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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 22 Antworten
und wurde 2.334 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Llarian Offline



Beiträge: 4.751

27.08.2019 00:40
Der lompsche Deckel Antworten

Eine kurze Anmerkung zum Berliner Mietenteignungsmarkt.

Florian Offline



Beiträge: 2.697

27.08.2019 15:47
#2 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Ergänzung:

Warum steigen eigentlich die Mieten u.a. Berlin so deutlich?

Man hört hier häufig eine Begründung, die m.E. nicht plausibel ist.
Und eine andere Begründung hört man nie - obwohl sie m.E. plausibel wäre.

A. Die m.E. nicht plausible Begründung:
"Die Mietsteigerungen sind eine Folge des niedrigen Zinsniveaus, das die Immobilienpreise treibt".
Warum dies nicht stimmt?
Nun, ein Investor will eine bestimmte Mietrendite erreichen (= Jahresmiete geteilt durch Kaufpreis).
In Zeiten hoher Zinsen muss diese Rendite hoch sein (z.B. 5%), in Zeiten niedriger Zinsen kann sie auch deutlich niedriger sein (z.B. 2%).
Eine Wohnung, die im Jahr 10.000 Miete bringt, hat bei 5% Mietrendite einen Wert von 200.000.
Bei 2% Mietrendite dann einen Wert von 500.000.
Bei diesem Marktmechanismus steigt also der Kaufpreis der Wohnung, weil das Zinsniveau gesunken ist - und die Jahresmiete kann dennoch unverändert bei 10.000 bleiben.
Fazit: Die EZB mag an vielem Schuld sein, inclusive auch den gestiegenen Immobilienpreisen. Für die gestiegenen Mieten kann sie aber nichts.

B. die eigentliche Ursache: "Angebot und Nachfrage"
Gerade Berlin war ja viele Jahre lang berühmt für seine niedrigen Mieten. In jüngster Zeit gab es nun plötzlich einen massiven Anstieg. Es lohnt sich, sich einmal die Nachfrage-Situation anzuschauen.
Dazu hier die Entwicklung der Einwohnerzahl von Berlin:
https://de.wikipedia.org/wiki/Einwohnere...lung_von_Berlin
1950: 3.336 Tsd. (Ost+Westberlin)
1991: 3.446 Tsd.
2014: 3.469 Tsd.
2018: 3.645 Tsd.
Mit anderen Worten: Von 1950 bis zu Wiedervereinigung war die Entwicklung komplett flach. (durchschnittliches Wachstum: 2000 pro Jahr.)
Und auch nach der Wiedervereinigung bis 2014 war sie komplett flach. (Wachstum weiterhin knapp 2000 pro Jahr).
Ab 2014 gab es nun ein SEHR deutliches Wachstum von rund 45.000 pro Jahr.

Woran liegt's?
Nun, dafür gibt es sehr detaillierte Darstellungen der Wanderungsbewegungen hier:
https://www.statistik-berlin-brandenburg...eg=BBB&anzwer=9
(Tabellenblatt 1 und 2 in der Excel-Liste)

Zusammengefasst:
Von 1991 bis 2014:
Zuzug nach Berlin per Saldo durchschnittlich +12 Tsd. pro Jahr
(davon:
aus dem Ausland +13 Tsd.
Gegenüber der restlichen Bundesrepublik -1 Tsd.
Saldo Zuzug ausländische Bevölkerung: +16 Tsd.
Saldo Zuzug deutsche Bevölkerung: -4 Tsd.)

Von 2015 bis 2018:
Zuzug nach Berlin per Saldo durchschnittlich +40 Tsd. pro Jahr
(davon: aus dem Ausland +42 Tsd.
Gegenüber der restlichen Bundesrepublik -2 Tsd.
Saldo Zuzug ausländische Bevölkerung: +48 Tsd.
Saldo Zuzug deutsche Bevölkerung: -8 Tsd.)

Der Mythos, dass die superattraktive Metropole Berlin von "Schwaben" aus Westdeutschland überrannt würde, die durch ihren Zustrom die Mieten nach oben treiben ist also genau dies: ein Mythos.
In Wahrheit verliert Berlin seit Jahrzehnten per Saldo in geringem (tendenziell ansteigendem) Umfang Bevölkerung an die restliche Bundesrepublik. Insbesondere deutsche Staatsbürger verlassen Berlin.

Der eigentliche Bevölkerungsanstieg kommt komplett aus dem Ausland und durch Zuzug ausländischer Bevölkerung.
Und speziell der deutliche Anstieg seit 2015 ist ein Zustrom aus dem Ausland.

Nun mag man ja - gerade als politisch links denkender Mensch - den verstärkten Zustrom seit 2015 ja ausdrücklich begrüßen.
Man sollte sich aber schon übe die Folgen bewusst sein:
Die Verschärfung der Nachfragesituation auf dem Berliner Mietmarkt in den letzten Jahren ist KOMPLETT durch diesen Zustrom getrieben. Und NULL durch Zustrom der verhassten "Schwaben".

