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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 605 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 8.296

05.06.2020 23:55
"Der Ickabog" Antworten



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Florian Offline



Beiträge: 2.814

08.06.2020 16:55
#2 RE: "Der Ickabog" Antworten

Zitat
Es bleibt naturgemäß nicht aus, daß manche Journalisten im Hinweis auf den (Anti-)Helden der Erzählung, König Fred den Furchtlosen, der "aus einer langen Reihe von blonden Herrschern stammt", prompt einen Avatar Donald Trumps ausgemacht haben - oder Boris Johnsons. Egal, daß der Text 13 Jahre alt ist und die Geschichte des hilflosen Herrschers, der der Gefahr, die seinem Königreich droht, nicht gewachsen ist, noch etwas älte



Es gibt beim "Ickabog" tatsächlich eine interessante Parallele zur aktuellen Politik:

Der Ickabog ist eine ganz fürcherliche Gefahr für das Land - wenn es ihn denn gibt.
Der König hat Ratgeber, die - aus durchaus selbstsüchtigen Gründen - ihn dazu bringen, die Existenz des Ickabogs zu posutlieren.
Wer dessen Existenz leugnet, ist Landesverräter und wird ins Gefängnis geworfen.
Der König selbst ahnt zwar, dass es den Ickabog womöglich gar nicht gibt - aber ohne Gesichtsverlust kommt er nicht mehr aus der Nummer raus.
Und nun werden neue Steuern und Abgaben erfunden um den Ickabog zu bekämpfen.

Soweit die Geschichte bis jetzt.
Dass das einst wohlhabende Schlaraffien nun unter diesen Maßnahmen zunehmend verarmt und eine zunehmend engstirnige Gesinnungsüberwachung einziehen wird, ist absehbar.

Wer hier eine Parabel auf die aktuelle Politik ziehen will (sei es Klimapolitik oder Coronapolitik), der wird durchaus fündig.
Womöglich war das nicht die Absicht von Frau Rowling.
Allerdings wiederholen sich hier politische Themen, die sie auch schon bei "Harry Potter" bespielte:
die Beeinflussbarkeit der Massen incl der Bereitschaft, aus Furcht vor einer postulierten Gefahr Freiheitsrechte aufzugeben: das gab es auch schon bei Harry Potter.
Und auch der dumme und übergriffige Beamtenstaat war dort schon ein Feindbild (im Harry Potter symbolisiert die Figur der Dolores Umbridge den bornierten Beamten geradezu perfekt).
Unternehmertum (etwa das der Weasley-Zwillinge) wird als positive Kraft dargestellt.

Rowling ist dabei keineswegs politisch konservativ, sondern in anderen gesellschaftlichen Fragen durchaus klassisch liberal, zum Teil auch sozial-liberal.
Etwa in ihrer Ablehnung von Rassismus und Standesdünkel ("Reinblütige" Zauberer vs. Muggles. Unterdrückung der Hauselfen. Im Ickabog die leise Kritik am Umgang mit den Sumpfbewohnern und mit der arbeitenden Bevölkerung von Schlaraffien).
Laut Wikipedia steht Rowling übrigens der Labour Partei nahe.

Die wenigsten Kinder werden diese politischen Botschaften in Harry Potter oder Ickabog erspüren.
Aber dennoch: Rowling propagiert in ihren Büchern ein eher liberales und staatsskeptisches Weltbild.
Und setzt sich damit wohltuend von vielen anderen zeitgenössischen "Kulturschaffenden" ab, denen es ja nie staatsgläubig genug sein kann.

Florian Offline



Beiträge: 2.814

18.06.2020 17:22
#3 RE: "Der Ickabog" Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #2

Wer hier eine Parabel auf die aktuelle Politik ziehen will (sei es Klimapolitik oder Coronapolitik), der wird durchaus fündig.
Womöglich war das nicht die Absicht von Frau Rowling.
Allerdings wiederholen sich hier politische Themen, die sie auch schon bei "Harry Potter" bespielte:
die Beeinflussbarkeit der Massen incl der Bereitschaft, aus Furcht vor einer postulierten Gefahr Freiheitsrechte aufzugeben: das gab es auch schon bei Harry Potter.
Und auch der dumme und übergriffige Beamtenstaat war dort schon ein Feindbild (im Harry Potter symbolisiert die Figur der Dolores Umbridge den bornierten Beamten geradezu perfekt).
Unternehmertum (etwa das der Weasley-Zwillinge) wird als positive Kraft dargestellt.

Rowling ist dabei keineswegs politisch konservativ, sondern in anderen gesellschaftlichen Fragen durchaus klassisch liberal, zum Teil auch sozial-liberal.
Etwa in ihrer Ablehnung von Rassismus und Standesdünkel ("Reinblütige" Zauberer vs. Muggles. Unterdrückung der Hauselfen. Im Ickabog die leise Kritik am Umgang mit den Sumpfbewohnern und mit der arbeitenden Bevölkerung von Schlaraffien).
Laut Wikipedia steht Rowling übrigens der Labour Partei nahe.

Die wenigsten Kinder werden diese politischen Botschaften in Harry Potter oder Ickabog erspüren.
Aber dennoch: Rowling propagiert in ihren Büchern ein eher liberales und staatsskeptisches Weltbild.
Und setzt sich damit wohltuend von vielen anderen zeitgenössischen "Kulturschaffenden" ab, denen es ja nie staatsgläubig genug sein kann.



