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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 7 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

21.10.2008 03:37
Oskar Lafontaines Verständnis von Demokratie Antworten

Oskar Lafontaine ist, anders als manche seiner Genossen, dem Kandidaten Sodann beigesprungen, als dieser bekanntgab, daß wir nicht in einer Demokratie leben.

Ein kleines taktisches Manöver? Nein. Lafontaine verkündet dasselbe seit langem. Nur hat er es bisher nicht so direkt gesagt wie Sodann. Also ist ein wenig Lafontaine-Philologie angezeigt.

Im ersten Teil zitiere und kommentiere ich das Interview in der "Welt" und einen früheren Artikel Lafontaines in der FAZ.



Im zweiten Teil zeige ich, wie Lafontaine immer wieder auf den Begriff "Demokratie" kommt, wo er seine Weisheiten her hat und was wirklich bei Thukydides steht.


F.Alfonzo Offline



Beiträge: 657

21.10.2008 03:56
#2 RE: Oskar Lafontaines Verständnis von Demokratie Antworten

Diese Leute sind gleichermaßen so dreist, unfähig und arrogant, dass mir gleich schlecht wird.

Off-topic (irgendwie) zu Zettels Beitrag, aber wichtig für das Verständnis:

1) Oskar Lafontaine sitzt im Aufsichtsrat der KfW, d.h. er ist ein Teil des Gremiums, das die Management-Strategie kontrolliert. Offensichtlich war er dort nicht sehr erfolgreich, oder?
2) Die Deutsche Bank hat letztes Jahr Gewinn gemacht (im Gegensatz zur KfW), kaum zu glauben; trotz angehender Kreditkrise. Offensichtlich ist Ackermann ein guter Manager (oder zumindest: Besser als alle anderen CEOs deutscher Banken, wenn man nur die Performance betrachtet).

Resultat: Die Politik fordert mehr staatliche Kontrolle, bis hin zur völligen Verstaatlichung von Banken. Und um das ganze noch zu toppen, fordert der designierte "Staatschef"-Kandidat der Linken, Leute wie Ackermann wegzusperren, und dem Staat die Kontrolle zu überlassen...

...obwohl ich Propaganda ja gewöhnt bin, kann ich eigentlich nur eine Frage stellen: Was haben die genommen, und wo gibt's mehr davon? Muss unglaublich guter Stoff sein...

Ich hab eine neue Theorie: Die Leute von der Linkspartei sind eigentlich gar keine Politiker, sondern Soziologen, die ein Experiment durchführen: Wieviel Unsinn darf man ungestraft verzapfen, ohne bei der nächsten Wahl unter 5% zu landen? Die Dosis des Unsinns wird täglich gesteigert, und mit der aktuellen "Sonntagsfrage" verglichen. Empirisch durchaus interessant.

F.Alfonzo

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 657

21.10.2008 04:13
#3 RE: Oskar Lafontaines Verständnis von Demokratie Antworten

...und, um noch etwas zum Thema selbst zu schreiben:

Selbstverständlich ist das "Herauspicken" von Sätzen aus irgendwelchen Büchern (welcher Art auch immer) Quatsch... aber: Offensichtlich erfolgversprechend. Wenn man nur genug gelesen hat, findet man in seiner Bibliothek genug Satzfetzen, die, in irgendeiner Art und Weise wieder zusammengefügt, für die Logik einer Lafontaine-Rede herhalten können; eine Logik, die offensichtlich viele Wählerstimmen bringt.

...und, auch wenn ich mir jetzt vielleicht anhören muss, ich würde mich für ein volksfremdes, elitäres Lebewesen halten (stimmt vermutlich auch :-): Für Leute, die nicht viel gelesen haben, reicht das. Lafontaine zitiert alles, was jemals geschrieben hat und bekannt wurde, und ich traue mich zu wetten, dass 99% seiner Zuhörer
1. niemals irgendetwas derartiges gelesen haben, oder
2. nicht gegen die rotzige Interpretation angehen, weil sie "Genossen" sind.

Man mag mich steinigen, aber ich halte das für durchaus wichtig: Wer keine Bildung hat, fällt auf das Gequatsche von Lafontaine rein... für alle anderen (witzigerwiese: egal, welcher politischen Ideologie sie angehören) ist Lafontaine nur eine Witzfigur (man präsentiere mir bitte nur einen überzeugten, klugen Linken, der Lafontaine-Fan ist).

F.Alfonzo

Thomas Pauli Offline




Beiträge: 1.486

21.10.2008 07:51
#4 RE: Oskar Lafontaines Verständnis von Demokratie Antworten

Zitat von F.Alfonzo
Wer keine Bildung hat, fällt auf das Gequatsche von Lafontaine rein


Lieber f.Alfonzo,

in unserer Familie hieß es immer "Wer nichts weiß, muß alles glauben!". Klar, wenn man nur durch ein winzig kleines Löchlein auf den riesigen Ozean der Bildung schaut, kann man auch zu der Überzeugung gelangen, daß der Ozean weiß ist, weil man gerade einer Möwe auf den Kopf schaut!

Herzlich, Thomas

Gorgasal Offline




Beiträge: 3.973

21.10.2008 10:20
#5 RE: Oskar Lafontaines Verständnis von Demokratie Antworten

Zitat von F.Alfonzo
Diese Leute sind gleichermaßen so dreist, unfähig und arrogant, dass mir gleich schlecht wird.

Dreist und arrogant ja. Unfähig leider nicht. Schön wär's. Ganz im Gegenteil sind sie sehr fähig darin, den Kommunismus wieder salonfähig zu machen.

