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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 286 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.895

02.05.2021 23:25
"Vom Verschwinden im Bild": Die Mumins, Virginia Woolf und die "Fahrt zum Leuchtturm" Antworten



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.895

31.05.2021 15:03
#2 RE: "Vom Verschwinden im Bild": Die Mumins, Virginia Woolf und die "Fahrt zum Leuchtturm" Antworten

Ich so:

Zitat von ZR
Die Mittelpassage des Romans, mit 20 Seiten nur knapp ein Zehntel des Textes umfassend, ist in der Geschichte der englischen Literatur wegen ihrer Form zurecht berühmt: sie beginnt wie ein Tableau vivant (oder a-vivant): eine geisterhafte Beschwörung der nächtlichen Stille und Reglosigkeit nach dem mißglückten Dinner, die Schläfer wie tot unter ihren Bettdecken, und dann, im Telegrammstil, eine Aufzählung der äußeren Ereignisse, die folgen: der Weltkrieg bricht aus, Tochter Prue stirbt im Kindbett, Sohn Andrew fällt auf den Schlachtfeldern Flanderns, Frau Ramsay erliegt einem Herzinfarkt - um dann wieder im nächtliche Reglosigkeit auszumünden.



Im Zug der Rettungsaktion betreffs der in den Keller ausgelagerten Teile meiner Bibliothek - erstaunlicherweise haben 80% der Bücher, in Umzugkartons gebunkert, die stundenlange Verrauchung relativ schadlos überstanden - fällt mir in die Hände: Hilde Spiel, Das Haus des Dichters. Literarische Essays, Interpretationen, Rezensionen, Paul List Verlag, 1992; ein Band der Werkausgabe, die Anfang der 90er Jahre bei List erschienen ist. Ich schlage auf, und stoße in der Abteilung "Rezensionen II: Englische Literatur und ihr Umkreis" auf diese Buchkritik: "Die Fahrt zum Leuchtturm. Zur deutschen Erstausgabe des Romans von Virginia Woolf". Und da heißt es:

Zitat von "Das Haus des Dichters," S. 273
"Die Fahrt zum Leuchtturm" [hat] doch eine augenfällige Fabel. Sie ist in drei Teile gegliedert, die Musiksätzen gleichen, und in det Tat hat man dieses Buch häufig einen Roman in Sonatenform genannt. ... Im kurzen zweiten Satz, "Die Zeit vergeht," ziehen zehn Jahre vorüber in unaufhaltsamem Wechsel und Zerfall, da der Krieg ausbricht und das Sommerhaus verwaist, Staubwolken und Spinnweben sich niedersenken, Schwalbe, Ratte und Distel in Winkeln und Spalten nisten, der Seewind den Garten zerzaust und die Jahreszeiten aufeinanderfolgen, während nur in Parenthesen, unerbittlich wie die Natur, sich das Menschenschicksal erfüllt - Mrs. Ramsay stirbt, ihr Sohn Andrew an der Front fällt, ihre Tochter Prue im Kindbett dahingeht. Denn die Menschen sind nur Wellen, die sich heben und wieder vergehen im Strom der Zeit. Erst im dritten Satz, "Der Leuchtturm," findet man sie wieder in ihrer eigenen Dimension, und der Faden wird dort angeknüpft, wo er abgerissen war.



Erschienen ist die Besprechung zuerst in der Süddeutschen Zeitung vom 26. Januar 1957. Vor allem könnte ich diverse Eide darauf schwören, daß ich DIESEN Text nicht gelesen habe, als ich das Buch vor gut 25 Jahren in der Grabbelkiste eines Antiquariats gefunden habe.



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