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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 13 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

10.02.2008 15:06
Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten

Dies ist einmal ein Beitrag, in dem ich "Spiegel Online" zustimmend zitiere. Er wurde sogar durch einen dortigen Artikel vom Freitag angeregt.

Allerdings - nicht ein Redakteur von "Spiegel Online" hat ihn geschrieben, sondern der solide und kompetente Christian Reiermann vom Berliner Büro des gedruckten "Spiegel"; ehemals geleitet von Gabor Steingart.

Mein Beitrag hat ein sozusagen polito-linguistisches Thema: Wie Begriffe besetzt und verändert werden, um politischen Einfluß zu gewinnen oder zu verstärken.


Ingo_Way Offline



Beiträge: 29

10.02.2008 17:43
#2 RE: Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten

Was das Thema Selbst- vs. Fremdbezeichung betrifft, fällt auf, daß Kommunisten meist sehr empfindlich darauf reagieren, wenn sie als Kommunisten bezeichnet werden. Aber nein, sie seien doch keine Kommunisten, auf diese Idee kämen doch nur unverbesserliche Kalte Krieger, sie seien doch demokratische Sozialisten, linke Demokraten, "Antideutsche" oder einfach nur Gesellschaftskritiker mit sozialem Herzen. Was das für einen Zweck hat, ist klar: Sie suchen das Bündnis mit demokratischen Kräften, die ihnen mehr Einfluß verschaffen sollen, ganz nach alter Volksfront-Taktik. Wenn sie unter sich sind, nennen sie sich selbstverständlich ganz unverdrossen Kommunisten.

str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

10.02.2008 18:09
#3 RE: Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten

Nun, lieber Zettel, ist zwar sicherlich etwas daran, aber:

*Es ist nicht so, daß nur die Linke das Fremdbenennen betreiben. Sie selbst sind ja das beste Beispiel, nennen Sie doch ständig, fast schon penetrant die Linkspartei generell nur "Kommunisten".

*"Neoliberal" und "Neokonservativ" sind nun wirklich keine Fremdbezeichnungen, sondern wurden von den jeweiligen Vertretern sich selbst beigelegt. Z. B. sahen sich Vertreter einer monetaristischen Wirschaftstheorie als Wiederhersteller der liberalen Ökonomie und nannten sich daher Neo-liberal - das es schon früher Neo-liberale gegeben hat macht dabei keinen Unterschied. Gleichzeitig wird es heute auch von jenen Liberalen (z.B. Sozialliberalen) benutzt, die sich eben abgrenzen wollen.

Ingo_Way Offline



Beiträge: 29

10.02.2008 19:47
#4 RE: Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten

Zur Illustration des von mir gesagten: Zuerst verplaudert sich der frühere DDR-Regierungschef Hans Modrow dahingehend: "Ich bin überglücklich. Erstmals seit fast 55 Jahren gibt es in Ländern der ehemaligen alten Bundesrepublik wieder kommunistische Fraktionen" (soviel zum Thema "Fremdbenennen"), um sich anschließend, nachdem es öffentliche Kritik gab, flugs wieder davon zu distanzieren: Wir sind doch keine Kommunisten, neeeiin, das habe ich niiiee gesagt!

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

11.02.2008 00:13
#5 Kommunisten und ihre Tarnorganisationen antworten

Lieber Ingo Way,

Zitat von Ingo_Way
Was das Thema Selbst- vs. Fremdbezeichung betrifft, fällt auf, daß Kommunisten meist sehr empfindlich darauf reagieren, wenn sie als Kommunisten bezeichnet werden. Aber nein, sie seien doch keine Kommunisten, auf diese Idee kämen doch nur unverbesserliche Kalte Krieger, sie seien doch demokratische Sozialisten, linke Demokraten, "Antideutsche" oder einfach nur Gesellschaftskritiker mit sozialem Herzen.

Das ist interessanterweise ja nur im heutigen Deutschland so (sagen wir vorsichtiger: Ich kenne kein anderes Land, wo es so ist). In Frankreich zum Beispiel nennen sich die Kommunisten selbstverständlich so; sie würde ihre traditionsreiche PCF gewiß nicht umtaufen. Auch die trotzkistische Ligue Communiste ist gewiß stolz auf dieses Etikett. In Italien gibt es ebenfalls gleich zwei Parteien, die den Kommunismus im Namen führen, die Rifondazione Comunista, die Comunisti Italiani.