(https://www.tagesspiegel.de/berlin/prenz...ez/4544976.html
"Zugereiste aus dem Ländle gelten als Mietpreistreiber und Speerspitze der Gentrifizierung.")

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 657

27.08.2019 22:39
#3 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Man kann dann auch mal die Frage stellen wer die Mieten für diese Leute eigentlich bezahlt, und ob darin nicht die eigentliche Motivation liegt die Eigentümer zu enteignen... da geht jemandem mal wieder das Geld anderer Leute aus.

Llarian Offline



Beiträge: 4.751

27.08.2019 23:52
#4 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #2
Fazit: Die EZB mag an vielem Schuld sein, inclusive auch den gestiegenen Immobilienpreisen. Für die gestiegenen Mieten kann sie aber nichts.

Interessante Betrachtung. Aus der Perspektive müsste die EZB sogar eher dafür verantwortlich sein, wenn der Mietspiegel sinken würde (denn die reinen Baukosten für Neubauten sind ja nicht in dem selben Maße gestiegen wie die Zinsen gesunken sind). Da aber gleichzeitig die Gemeinden nahezu keine neuen Bauflächen ausweisen, werden diese Vorteile durch Preissteigerung der Grundstücke aufgefressen.

Zitat

Von 2015 bis 2018:
Zuzug nach Berlin per Saldo durchschnittlich +40 Tsd. pro Jahr
(davon: aus dem Ausland +42 Tsd.
Gegenüber der restlichen Bundesrepublik -2 Tsd.
Saldo Zuzug ausländische Bevölkerung: +48 Tsd.
Saldo Zuzug deutsche Bevölkerung: -8 Tsd.)

Der Mythos, dass die superattraktive Metropole Berlin von "Schwaben" aus Westdeutschland überrannt würde, die durch ihren Zustrom die Mieten nach oben treiben ist also genau dies: ein Mythos.
In Wahrheit verliert Berlin seit Jahrzehnten per Saldo in geringem (tendenziell ansteigendem) Umfang Bevölkerung an die restliche Bundesrepublik. Insbesondere deutsche Staatsbürger verlassen Berlin.


Wenn man jetzt das böse Wort "Bevölkerungsaustausch" fallen lassen würde, dann wäre man gleich ein Nazi. Aber genau das passiert offenkundig in Berlin. Übrigens würde ich nicht unbedingt behaupten, dass die Bevölkerung an die restliche Republik verloren wird. Deutschland hat, was die autochthone Bevölkerung angeht, auch seit Jahren deutliche Verluste. Aber da bin ich schon wieder bei dem bösen Wort.

Frank2000 Offline




Beiträge: 2.100

28.08.2019 07:55
#5 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Freiwilliges Aussterben ist kein Austausch.

___________________
Jeder, der Merkel stützt, schützt oder wählt, macht sich mitschuldig.

strubbi77 Offline



Beiträge: 258

28.08.2019 13:18
#6 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #2
Ergänzung:
Fazit: Die EZB mag an vielem Schuld sein, inclusive auch den gestiegenen Immobilienpreisen. Für die gestiegenen Mieten kann sie aber nichts.


Genau die EZB sorgt mit den niedrigen Zinsen für einen Erhöhung des Kaufpreise, da bei gleichbeibenden Mieten der Wechsel für den Vermieter durch Verkauf der Wohnung einen höheren Kaufpreis bedingt.

Im Normalfall müßte das aber dazu führen, dass am Markt für ETWs das Angebot steigt.
Dabei gibt es aber folgende Probleme:
- Zu wenig Neuausweisung von neuem Bauland
- Kein Wunsch nach Erhöhung der Wohnfläche pro Bodenfläche durch Kiezschutz.

strubbi
Es geht nichts verloren, ausser der Fähigkeit es wiederzufinden.

Llarian Offline



Beiträge: 4.751

28.08.2019 15:22
#7 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #5
Freiwilliges Aussterben ist kein Austausch.

Die Deutschen sterben nicht freiwillig aus. Sie werden nur dank Merkelscher Politik (die in der Beziehung weit früher angefangen hat, aber in dieser deutlich wird) überrannt. Es wäre ja nichts schlimmes, wenn es in 50 Jahren halt nur noch 60 oder 50 Millionen Deutsche gäbe (im Gegenteil, mehr Reichtum für weniger Menschen). Nur werden sich diese 50 Millionen dann einer deutlich größeren Menge von "Menschen, die noch nicht so lange hier leben" gegenüber sehen.

Florian Offline



Beiträge: 2.697

28.08.2019 17:05
#8 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von strubbi77 im Beitrag #6


Im Normalfall müßte das aber dazu führen, dass am Markt für ETWs das Angebot steigt.
Dabei gibt es aber folgende Probleme:
- Zu wenig Neuausweisung von neuem Bauland
- Kein Wunsch nach Erhöhung der Wohnfläche pro Bodenfläche durch Kiezschutz.


