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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 568 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 8.929

13.01.2021 00:51
"Ein Treffen unter Gleichen" Antworten



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 8.929

13.01.2021 01:08
#2 RE: "Ein Treffen unter Gleichen" Antworten

Anmerkungen und Erläuterungen zu einer Erzählung haben immer etwas Mißliches; wenn sich der Text nicht von selbst trägt, taugt er nichts.

Weil aber möglicherweise manche Referenzen nicht allgemein geläufig sind, seien trotzdem ein paar hergesetzt.

- David Rorviks Buch In His Image: The Cloning of a Man, das als Sachbuch herauskam, und in dem er behauptet, einen Klon im Auftrag eines ungenannten Millionärs erzeugt zu haben, erschien im Frühjahr 1978 im amerikanischen Verlag Lippincott. Bekannt wurde es kurz vor Erscheinen, als die New York Post am 16. März einen Bericht darüber brachte und damit eine Diskussion über die Ethik des Klonens von Menschen auslöste. Das Buch gilt allgemein als unglaubwürdige Fiktion.

- Brigitte Bosselier gab die vorgebliche Geburt des geklonten Babies "Eve" im Rahmen des Clonaid-Projekts der "Raelianer" von Claude Vorilhon auf einer Pressekonferenz in Las Vegas am 27. Dezember 2002 bekannt.

- Der Auftakt der Erzählung ist eine Hommage an die SF-Story "Light of Other Days" von Bob Shaw aus dem Jahr 1966, in der die Zukunftstechnologie - in diesem Fall "langsames Glas," das Lichtstrahlen soweit verlangsamt, daß Scheiben aus diesem Material als Speichermaterial dienen können, um Szenen vergangener Tage wiederzugeben - in den Rahmen einer gegenwärtig anmutenden "Mainstream"-Episode situiert. Bei Shaw dienen die Nennungen von "Turbinenwagen" und "schwarzem Glas" als beiläufiges Signal an den Leser, daß es sich nicht um die Gegenwart des Jahres 1966 handelt. Der Anfang von Shaws Erzählung lautet:

Zitat
Leaving the village behind, we followed the heady sweeps of the road up into a land of slow glass.

I had never seen one of the farms before and at first found them slightly eerie—an effect heightened by imagination and circumstance. The car's turbine was pulling smoothly and quietly in the damp air so that we seemed to be carried over the convolutions of the road in a kind of supernatural silence. On our right the mountain sifted down into an incredibly perfect valley of timeless pine, and everywhere stood the great frames of slow glass, drinking light. An occasional flash of afternoon sunlight on their wind bracing created an illusion of movement, but in fact the frames were deserted. The rows of windows had been standing on the hillside for years, staring into the valley, and men only cleaned them in the middle of the night when their human presence would not matter to the thirsty glass.



- "Die Jungs aus Brasilien": eine Anspielung auf den Roman "The Boys from Brazil" von Ira Levin von 1976. In Levins Buch geht es um das Projekt von nach Lateinamerika geflüchteten Altnazis, einen Klon Hitlers zu erzeugen, in der Hoffnung auf eine Wiederauflage der Machtergreifung. Das Vorhaben scheitert, weil keiner der fünfzig Klone unter den prägenden Bedingungen aufwächst, die in Deutschland zum Aufstieg der NSDAP geführt haben. Der Name des "Piano-Manns" war Andreas Grassl.

- Jeremy Rifkins Voraussage findet sich in seinem Buch "The Biotech Century: Harnessing the Gene and Remaking the World" (Tarcher, 1998). Das Szenario von "Klonen als Ersatzteillager" findet sich in Kazuo Ishiguros "Never Let Me Go" (2004) und zuvor in Michael Marshall Smiths Roman "Spares" (1996).