In Deutschland gibt es ja auch immer noch die DKP; wenn sie auch zunehmend in "Die Linke" aufgeht. Warum also seit der Wiedervereinigung die Tarnung?

Die offensichtliche Antwort scheint mir zu sein: In der DDR ist der Kommunismus so eklatant gescheitert, daß mit diesem Etikett kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Und immer, wenn es opportun erscheint, lassen die Kommunisten dieses Etikett aus ihrem Parteinamen verschwinden.



Das war nicht nur so, als die SPD in der Ostzone geschluckt wurde und man "SED" wählte, um den Eindruck zu erwecken, da würden zwei Parteien sich sozusagen in der Mitte treffen.

Es war in der Bundesrepublik immer dann so, wenn man die berühmte "Bündnisstrategie" für opportun hielt und deshalb nicht als Kommunistische Partei auftrat, sondern mals als BdD, mal als DFU, mal als ADF.

Jetzt ist wieder "Bündnispolitik" angesagt. Die westdeutschen Ortsverbände werden jetzt - der "Spiegel" hat ja darüber berichtet - von Politruks aus dem Osten auf Linie gebracht und in Demokratischem Zentralismus geschult (gut, der "Spiegel" nennt es nicht so beim Namen).

Dann wird man weitersehen. Mit den kommunistischen Bruderparteien hält man dieweil engen Kontakt. Ausgerechnet der Renegat Lafontaine ist offenbar dafür besonders ausersehen; sozusagen Frontbewährung.
Zitat von Ingo_Way
Was das für einen Zweck hat, ist klar: Sie suchen das Bündnis mit demokratischen Kräften, die ihnen mehr Einfluß verschaffen sollen, ganz nach alter Volksfront-Taktik. Wenn sie unter sich sind, nennen sie sich selbstverständlich ganz unverdrossen Kommunisten.

So ist es.

Herzlich, Zettel

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

11.02.2008 00:25
#6 RE: Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten

Zitat von str1977
Es ist nicht so, daß nur die Linke das Fremdbenennen betreiben. Sie selbst sind ja das beste Beispiel, nennen Sie doch ständig, fast schon penetrant die Linkspartei generell nur "Kommunisten".

Penetrant? Wie soll ich sie denn sonst nennen? Sie sind Kommunisten. Ich kann sie doch nicht anders nennen, nur um, wie im Deutschaufsatz, nicht immer denselben Begriff zu verwenden.

Übrigens benennen Sie, lieber str1977 sie falsch. Diese Partei heißt nicht "Linkspartei" (so hieß sie auch nie), sondern "Die Linke".

Aber wie lange? Sie hieß nacheinander KPD, DKP, SED/SEW, BdD, DFU, ADF, SED-PDS, PDS, Die Linkspartei.PDS, Die Linke.

Wer kommt da noch mit, lieber str1977. Ist es da nicht einfacher, die Kommunisten Kommunisten zu nennen?
Zitat von str1977
*"Neoliberal" und "Neokonservativ" sind nun wirklich keine Fremdbezeichnungen, sondern wurden von den jeweiligen Vertretern sich selbst beigelegt. Z. B. sahen sich Vertreter einer monetaristischen Wirschaftstheorie als Wiederhersteller der liberalen Ökonomie und nannten sich daher Neo-liberal - das es schon früher Neo-liberale gegeben hat macht dabei keinen Unterschied.

Das habe Sie in meinem Artikel gelesen, gell?

Aber dann haben Sie, lieber str1977, doch auch gelesen, daß es darin nicht darum ging, wo diese Begriffe herkommen, sondern wie sie als politische Kampfbegriffe eingesetzt werden.

Herzlich, Zettel

str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

11.02.2008 11:09
#7 RE: Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten

Lieber Zettel,

In Antwort auf:
Wie soll ich sie denn sonst nennen? Sie sind Kommunisten. Ich kann sie doch nicht anders nennen, nur um, wie im Deutschaufsatz, nicht immer denselben Begriff zu verwenden.


Sie können sie meinetwegen nennen wie Sie wollen. Nur ist das eben eine Fremdbezeichnung und nicht eine Eigenbezeichnung und darüber haben Sie doch u. A. geschrieben.