Und noch ein Problem: Keine freien Kapazitäten in der Bauwirtschaft.

Die Bauwirtschaft und die Handwerker arbeiten zur Zeit am Kapazitätslimit.
(Kann jeder bestätigen, der Handwerker für irgendetwas sucht).
2018 wurden 286 Tsd. Wohnungen gebaut. (Zum Vergleich: 2010 waren es 160 Tsd.)
Gleichzeitig gibt es auch im Immobilienbestand viele staatlich vorangetriebene Maßnahmen, die Handwerkerzeit kosten (die Vorschriften zur energetischen Sanierung von Außenfassaden und die gesetzliche Pflicht, alte Heizungen zu ersetzen, zum Beispiel).
Auch die Energiewende kostet viel Handwerkerzeit und Bau-Kapazitäten (Installation von Solaranlagen, Bau von Stromtrassen, Bau von Windrädern, usw.).

nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.867

28.08.2019 23:42
#9 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #2
"Die Mietsteigerungen sind eine Folge des niedrigen Zinsniveaus, das die Immobilienpreise treibt".
Warum dies nicht stimmt?
Ihre Argumentation ist in meinen Augen richtig. Allerdings glaube ich nicht, dass die Zusammenhänge linear und monokausal sind. Sie nennen ja selbst noch einen (weiteren, wichtigen) Faktor.

Zitat von Florian im Beitrag #8
Und noch ein Problem: Keine freien Kapazitäten in der Bauwirtschaft.
Bauen ist die letzten Jahre unglaublich viel teuerer geworden, auch aus diesm Grund.

Ich weiß nicht wie das in anderen Regionen ist aber für das Rhein Main Gebiet kenne ich auch Beispiele, dass aussländische (chinesische) Investoren teilweise einfach Wohnraum in besten Lagen kaufen und ihn leer stehen lassen. Auch weiß ich aus diversen Quellen, dass asiatische Investoren sehr aktiv am Wohnungs / Haus markt sind. Wahrscheinlich erscheinen Metropolenpreise in Deutschland im internationalen Vergleich immer noch billig.

Zitat von Florian im Beitrag #2
Und speziell der deutliche Anstieg seit 2015 ist ein Zustrom aus dem Ausland.
Über diesen Umstand schüttele ich schon länger den Kopf. Da wird politisch gewollt ein Zuzug von Millionen Menschen durchgeführt. Aktuell liegen wir immer noch bei einer Quote von ~200T Menschen pro Jahr. Das ist eine Stadt wie Kassel. Dass steigende Mieten allerdings damit zusammenhängen könnten, kommt natürlich keinem in den Sinn.....

Und die Politik spielt sich wieder als Fürsprecher für die Leidtragenden von Problemen auf, die sie selbst mit verursacht hat. Leider ein altbekanntes Muster, dass derzeit ja die Grünen in Perfektion betreiben: Fürsprecher, der windradgeschredderten Bienen, die aus der Not heraus, das Klima retten zu müssen, zum Vielfliegen gezwungen sind, dass sie daher anderen verbieten müssen. Und das reicht für 25% in den Umfragen.

Herzlich


nachdenken_schmerzt_nicht

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

Martin Offline



Beiträge: 3.173

29.08.2019 07:32
#10 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #2
Ergänzung:

Warum steigen eigentlich die Mieten u.a. Berlin so deutlich?

Man hört hier häufig eine Begründung, die m.E. nicht plausibel ist.
Und eine andere Begründung hört man nie - obwohl sie m.E. plausibel wäre.


Ich habe keinen Überblick, in welchem Umfang Mieten in Berlin insgesamt gestiegen sind, also auch bei den wohl meist Altmietern. Zwar gab es immer wieder spektakuläre Berichterstattung über Umbaumaßnahmen, Entmietung u.a. um Renditen zu steigern, mir fehlt aber die Größenordnung für den gesamten Vermietungsmarkt.

Hohe Mietensteigerungen dürften in jedem Fall von Neuvermietungen stammen, ob nun Mieterwechsel oder Neubau. Gerade hier wäre ich aber neugierig, ob ein Gros der Steigerung darauf zurückgeht, dass die Stadt Wohnungen für die Zuwanderer zu überhöhten Preisen anmietet, und damit auch das Preisniveau nach oben treibt. Als Vermieter müsste man mir eine ziemliche Risikoprämie bieten, wenn ich an den Typ der Merkel'schen Zuwanderer vermieten sollte.

Das hieße dann aber auch, dass die Kosten der Stadt irgendwann durch die Decke gehen müssten. Der Mietendeckel wäre also die gezogene Reißleine auf Kosten aller Vermieter. Dann gäbe es auch eine Logik in einer Enteignungsdiskussion. Ab irgendeiner Miethöhe kommt die Entschädigung für die Wohnungsbesitzer billiger. Gibt es Zahlen über die Entwicklung der Ausgaben der Stadt für Mieten für Zuwanderer?

