 20:04
#4 RE: Der Zufall – eine schöpferische Ursache? antworten

Meine sozusagen Pfingstpredigt und Kritik an der derzeitigen akadem. Theologie hatte nicht mit Antworten gerechnet. Da Sie sich die Mühe zweimal machten, möchte ich Ihnen danken mit einer Überlegung, die ich derzeit im kurzen Entwurf bearbeite und die die Trinitätsfrage betrifft.

Im Aufsatz „Pluralismus als Frage an Kirche und Theologie“, 1986 veröffentlicht, erzählt Ratzinger von Guardinis und seinem eigenen Traum angesichts der Krise der Universitätstheologie. Guardini „wollte nicht herausbringen, wie dies oder jenes damals gewesen ist, sondern was an dem Damaligen und am Heutigen wahr ist und daher uns angeht. Mit solchem Bemühen aber fand er keinen Raum in der promotionsfähigen Theologie. Weil er das Bewusstsein hatte, dennoch etwas durchaus Universitätswürdiges zu tun, sagte er sich, er arbeite für eine künftige Universität, die es noch nicht gebe [R. Guardini, Berichte über mein Leben, Autobiographische Schriften. Aus dem Nachlass hg. von F. Henrich, Düsseldorf 1984,46]. Soviel ich sehen kann, gibt es sie auch heute noch nicht, aber es müsste sie geben, und man müsste auch weiter für sie arbeiten.“ Im Fächergefüge müsse dann „die sogenannte Praktische Theologie den eigentlichen Ausgangs- und Endpunkt des Ganzen“ bilden. (Joseph Cardinal Ratzinger, Wesen und Auftrag der Theologie, Freiburg : Johannes Verlag Einsiedeln 1993, 68)

Was inzwischen geschah, erlaubt einen Hinweis auf die Vision. Im vierten Jahrhundert war der Großteil der Kirche plötzlich der Häresie der Gnosis verfallen. Schlimme Folgen waren der Antijudaismus und die Weltablehnung. Erst im 20. Jh. wurde das überwunden fast bis ins Gegenteil. Die neue Häresie, die der Kirche heute droht, der Pluralismus, hat auch eine zeitgenössische philosophische Wurzel: Wir Menschen könnten niemals die Wirklichkeit und Wahrheit an sich erkennen, wir können nur mit subjektiven Erfahrungswirklichkeiten umgehen. Folglich könne auch keine der Religionen ganz wahr sein. Wenn alle bescheiden werden, gäbe es Frieden.