In Antwort auf:
Übrigens benennen Sie, lieber str1977 sie falsch. Diese Partei heißt nicht "Linkspartei" (so hieß sie auch nie), sondern "Die Linke".


Ja, ich gebe zu, daß ich ein Problem mit diesem Namen habe, ersten weil Rinks und Lechts ohnehin leere Begriffe sind. Und weil ich in meinem Sprachgebrauch auf richtige Parteinamen bestehe. Die Linke ist m. E. noch nicht mal korrektes Hochdeutsch. (Genausowenig mache ich z. B. Punkte in Parteinamen mit oder aggressive Kleinschreibung.)

Wie gesagt, es geht nicht darum, daß Sie "Die Linke" so oder so nennen müßten. Aber es besteht eben ein Widerspruch zu ihrem Artikel.

In Antwort auf:
Aber wie lange? Sie hieß nacheinander KPD, DKP, SED/SEW, BdD, DFU, ADF, SED-PDS, PDS, Die Linkspartei.PDS, Die Linke.


Nun, hier übersehen Sie aber, daß es sich bei "Die Linke" (darf man das deklinieren?) um einen Zusammenschluß zweier Gruppen handelt, nämlich zwischen PDS und WASG (und eigentlich kommt noch Lafontaine als dritter Partner hinzu). Es besteht also das Problem, daß schon die PDS nicht nur aus Kommunisten bestand, die WASG noch weniger. (Inwiefern die DKP und die SED/SEW hier eingeflossenen ist, weiß ich nicht. Die Gruppen BdD, DFU, ADF sind mir unbekannt. Ich glaube Sie bei der Parteigeschichte vernachlässigen zu können. Tatsächlich ist diese sehr überschaubar was Namen angeht: KPD (27 Jahre) - SED (43 Jahre) - PDS (16 Jahre) - "Die Linke" (3 Jahre).) Ich kann ja Ihre Sorge verstehen, daß Kommunisten über diese neue Partei wieder zu Macht und Einfluß kommen, aber dennoch gehen Sie dabei etwas sehr pauschal vor.

In Antwort auf:
Wer kommt da noch mit, lieber str1977. Ist es da nicht einfacher, die Kommunisten Kommunisten zu nennen?


Wie gesagt, erstens blähen Sie die Namensliste künstlich auf, zweitens sind eben nicht all ihre Kommunisten auch Kommunisten.

In Antwort auf:
Das habe Sie in meinem Artikel gelesen, gell?


Da auch aber ich habe es schon vorher gewußt.

In Antwort auf:
Aber dann haben Sie, lieber str1977, doch auch gelesen, daß es darin nicht darum ging, wo diese Begriffe herkommen, sondern wie sie als politische Kampfbegriffe eingesetzt werden.


Das habe ich gelesen. Aber kommentiert habe ich den ersten Teil, in dem Sie eine sauber Eigenbezeichnung durch die "Rechte" und Fremdbezeichnung durch die "Linke" unterschieden haben.

Gruß,
str1977

Herzog Offline



Beiträge: 8

11.02.2008 14:31
#8 RE: Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten

Übrigens ist ja auch "Kapitalismus" ein Kampfbegriff, und keine auch nur annähernd deskriptiv akzeptable Beschreibung unseres politisch-ökonomischen Systems. Natürlich will der Terminus im Mund derer, die ihn verwenden, das auch gar nicht sein. Problematisch ist jedoch, dass er so erfolgreich durchgesetzt wurde, dass inzwischen große Teile der Bevölkerung meinen, "Kapitalismus" beschreibe tatsächlich mehr oder minder adäquat (soweit das eben einzelne Begriffe oder knappe Formeln können) unsere gesellschaftliche Verfasstheit.

Ein Teil meines winzigen Alltags-Widerstands besteht daher darin (wenn mir nicht gerade die Energie dazu fehlt), im Gespräch vorkommendes "Kapitalismus" möglichst penetrant zu "Marktwirtschaft" zu korrigieren. "Marktwirtschaftlicher Rechtsstaat" oder gar "Marktwirtschaftlicher freiheitlicher Rechtsstaat" wäre gewiß noch besser, ist nur halt für effiziente Alltags-Polemik etwas lang.