Gruß
Martin

Florian Offline



Beiträge: 2.697

29.08.2019 12:42
#11 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Martin im Beitrag #10
Gibt es Zahlen über die Entwicklung der Ausgaben der Stadt für Mieten für Zuwanderer?


Grundsätzlich haben Sie mit Ihrem Punkt recht:
Ja, die Mieten, die eine Stadt für Flüchtlinge zahlen muss sind i.d.R. relativ hoch (weil der Vermieter einen höheren Wertverlust hat).

Allerdings spielt dies für die Mietentwicklung einer ganzen Stadt keine so große Rolle.
(Weniger als 5% der Wohnungen einer Stadt werden von Flüchtlingen bewohnt. Selbst wenn sich die Mieten für diese Wohnungen durch diese neue Verwendung verdoppeln würden, würde dies im Durchschnitt der Stadt nur zu 5% Mietsteigerung führen.
Realistischerweise sind die Werte noch geringer).

Das eigentliche Problem ist also nicht so sehr, dass die Miete von Flüchtlings-Wohnungen relativ hoch ist.
Sondern dass durch die zusätzliche hohe Nachfrage das Angebot insgesamt zu knapp ist. Und diese allgemeine Verknappung führt zu steil ansteigenden Mieten.(Und das fehlende Angebot kann aufgrund der ohnehin bestehenden Vollauslastung der Bauwirtschaft nur langfristig über viele Jahre durch Neubauten ausgeglichen werden).

Jetzt mal abgesehen davon, dass die Mieten in Berlin zwar deutlich gestiegen, aber dennoch bis heute sehr moderat sind.
Von 2002 bis 2018 sind die durchschnittlichen Vergleichsmieten in Berlin von 4,20 €/m² auf 6,70 €/m² gestiegen.
Das ist in der Tat ein steiler Anstieg von jährlich 2,8%.
In München sind die Mieten im gleichen Zeitraum von 8,40 auf 11,70 gestiegen.
Also ein Anstieg von "nur" 2,1% pro Jahr. Allerdings ist der Münchner Anstieg in absoluten Zahlen deutlich höher. Und ohnehin sind die Berliner Mieten aus Münchner Sicht immer noch extrem niedrig.
(https://www.rbb24.de/politik/beitrag/201...mietpreise.html)
Auch in meiner kleinen, provinziellen oberbayerischen Heimatstadt sind die Mieten höher als in Berlin.
Im europäischen Vergleich zählt Berlin ohnehin zu den super-günstigen Städten.
In einem Artikel aus 2012 habe ich ein Städteranking gefunden. Unter den 25 teuersten europäischen Städten befindet sich zwar z.B. Madrid und Istanbul. Auch das angeblich durch viel städtischen Wohnungsbau so günstige Wien. Aber nicht Berlin.
(https://www.redakteur.cc/tag/eca-international/).
Die Berliner erleben also zur Zeit lediglich den Schock, dass sie - von sehr niedrigem Niveau kommend - sich sehr langsam in Richtung europäisch üblicher Mieten bewegen.

Martin Offline



Beiträge: 3.173

29.08.2019 12:58
#12 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #11
Zitat von Martin im Beitrag #10
Gibt es Zahlen über die Entwicklung der Ausgaben der Stadt für Mieten für Zuwanderer?


Grundsätzlich haben Sie mit Ihrem Punkt recht:
Ja, die Mieten, die eine Stadt für Flüchtlinge zahlen muss sind i.d.R. relativ hoch (weil der Vermieter einen höheren Wertverlust hat).

Allerdings spielt dies für die Mietentwicklung einer ganzen Stadt keine so große Rolle.
(Weniger als 5% der Wohnungen einer Stadt werden von Flüchtlingen bewohnt. Selbst wenn sich die Mieten für diese Wohnungen durch diese neue Verwendung verdoppeln würden, würde dies im Durchschnitt der Stadt nur zu 5% Mietsteigerung führen.
Realistischerweise sind die Werte noch geringer).


Der Anteil der Wohnungen für Flüchtlinge am Gesamtmarkt mag gering sein, ich hätte aber vermutet, dass der Anteil an Neuvermietungen deutlich über 5% ist. Sie würden also die Preise bei Neuvermietungen treiben, und das ist doch das was unmittelbar sichtbar ist und Wohnungssuchende schmerzt. Und eben Kosten der Stadt treibt (Flüchtlinge und Wohngeld für sozial Schwache). Warum sonst sollte sich die Stadt um Mieten sorgen?

Gruß
Martin

Florian Offline



Beiträge: 2.697

30.08.2019 21:54
#13 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Mittlerweile gibt es übrigens einen konkreten Gesetzentwurf für den Berliner Mietendeckel:
https://www.welt.de/finanzen/immobilien/...bekaempfen.html

Es gibt ein paar Abweichungen von den bisher kommunizierten Plänen.
Zum einen sind die nun noch möglichen Mieten etwas höher als ursprünglich geplant. (Aber aus meiner bayerischen Kleinstadt-Perspektive immer noch sehr nierig).

