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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 377 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

13.07.2008 12:43
Die Deutschen und das Atom (7): Irrationalität antworten
Chripa Offline



Beiträge: 132

13.07.2008 19:32
#2 RE: Die Deutschen und das Atom (7): Irrationalität antworten

Lieber Zettel,
was deutsche Irrationalität angeht, gebe ich Ihnen recht.
In Bezug auf Frankreich will ich mal etwas stänkern, nehmen
Sie es mir nicht übel:
Französische Rationalität? Sie sind sicher weniger
technikfeindlich, aber die Technikfeindlichkeit ist ja nur
eine Spielart der Irrationalität. Was durchgeknallte "Intellos"
angeht, kann Frankreich durchaus mit uns mithalten. Zum Beispiel,
hat der homosexuelle Michel Focault sich sehr für den Ayatollah Chomenei
begeistert, da gibt es tausend Geschichten in der Richtung.
Ich glaube, dass die Überschätzung der echten und vermeintlichen
"öffentlichen Intellektuellen" dort noch weiter geht als bei uns.
Davon abgesehen ist der Gedanke, der dem zentralisierten französischen
System zugrundeliegt, dass eine kleine Elite alle Vorgänge in einem
großen Land zentral steuern könnte und sollte, ja selber schon
im Ansatz irrational, dies gilt natürlich umso mehr, wenn irgendwelche
abstrakten Ideologien hinzutreten. Hinzu kommt noch, dass mE nach das
ganze System noch viel korrupter ist als bei uns. Ist es nicht so, dass
der Hauptteil des Medienmarktes von Dassault und Lagardère, also von zwei
Rüstungskonzernen kontrolliert wird, die ja wiederum von der Regierung abhängen?
Vielleicht erklärt auch das, wieso kaum jemand was über den Störfall in dem
Kraftwerk berichtet.
Herzlich,
Chripa
P.S.: Als Land mag ich Frankreich trotzdem sehr. Aber ich glaube nicht (mehr),
dass F oder zB GB uns grundsätzlich überlegen sind.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

14.07.2008 23:50
#3 RE: Die Deutschen und das Atom (7): Irrationalität antworten

Zitat von Chripa
was deutsche Irrationalität angeht, gebe ich Ihnen recht.
In Bezug auf Frankreich will ich mal etwas stänkern, nehmen
Sie es mir nicht übel:
Aber nein, lieber Chripa, nur zu!
Zitat von Chripa
Französische Rationalität? Sie sind sicher weniger
technikfeindlich, aber die Technikfeindlichkeit ist ja nur
eine Spielart der Irrationalität. Was durchgeknallte "Intellos"
angeht, kann Frankreich durchaus mit uns mithalten. Zum Beispiel,
hat der homosexuelle Michel Focault sich sehr für den Ayatollah Chomenei
begeistert, da gibt es tausend Geschichten in der Richtung.

Ja, da kann man in der Tat viele Geschichten schreiben. Nicht nur Khomeini, sondern auch Stalin war ja einmal ein Heros vieler französischer Intellektueller, dann natürlich Mao. Sartre hat Andreas Baader besucht, um ihm seine Solidarität zu zeigen.

Und umgekehrt sind Massenmorder wie Ho Tschi Minh und Pol Pot von dieser französischen radikalen Intelligentsia zumindest stark beeinflußt worden. Beide haben jedenfalls in Frankreich unter dem Einfluß kommunistische Intellektueller ihre Ideologie entwickelt, lange bevor sie mit Mao in Kontakt kamen.

Also, da haben Sie nur allzu Recht, lieber Chripa. Aber diese Leute, die in Paris ihre intellektuellen Spielchen spielen - das ist ja nicht Frankreich. Es ist noch nicht mal Paris. Es ist (immer noch) La Rive Gauche. Und man darf auch nicht denken, daß diese Leute allzu ernst genommen werden.

Man schätzt ihren Scharfsinn, ihren Wortwitz, vor allem die Kriege, die sie gegeneinander veranstalten. C'est amusant. Aber während sie in den Cafés herumhängen und ihre Artikel für Blättchen mit einer Auflage von ein paar Tausend schreiben (bis auf die paar Meisterdenker, die hohe Auflagen erzielen), arbeiten auch in Paris die eigentlichen Intellektuellen - an den vielen Pariser Unis, in den Redaktionen, in den Verwaltungen. Die haben sich als Studenten vielleicht mal von den Intellos beeinflussen lassen, bevor sie - eben vernünftig wurden.
Zitat von Chripa
Ich glaube, dass die Überschätzung der echten und vermeintlichen
"öffentlichen Intellektuellen" dort noch weiter geht als bei uns.

Zweifellos. Das liegt natürlich auch am Zentralismus. Jeder dieser Intellektueller kennt jeden; da wird ständig zusammengehockt und herumgeredet. Das ist eine geschlossenen Gesellschaft, Huis clos
Zitat von Chripa
Davon abgesehen ist der Gedanke, der dem zentralisierten französischen
System zugrundeliegt, dass eine kleine Elite alle Vorgänge in einem
großen Land zentral steuern könnte und sollte, ja selber schon
im Ansatz irrational, dies gilt natürlich umso mehr, wenn irgendwelche
abstrakten Ideologien hinzutreten.

Gegen dieses Elitedenken und diesen Etatismus schreibe ich ja immer mal wieder was, lieber Chripa; gerade heute wieder.

Aber das ändert aus meiner Sicht halt nix daran, daß alles in allem in Frankreich rationaler gedacht und entschieden wird als in Deutschland. Jedenfalls in Bereichen wie Industriepolitik und Technologie.
Zitat von Chripa
P.S.: Als Land mag ich Frankreich trotzdem sehr. Aber ich glaube nicht (mehr),
dass F oder zB GB uns grundsätzlich überlegen sind.

Das glaube ich ja auch nicht, lieber Chripa.

Ich könnte mühelos eine Serie "Gedanken zu Deutschland" schreibe, in der ich a bisserl erkläre, wie es in Deutschland so ist und was bei uns alles besser ist als in Frankreich. Aber das wißt Ihr ja alles schon, meist besser als ich.

Herzlich, Zettel

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