Zweiter Punkt: Ist es nicht auffällig, dass es Neo-Cons gibt (im Sinne nicht eines Unterschieds zu Paläo-Cons, sondern von konservativen Neophyten ehemals linker Haltung), aber keine Neo-Libs? Sofern in Lauf eines Lebens politische Lernprozesse und "Konversionen" stattfinden, scheinen sie durchweg in eine Richtung zu gehen. Which should tell us something.

Herzlichst,
Herzog

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

11.02.2008 15:42
#9 RE: Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten

Lieber Herzog,

Zitat von Herzog
Übrigens ist ja auch "Kapitalismus" ein Kampfbegriff, und keine auch nur annähernd deskriptiv akzeptable Beschreibung unseres politisch-ökonomischen Systems.

Das stimmt zwar, aber nach meinem Eindruck hat hier der "Gegenangriff", den ich für richtig halte, schon begonnen. Zumindest in den USA benutzen viele Capitalism als eine Bezeichnung mit durchaus positiver Konnotation. Ich tue das auch. Sie haben Recht, die Bezeichnung, die Sie bevorzugen, ist richtiger. Aber "Kapitalismus" ist erstens kürzer, und zweitens macht es mir sozusagen eine klammheimliche Freude, zur Verblüffung linker Gesprächspartner das Wort positiv zu verwenden (Was, ausgerechnet Sie sprechen von Kapitalismus?)
Zitat von Herzog
Zweiter Punkt: Ist es nicht auffällig, dass es Neo-Cons gibt (im Sinne nicht eines Unterschieds zu Paläo-Cons, sondern von konservativen Neophyten ehemals linker Haltung), aber keine Neo-Libs? Sofern in Lauf eines Lebens politische Lernprozesse und "Konversionen" stattfinden, scheinen sie durchweg in eine Richtung zu gehen. Which should tell us something.

Namely, that experience leaves its traces in our minds.

Herzlich, Zettel

Kane Offline




Beiträge: 130

11.02.2008 17:37
#10 RE: Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten
@ Herzog,Zettel
Also so eine Art Abwandlung von dem Spruch:

"Wer mit 20 kein Sozialist ist, hat kein Herz. Wer aber mit 40 noch Sozialist ist, der hat keinen Verstand"


Zum Thema Begriffe und Wirklichkeit:

In meinen Gesprächen über den angeblichen Turbokapitalismus in Deutschland, bringe ich gerne den Staatsquotenvergleich zwischen den kommunistischen Polen und heutigen Deutschland.

Damals in Polen lag die Qoute bei 70-80% (Sondersituation bei den polnischen Bauern im Gegensatz zu den anderen sozialistischen Ländern). In Deutschland liegt sie (konservativ geschätzt) bei 50%. aber eher drüber, wenn man wirklich alles einrechnet.

In den Wirtschaftswunderjahren lag die Staatsqoute in Deutschland in den 20% Bereich.

Also klare Entwicklung zum "Turbokapitalismus"
Meister Petz Online




Beiträge: 3.045

12.02.2008 00:24
#11 RE: Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten

Die Erkenntnis, das politische Begriffe meist polemisch sind, ist auch eine genuin konservative. Am beeidruckendsten findet man sie am Anfang der "Politischen Theologie" von Carl Schmitt.

Bei den Linken habe ich oft den Verdacht, dass ihnen diese Erkenntnis fehlt. Sie benutzen die Begriffe so lange, bis sie die polemische Bedeutung selber glauben. Ein schönes Beispiel ist z. B. auch "Administration", das nur noch im Zusammenhang "Bush-Administration" gebraucht wird und eigentlich ein Übersetzungsfehler ist.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

12.02.2008 10:16
#12 RE: Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten

Lieber Meister Petz,

Zitat von Meister Petz
Bei den Linken habe ich oft den Verdacht, dass ihnen diese Erkenntnis fehlt. Sie benutzen die Begriffe so lange, bis sie die polemische Bedeutung selber glauben.

Schön gesagt. Ja, so ist es wohl. Es ist ja eine Grundüberzeugung zumindest der marxistischen oder marxistisch beeinflußten Linken, daß bis hin zur Wissenschaft alles vom "Klasseninteresse" bestimmt sei. Parteilichkeit wird dadurch zur Pflicht. Eine Verständigung mit dem Andersdenkenden ist von vornherein ausgeschlossen; denn er ist ja nicht nur ein Andersdenkender, sondern zugleich der Klassenfeind, mindestens der Fortschrittsfeind.