Zum anderen wird hier ein aberwitziges bürokratisches Monstrum geschaffen.
Ein Beispiel aus dem Artikel:
"Zusätzlich gibt es nun auch eine Einkommensschwelle: Nur Mieter, die mehr als 30 Prozent ihres verfügbaren Haushaltseinkommens für die Miete aufbringen müssen, können den Preisdeckel nutzen. Sie könnten künftig ihre bisher gezahlte Miete auf die für ihr Wohngebäude gültige Höhe absenken."

Der Vermieter hat also nun gar keine Planungssicherheit mehr.
Kann sein, dass er sich mit dem Mieter auf eine Miete einigt. Und die auch brav jahrelang bekommt.
Und irgendwann nach ein paar Jahren teilt ihm dann der Mieter mit, dass sein verfügbares Haushaltseinkommen niedriger sei als zuvor angegeben - und die Miete muss entsprechend abgesenkt werden.
Wenn also z.B. der bisher mitzahlende Freund auszieht (ein Umstand, den der Vermieter weder beeinflussen kann noch zu verantworten hat), darf die Mieterin also ihre Miete kürzen. Planungssicherheit perdu.

Und alles nur noch bürokratischer Wahnsinn.
Allein schon, dass nun ohnehin überlastete Bezirksämter auch noch die verfügbaren Haushaltseinkommen von Hunderttausenden Haushalten ermitteln müssen, ist ja schon ein Irrsinn. Meine erste Frage als ich das gelesen habe, war, wie man dieses "verfügbare Einkommen" überhaupt ermitteln will.
Netterweise wurde die gleiche Frage dann auch der Senatorin Lompscher gestellt.
Deren Antwort ist in ihrer entlarvenden Unbedarftheit fast schon wieder lustig:
Auf die Frage, was denn genau zu diesem Einkommen gezählt werde, antwortete Senatorin Lompscher: „Da erwischen Sie mich auf dem falschen Fuß. Was genau das Netto-Haushaltseinkommen ist, können Sie aber auch bei Wikipedia nachschlagen.“

(Und nebenbei gesagt: auch sozialpolitisch fragwürdig. Der einkommensabhängige Mietendeckel führt nämlich dazu, dass Mieter mit geringem oder schwankendem Einkommen auf dem Mietmarkt noch weniger Chancen haben. Wer vermietet dann z.B. noch an einen selbständigen Friseur?)

Martin Offline



Beiträge: 3.173

30.08.2019 22:17
#14 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #13
(Und nebenbei gesagt: auch sozialpolitisch fragwürdig. Der einkommensabhängige Mietendeckel führt nämlich dazu, dass Mieter mit geringem oder schwankendem Einkommen auf dem Mietmarkt noch weniger Chancen haben. Wer vermietet dann z.B. noch an einen selbständigen Friseur?)

Freie Bahn für Beamte.
Tja, ich muss Markus Krall zustimmen. Die Politik ist ein Sammelbecken für Unfähige mit niedrigem IQ.

Gruß
Martin

Martin Offline



Beiträge: 3.173

31.08.2019 09:38
#15 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Martin im Beitrag #14
Die Politik ist ein Sammelbecken für Unfähige mit niedrigem IQ.


Danisch hat seine Beobachtungen und weitreichenderen Schlüsse zu diesem Thema heute Nacht niedergeschrieben: https://www.danisch.de/blog/2019/08/31/d...assungsgericht/

Sieht er die Situation nur annähernd richtig, dann trifft das mit dem niedrigen IQ kaum auf die Leute zu, die diesen 'Putsch' beharrlich und Stück für Stück vorantreiben. Dann trifft es auf die Politiker zu, die sich im Kampf gegen Rechts und für den Schutz des Klimas ins Bockshorn jagen lassen. Da ich kein Freund der IQ-Diskussion im Allgemeinen bin will ich alternativ simples Fehlen von Rückgrat als Ursache nicht ausschließen.

Gruß
Martin

Frank2000 Offline




Beiträge: 2.100

31.08.2019 10:17
#16 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Einem objektiven Beobachter kann nicht verborgen bleiben, dass die deutsche Öffentlichkeit auf dem linken Auge nicht nur blind ist, sondern wir tatsächlich einen Marsch linksradikaler Kräfte durch die Institutionen sehen. Eine Machtübernahme, mit Merkel - je nach Sichtweise - als Speerspitze oder nützlichem Idiot.

___________________
Jeder, der Merkel stützt, schützt oder wählt, macht sich mitschuldig.

flobotron Offline



Beiträge: 107

31.08.2019 12:08
#17 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #16
Einem objektiven Beobachter kann nicht verborgen bleiben, dass die deutsche Öffentlichkeit auf dem linken Auge nicht nur blind ist, sondern wir tatsächlich einen Marsch linksradikaler Kräfte durch die Institutionen sehen. Eine Machtübernahme, mit Merkel - je nach Sichtweise - als Speerspitze oder nützlichem Idiot.