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Frank2000 Offline




Beiträge: 2.497

13.01.2021 09:48
#3 RE: "Ein Treffen unter Gleichen" Antworten

Bei "Light of Other Days" könnte man noch erwähnen, dass das "langsame Glas" am Ende für die totale Überwachung genutzt wird, in dem es gemahlen über das ganze Land verstreut wird.... diese Geschichte stammt eben aus einer Zeit, als beim Leser der blose Hinweis auf die totale Überwachnung genügte, um ein Gefühl des Grauens auszulösen. Heute würde die meisten Leser mit den Schultern zucken und sagen "ist doch super, wer kein Rechter ist hat nichts zu befürchten..."

Und die Geschichte stammt von Ihnen? Wann haben sie die geschrieben? Ich habe selbst im Laufe der Jahrzehnte ab und an mal kleine Stories geschrieben. Aber für was größeres war mir der Zeitaufwand immer zu hoch. Und meine größte Idee hat sich inzwischen überholt... denn das Thema von "The purge" habe ich (nachweislich ;-) ) schon vor 40 Jahren das erste mal entwickelt. Und habe die Geschichte immer wieder weggelegt, bis es jetzt zu spät ist. So ist das Leben.

___________________
Jeder, der Merkel stützt, schützt oder wählt, macht sich mitschuldig.
“Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten mäßig entstellt”, Georg Cristof Lichtenberg

Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 8.929

13.01.2021 16:03
#4 RE: "Ein Treffen unter Gleichen" Antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #3
Wann haben sie die geschrieben?


In den letzten drei Tagen. Wie ich Ihnen schon schrieb, lieber Frank, war Ihr Passus über die Diversität aller Menschen der Anlaß. In irgendeinem verstaubten Winkel meines Unterbewußtseins hockt ein verhinderter SF-Autor, der spielen will, und der setzte sich dabei auf die Hinterfüße und sagte: "Es gibt aber eine Sorte von Menschen, für die das eben nicht gilt...", und der Rest ergab sich logisch. Shaw hat seine kleine Erzählung (sie hat fast dieselbe Länge wie mein Text) nach eigener Aussage in 4 Stunden geschrieben, allerdings "nach jahrelanger Vorbereitung", weil er das Konzept des verlangsamten Glases überdacht und ausgelotet hat.

Zitat
Shaw had started writing in the early fifties, bu had stopped for a few years as he went through career changes and had only recently returned with a sale to New Worlds. "Light of Other Days" introduced the concept of slow glass, a medium which slows light down so much that windows made of the material become time screens. Shaw's strength was in the way in which he explored the impact of this invention upon society, and his originality here came because he thought about the consequences of this idea for nearly two years. In fact the story took just four hours to write, but, "against that four hours of actual writing," Shaw later revealed, "there were perhaps a hundred scatttered hours of inventing, assesssing and rejecting unworthy instruments." (10) Needless to say (John W.) Campbell loved the idea and an exchange of letters with Shaw produced a sequel, "Burden of Proof" (Analog Science Fiction/Science Fact, May 1967)

(10) Bob Shaw, "Escape to Infinity," Foundation #10, June 1976, p. 18.

- Mike Ashley, Transformations: The Story of the Science Fiction Magazines, 1950-1970 (2005), S. 286




Zitat von Frank2000 im Beitrag #3
dass das "langsame Glas" am Ende für die totale Überwachung genutzt wird, in dem es gemahlen über das ganze Land verstreut wird....


In der Kurzgeschichte kommt das noch nicht vor. Shaw hat diese Idee dann ausgeweitet und seine kleine Erzählung als das erste Kapitel des Romans "Other Days, Other Eyes" (1972) verwendet (in den USA als Taschenbuch bei Ace Books; in England gebunden bei Gollancz; bei uns ist das im Jahr darauf bei Goldmann in der SF-Taschenbuchreihe unter dem Titel "Die Augen der Vergangenheit" erschienen). Netterweise ist diese Idee der universellen Überwachung in jedem einzelnen Augenblick auch Thema des Romans mit dem gleichen Titel "Light of Other Days" von Arthur C. Clarke und Stephen Baxter aus dem Jahr 2000 (wobei Clarke Stichwortgeber war; der Text stammt zu 100% von Baxter). Da wird der Kniff dann über ein Zeitteleskop bewerkstelligt, das es möglich macht, jeden Augenblick der fernen und nahen Vergangenheit wieder sichtbar zu machen.