Allerdings bin ich, lieber Meister Petz, nicht so sicher, ob nicht gerade in diesem Punkt Carl Schmitt ähnlich denkt wie die Linke. Mir ist das Schmitt'sche "Freund/Feind als Grundkategorie des Politischen" immer sehr ähnlich vorgekommen wie Lenins freilich flapsigeres "Wer wen?" - Aber Sie kennen sich bei Schmitt vermutlich besser aus als ich.
Zitat von Meister Petz
Ein schönes Beispiel ist z. B. auch "Administration", das nur noch im Zusammenhang "Bush-Administration" gebraucht wird und eigentlich ein Übersetzungsfehler ist.

Das ist ein interessanter Fall.

Wenn man in Amerika von "Government" spricht, dann meint man ja nicht, was im Deutschen "Regierung" heißt. Zum Government gehören alle drei "Branches of Government", also die Legislative - der Kongreß - und das Oberste Gericht ebenso wie die Exekutive. Diese heißt "Administration".

Also spricht man von der "Bush Administration" und nicht etwa vom "Bush Government". Sie weisen zu Recht darauf hin, daß "Bush Administration" zu Deutsch natürlich "die Regierung Bush" heißt.

Wenn in einem deutschen Text von der "Bush-Administration" die Rede ist, dann ist das entweder ein gedankenloser Anglizismus. Oder aber es steckt die Absicht der Abwertung dahinter: Im Deutschen ist eine Administration ja eine Verwaltung.

Herzlich, Zettel

Meister Petz Online




Beiträge: 3.045

13.02.2008 00:29
#13 RE: Marginalie: Neoliberal? Allemal! antworten

Ohne den Exkurs überstrapazieren zu wollen, der Unterschied zwischen Carl Schmitt und der Linken ist genau der, dass die Freund-Feind-Unterscheidung keiner inhaltlichen Begründung bedarf. Das ist für den Linken völlig undenkbar, hier passiert genau das Gegenteil: Es werden Inhalte konstruiert, wo möglicherweise gar keine sind (z. B. das von Ihnen erwähnte Klassendenken in der Wissenschaft). Auch wenn Schmitt selbst keineswegs frei von polemischen Begriffen ist (allein der Begriff "Versailles" ist bei ihm eine einzige Polemik), aber diese Analyse ist brillant!

Gruß Petz

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

17.02.2008 21:35
#14 RE: Kommunisten und ihre Tarnorganisationen antworten

Zitat von Zettel
Jetzt ist wieder "Bündnispolitik" angesagt. Die westdeutschen Ortsverbände werden jetzt - der "Spiegel" hat ja darüber berichtet - von Politruks aus dem Osten auf Linie gebracht und in Demokratischem Zentralismus geschult

Interessant in diesem Zusammenhang ist diese Meldung in der FAZ:

"17. Februar 2008 Die Linke verstärkt ihr Bemühen um eine Regierungsbeteiligung in Hessen. Nach Angaben ihres Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Gregor Gysi, ist die Partei zu einem Bündnis mit SPD und Grünen in Wiesbaden weitgehend ohne Vorbedingungen bereit."

Und so weiter - Gysi erläutert, auf welche Forderungen die "Linke" jetzt in Hessen verzichten will.

Fällt Ihnen etwas auf?

Nicht wahr, Gysi ist Vorsitzender der Fraktion der Linken im Bundestag. Was hat er sich darüber zu äußern, welche Forderungen seine Partei im Hessischen Landtag stellt oder nicht stellt? Ist er denn deren Vorgesetzter?

Man stelle sich mal vor, über die Forderungen der hessischen SPD für die Regierungbildung würde aus dem Bundestag heraus Peter Struck Auskunft geben. Da würde Frau Ypsilanti aber staunen.

Solche Kleinigkeiten zeigen, wie diese Partei funktioniert, die sich "Die Linke" nennt: Nach dem Prinzip des Demokratischen Zentralismus, wie jede kommunistische Partei. Die Zentrale entscheidet, und die untergeordneten Gliederungen stimmen zu.

Übrigens sind die Äußerungen Gysis auch ein schönes Beispiel für das, was ich hier immer mal wieder geschrieben habe: Um einen Fuß in die Tür zur Macht zu kriegen, schlucken die Kommunisten jede Kröte.

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