Zitat
Selbst Mieten, die weit unter dem Mietspiegel liegen, sollen sinken. Warum? Die Antwort liefert eine Kampfschrift. […]

Aufschluss über das seltsame Verhalten der Linken kann den Koalitionspartnern die Kampfschrift „Das Rote Berlin“ geben, in der die „Strategien für eine sozialistische Stadt“ bereits 2018 zusammengefasst wurden. Verfasst hat die 48-seitige Broschüre die „Interventionistische Linke“, die sich als außerparlamentarisches Bündnis versteht und in Fragen der Wohnungspolitik bestens mit Andrej Holm vernetzt ist.

Der Stadtsoziologe war am Anfang dieser Legislaturperiode Staatssekretär für Wohnen bei Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), musste allerdings aufgrund falscher Angaben zu seiner früheren Stasi-Mitarbeit kurz nach Dienstantritt zurücktreten. Die Linksfraktion im Abgeordnetenhaus bezahlte und beschäftigte Holm daraufhin als Berater, weil er von seiner Tätigkeit als Dozent an der Humboldt-Universität bis Ende 2018 beurlaubt war.

Holm war jedoch weiter in der Senatsverwaltung aktiv, seit 2017 als Mitglied im „Begleitkreis zum Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030“, der die Senatorin bei der Erstellung des jüngst erschienen Planwerks unterstützt hatte. In seinem „Gentrification Blog“ veröffentlicht Holm regelmäßig Nachrichten „zur Stärkung von Stadtteilmobilisierungen und Mieter/innenkämpfen“. […]

Im „Roten Berlin“ finden sich radikale Vorschläge wieder, die ein klares Ziel haben: Die „Abschaffung des privaten Wohnungsmarktes“. Viele der dort aufgeführten Ideen sind von Holm beeinflusst, der auch mit Initiativen „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ eng kooperiert. Vor allem drei Schritte werden benannt, die dazu führen sollen, dass Wohnraum aus privater in öffentliche Hand wechselt:

Den privaten Wohnungsmarkt zurückdrängen durch Steuern, Regulierung, Marktbehinderung. „Dadurch wird Spekulation unattraktiv, die Preise sinken“, heißt es in der Schrift. Dies erlaubt es, im zweiten Schritt, Wohnraum als Gemeingut auszubauen.


aus: https://www.morgenpost.de/berlin/article...ngspolitik.html

Ich hatte hier im Forum zu Beginn der Mietpreisdemonstrationen in Berlin geschrieben, dass ich die Gesamte Aktion als heftig von der alten SED gesteuert sehe. Die SED ist zur Wende nicht aufgelöst worden, sondern in den Untergrund gegangen und hat sich die letzen 30 Jahre durch die Institutionen gemogelt und fühlt sich nun stark genug wieder den Sozialismus einzuführen. Dies gelingt auch so gut, da es, meiner Meinung nach, nie eine vernünftige Aufarbeitung beider deutschen Diktaturen gab. Das links und rechts sich konträr verhalten und nicht beide ihren Ursprung im Kollektivismus haben und schlicht zwei Seiten der selben Medallie sind.
In der Psychologie spricht man von Projektion, wenn eine Person eigene Persönlichleitsanteile auf eine andere Person projeziert und diesen dafür ablehnt und bekämpft.
Der Kampf links gegen Rechts ist eine solche Massenprojektion in eignet sich hervorragend um eigenes Fehlverhalten ertragbar zu machen und aufrecht zu erhalten.

Jakob Nierstein Offline



Beiträge: 132

08.09.2019 08:05
#18 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Ich stimme dem Herr Llarians Beitrag vollumfänglich zu. Mir ist es Rätsel, dass es erwachsene Menschen gibt, die diesen Mietendeckel gut finden. Ich habe diese Punkte, selbst das Blühen einer Schattenwirtschaft, auch schon als Teufel an die Wand gemalt, in einem anderen Forum, aber den Eindruck gehabt, dass ich gegen eine Wand rede.

Menschen, die komplizierte und zweifelhafte Kausalitätsketten von der Verwendung des generischen Maskulinums bis vermeintlichen Festigung zur Unterdrückung der Frauen herleiten, schaffen es nicht, historisch belegte Kausalitätsketten in der Ökonomie gelten zu lassen.

Ich möchte noch aus meiner Kindheit/Jugend etwas schildern. Ích komme aus einem kleinen Dorf, in dem meine Großeltern mit einem großen Grundstück und Haus lebten. Die hatten ein ganzes Haus zu zweit! Dennoch lebten wir als Kleinfamilie in einer Neubauwohnung. Warum? Meinen Vater war das billiger. Erst Mitte der 90er hatten wir das Haus der Großeltern so ausgebaut, dass wir dort leben konnten, mit nicht wenigen Annehmlichkeiten: Man hatte seine Ruhe vor seltsamen Nachbarn.