Zitat
Und meine größte Idee hat sich inzwischen überholt



Das kommt gar nicht so selten vor. Aus meiner allerersten Idee, aus der man eine Erzählung hätte stricken können - beides sind ja zwei unterschiedliche Schuhe, und das muß man erst aus Erfahrung lernen - ist auch nichts geworden, weil mir eben nur der Einfall vor Augen stand, Ende der siebziger Jahre. Es ging um die Idee, bis dato unerhörte Bilder auf die Kinoleinwand zu bringen. Das war kurz nach "Star Wars" und "Close Encounters of the Third Kind" (Spielbergs Film scheint auch von der Furie des Verschwindens ereilt worden zu sein), als Industrial Light & Motion, ILM, die Tricktechnik aufmischte. Die IDEE war, die alten Stop-Motion-Monster à la Ray Harryhausen oder die herumstapfenden Stuntmen in Latexkostümen à la Godzilla durch Besseres abzulösen. Die Stichworte "Klonen" und "Biotechnik" lagen in der Luft. Der Einfall als solcher bestand darin, daß ein großes Filmstudio eine Biotechnologie-Firma beauftragt, zu Filmzwecken über rekombinierte DNS Saurier neu zu erschaffen. Das Ganze verzögert sich durch endlose Rückschläge; die Konkurrenz bekommt Wind davon, und am Ende heißt es "außer Spesen nichts gewesen," weil ein anderes Studio das per Computergraphik nicht nur verläßlicher, sondern auch noch realistischer wirkend zustande bringt. (Das war übrigens der einzige Grund, warum ich mir 1993 "Jurassic Park" angetan habe.)



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Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 8.929

24.01.2021 01:38
#5 RE: "Ein Treffen unter Gleichen" Antworten

Zitat von ZR, 13. Januar 2021
"Es gibt die Theorie, daß es daran lag, daß die Telomere in ihren Körperzellen verkürzt waren. Das sind Abschnitte am Ende der Erbsubstanz, die sich bei jeder Zellteilung verkürzen und so das Lebensalter - das mögliche Lebensalter - begrenzen. Wenn eine Samen- und eine Eizelle verschmelzen, wird die DNS in der entstehenden Blastozyste mit vollständigen Telomeren der jeweiligen Spezies ausgestattet. Beim somatischen Zellkerntransfer, dem wir beide unser Zustandekommen verdanken, wird der Kern der Spenderzelle in eine entkernte Empfängerzelle transferiert; sonst hätten wir keinen Klon. Und dieser Kern hat den Prozeß der Zellteilung schon oft hinter sich. Somatisch mögen wir jung sein; genetisch sind wir es nicht. Wir, fürchte ich, haben die schlechten Karten in diesem biologischen Pokerspiel gezogen."



Und gerade stolpere ich über dies hier:

Zitat von "Neue Forschung gegen den Alterungsprozess unserer Zellen," 02. Dezember 2020
Ist Altern eventuell bald nur noch ein Problem ärmerer Bevölkerungsschichten? Koreanische und israelische Wissenschaftler haben in den letzten Tagen Erkenntnisse zu zwei Verjüngungstechnologien veröffentlicht, die gealterten Zellen ihre Jugend zurück gibt.

Forscher und Anhänger der komplexen Welt der Biotechnologie sind in voller Aufruhr. Fast zeitgleich haben eine Gruppe israelischer und eine Gruppe koreanischer Forscher eine Rezeptur für die Verjüngung unserer Zellen entdeckt. Können wir uns nun vielleicht langfristig von der Angst befreien, nur dieses eine, kurze Zeitfenster unserer Jugend genießen zu können?