Die Antwort wäre schon verloren, wenn wir Theologen diese Einsicht bekämpften. Wir müssen vielmehr eine neue Christologie gerade von diesem Ansatz her finden. Sie könnte so vorgehen:
Jesus war ein einfacher Handwerker, aber er trug tausend Jahre Israelerfahrung im Kampf mit der Macht, mit dem Land, mit der Nächstenliebe in sich, er kannte das menschliche Herz. Darin war er Sokrates an Realismus gleich und Platons Utopie überlegen. Im Aufsatz „Pluralismus als Frage an Kirche und Theologie“, 1986 veröffentlicht, erzählt Ratzinger von Guardinis und seinem eigenen Traum angesichts der Krise der Universitätstheologie. Guardini „wollte nicht herausbringen, wie dies oder jenes damals gewesen ist, sondern was an dem Damaligen und am Heutigen wahr ist und daher uns angeht. Mit solchem Bemühen aber fand er keinen Raum in der promotionsfähigen Theologie. Weil er das Bewusstsein hatte, dennoch etwas durchaus Universitätswürdiges zu tun, sagte er sich, er arbeite für eine künftige Universität, die es noch nicht gebe [R. Guardini, Berichte über mein Leben, Autobiographische Schriften. Aus dem Nachlass hg. von F. Henrich, Düsseldorf 1984,46]. Soviel ich sehen kann, gibt es sie auch heute noch nicht, aber es müsste sie geben, und man müsste auch weiter für sie arbeiten.“ Im Fächergefüge müsse dann „die sogenannte Praktische Theologie den eigentlichen Ausgangs- und Endpunkt des Ganzen“ bilden. (Joseph Cardinal Ratzinger, Wesen und Auftrag der Theologie, Freiburg : Johannes Verlag Einsiedeln 1993, 68)
Was inzwischen geschah, erlaubt einen Hinweis auf die Vision. Im vierten Jahrhundert war der Großteil der Kirche plötzlich der Häresie der Gnosis verfallen. Schlimme Folgen waren der Antijudaismus und die Weltablehnung. Erst im 20. Jh. wurde das überwunden fast bis ins Gegenteil. Die neue Häresie, die der Kirche heute droht, der Pluralismus, hat auch eine zeitgenössische philosophische Wurzel: Wir Menschen könnten niemals die Wirklichkeit und Wahrheit an sich erkennen, wir können nur mit subjektiven Erfahrungswirklichkeiten umgehen. Folglich könne auch keine der Religionen ganz wahr sein. Wenn alle bescheiden werden, gäbe es Frieden
Die Antwort wäre schon verloren, wenn wir diese Einsicht bekämpften. Wir müssen vielmehr eine neue Christologie gerade von diesem Ansatz her finden. Sie könnte so lauten: Jesus war ein einfacher Handwerker, aber er trug tausend Jahre Israelerfahrung im Kampf mit der Macht, mit dem Land, mit der Nächstenliebe in sich, er kannte das menschliche Herz. Darin war er Sokrates an Realismus gleich und Platons Utopie überlegen. Wir sind zwei Jahrtausende weiter und haben auch nichts Besseres gesehen. Die Kirche müsste folglich unter dem Leitsatz „Jesus war Jude“ eine tiefe Reform durchmachen, um sagen zu können: Jesus fiel nicht vom Himmel, aber seine Lehre über den Weg zur Rettung der Menschheit stammt gleichsam vom Schöpfer und Gott Israels. Gott bleibt zwar auch für uns Christen unsichtbar, aber wir definieren ihn und seine Hilfe mit dem Juden Jesus und seinem Geist. Wir haben, ohne dass es die christologischen Dogmen der Zeit der von 325-681 ahnten, die richtige philosophische Skepsis seit Kant sozusagen links überholt, indem wir Gott mit den Worten, Taten und der Lebenshingabe eines Menschen, des Juden Jesus, definieren. Auch der christliche Antisemitismus wäre überwunden.
Wir sind zwei Jahrtausende weiter und haben auch nichts Besseres gesehen. Die Kirche müsste folglich unter dem Leitsatz „Jesus war Jude“ eine tiefe Reform durchmachen, um sagen zu können: Jesus fiel nicht vom Himmel, aber seine Lehre über den Weg zur Rettung der Menschheit stammt gleichsam vom Schöpfer und Gott Israels. Gott bleibt zwar auch für uns Christen unsichtbar, aber wir definieren ihn und seine Hilfe mit dem Juden Jesus und seinem Geist. Wir haben, ohne dass es die christologischen Dogmen der Zeit von 325-681 ahnten, die richtige philosophische Skepsis seit Kant sozusagen links überholt, indem wir Gott mit den Worten, Taten und der Lebenshingabe eines Menschen, des Juden Jesus, definieren.

Grüße! Ludwig Weimer

Simon Offline



Beiträge: 263

29.05.2018 10:45
#5 RE: Der Zufall – eine schöpferische Ursache? antworten

Lieber Herr Weimer, Dank für ihre Antwort.

Leider hat sich darin eine Wiederholung der Gedanken eingeschlichen, die ich (Ihr Einverständnis voraussetzend) mit Hilfe einer Kopie auszumerzen versuchte. - In einem Absatz schien mir eine Verständigungshlfe nötig.

Zitat
Meine sozusagen Pfingstpredigt und Kritik an der derzeitigen akadem. Theologie hatte nicht mit Antworten gerechnet. Da Sie sich die Mühe zweimal machten, möchte ich Ihnen danken mit einer Überlegung, die ich derzeit im kurzen Entwurf bearbeite und die die Trinitätsfrage betrifft.