Sicherlich war es schwer, an Baumaterial zu kommen; da brauchte man Beziehungen. Vielleicht scheuten meine Eltern auch deshalb den Umzug in den 80ern. Aber die Miete in der DDR war so niedrig, dass da ein vollkommen falscher Anreiz gesetzt wurde.

ich erlebe die Fehlanreize auch bei uns im Sportverein. Die halbjährliche Anmietung einer zweistündigen Hallenzeit einer Schulhalle kostet 60 bis 100 €, de facto nichts. Nun gibt es Vereine, die reservieren, weil sie immer schon reserviert haben. Kostet ja nichts. Und dann spielt ein Polizei-Badminton-Verein viermal im Semester Badminton. Als Vertreter einer Sportart, die gerade starken Zulauf hat, stehe ich vor dem Problem, keine Hallenzeiten mehr zu finden. Die vereinseigenen Hallen sind voll. Wollte ich hingegen was anmieten, blockieren solche Vereine wie der Badmintonverein Hallenzeiten. Ich wäre auf deren Entgegenkommen angewiesen. Besser aber wäre es, wenn es so teuer wäre, dass es denen schmerzt, die Hallenzeit dann die meiste Zeit nicht zu nutzen.

Vor allem sind die Gebühren auch nicht hoch genug, um die Substanz zu erhalten.

Ich fühle mich hier in Bremen an die DDR erinnert. Sogar die SED ist wieder da.

Llarian Offline



Beiträge: 4.751

08.09.2019 21:02
#19 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Jakob Nierstein im Beitrag #18
ich erlebe die Fehlanreize auch bei uns im Sportverein. Die halbjährliche Anmietung einer zweistündigen Hallenzeit einer Schulhalle kostet 60 bis 100 €, de facto nichts. Nun gibt es Vereine, die reservieren, weil sie immer schon reserviert haben. Kostet ja nichts. Und dann spielt ein Polizei-Badminton-Verein viermal im Semester Badminton. Als Vertreter einer Sportart, die gerade starken Zulauf hat, stehe ich vor dem Problem, keine Hallenzeiten mehr zu finden. Die vereinseigenen Hallen sind voll. Wollte ich hingegen was anmieten, blockieren solche Vereine wie der Badmintonverein Hallenzeiten. Ich wäre auf deren Entgegenkommen angewiesen. Besser aber wäre es, wenn es so teuer wäre, dass es denen schmerzt, die Hallenzeit dann die meiste Zeit nicht zu nutzen.

Das ist deren gutes Recht. Wer etwas reserviert und bezahlt hat auch das Recht die Dinge nicht zu nutzen. Es macht in dem Sinne ohnehin keinen Unterschied: Wenn die jede Woche Badminton spielen würde, hätten Sie trotzdem keine Halle. Ich kann das auch nicht so recht nachvollziehgen: Wenn Sie zu der Schule hingehen und ein halbes Jahr vorher für Hallenzeiten das Doppelte bieten, kann ich mir nur schlecht vorstellen, dass sie die nicht kriegen. Ich trainiere selber dreimal die Woche und weiß durchaus was der Verein für die Hallen zahlt (einen Appel und ein Ei, wenn es hoch kommt). Wenn jemand mehr zahlen würde, würden die Schulen auch gerne mehr nehmen.

Zitat
Vor allem sind die Gebühren auch nicht hoch genug, um die Substanz zu erhalten.


Das ist ja auch gar nicht deren Aufgabe. Die Hallen werden für die Schulen gebaut und die sind froh, wenn die Nachmittags noch ein paar Euro kriegen, wo die Halle ohnehin nicht genutzt wird.

nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.867

09.09.2019 08:58
#20 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #19
Ich kann das auch nicht so recht nachvollziehgen

Ich meine das Argument von Jakob Nierstein nicht nur zu verstehen, sondern halte es sogar für richtig. Letztlich - so habe ich dich bisher zumindest verstanden - ist es auch dein Argument gegen den Mietendeckel.

Subventionierte Preise - und nichts anderes sind künstlich niedrig gehaltene Mieten - setzen die Marktmechanismen außer Kraft. Wenn ein Gut zu billig, bzw. unter Marktwert angeboten wird, allokiert der Markt es nicht Bedarfsgerecht.

In vorliegenden Fall kauft jemand ein zu billiges Gut, das er nicht braucht und nutzt es nicht. Der Markt setzt kein Incentive über den Preis dieses Verhalten abzustellen.

Auch das Argument mit den Unterhaltungskosten ist durchaus valide: Der Anbieter des Gutes kann sich den subventionierten Hallenpreis nur leisten, weil er die ökonomische Verantwortung für sein Handeln nicht trägt. Es trägt der Steuerzahler, der keinen Einfluss auf die Vermietung hat.

Letzten Endes ist das Beispiel von J. N. nur ein Beispiel dafür, dass Planwirtschaft in Mangel mündet.