Die Studien der beiden unterschiedlichen Forschergruppen deuten zwar beide auf Verjüngungsmethoden hin, unterscheiden sich allerdings von ihrer Herangehensweise. Die israelische Studie wurde mit 35 Erwachsenen durchgeführt, die mindestens 64 Jahre alt waren. Diese Probanden erhielten dann drei Monate lang, fünfmal die Woche eine 90-minütige Sauerstoffbehandlungen. Dabei stellten die Forschenden fest, dass die Verkürzung der Telomere – so nennen sich unsere Chromosomenenden – und die Anhäufung alter und schlecht funktionierender Zellen im Körper, rückgängig gemacht werden konnten. Das bedeutet, dass die Zellen der Erwachsenen mit fortschreitender Behandlung tatsächlich jünger wurden.

Die Forscher des südkoreanischen Kosmetikgiganten Amorepacific hingegen führten ein Experiment durch, bei dem das für den Alterungsprozess mitverantwortliche PDK1-Gen auf einer künstlichen Haut unterdrückt werden sollte. Die Ergebnisse wiesen auf eine erhöhte Kollagensynthese und eine Wiederherstellung der generativen Kapazität der Haut hin.

Ist Altern eventuell bald nur noch ein Problem ärmerer Bevölkerungsschichten? Koreanische und israelische Wissenschaftler haben in den letzten Tagen Erkenntnisse zu zwei Verjüngungstechnologien veröffentlicht, die gealterten Zellen ihre Jugend zurück gibt.

Forscher und Anhänger der komplexen Welt der Biotechnologie sind in voller Aufruhr. Fast zeitgleich haben eine Gruppe israelischer und eine Gruppe koreanischer Forscher eine Rezeptur für die Verjüngung unserer Zellen entdeckt. Können wir uns nun vielleicht langfristig von der Angst befreien, nur dieses eine, kurze Zeitfenster unserer Jugend genießen zu können?

Die Studien der beiden unterschiedlichen Forschergruppen deuten zwar beide auf Verjüngungsmethoden hin, unterscheiden sich allerdings von ihrer Herangehensweise. Die israelische Studie wurde mit 35 Erwachsenen durchgeführt, die mindestens 64 Jahre alt waren. Diese Probanden erhielten dann drei Monate lang, fünfmal die Woche eine 90-minütige Sauerstoffbehandlungen. Dabei stellten die Forschenden fest, dass die Verkürzung der Telomere – so nennen sich unsere Chromosomenenden – und die Anhäufung alter und schlecht funktionierender Zellen im Körper, rückgängig gemacht werden konnten. Das bedeutet, dass die Zellen der Erwachsenen mit fortschreitender Behandlung tatsächlich jünger wurden.



https://www.qiio.de/forscher-haben-eine-...GMRWPSMpgx63mkc

Meldung zur israelischen Studie: https://www.aljazeera.com/news/2020/11/2...s-aging-process

Die Studie aus Südkorea, publiziert in PNAS: https://www.pnas.org/content/117/49/31535

Zitat
"Inhibition of 3-phosphoinositide–dependent protein kinase 1 (PDK1) can revert cellular senescence in human dermal fibroblasts"
Sugyun An, Si-Young Cho, Junsoo Kang, Soobeom Lee, Hyung-Su Kim, Dae-Jin Min, EuiDong Son, and Kwang-Hyun Cho
PNAS December 8, 2020 117 (49) 31535-31546; first published November 23, 2020





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Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 8.929

01.02.2021 16:21
#6 RE: "Ein Treffen unter Gleichen" Antworten

Gary K. Wolfe über Sarah Gaileys Roman "The Echo Wife" (Tor Books, Februar 2021):

Zitat von Locus Online, Jan 30, 2021
Clones don’t seem quite as popular these days as they were back in the 1970s and ’80s, when we were treated on a fairly regular basis to stories about celebrity clones, spare-parts clones, hazardous-duty clones, doppelganger clones, identity-crisis clones, cheap-labor clones, ominous replacement clones, survivalist clones, posthu­man clones, tabula-rasa clones, and, inevitably, murder-mystery clones.



https://locusmag.com/2021/01/gary-k-wolf...y-sarah-gailey/



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