Im Aufsatz „Pluralismus als Frage an Kirche und Theologie“, 1986 veröffentlicht, erzählt Ratzinger von Guardinis und seinem eigenen Traum angesichts der Krise der Universitätstheologie. Guardini „wollte nicht herausbringen, wie dies oder jenes damals gewesen ist, sondern was an dem Damaligen und am Heutigen wahr ist und daher uns angeht. Mit solchem Bemühen aber fand er keinen Raum in der promotionsfähigen Theologie. Weil er das Bewusstsein hatte, dennoch etwas durchaus Universitätswürdiges zu tun, sagte er sich, er arbeite für eine künftige Universität, die es noch nicht gebe [R. Guardini, Berichte über mein Leben, Autobiographische Schriften. Aus dem Nachlass hg. von F. Henrich, Düsseldorf 1984,46]. Soviel ich sehen kann, gibt es sie auch heute noch nicht, aber es müsste sie geben, und man müsste auch weiter für sie arbeiten.“ Im Fächergefüge müsse dann „die sogenannte Praktische Theologie den eigentlichen Ausgangs- und Endpunkt des Ganzen“ bilden. (Joseph Cardinal Ratzinger, Wesen und Auftrag der Theologie, Freiburg : Johannes Verlag Einsiedeln 1993, 68)

Was inzwischen geschah, erlaubt einen Hinweis auf die Vision. Im vierten Jahrhundert war der Großteil der Kirche plötzlich der Häresie der Gnosis verfallen. Schlimme Folgen waren der Antijudaismus und die Weltablehnung.
Erst im 20. Jh. wurde das überwunden fast bis ins Gegenteil.
Die neue Häresie, die der Kirche heute droht, der Pluralismus, hat auch eine zeitgenössische philosophische Wurzel: Wir Menschen könnten niemals die Wirklichkeit und Wahrheit an sich erkennen, wir können nur mit subjektiven Erfahrungswirklichkeiten umgehen. Folglich könne auch keine der Religionen ganz wahr sein. Wenn alle bescheiden werden, gäbe es Frieden.

(Die Antwort wäre schon verloren, wenn wir diese Ansicht bekämpften.) Das neuzeitliche Denken enthält einen Ansatz, der theologisch fruchtbar gemacht werden kann.
Der Religionspluralismus muss zwar als unwahr erkannt und widerlegt werden. Aber darauf lässt sich gerade von dem neuzeitlichen wissenschaftlich-subjektiven Erfahrungsdenken her eine wahre theologische Antwort aufgrund einer über 1000-jährigen Gottes-Erfahrung im Volke Israel geben.

- Wir müssen (vielmehr) eine neue Christologie gerade von diesem Ansatz her finden. Sie könnte so lauten: Jesus war ein einfacher Handwerker, aber er trug tausend Jahre Israelerfahrung im Kampf mit der Macht, mit dem Land, in der Auseinandersetzung mit den Glaubensgenossen, mit der wahren Nächstenliebe, in sich; er kannte das menschliche Herz. Darin war er Sokrates an Realismus gleich und Platons Utopie überlegen.

Wir sind zwei Jahrtausende weiter und haben auch nichts Besseres gesehen. Die Kirche müsste folglich unter dem Leitsatz „Jesus war Jude“ eine tiefe Reform durchmachen, um sagen zu können: Jesus fiel nicht vom Himmel, aber seine Lehre über den Weg zur Rettung der Menschheit stammt gleichsam vom Schöpfer und Gott Israels. Gott bleibt zwar auch für uns Christen unsichtbar, aber wir definieren ihn und seine Hilfe mit dem Juden Jesus und seinem Geist. Wir haben, ohne dass es die christologischen Dogmen der Zeit der von 325-681 ahnten, die richtige philosophische Skepsis seit Kant sozusagen links überholt, indem wir Gott mit den Worten, Taten und der Lebenshingabe eines Menschen, des Juden Jesus, definieren. Auch der christliche Antisemitismus wäre überwunden.

Grüße! Ludwig Weimer


Ja, Ihr Ansatz ist schlüssig.

Mit vielen Grüßen!
Simon

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