Herzlich


nachdenken_schmerzt_nicht

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

R.A. Offline



Beiträge: 8.115

09.09.2019 09:39
#21 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #19
Wenn jemand mehr zahlen würde, würden die Schulen auch gerne mehr nehmen.

In der Regel bekommen nicht die Schulen die Mieteinnahmen, sondern die Gemeinde. Und die Hallen gehen nicht an den Höchstbietenden, sondern die Mieten werden per Satzung und für alle gleich so festgelegt, daß jeder Verein die zahlen kann.

Was eben wie beschrieben zu Mißbrauch führen kann. Wenn die Badminton-Leute in den reservierten Zeiten wirklich spielen würden, wäre ja alles ok, dann muß Nierstein mit seinem Verein eben zurückstecken. Aber daß sein Verein die öffentlich subventionierten Hallenflächen nicht benutzen kann, obwohl sie leer sind - das ist eben Mißwirtschaft.

Llarian Offline



Beiträge: 4.751

11.09.2019 00:20
#22 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Zitat von nachdenken_schmerzt_nicht im Beitrag #20
Auch das Argument mit den Unterhaltungskosten ist durchaus valide: Der Anbieter des Gutes kann sich den subventionierten Hallenpreis nur leisten, weil er die ökonomische Verantwortung für sein Handeln nicht trägt.

Nein, das trägt eben nicht: Die Halle ist von vorneherein da, sie ist für den Schulsport notwendig. Sie steht so oder so dort und Unterhaltungskosten sind an der Stelle nicht mehr relevant (jedenfalls dann nicht, wenn die Nutzung keinen höheren Unterhalt nach sich zieht (das ist zwar der Fall, aber meistens zu vernachlässigen)). Entsprechend muss der Mietpreis nur irgendeinen Gewinn versprechen, der kann auch durchaus unter den Unterhaltungskosten liegen, denn die Alternative ist eine Halle die leer steht (dann sind die Opportunitätskosten verloren, denn der Unterhalt fällt ja trotzdem an).
Richtig ist, dass Marktmechanismen zum Tragen kommen sollten. Das ist aber rein das Prinzip: Wer mehr zahlt, soll den Zugriff haben (wenn das kritisierte Punkt wäre, wäre ich einverstanden). Aber deswegen müssen die Preise keine realen Gestehungskosten oder Unterhaltskosten der Halle abbilden. Sie ist ohnehin da. Das ist nur die Vermietung von Leerzeiten, die ohnehin anfallen (sozusagen Resteverwertung).

Ich habe übrigens jetzt mal aus Interesse bei "uns" in die Mietordnung für Hallen reingeschaut. Da steht tatsächlich leider kein wirtschaftliches Prinzip drin (also eben nicht, wer mehr zahlt, hat eher Zugriff). Sehr wohl aber das Verbot von Leerständen. Wer an mehr als drei Terminen in Folge die Halle leer stehen lässt, beendet damit automatisch sein Mietverhältnis. Und wer mehr als soundsovielmal (ich glaube so knapp 10 rum) weniger als 11 Teilnehmer hat, der tut das selbe. Also so einfach leer stehen lassen ist nicht.

Jakob Nierstein Offline



Beiträge: 132

29.09.2019 12:24
#23 RE: Der lompsche Deckel Antworten

Sie sprechen sich für Planwirtschaft aus. Es geht nicht darum, was wessen "gutes Recht" ist, sondern ob Preise eine Lenkungswirkung erzielen können oder nicht. Ich bezweifle auch, dass die Semi-Beamten, die die Hallenzeiten vergeben, wie auf einem Basar mit sich handeln lassen. Ich kann es ja mal demnächst probieren. Dass eine Hallenzeit verloren geht, weil niemand hingeht, müsste ich auch mal bei uns in Bremen prüfen. Wer kontrolliert das? Es wohnt doch kein Kastellan in der Schule, der Buch führt.

Und ich bin auch nicht der Meinung, dass es erstrebenswert, die Hallenzeit an den Nachmittagen so billig abzugeben, nur "weil es bezahlt" ist. Sonst ist doch für nichts Geld da, die Schulen pfeifen finanziell auf dem letzten Loch. Und wenn dann mal in so einer Halle saniert oder repariert werden muss, ist kein Geld da und alle sind am Jappsen. So ist Planwirtschaft: Planlos und kein bisschen vorausschauend.

Vor zwei, drei Jahren hatten wir einen kaputten Basketballkorb in der Schulhalle. Die Schule hat den nicht von sich aus repariert. Jetzt erleben wir wieder, dass ein Korbanlage defekt ist. Richtiges Training ist so nicht möglich. Und die Trainer verstehen dann auch nicht, dass sie von sich aus Terror machen müssen, damit die Sesselfurzer mal aus dem Quark kommen und die Reparaturen in die Wege leiten. Ich weiß nicht, wie es in Dresden ist, aber so ist es Bremen. Und so ist Planwirtschaft.

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