Frau Rowling steht zur Zeit übrigens in einem Shitstorm der Transgender-Bewegung.
(Siehe z.B. hier: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/w...d-16817971.html ).
Eine sehr seltsame Diskussion, die ich im Detail nicht so recht verstehe.
Es wird hier aber ein Bruch innerhalb der progressiven Linken deutlich. Nämlich ein Bruch zwischen Feministen einerseits und Transgender-Bewegung andererseits.
Feministen kämpfen ja für Frauenrechte. Was natürlich erschwert wird, wenn sich plötzlich jeder der möchte als "Frau" bezeichnen kann - ganz unabhängig von irgendwelchen biologischen oder körperlichen Merkmalen.


Den "Ickabog" lese ich übrigens zur Zeit täglich fleißig.

Ich finde die Geschichte übrigens nicht besonders toll für Kinder geeignet.
Die Anzahl der gewaltsamen Todesfälle ist da mittlerweile schon schier unüberschaubar groß.
Selbst wenn es am Ende doch noch "gut" ausgeht: insgesamt eine ziemlich dystopische Welt, die da gezeichnet wird.

Zugleich finde ich aber faszinierend, wie wirtschaftsliberal eine eigentlich eher linke Autorin denkt und argumentiert.
Zum Beispiel werden sehr gut die Folgen von Staatseingriffen und hohen Steuern erklärt: Unternehmen gehen pleite, es wird weniger produziert. Das unrsprünglich wohlhabende Cornutopia (zu deutsch "Schlaraffien") versinkt in Armut und Hungersnot.

Seitenweise gibt es da drastische Beschreibungen wie diese:
"the effort of paying the Ickabog tax was too much for the Hopkins family. They lost their little grocery store, and Hetty’s parents couldn’t help them, because shortly after losing their vineyard, they’d starved to death."


Welcher deutsche Autor hat jemals (noch dazu in einem Kinderbuch) gegen hohe Steuern angeschrieben?

Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 8.296

19.06.2020 10:19
#4 RE: "Der Ickabog" Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #3

Frau Rowling steht zur Zeit übrigens in einem Shitstorm der Transgender-Bewegung.
(Siehe z.B. hier: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/w...d-16817971.html ).



Tjahuch:

Zitat von Grauniad, 16 June
JK Rowling and the publisher's staff revolt: Workers at publishing house Hachette threaten to down tools on her new children's book because of her 'transphobic' views

Yesterday morning at publishing house Hachette, several of those involved in Miss Rowling’s new children’s book, The Ickabog, are said to have staged their own rebellion during a heated meeting. One source said: ‘Staff in the children’s department at Hachette announced they were no longer prepared to work on the book.

Another insider said: ‘It was a handful of staff, and they are entitled to their views. If they were being asked to edit a book on domestic abuse, and they were a survivor of domestic abuse, of course they would never be forced to work on it. But this is a children’s fairy tale. It is not the end of the world. They will all be having chats with their managers.’

Last night Hachette issued a statement backing Miss Rowling’s right to express herself. It said: ‘We are proud to publish JK Rowling’s children’s fairy tale The Ickabog. Freedom of speech is the cornerstone of publishing. We fundamentally believe that everyone has the right to express their own thoughts and beliefs. That’s why we never comment on our authors’ personal views and we respect our employees’ right to hold a different view.

‘We will never make our employees work on a book whose content they find upsetting for personal reasons, but we draw a distinction between that and refusing to work on a book because they disagree with an author’s views outside their writing, which runs contrary to our belief in free speech.’


https://www.dailymail.co.uk/news/article...aten-tools.html



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 8.296

16.09.2020 13:20
#5 RE: "Der Ickabog" Antworten

J.K.R. & Transgender, die Fortsetzung:

Zitat
J.K. Rowling erhält Todeswünsche wegen neuen Buchs

LONDON. Die britische Schriftstellerin J.K. Rowling sieht sich erneut mit Transphobie-Vorwürfen konfrontiert. Ihr neuer Kriminalroman „Troubled Blood“ (deutscher Titel: Böses Blut), der am Dienstag in Großbritannien erscheint, handelt von einem Serienkiller, der sich als Frau verkleidet, wenn er seinen Opfern nachstellt. Zahlreiche Kritiker warfen ihr vor, damit Haß gegen Transgender zu schüren. Unter dem Hashtag #RIPJKRowling („Ruhe in Frieden, J.K. Rowling“) erklärten sie die Karriere der Autorin für beendet.

Die britische Tageszeitung The Telegraph hatte den fünften Teil der „Comoran“-Reihe, die unter Rowlings Pseudonym Robert Galbraith erscheint, vorab besprochen und gefolgert, die Moral daraus laute: „Traue nie einem Mann im Kleid“.

„Im Gedenken an J.K. Rowling. Sie ist nicht tot, aber sie hat ihre eigene Karriere vernichtet, indem sie stolz Transgender gehaßt hat und es würde sie sowieso niemand großartig vermissen“, schrieb ein Nutzer.

Die britische Sketch-Autorin Siobhan Thomspon forderte J.K. Rowling dazu auf, den Mund zu halten und warf der „Harry Potter“-Schöpferin vor, Transmenschen den Tod zu wünschen.



https://jungefreiheit.de/kultur/literatu...-todeswuensche/

Daß solche merkwürdigen "Aktivisten" exakt das verkörpern, was sie anderen vorwerfen, ist freilich nichts Neues.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

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