Zitat von F.Alfonzo
1) Oskar Lafontaine sitzt im Aufsichtsrat der KfW, d.h. er ist ein Teil des Gremiums, das die Management-Strategie kontrolliert. Offensichtlich war er dort nicht sehr erfolgreich, oder?
2) Die Deutsche Bank hat letztes Jahr Gewinn gemacht (im Gegensatz zur KfW), kaum zu glauben; trotz angehender Kreditkrise. Offensichtlich ist Ackermann ein guter Manager (oder zumindest: Besser als alle anderen CEOs deutscher Banken, wenn man nur die Performance betrachtet).

Resultat: Die Politik fordert mehr staatliche Kontrolle, bis hin zur völligen Verstaatlichung von Banken. Und um das ganze noch zu toppen, fordert der designierte "Staatschef"-Kandidat der Linken, Leute wie Ackermann wegzusperren, und dem Staat die Kontrolle zu überlassen...

Ich muss zugeben: mein Eindruck war bisher auch, dass hauptsächlich staatliche Banken Probleme haben, von der IKB bis hin zu den Landesbanken. Bei den nicht-staatlichen Banken fällt mir derzeit nur die Hypo Real Estate ein. Ich verstehe auch nicht so ganz, wie man aus diesen Daten ableiten kann, verstärkte staatliche Aufsicht würde bessere Governance nach sich ziehen.

Dagny Offline



Beiträge: 1.096

21.10.2008 10:26
#6 RE: Oskar Lafontaines Verständnis von Demokratie Antworten

Es ist voellig laecherlich, was Lafontaine von sich gibt. Es sei daran erinnert, dass er einst das Saarländer Pressegesetz ändern liess um Berichterstattung über seine Rotlicht-Kontakte zu erschweren. Es sei daran erinnert, dass er sich einst angeblich von der BILD per Privatjet fuer ein Interwiev einfliegen liess und es sei daran erinnert, dass sein #Palast der Sozialen Gerechtigkeit# alles andere als eine Kleine-Leute Hütte ist.

Das schlimme ist, dass rule of law, Respekt vor dem Privateigentum und Eigenverantwortung in unserer Gesellschaft nicht gefragt sind. Vermutlich auch nie waren, seit Bismarck die Sozialdemokraten fuer den Staat gekauft hat.

Dagny Offline



Beiträge: 1.096

21.10.2008 10:27
#7 RE: Oskar Lafontaines Verständnis von Demokratie Antworten
RexCramer ( gelöscht )
Beiträge:

21.10.2008 12:01
#8 RE: Oskar Lafontaines Verständnis von Demokratie Antworten

Lieber F.Alfonzo,

Zitat von F.Alfonzo
Man mag mich steinigen, aber ich halte das für durchaus wichtig: Wer keine Bildung hat, fällt auf das Gequatsche von Lafontaine rein... für alle anderen (witzigerwiese: egal, welcher politischen Ideologie sie angehören) ist Lafontaine nur eine Witzfigur (man präsentiere mir bitte nur einen überzeugten, klugen Linken, der Lafontaine-Fan ist).


wieso steinigen? Ich sehe die Lage sogar noch dramatischer als Sie: Lafontaine & Konsorten erfahren nicht nur dort Zuspruch, wo etwas mehr Bildung als die eines Toastbrotes notwendig ist, um vermeintlich einfache "Lösungen" als Schwachsinn zu entlarven - was schon erschreckend genug ist -, nein, es wird auch dem zugestimmt, wo sie nicht unbedingt erforderlich ist, nämlich bei solchen Äußerungen wie der, daß man Ackermann verhaften lassen wolle. Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, daß wir bei denen niemanden finden können, der dafür einen handfesten Grund angeben kann. Das macht mir Angst, daß es dagegen überhaupt keinen Aufschrei gibt.

Und es wird noch schlimmer: Solche "Ansichten", wir lebten in einer "neoliberalen", völlig "zügellosen" Welt, die jetzt zusammenbreche und wonach der Staat nun endlich wieder das Ruder in die Hand nehmen müsse, obwohl sich die Finanzkrise vor allem durch Unmengen zuviel billigen Geldes auf Druck der Politik und unzähligen Staatseingriffen vor allem am Hypomarkt auszeichnet, während auf der anderen Seite sämtliche Kontrollmechanismen vollständig versagt haben und darüber hinaus sogar die Politiker, die lauthals den "bösen Kapitalismus" beklagen, trotzdem weiter in den Chefetagen der (halb-)staatlichen Geldhäuser sitzen, breiten sich mittlerweile bis weit in die CDU aus.
Hat jemand gestern "Unter den Linden" mit Heiner Geißler und Prof. Michael Hüther gesehen? Es interessiert sich kaum noch jemand für Ursachen und wie man sie beheben kann, sondern es herrscht mittlerweile so eine merkwürdige Stimmung allgemeiner Betroffenheit, wobei vom Staat nun verlangt wird, er solle es richten, während alles andere angeblich versagt hat. Dabei geht es nicht darum, welche Talkgäste was sagen, sondern man muß mal drauf achten, welche Aussagen am meisten Beifall bekommen - da wird einem ganz übel.
Politik selbst als Problem, die drastisch in den Markt eingegriffen und ihn verzerrt hat, wird gar nicht (mehr) wahrgenommen. Dabei ist es eine ziemlich blöde Idee, pauschal auf Manager zu schimpfen und Politikern zu vertrauen. Es ist paradox: Je weiter sich der Staat ausbreitet, desto weniger wird er als Ursache von Schwierigkeiten empfunden und desto mehr wird nach ihm gerufen. Wie bei einer Droge, von der man immer stärker abhängig wird.

Wenn es im nächsten Jahr eine linke Regierung gibt oder die GK weitermachen darf, wird es wohl langsam aber sicher Zeit, seine Koffer zu packen.

MfG

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